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Jüdische Volksstimme · 1915-04-10 · Heft 12 (10.4.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 12 (10.4.1915)
Date
1915-04-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 *Stkit#• S01f§|!ttftt*. «eite. 5 wandte hatte er keine, und so wußte er sich mit seinem Buben, der allein hätte Zurückbleiben müssen, keinen Rat. Für Janosch aber hatte die Sache gar keine Schwierigkeiten. Warum sollte er nicht auch mit in den Krieg, in den schrecklichschönen Krieg, den er aus Geschichtenbüchern und Zeitung kannte, und wo auch ein kleiner Bub — er wußte es— Heldentaten verrichten konnte. Mit all seiner kindlichen Ueberredungsgabe setzte er seinem Vater zu, bis dieser nachgab und aus dom ihm bedrängenden Dilemma den Entschluß faßte, seinen Jungen mitzunehmen. So zog Janosch mit in den Krieg! Es ging in die Karpathen, wo gerade der furchtbarste Gebirgswinter die Schrecken der Kämpfe noch steigerte. Bald auf dem Wagen seines Vaters, bald mitten unter den Soldaten tummelte sich Janosch herum und was seine Bubenphantasie noch eben zuvor nur geträumt hatte von Krieg und lustigem Soldatenleben, das durfte er nun alles selbst erleben. Da wurde eines Tages der alte K. von den Russen gefangen genommen und der Kleine, der gerade damals irgendwo anders gesteckt hatte, blieb allem zurück. Im Tale von Homona, am Laborczaflusse, lag er mit den Soldaten in den Schiitzengräben. Flmtenkugeln, Granaten und Schrapnells flogen herüber, aber den tapferen Kleinen schreckten sie nicht und mitten im Kugelregen trug er den Soldaten Essen und Trinken zu. Er hätte sich aus diesem Leben gar nicht fortgesehnt, hätte nicht vor drei Wochen der Kommandant der Kampagnie, bei der er sich aufhielt, befohlen, daß Janosch mi׳t einem Verwundetentransport hinter die Front abginge. Mit diesem Transport kam der tapfere Junge nach Olmütz und wird von hier wohl in seine Heimat gebracht werden. Das Los der Juden unter russischer Herrschaft. Der Petersburger Korrespondent des ״Secolo" meldet: Die andauernden Vcrfolgungeir der russ. Juden durch die Behörden gehen so weit, daß sogar die verwundeten jüdischen Soldate» nur mehr mit Zittern die Lazarette zu betreten wagen, aus Furcht, wieder auf die Straße gesetzt zu werden. Der bekannte Schriftsteller Leonild Andrcjew geißelt diese Zustände in der Presse in sehr harten Worten, aber natürlich vorgeblich. Der Korrespondent fügt hinzu: Der Gouverneur von Galizien verbot den Juden, Galizien zu bctreten, und den dort ansässigen Juden verbot er, ihre Wohnorte zu wechseln. In Plock wurden 140 Juden und 40 Polen, die in Handelsbezie- Hungen zu Deutschland standen, nach Sibirien verbannt. 80.000 obdachlose Juden. Das ״Tageblatt" meldet Von der russischen Grenze: Rach einer Berechnung der Petersburger jüdischen Gesellschaft Jka sind in der letzteil Zeit ungefähr 25.000 Juden, von den russischen Behörden aus ihren Wohnorten ausgewiesen, in Warschau cingetroffen, so daß die Zahl der obdachlosen Jriden 80.000 beträgt. Für diese sind Lebensmittelniederlagen errichtet und zu diesem Zwecke die aus London überwiesenen 80.000 Rubel verwendet worden. Auch nach Wilna, Bialostock und Kowel sind massenweise jüdische Flüchtlinge zugewandert. Der Tod des österr. Fliegers Rosenthal. Die unter russ. Zensur erscheinenden Lemberger Zeitungen brachten über den Tod des Fliegers Nosenthal folgende Darstellung: Nosenthal kam während eines Erkundungsfluges nach Zolkiew und bemerkte, daß in einem Hause ein russischer Flieger einquartiert war. Er begann das Haus mit Bomben zu belegen, die aber keinen Schaden anrichteten. Als der russische Flieger den