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Jüdische Volksstimme · 1915-03-18 · Heft 10 (18.3.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 10 (18.3.1915)
Date
1915-03-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 10 «KS. und beherzigenswert ist auch das Geleitwort-Ge- Ohne diesen Liebreiz hätte ihre , Agla, das ist der Gottesname, der aus dem Ge bet vom Rabbiner Dr. D. Feuchtwang in Wien,!grünliche Farbe nicht gefallen. Daß dem so ist, bete ״atta gibbor" zusammengesetzt ist und!eignet das der Hagadah vorausgeht. Es ist zu hoffen, daß diese Kriegshagadah, die sich für Haus und Schule in gleicher Weise eignet und die selbst nach Friedensschluß ihren Wert als Kriegserinnerung nicht einbüßen wird, in keinem jüdischen Hause fehlen Wird, zur Hebung der Fest stimmung und zur Vertiefung in die Erzählung von יציאת מעדים Druck und Papier sind tadellos, der Preis mä- Dr. Felix Kanter., Zwittau, Mähren. Gedenket der Notlage in Palästina! Gedenket der Leerung der Nationalfondsbüchsen am Chol- Hamoed-Peffach! Spenden für den Nationalfonds im Februar 11* *15. Während des verflossenen Monates Februar hat der Jüdische Nationalfonds 22.500 Mark an Spenden vereinnahmt-. Diese verteilen sich: auf Nordamerika 5014 M, England 4450 M, Deutschland 8789 M, Oesterreich 8451 M, Nußlanb 2710 M, Rumänienl862 M, Griechenland 018 M, Schweiz 301 M, Aegypten 214 M, Jtalien 214 M, Schweden 193 M, Kroatien 93 M. Eingesendet. Geehrter Herr Redakteur! Tie schwache Retouchierung, die Herr Doktor Steif an dem Schönheitsvilde der Königin Esther anbringen will, indenr er den grünlichen T4:.t in ein goldgelbes Haar verwandelt, hä^te '31 hingeben lassen, wenn der Entwurf des Bildes etwa auf mei! e .Künstlerhand zurückzusühren wäre. Da ich aber das ablehnen muß und nur der Photograph des vom Agadisten ausgeführten Bildes bin, tann ich in die Aenocrung des ״gr:!1׳liche.׳׳i Tein!" in ״ blondes Haar" nicht einwilligcn. Es entspracht schon nicht dem hebräischen Sprachgebrauche unter .אסתי ירקרוקת היתד ״Esther hatte goldgelbes Haar oder war eine Blondine zu verstehen, das kann für jedes Sprachgefühl nur heißen: ״Esther war vom Angesichte grünlich. So heißt es auch im Hohenliede*) ״Ich bin schwarz" und die Hirtin meint nicht, daß sie schwarzes Haar hatte, . sondern schwarz von Angesicht war, wie sie auch weiter bemerkt, die Sonne hat mich verbrannt. So heißt es auch bei David?), er war rot, und niemand denkt dabei, daß er rotes Haar hatte, sondern rote Wangen. Auch werden im Hohenliede unter den Schönheiten der Hirtin nicht die Haarfarbe son dern die Länge der Haare"), auch beim Hirten die langen Locken^) aufgezählt und nur nebenbei als epiteton ornans die schwarzes und Purpurfärbe") genannt. Auch bei Absalon7) wird die Länge der Haare und'nicht die Farbe als Schönheit angeführt. Es ist auch zweifelhaft, ob die Perserinnen das Haar frei und sichtbar trugen, da sie meist mit Kopfbedeckung abgebildet sind. Auch entspricht es nicht dem Agadisten, die Esther, die als Zenua züchtig und sittsam geschildert Wird, mit sichtbaren! Haare als einen! besonderen Schönheitsattribut, der jüdischen Sitte entgegen, den Lesern vorzuführen. Eine nicht geringe Enttäuschung wird aber sicherlich jeden! die Schlußbemerkung bringen, daß der ״grünliche Teint", oder gar ״das goldblonde Haar" kein Zeichen der Schönheit, sondern einen Mangel also einen Schönheitsfehler besagen will. Ein aufmerksames Lesen der ganzen Stelle in! Talmud (Megilla 18a) sagt: ״Esther war grünlich, aber ein Band des Liebreizes zog sich um sie, oder sie fand trotzden! den Beifall aller." beweist eine weitere Stelle (ekknd. 