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Jüdische Volksstimme · 1915-03-29 · Heft 11 (29.3.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 11 (29.3.1915)
Date
1915-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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יי dü»4 1■ ,W■ וון «,ü IO iqW»Pl WiBipill Hilfe Mosis frei von Pharaonenmacht. Diese Ge schichte, dieser längst vergangenen Zeit vom Aus zug aus Aegypten bis zur Diaspora, zeigt, daß auch das jüdische Volk durch Einigkeit gefestigt auf eigener Erde glücklich leben konnte, durch Zwietracht gesHvächt ein Spielball der Völker werden mußte. Wie ein von Strömen Blutes rot gefärbter Faden läuft die Leidensgeschichte der Juden durch die Jahrtausende. Jedes geschichtliche Ereignis der Vergangenheit forderte unzählige unschuldige jüdische Opfer. Der Weltkrieg, der jetzt schon den achten Monat tobt, wird auch das Los der jüdischen Masten entscheiden. Von seinem Ausgang hängt es ab, ob viele hunderttausende Juden mehr oder weniger der Knechtung durch das Zarenreich preisgegeben werden sollen. Dieser Krieg, der von allen daran beteiligten Völkern außerordentlich große Opfer fordert, trifft die Juden mit unsagbarer Härte. Die folgende Statistik klärt uns über die Anzahl der Juden in den einzelnen kriegführenden Staaten auf. (Die Türkei ist hier nicht berücksichtigt, da alle halbwegs genauen Angaben fehlen.) Wir sehen, daß sie ein ganz geringes Völkchen von kaum 10 Millionen (also nur 1:8°/0 der Gesamtbevölkerung aller kriegführenden Staaten) doch in den zwei großen Kriegsgebieten, in Russisch-Polen einerseits und Galizien und der Bukowina andererseits, eine ganz ansehnliche Rolle spielen. Die Zahl der Juden betrug: Land 4 07 Zahl ״Ei . rr «®!ס hli Quelle für die Angabe Rußland') 1905 6045690 406 Nach Dr. EegaU Ruß. Polen 1905 1533716 14-01 11 tt n Oesterreich 1910 1313698 59־4 Bolksz. 1910 Galizien 1910 872975 82־10 11 11 Bukowina 1910 102919 12 86 99 99 Ungar« 1910 911175 4-42 tt n Bosnien «nd Herzegowina 1910 11850 062 tt 11 Deutschland 1910 615021 095 tt n Grofibrit «len und Irland') 1910 255100 55־0 EchLH.Dr. Ruptn Frankreich 1910 100000 028 19 99 99 Belgien 1910 25000 0-33 tt n tt Serbien») 1910 5997j 20־0 Bolksz. 1910 Die zweieinhalb Millionen Juden, die ir Russisch-Polen, Galizien und der Bukowina leben, sind durch den Krieg besonders hart betroffen. Die russische Soldateska und Regierung vergesten auch jetzt nicht an die Ausrottung der Juden. Die zwei offenen Briefe des Feldrabbiners Dr. Lewy an die ״American Hebrew" in New- Aork, der Aufruf des ״Bundes" an die zivilisierte Welt und viele andere Zeitungsnachrichten, lassen deutlich erkennen, daß man in Rußland mit den schrecklichsten Mitteln an der systematischen Vernichtung der Juden arbeitet. Die Größe des jüdischen Elends läßt sich ermessen, wenn wir bedenken, daß 26:88°/0 der ganzen jüdischen Bevölkerung in den kriegführenden Staaten (das sind 2600894 Jirden, die sich folgendermaßen verteilen: Russisch-Polen eineinhalb Millionen, Galizien und Bukowina 976894, ׳Belgien 25.000) durch die Invasion feindlicher Truppen geschädigt wurden. Nach einer Statistik der ״Jca" in Petersburg sollen sogar 2 Millionen Juden Russisch-Polens Heimat- und Mttellos geworden sein. In den Heeren aller kriegführenden Staaten sollen sich nach Zeitungsangaben zu Anfang des Krieges 7—800.000 Juden, im russischen Heere allein 600.000, befunden haben. In! Laufe der Kriegsmonate dürfte sich die Zahl erheblich vergrößert haben. Daß 8—10°/o der jüdischen Bevölabnormales. Doch die Diaspora läßt auch dies zur Tragödie werden. Nicht für ein Ziel, nicht für ein Ideal dürfen unsere jungen Makkabäer kämpfen, nein gegen einander müsten sie das tö liche Blei senden und der weitaus größte Tei muß für denselben Zaren sein junges Blut ver spritzen, der jüdische Frauen und