Gegner erkannte, stieg er auf, und nun entwickelte sich in den Lüften zwischen den beiden Fliegern ein Nevolverzweikampf von großer Erbitterung. Das Ergebnis dieses eigenartigen Duells war, daß der russische Flieger, tötlich getroffen, mit seinem Apparat zu Boden stürzte und im Absturze das Flugzeug Rosenthals mit sich riß. Das russische Flugzeug, das französisches Fabrikat war, gelangte fast unversehrt zu Boden, das österreichische bildete dagegen einen wahren Trümmerhaufen, unter dem man den Flieger noch lebend, aber schwerverletzt hervorzog. Rosenthal hatte einen Bruch der Wirbelsäule erlitten und verschied nach wenigen Minuten. In den Berichten über das tragische Ende des österreichischen Piloten hoben die russischen Zeitungen dessen Kühnheit u. Heldenmut anerkennend hervor. Ein jüdischer Stadtrichter. In der Bergstadt Korompa fand — wie man uns meldet — vorgestern die Beamtenrestauration statt. Zum Stadtrichter wurde einstimmig der Arzt Dr. Isidor Schwarz gewählt, der sich int Kreise der Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfession allgemeiner Popularität erfreut. Der Synagogendiener zu Grodzisk. Die in russischer Sprache erscheinende jüd. Zeitschrift ״Rasswjet" erzählt folgende rührende Geschichte aus dem Exodus der Juden aus dem Städtchen Grodzisk (Russisch-Polen): ״Die Trommel erschallt, und wir alle ohne Ausnahme erhalten den Befehl, die Stadt zu verlassen. Es erhob sich ein Klagen und Weinen, wir verließen unsere Läden und Wohnungen und, mit den Kindern an dein Arm, mit Kranken und Greisen, treten wir unseren traurigen Exodus an. Wir rnußten durch Schmutz und Sümpfe wandern, unter strömendem Regen. Möglichst schnell mußte die Stadt verlassen werden, wenn wir unser Leben retten wollten.Und doch fand sich einer, der sich entschloß, die Frau und Kinder alleiu zu lassen, um unter Lebensgefahr zurück in die Stadt zu kehren. Das war der alte Synagogendiener, der Angst hatte, daß die heiligen Thorarollen entweiht werden. Durch ein Wunder gelang es ihm, unbemerkt von den Soldaten in die Synagoge zu gelangen, wo er alle Thorarollen zusammenpackte, sie in ein Dachzimmer brachte und selbst dort als Wache blieb. Drei Tage und Nächte verblieb er dort ohne Essen und Trinken, bis die Lage sich geändert hatte u. es ihn! möglich wurde, die heiligen Rollen unversehrt nach Warschau zu bringen." Die Vertreibung der Juden aus finnischen Sanatorien. ״Hufudstatsbladet" berichtet Einzelheiten über die unlängst erfolgte Vertreibung der Inden aus dem Sanatorium in Chyvinge bei Helstngfors: Am Sonntag erschien ein Polizeibeamter im Sanatorium und wies einen Befehl der Go uv ern e mm tsverwa ltung vor, wonach alle Juden, die keine besondere Erlaubnis hätten, das Sanatorium sofort verlassen müßten. Am selben Tage wandten sich alle dort befindlichen jüdischen Kranken, etwa dreißig, an den Gouverneur in Tavasthaeus mit der Bitte, bleiben zu dürfen. Vier Tage später ging die Antwort der Gouvernemenstbehörde ein mit der Aufforderung das Sanatorium noch am selben Tage zu verlassen. Nur den ans Bett gefesselten Kranken wurde Aufschub bewilligt mit der Maßgabe, daß sie das Sanatorium zu verlassen hätten, sobald ihr Gesundheitszustand es erlaUbe.Eine Begründung war in der Antwort der Gouvcrnementsbehövde nicht angegeben. Das gleiche Schicksal teilten die im Sanatorium Nichimjaeki befindlichen Juden, die gezwungen wurden, den Ort in der folgenden Woche zu verlassen. Der alte Tempel in Prag. (Else Lasker-Schülcr, die bekannte Berliner Dichterin, sendet bem ״Prager Tagblatt" das folgende kleine Gedicht.) Tausend Jahre zählt der alte Tempel schon in Prag Staubfällig und ergraut ist