15 a): Vier der schönsten ßrauen werden genannt, darunter Esther. Auf den Einwand, daß sie von grünlicher Hautfarbe war, wird ihr Name aus der Liste gestrichen und an deren Stelle ״Waschti" gesetzt. Diese kleinliche und nicht viel besagende Auseinandersetzung hat schon einen übergebürlichen Raum Ihres gesch. Blattes in Anspruch genon!- men, doch es gehört zun! Purim und Purim is: alles frei. Diese Freiheit mit Dank cntgegennehinend zeichnet mit achtungsvollem Gruße Teplitz, an! 22. Adar 5676. Dr. Adolf Kurrein. * Prag in! März 1916. Zur Mazzothf r a g e.Bei der k. k. Statthalterei in Prag erfahre ich soeben, daß das k. k. Ministerium des Innern die Verfügung getroffen hat, Gesuche von Kultusgemeinden, zwecks Zubereitung der ungesäuerten Brote reines Weizenmehl verwenden zu dürfen, abzulehnen. — Nachdem das Passachfest herannaht und die Frage der Mazzothbeschaffung eine brennende wird, so mögen hier die religionsge setzlichcn Bestimmungen derselben einer eingehenden Erörterung unterzogen werden. Unter den fünf Getreidearten, die Talmud, Pesachim Pag. 85, als zur Mazzothbereitm!g geeignet erklärt, werden insbesondere Weizen-, Gerste- und Hafermehle hervorgehoben. Mehl aus Reis, Hirse und Hülsenfrüchten, die nicht gähren, ist jedoch verboten. Vergl. Orach Chain! § 453. Doch darf auch solches Mehl lediglich als Suppe verwendet werden. Manche verbieten cs jedoch nur de jure aber nicht de facto. — Dennoch ist eine Mischung von Weizen- und z. B. Reismehl, die den Weizengeschrnack vorherrschend läßt, zu gestatten. — Traktat Challc!2, Maimonides, Lesochim 10, Orach Chain! § 453. § 0 der Verordnung vom 80. Jänner 1915, R. G. Bl. Nr. 24, schreibt eine Mischung.von 50°/o Weizenmehl nebst 50°/o einer anderen Mehlsorte vor. Die zweite Mischung könnte daher ohne religiöse Bedenken ganz gut aus Gerste-, Reis-, Kartoffelmehl bestehen. Die Bemerkung: והמנהג ליקח לבתחלה חמים ist für das Jahr des Weltkrieges von מהריי״ל gewiß nicht geprägt worden. Dr. Eisenberg. x> 1, 5; 2) Sam. 10, 12; 3) 4, 1; 4) 5, 11; *) ebend.; 6) 7, 6; 7) Sam. 2,14, 26. Ein altes bekanntes Kriegsgebet Auf einen! im Jahre 1828 in Weißenfels aufgefundenen silbernen Ring aus dem 14. Jahrhundert findet sich das Wort ״Agla" als Inschrift. Dieselbe Inschrift ist auch auf der Glocke Elinsa in! Don!e zu Messeburg, sowie an! Kragen des Untergewandes Beim Christuskopfe von Johann Hemlin zu lesen. Es ist dies ein שם im kabbaistischen Sinne, ״zusammengesetzt aus den An- 'angsbuchstaben des Verses אתה •גבור לעולם אהגי der namentlich im Kriege von großer Wirkung sein soll. Der bekannte Samson Ostropolie*) berichtet näinlich in seinen! Konnnentar zum Sefer Jezira: "אנלא זה השם יוצא מאתה גבור לעולם אדוני וזה השם הוא היוצא למלחמה וכשיאמר. אותו בכונה ינצל מפנע רע במלחמה וינצח אויבו" *) Dieser berühmte Kabbalist lebte zu Ostropolie um die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts und ward nicht nur wegen seines ausgezeichneten Studiums der kabbalistischen Literatur, sondern auch seiner vorzüglichen Frömmigkeit wegen allgemein geschätzt. Von ihn! lautet die Sage, daß während der blutigen Volks-Excesse der Jahre ת״ח und ת״ט eine Synagoge, welche damals von Feinden beschossen worden, aus den! Grunde ganz unbeschädigt geblieben ist, weil -er, selbe durch kabbalistische Gottesnmnen ש$ות דזקדושים chuß- und kugelfest gemacht habe. Samson, diesich besonders für den in Krieg Zielenden, denn wer dieses mit Andacht betet wird von jeglicher Kriegsgefahr errettet und besiegt seinen Gegner. Aehnliches findet sich auch bei Moses Botarel in seinen Erklärungen zum Sefer Jezira (ed. Mantua, 34 b). So hat die Kabbala des Mittelalters ihren Einfluß auf die Kirche ausgeübt. Was nun