Mädchen berge wattigen und Pogrome inscenieren läßt. Wie sich die jüdischen Soldaten schlagen, da zeigen die Verlust-, Beförderungs-, Auszeichnungs-Listen und die belobenden Aeußerungen des Erzherzog-Thronfolgers und Erzherzogs Peter Ferdinand. Doch nicht nur die jüdischen Soldaten im Heere der Monarchie, nein die aller kriegführenden Länder, haben Beweise ihres Mutes und ihrer Unerschrockenheit geliefert. Das was wir immer wußten und unsere Feinde nie mals zugestehen wollten, weiß nun alle Welt ״Daß Juden wie Helden zu kämpfen und zu fallen wissen." Diese wenigen Tatsachen allein zeigen uns schon in welch verzweifelte Lage der Krieg einen 'sehr großen Teil der Judenheit gebracht hat. Was wird dann aber geschehen, wenn der Friede wieder eingezogen ist? Wird man das Los der Juden in Rußland bessern? Oder wird es mur bei dem Manifest ״An mei.ne lieben Juden", das mit süßlicher Stimme, jetzt in der Gefahr, um die Guns der verschmähten und zu Tode gehetzten Juden buhlt, bleiben? Wird man nur mit einigen leeren Phrasen und Versprechungen die Erinnerung an die Märtyrer von Kischinew, an die Ausnahms- Gesetze und Steuern, zu verwischen suchen? Es wird wol nicht viel anders werden, denn die Ju dengemetzel und der Befehl des Militär-Kom mandos der letzten Zeit, der den Juden den Zu tritt in einzelne Provinzen verbietet und sie öf fentlich zu Hochverrätern stempelt, zeigt deutlich daß die russische Regierung wieder in ihre alten Praktiken verfällt. Und was wird das Los der armen Juden die Hab und Gut verloren, die zu Bettlern wur den? Werden die einzelnen Staaten und die Ko mites (eines vom amerikanischen Philanthropen Rockefeller ins Leben gerufen, das andere von englischen Juden in London) der großen Not auch nur teilweise gerecht werden können? Bis jetzt i\: noch nichts über Negierungsmaßnahmen zum Wiederaufbau der geschädigten Provinzen. (mi Ausnahme für Ostpreußen) in die Oeffentlichkeit gedrungen und daher ist es schwer darüber zu urteilen. Das jedoch ist sicher, daß für viele Jahrzehnte hinaus das Elend vor den Türen vieler jüdischer Familien steht. Trotz der vielen düsteren Wolken, die den Zukunftshimmel bedecken, sehe ich hell vom Sonnenlicht beschienen den Weg zu neuem Glück, den Weg nach-Palästina. ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen." Wir Müssen wollen! Wien im März 1916. Felix Ungar. Kimäselmu. Rituelle Osterkost für israelitische Mannschaft. Auf Grund eines Erlasses des Kriegsministeriums ist während der Osterfeiertage, d. i. vom 29. März bis 6. April, den Soldaten isr. Glaubens die rituelle Kost zu verabreichen. Die Militärstationskommandos werden die Anzahl der in ihren: Bereiche vorhandenen Mannschafts- Personen dieses Glaubens — auch Kranke und verwundete, einschließlich der kranken und ver- Mundeten Gefangenen — erheben und mit den zuständigen isr. Kultusgemeinden das Einvernehmen Pflegen, ob sie die Verköstigung isr. Solbaten während dieser Zeit gegen eine Vergütung in der Höhe des täglichen Menagegeldes, einschließlich Brotrelutums, zu übernehmen, geneigt wären. Nachstehende Kultusgemeinden haben der k. u. k. isr. Militärsorge in Wien ihre Bereitwiligkeit bereits erklärt: Wien, Baden, Bisenz, Göding, Groß-Enzersdorf, Jglau, Mistelbach, Neunkirchen und Oberhollabrunn, Sänkt Pölten (blos kerung unter den Waffen stehen ist sicher nichts ׳ für die ersten zwei Hauptfeiertage). Die Kultusgemeinden Brünn und Wallachisch-Meseritsch übernahmen keine Verpflichtungen, haben sich Gebetbuch für jüdische Soldaten. Unter dem Titel ״Paizs es vert" hat der Landes-Rabbinerverein auf Kpsten des ung. isr. Landesfonds ein Gebetbuch für die jüdischen Soldaten herausgegeben. Es enthält die notwendigsten Gebete in hebräischer und ungarischer Sprache. Die Soldaten erhalten das handliche Gebetbüchlein unentgeltlich. Die jüdischen Osterfeiertage. Das