Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 11 (29.3.1915)
- Date
- 1915-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rt II ״SIMM! «•mfhnK*. VCHC 9• anderen jüdischen Organisationen zur Verteilung bringen. Ein weiterer Gegenstand der Beratungen betraf die Ausrüstung eines Lebensmittel-Schiffes für Palästina. Bei dem Mangel an Schiffen dürfte es sehr schwer sein, ein Schiff zu erhalten. Sobald ein geeignetes Schiff gemietet ist, wird sofort unter der amerikanischen Judenheit eine große Agitation entfaltet werden, die Lebensmittel zu schenken. Soeben hat die Regierung der Ver. Staaten den Befehl erteilt, daß das Kohlenschiff Vulkan eine Fracht Nahrungsmittel für das Amerikanische Jüdische Hilfskomite nach Palästina nimmt. Die Sederseier ״Wer hungrig ist, zum Tische trete, Daß er bei unsren: Mahl' werd' satt, Wer Kummer hat, mit uns heut' bete; Weß' Leib von schwerer Arbeit matt, Er sei willkommen Beim Fest der Frommen!" Der Vater ruft's, daß man es höre, Die Türe wird geöffnet weit, So will es unsres Glaubens Lehre, Die Heil uns bringt für alle Zeit. Beim Glanz der Kerzen, Da jauchzen Herzen, In jedein Haus ist heut' ein ״Seder", Da sieht man Dinge, mancherlei, An״Mizrajim" denkt wohl ein jeder, Nach langem Druck wir wurden frei. , Zu Gott wir beten, Er half in Nöten. Drei Mazzot auf der Schüssel liegen, ״Der Leiden Brot", sie sind benannt; Sie künden, daß im Kampf wir siegen. Mit Gott, der Hilf' uns stets gesandt. Laßt Leid uns tragen, Doch nie verzagen! Mit salzigem Wasser, voll die Schale, Daneben Rettig* * 3 4 5 * 7 weiß und rot, Man bringet auch zun: Sedermahle, Bei den: gestillt sei jede Not. Nach bittren Zähren, Viel Glück und Ehren. Das ״Bitterkraut"*) darf auch nicht fehlen, Mit Süßend) wird es dann vereint, Viermal) mit Wein erfrischt die Kehlen, Daß heiter sei, wer einst geweint! Der Saft der Reben Soll's Herz erheben«?) Wenn auf den Tisch wir weiter blicken, Seh'n wir ein ״Ei", halb weiß, halb braun: ״Ehagiga^), das einst mit Entzücken Israel bracht', in: Geist wir schau'n, Zum ״Tempel"") lenken Wir fromm das Denken. Und die ״Seroa"7) durchgebraten? Erinnert an das Peßachlamm: Wenn auch in Feindesmacht geraten, Wird nie entwurzelt Jakobs Stamm. Nur Gottvertrauen Kann uns erbauen. *) ״Moraur", erinnert an das bittere Los unserer Väter in Egypten. ף Charoset, ein süßes Mus aus Aepfeln, Nüssen, Zimint und Wein, in der Farbe des Lehms, den unsere Väter in Egypten zu Ziegeln verarbeiten mußten. 3) Die ״vier Becher" entsprechen den 4 göttlichen Erlöfungsworten (2. B. Mos. 6, 6 u. 7). 4) Psalm 104, Vers 15. 5) Das Festopfer, das, wie an jedem Feste, auch an: Peßach dargebracht wurde: das Ei deutet dasselbe an. °) Bei jeden: Freudenfeste sollen wir uns der Trauer über das zerstörte Heiligtum in Jerusalen: erinnern; das bei der Sederseier genossene Ei ist auch ein Zeichen der erwähnten Trauer. 7) Fleisch mit daranhaftenhem Knochenstück. Auch ״Elijahu", den Propheten*), Begrüßen wir beim Peßachmahl, Wenn, fromm vereint, wir heute beten, Glänzt auch für ihn der Festpokal; Von: Glaubenshelden Mit Stolz wir melden. Nachdem die ״Manischtane"-Fragen Der Jüngste mit Bedacht gestellt, Wird Väterchen es allen sagen, Daß einst der Meister seiner Welt Nach vielen Leiden Uns sandte Freuden. So singt's und klingt's heut' in der Hütte, So hört man's drin auch in: Palast: ״In: nächsten Jahr — gewähr' die Bitte — O Herr, der viel gewährt Du hast, Laß7 