Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 10 (18.3.1915)
- Date
- 1915-03-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■יוווייייי Seite 4. MWWWWWWWW Ne. 10. f: % 1 Körper säubern, werden ihre sämtlichen Kleider und Wäschestücke zu einem großen Bündel zusammengeschnürt und gedämpft. Dazu dient ein großer, fahrbarer, aus Deutschland bezogener Drehkessel, der zum Wetterschutz in einen Hölzernen Schuppen eingebaut ist. Vierzig bis se^ig solche Kleiderbündel werden nun darin gleichzeitig eine Stunde der Einwirkung heißen Dampfes ausgesetzt, der Ungeziefer und Bakterien unfehlbar abtötet. Da kein Wasser, sondern nur Dampf an die Sachen herankommt, scheinen sie bei der Entnahme aus dem Kessel zwar etwas feucht, trocknen aber sofort und können unmittelbar wieder angezogen werden. Die drei Bademeister, Landsturmleute, die den Betrieb dersehen, schleppen die desinfizierten Sachen in den Mittelraum des Badehauses zurück, wo sich inmitten fast undurchsichtiger Dampfnebel die weißen Körper der dem Bade entstiegenen Leute tummeln. Die Bademeister rufen die Nummern der Erkennungsmarken aus, die alle Soldaten um den Hals tragen und die hier zur Unterscheidüng an den Bündeln befestigt worden sind. Jeder nimmt sein Zeug wieder in Empfang, und an der fröhliches Stimmung.merkt man die Freude der Feldgrauen, daß nun wieder an ihnen eine Zeillang nur mehr die Uniform diese Farbe hat. Ein Flugblatt des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland. Ein Flugblatt über rituelle Kriegsernährung wird, wie das ״Hamb. Fremdenblatt", Nr. 65 vom 24. Februar, meldet, demnächst der Jüdische Frauenbund herausgeben. Für rituelle Fragen ist der jüdische Frauenbund wol nicht die zuständige Instanz. Wenn das Flugblatt auch über rituelle Fragen sprechen will, so kann das nur im Einvernehmen mit anerkannten Rabbinern geschehen. In der letzten Versammlung des Bundes wurde zu diesem Zweck eine Kommission gewählt. Das Flugblatt soll die jüdische Bevölkerung über Ernährungsfragen im Kriege vom Standpunkte heutiger vaterländischer Notwendigkeit erläutern. Ferner soll darin zum Ausdruck gebracht werden, daß außer der Einfachheit und dem Ernst der Zeit entsprechender Lebenshaltung auch Einfachheit in der äußeren Erscheinung der Frauen u. Mädchen eine unerläßliche Pflicht sei. Ferner will sich der Bund die Förderung der jüdischen Eheschließungen und die dadurch bebiiißte Erhöhung der Geburtenziffer zur Aufgäbe machen. Hierzu ist auch notwendig, daß in den bereits geschlossenen Ehen Wieder andere Prinzipien zur Geltung kommen. Um dieser Förderung auch einen praktischen Hinterhalt zu geben, ist die Begründung einer ״Kriegskasse 1916" geplant, aus der den eheschließenden Paaren zur Schaffnug eines eigenen Hausstand des, eines Erwerbsgeschäftes usw. Beihilfen gezahlt werden sollen. Ausweisung kranker Juden. Aus Petersburg, 7. März, wird geschrieben: Nach einem Berichte des ״Rjetsch" sind vierzig kranke Juden, meist Frauen und Kinder, aus einem Sanatorium bei Helsingsfors und aus Finnland selbst vom russischen Generalgouverneur ausgewiesen. Jüdischen Flüchtlingen der Aufenthalt verweigert Aus Petersburg wird die folgende Meldung übermittelt, die der dortigen ״Retsch" aus Kiew zugekommen ist: Die Kiewer Gouvernementsbehörde hat den jüdischen Flüchtlingen aus den vom Feind besetzten Gebieten in Polen das Wohnrecht in Kiew verweigert. - Bier Söhne im Felde. Schon das Verbleiben der Juden im Rayon der russischen Armee oder der Emrtitt in den Rayon westlich der Stadt Jaroslau wird mit Todesstrafe bedroht. Für jeden von den Oesterreichern bestraften Bewohner dieses Gebietes und