Militärkommando Wien verlautbart: Das Passahfest für die isr. Glaubensangehörigen beginnt Montag, den 29. d.» um 6 Uhr nachmittags und endet am Dienstag, den 6. April, um 7 Uhr nachmittags. Der Gottesdienst wird in sämtlichen Bethäusern jener Stationen, wo sich solche befinden, abgehalten werden. Die ersten zwei Tage, das ist von Montag, den 29. d., 6 Uhr nachmittags, bis Mittwoch, den 31. d., um 7 Uhr abends, und die letzten zwei Tage, d. i. von Sonntag, den 4. April, 6 Uhr nachmittags, bis Dienstag, den 6 April, 7 Uhr abends, sind Hauptfeiertage. Den Offizieren, Militärbeamten sowie der Mannschaft ist, soweit es die dienstlichen Derhältnisse gestatten, Gelegenheit gegeben, diesen Gottesdiensten beizuwohnen. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde den Oberstabsärzten 2. Kl. Dr. Jakob Arzt, Sanitätschef der 24. Jnf.-Trupp.- Div., und Dr. Jakob Mark, Sanitätschef der 1. Kavall.-Trupp.-Div.; den Stabsärzten Dr. Jul. Fischl, 31. Jnf.-Trupp.-Div., Dr. Bernhard Bardach, bosn.-herz. Jnf.-Reg. Nr. 4, und Dr. PH. Friedmann, Jnf.-Div.-San.-Anstalt Nr. 28; das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem vor dem Feinde gefallenen Leutnant d. Res. Simon Süßer, Jnf.-Reg. Nr. 64; das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Regimentsarzt Dr. Emil Steinschneider, Div.-San.-Anst. Nr. 3; den Oberärzten Dr. Rudolf Strisower, Jnf.-Reg. Nr. 77, und Dr. Emil Stein, Jnf.-Div.-San.-Anst. Nr. 2; den Assistenzärzten Dr. Josef Popper, Feldspital 1, und Dr. Ludwig Dienes, 2. Armee-Etap- )enkommando; für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Militär-Verpflegsakzessisten Hugo Adler, Schlachtviehdepot 3—11. » Belobende Anerkennung. Das ungarische Honvedministerium hat dem Landsturmtierarzt Max Grünbaum, Feldkanonen-Neg. Nr. 19, für hervorragende Dienstleistung vor den: Feinde die belobende Anerkennung ausgesprochen. Goldene Tapferkeitsmedaille. Adam Klein, Postenführer im bosnisch-herz. Gendarmerieverband, Titularfeldwebel, erhielt eines Tages den Auftrag, einige jenseits der Drina verankerte Rlöße auf das diesseitige Ufer zu befördern. Klein übersetzte auf einen: Boot den Fluß und begann mitten in: feindlichen Feuer eine Arbeit. Erst leitete er ein Drahtseil über die Drina und brachte auch mit Hilfe des auf olche Weise improvisierten Comps zwei Flöße an unser Ufer. Kaum war er ans Land gestiegen, als er bemerkte, daß jenseits des Flusses unsere Mannschaft sich in der Gefahr befinde, in serbische Gefangenschaft zu geraten. Mit Todesverachtung übersetzte der Feldwebel abermals den Fluß und irachte 47 Mann auf unser Ufer, die sonst unrettiar in die Hände des Feindes geraten wären. — Nachdem er unsere Leute in Sicherheit gebracht hatte, begann er auf seinem Bote zu rudern und zwang die inzwischen bis pi: Ufer vorgedrunqcnen Serben, das Drahtseil durchzuschneiden. Feldwebel Adain Klein wurde nnt der goldenen Tapferkeits:nedaille ausgezeichnet. Amerikanisches Jüdisches Hilfskomitee. Auf der letzten Sitzung des Komites wurden 100,000 Dollar für Russisch-Polen und 100,000 Dollar für Deutsch-Polen bestinnnt. Das *) Es liegen keine neueren Daten vor. ... .״״״,- ,.״״ m m , . . . tt . 8) Die Zahl der Juden in Irland betrug aber bereit erklärt, an den ersten Festabenden auf Geld für Russisch-Polen wird die Petersburger 6.100 (Volkszählung 1900). ' eigene Kosten sich meldende Soldaten zu bewirten. Abteilung der Jüdischen Kolonialgesellschaft 8) Die Zahl der Juden in Serbien dürfte sich Die Kultusgemeinden Znaim, Wiener-Neustadt, (״Jea"), das Geld für Deutsch-Polen M. M. durch die Gebietserweiterung nach dem Kriege Korneuburg und Bruck a. d. Leitha lehnen die Marburg und Söhne-Hamburg in Verbindung mit der Türkei vergrößert haben. Angaben fehlen. Verköstigung ab. mit dem Hilfsverein der deutschen Juden und

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