Zions Höhen , Uns wieder sehen!" So feiern nach dreitausend Jahren Wir immer noch das Peßachfest, Daß Kind und Enkel es erfahren, Daß Gott Israel nie verläßt, Und jeder freue Sich heut7 auf7s Nene. ״Stimmt an des Dankes JuVellieder, Laßt Gottes Lob ertönen laut! Wie einst er hals, Hilst er uns wieder, Heil dem, der stets aus ihn vertraut! Dem Herrn der Heere, Sei Preis und Ehre!" Moritz Antscherl. Noeeesponäeazen. Lundenburg. (Offiziersbegräbnis.) Der erste gefallene Lundcnburger Offizier, Herr Jaques Hoffmann, Leutnant der Reserve des 81. Inf.- Rgmts. wurde am 17. d., unter militärischen Ehren auf dem hies. isr. Friedhofe in der Familiengruft beigesetzt, nachdem sein Leichnam auf den: nördlichen Kriegsschauplätze exhumiert und hieher überführt wurde. Herr Leutnant Hoffmann, in seinem Zivilberufe Bankbeamter, erfreute sich infolge seiner Herzensgüte, seines Edelsinnes und seiner lauteren Charaktereigenschaften bei seinen Vorgesetzten und Kollegen der größten Sympathien. Voll Begeisterung zog er bei Kriegsbeginn in den Kampf fürs Vaterland und fiel am 17•. November 1014 im 29. Lebensjahre nach heldenmütigem Ringen an der Spitze seiner Kompagnie. Ein Bruder des gefallenen Helden, Leutnant Richard Hoffmann, befindet sich in russischer Gefangenschaft, der zweite ist Einj.- Freiw., ein Schwager steht ebenfalls im Felde. Herr Rabbiner Dr. Schwengel hielt dem verklärten Krieger einen tiefempfundenen Nachruf und richtete an die von: Geschicke so schwer gebeugte Mutter und Familienangehörige Worte des Trostes,, indem er unter anderen: bemerkte, daß an den: gefallenen Helden der Wunsch unseres Stannnvaters Jakob, dessen Nainen er trug, in Erfüllung gegangen: ״Ruhen will ich bei meinen Vätern, führe :::ich aus Egypten und begrabe mich in ihrer Grabstätte", (Genes. 47, 30). Die kantorale Funktion versah in weihevoller Weise Herr Oberkantor Goldenberg, begleitet von den: gut geschulten Männerchor. An der Beerdigung nahmen außer den hier weilenden Offizieren und einen: Truppenkörper des hies. Bahnhofs- und Brückenbaukommandos eine Abordnung des Veteranenvereines und viele Trauergäste aus allen Schichten der Bevölkerung teil. Wien. Die jüdisch-akademische Ferial-Verbindung ״Massada" teilt folgendes mit: A. H. Dr. Erwin Horner, Assistent an der Wiener 2. chirurgischen Abteilung des allgemeinen Krankenhauses, wurde außertourlich zum Regimentsarzt befördert und erhielt für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde das Signun: laudis (allerhöchste belobende Anerkennung.) Dieselbe Auszeichnung erhielten auch A. H. Dr. Oskar Horner, k. k. Leutnant und A. H. Ing. Julius Fried, k. u. k. Leutnant (derzeit in russischer Gefangenschaft): i. a. B. Alfred Reich, Adjunkt der bosn.-herzegowinischen 8) Als göttlichen Boten, die dauernde Befreiung uns ankündigend. Landesbahnen, erhielt in dieser Eigenschaft in Anerkennung vorzüglicher, von bestem Erfolge begleiteter Dienstleistung im Kriege das goldene Verdienstkreitz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille; Bb. Einj.-Freiw. Med. Tit.- Korp. Ludwig Geßler erkrankte an Ruhr und galt 15 Wochen für vermißt, er befindet sich aber, so weit derzeit bekannt, in Omsk in russischer Gefangenschaft; Bb. Ing. Gustav Ebel, der zum Fähnrich und Bataillonsadjunkten befördert worden war, wird gleichfalls monatelang vermißt: Ing. Josef Laßkowitz, A. H. des Vereins ״Theodor Herzl", erhielt die große silberne Tapferkeitsmedaille: Alfred Bachrach, Vorturner d. Ersten Wiener Jüdischen Turnvereines, der bisher vermißt wurde, befindet sich in russischer Gefangenschaft in Kansk (Jenissei-Gouver. in Sibirien); Richard Stern, Zugsführer im Feldjägerbataill. 