längst sein Ruhetag, Und die alten Väter schlossen seine Gitter. Ihre Söhne ziehen nun in die Schlacht, Der zerborstene Synagogenstern erwacht Und er segnet seine jungen Judenritter. Wie ein Glückstern über Böhmens Judenstadt, Ganz aus Gold wie nur der Himmel Sterne hat; Hinter seinem Glanze beten wieder Mütter. Bürgerkomite und die Inden. Die Jüdische Zeitung ״Hazefirah" bringt folgende interessante Zahlen über die nationale Zusammensetzung der Bürgerkomites in Russisch- Polen: Insgesamt sind in Russisch-Polen äugenblicklich 71 Bürgerkomites tätig. Davon sind'in '53 Komites die Juden gar nicht vertreten, obwohl es sich um solche Gouvernementsu. Kreisftäbte handelt, in welchen die Juden mehr als oie Hälfte der gesamten städtisiAn und etwa 13 bis 14 Prozent der gesamten Bevölkerung des Gouvernements resp. des Kreises ausmachen. In den übrigen 19 Bürgerkomites sind die Juden meistens durch ein oder zwei Mitglieder vertreten; es sind jedoch Städte, wo die Juden 36 bis 68 Prozent der städtischen Bevölkerung bilden. Ein Kriegsgericht in jiddischer Sprache über England. Die Stimmungen und Neigungen der amerikanischen Juden spiegeln sich wieder in folgenden köstlichen Gedicht von I. Jaffe. Das Gedicht erschien in der Zeitung ״Die Wahrheit" (New- Aork), welche eines der verbreitetsten Organe der östlichen Juden Amerikas ist: Zwiegespräch. Kommt der Daitsch still angesGvommen Tief von unten, tief von unten — Senkt ein paar von John Bulls Schiffen Zu den Gründen, zu den Gründen! Sagt der Daitsch zum Engelländer: Paß auf unten! Paß auf unten! Sonst liegt bald dein ganze Flotte Auf den Gründen, auf den Gründen! Kuckt der kluge Engelländer bald nach unten! Hebt der Daitsch sich auf zu Himmel, Auf den Zeppelins und Toben, י Und er schickt sein Flamm und Feier, Auf den Engländer von oben! Sagt der Daitsch zum Engelländer: Paß auf oben! Paß auf oben! Sonst zerstören dich ganz sicher Meine Zeppelins und Toben! Kuckt der kluge Engellän'der bald nach oben! Nur so weiter in dem Kriege,! Bis jurn letzten großen Siege! ürtmnec Hacfiriefiten Brünn. Herr Ober-Kantor S ch o r r von: großen Tempel in Lemberg hat an den letzten Passachtagen im Bethause ״Machsike hadath" vorgebetet. Herr Ober-Kantor Schorr, der über eine mächtige schöne Stimme verfügt, wuroe vom Vereins-Vorstände als Ober-Kantor für das Botihaus des Vereines ״Machsike hadath" akzeptiert. Die Leitung des Vereines ist zu dieser Aquisition zu beglückwünschen. Ottomanischer Roter Halbmond. Kaufet Ansichtskarten zu Gunsten des Roten Halbmonds! Künstlerische Kupferdruckkarten des Juostchen Nationalfondes wurden, mit Geuehmigung der k. k. Polizeidirektion in Brünn, seitens des türkischen Konsulates mit einem Aufdruck versehen und ein Zuschlag von 2 Hellern Pro Karte für denRoten Halbmond abgeführt. — Der doppelte woltätige Zweck macht diese Karten besonders empfehlenswert. Zum Preise von 12 Hellern sind sie in folgenden Papierhandlungen und in der Tabaktrafik Eckhaus Ferdinandsgasse- Bahnhofplatz erhältlich: Rosa Weiß. Johannesgasse, S. Nipper, Krapfengasse, Isidor Weiner. Ferdinandsg. — Wiederverkäufer erhalten Rabatt und werden ersucht sich an Herrn Felix Brunner, Brünn, Eichhorngasse 31, zu wenden. Roerefponäenzen. Proßnitz. Am 1. April 1915 fand hier das Begräbnis der im 69. Lebensjahre verstorbenen Frau Charlotte Lösegeld, der Mutter unseres Gg. Herrn Wilhelm Lösegeld statt. Die Verstorbene erfreute sich allseits großer Beliebtheit. — Ehre ihrem Andenken! Jägerndorf. Sr. Majestät Kaiser Wilhelm der Zweite hat Herrn Ober-Kantor Behr aus Jägerudorf für den Sr, Majestät gewidmeten

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