das Gebetstück אתה נבור selbst betrifft, so bin ich der Ansicht, daß dies ursprünglich ein Kriegsgebet war, das vor dem Beginne einer Schlacht und wahrscheinlich auch nach derselben gebetet wurde und der Gedanke von der Auferstehung der Toten nur zur Hebung und Belebung des Mutes, nicht aber als Bekenntnis eines Glaubenssatzes, eines Dogma in dem Gebete seinen Platz erhielt. Grund und Hauptgedanke in diesen! Gebete ist also die Erwartung und Abhängigkeit des Sieges von Gott, dem höchsten Kriegsherrn, und mehr als Nebengedanke erscheint die Hoffnung der Auferstehung. Daher die Bezeichnung גבורות für dieses Gebetstück in der Mischna (Rosch-Haschana 34 a). Gehen wir das Gebet durch, so sehen wir, daß alle seine Teile sich speziell auf den Krieg und die damit zusammenhängenden Zustände beziehen. Nachdem es in! Beginne die Abhängigkeit des Sieges von Gott ausspricht führt es in spezieller Beziehung auf die Zustände während des Krieges fort: מכלכל חיים בחמד in Bezug auf den infolge des Krieges größtenteils herrschenden Mangel an Lebensmitteln und die drohende Hungersnot סומך נופלים in Bezug auf die Schwachen und Kampfmüden, רופא חולים in Bezug auf die in Herl Schlacht Verwundeten מתיר אסורים in Bezug auf die in der Schlacht Gefangenen und endlich ומקים אמונתו לישעי עפר in Bezug auf die in der Schlacht Gefallenen und die auf dem Schlachtfelde ihr Grab gefunden haben. Ist nun diesö ünfere Auffassung des Gebetes als eines Kriegsgeb?tes richtig, so möchte ich die ursprüngliche Entstehung und Abfassung desselben in die ersten Anfänge der makkabäischen Kriege, odern och früher in die Zeiten der Wirren!lach dem Tode Alexanders des Großen verlegen, verfaßt, wie die Tradition sagt, von der großen ‘ ynode, von welcher der gesamte Gottesdienst geregelt und die meisten Gebete verfaßt worden sind. Loschitz. Rabbiner Dr. I. Günzig. Aorrefponllenzcn. Bisenz. Am 12. d. M., verschied hier Herr Alexander Haas, ein Nachkommen des ״Machazis Haschekel" s. A. Der Heimgegangene genoß eine hohe Verehrung in allen Kreisen ohne Unterschied der Confessio!!. Das Leichenbegängnis fand an! 14. d. M. unter großer Teilnahme aller Gesellschaftskreise statt und es erwies sich so recht augenscheinlich, daß Alles an der Bahre dieses frommen Ehrenmannes trauerte. In der Zere-!!!onienhalle widmete Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Josef Hoff dem Verblichenen einen warn!- empfundenen Nachruf, beklagte selber in ihm einen treuen Freund und verdolmetschte in gewohnter, von! Herzen strömender und zu Herzen fließender Beredsamkeit die Gefühle aller Anwesenden. Sowol in! Trauerhause, als auch in der Leichenhalle wurden von! Kantor I. Lewitin die Trauergesänge in würdiger und exakter Weise vorgetragen. Misilitz. Samstag, den 27. Februar starb hier die Gaitin unseres Rabbiners Dr. Bela Diamant Frau Ella Diamant geb. Bergental, in! 26. Lebensjahre. Das Leichenbegängnis fand hier an! Montag, den 1. März unter Beteiligung des Vorstandes des isr. Frauen-Ve!.eines, Gemeinderates und Kultusausschusses so wie fast sämtlicher jüdischen und nichtjüdischeu Ortsansass.» statt. Mit dem Hu scheiden der so jungen Frau wurde Er starb am 8. Ab des Jahres 1648 in Polonnoje' ein Eheglück, das nur l1/! Jahr ge-׳au ׳rt und durch die Mordbande Chmielnickis, zusammen j welches d.e Liebe gebunden, zerstört. Trotz des mit 800 Gesinnungsgenossen, mit denen er in nur kurzen Weiwns der Verblichenen in unserer SterbeMdern den Todesstoß durch die Hand der M'tte wer sie allseits beliebt und verehr! Sie hat belagernden Haidamaks erwartete.; sich diese Verehrung durch ihre vorzüglichen Cha-

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