21, der an der Kolubra (Serbien) eine Verwundung erhielt, wtlrde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er ist einer unserer tätigsten Gesinnungsgenossen im Volksverein Stockerau. London. Der größte Teil der Antwerpner Juden ist bekanntlich nach hier verschlagen worden. Wie leben diese Leute nun? Sehr traurig, denn, einst Diamantschleifer und -Händler, sind sie jetzt glücklich, bei Ibstündiger Arbeitszeit hinter einer Schneidermaschine ein Hungerbrot zu verdienen. Nrünner Nachrichten Wohltätigkeits-Veranstaltung. Das von den Dainen Hella und Vally Hartenstein veranstaltete Wohltätigkeitskonzert ergab einen Reingewinn von K 185.50. Hievon wurden K 02.75 als Spende an die Jüdische Volksküche und K 92.75 dem Flüchtlingsheim abgeführt. * Es können Worte nicht, nicht Blätter wiedergeben — den schönen Abend — man mußte ihn erleben. Die Damen Hella und Walli Hartenstein, speziell erstere, unterzogen sich der mühevollen Aufgabe, mit den Kleinsten der Kleinen einen künstlerischen und! zugleich patriotischen Abend -im Saale der kaufmännischen Angestellten zu veranstalten. Unvergeßlich wird er denen bleiben, die ihm beiwohnten und die Verdienste dieser beiden Damen um diese herrliche Patriotische Feier, können nicht genug gewürdigt werden. Das Herz ging elinem förmlich über, als die entzückende vierjährige Margit Ballon Worte ״An unseren lieben Kaiser" richtete. Es war einfach rührend! Schwer fällt es, die einzelnen Teilnehmer besonders zu loben, da sie alle ohne Ausnahme, ihr Bestes gaben. Besonders verdient das patriotische Festspiel ״Viribus unitis", verfaßt von Fräulein Hella Hartenstein, hervorgehoben und auch der breitesten Öffentlichkeit vorgeführt zu werden und das gewiß nicht verfehlen wird, der Dame die höchste Anerkennung auch von berufenster Seite zu zollen. Um nun die einzelnen Teilnehnwr hervorzuheben, bedürfte es, wie schon oben angeführt, vieler Blätter und so müssen wir 1׳׳:s begnügen, sie nur dankbarst zu erwähnen. — Rosel Boree als Gernmnia. Anmutig und von einer Kraft und Schönheit der Sprache, daß man eine wahrhafte Künstlerin zu hören glaubte und doch nur ein junges Mädchen. Die reizende A-nni Löw als Austria, die liebliche Rosel Haudek als Türkin, ein schönes Paar aus dem Ungarlande, der tapfere Emil Harüek und die kleine Margit Ballon, ein fesches Tirolerpärchen Liesel Pischawy und Leo Ekstein und zum Schluß zwei herzige Matrosenkinder von der Zenta, Anni und Guido Schallinger. — Das lebende Bild, eine Huldigung für unseren Monarchen, das sie darstellten, war einfach großartig. Ueberwältigend und tadellos die Vorträge eines jeden einzelnen Kindes. Wir :nachten auch Bekanntschaft mit einer sehr talentierten Sängerin, Frl. Lilli Gerold, Schülerin unserer beliebten Sängerin Frl. Tinka Wesel, die uns trotz ihrer Jugend durch ihre schöne klare Stimme überraschte.Der schöne Violinvortrag des Herrn Guido Arnoldi, der komische Vortrag des Herrn Mazal, der ein patriotisches Walzerlied unseres heimischen Komponisten Herrn Fritz Käufler vortrrm hoben sehr die angenehine Stimmung. Nicht unerwähnt sei der herrlich gesprochene Prolog des Herrn Karl Wltzek. Auch die Klaviervorträge des kleinen Richard Wltzek und