für jeden ״Spionjuden" werden zwei Geiseln zur Verantwortung gezogen und gehenkt. Das sind Ausstrahlungen eines wahnwitzigen Gehirns, eines Mitkämpfers für die Menschlichkeit. Feldpostbriefe. Lieber Herr Hickl! Sende Ihnen beste Grüße von: nördlichen Kriegsschauplätze, wo wir am Ufer eines Flusses den Russen, welche die andere Seite besetzt halten, gegenüberstel-en. Die grimmige Kälte und'der andauernde Schneefall haben dje Operationen zum zeitweiligen Stillstände gebracht; mit Beginn des Frühjahres hoffen wir den gemeinsamen Feind unseres Vaterlandes und der Judenschaft bereits endgiltig zu Boden zu werfen, denn der alte Gott lebt noch und wird helfen! Es geht uns recht gut, der Dienst ist nicht anstrengend, die Verpflegung gut, sogar reichlich mitunter, und ist es wirklich erstaunlich, wie uns bis in die vordersten, vom Feinde mitunter auf wenige hundert Schritte entfernten Stellungen Rotwein, Zwieback, Keks, Käse, Chokolade, ja sogar — Olmützer Quargeln und Klobassy zugestellt werden. Daß wir telephonische Verbindung besitzen, brauche ich wol nicht besonders zu betonen. Die Mannschaft ist vom Eifer für die gerechte Sache beseelt und hält stramme Disziplin. Wir waren einige Wochen in russisch-polnischen Dörfern untergebracht, wo es uns gleichfalls nicht schlecht ging. Die einheimische Bevölkerung, welche in uns ihre Befreier in nationaler und wirtschaftlicher Beziehung erblickt, benahm sich uns gegenüber sehr entgegenkommend, und stellte uns, selbstverständlich gegen Bezahlung, die angesvrochenen Lebensmittel und Bedarfsartikel, wie Kleinvieh, Eier, Milch, Mehl wsu., bereitwilligst zur Verfügung. Freilich hatten die ״Moskali", die bis zu ihrer Vertreibung durch unsere braven Truppen dort gehaust hatten, bereits vieles ״requiriert" gehabt. Die Unterkünfte waren! verhältnismäßig gut, und reiner, als ich vermutete, wenn auch nicht ganz frei van ״Mitbewohnern". Mindestens ebenso heiß wie die Polnische Landbevölkerung erwarten unsere Glaubensgenossen den Sieg unserer Truppen. Es gibt ihrer hier verhältnismäßig weniger als in Galizien; in Friedenszeiten dürfte ihre Anzahl freilich größer gewesen sein. Denn das Alkoholverbot, der Mangel an Waren und die Unterbindung des Handels, wie dies naturgemäß im Kriege erfolgen mußte, hat vielen von ihnen die Existenz- Möglichkeit untergraben und sie zur Auswanderung veranlaßt. Viele harren freilich aus, trotzdem der Krieg schon monatelang in ihrer unmittelbarsten Nähe tobt. So traf ich aus einem Meierhofe einen jüdischen Pächter an, der vom Kriege bereits stark heimgesucht wurde, aber seinen Besitz nicht verließ. Gerade während unserer Anwesenheit versteckten sich seine Frau und fünf kleine Kinder unter Mitnahme von Pölstern und Nahrungsmitteln vor dem heftigen russischen Kononendonner in den Keller. Alle Juden Russisch-Polens hegen mit uns die Ueberzeugung, daß der endgiltige Sieg unseren Truppen zufallen, und daß dann auch für sie eine bessere Aera Heranbrechen wird. Das walte Gott! Mit freundschaftlichen Grüßen Ihr ergeb. 14. März 1916. Dr. Th. Haas. Der seinerzeitige Kassier der gewesenen Zigeuner-Svnagoge in Prag, Herr Eduard Weil, hat vier Söhne im Felde, von denen der älteste Sohn, Rudolf, bei der k. u. k. Traindivission Nr. 2 als Oberleutnant, Hugo bei der k. u. k. Landw.- Feldhaubitzen-Div. Nr. 44 als Leutnant, Karl beim k. u. k. Feldjägerbataillon 4 als Leutnant und Franz als Einj.-Freiw. beim k. u. k. Landesschützen-Regiment dienen. Karl wurde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Schreckensmaßregeln gegen die Juden in Galizi Die russische Heeresleitung hat Schreckensmaßregeln gegen die Juden in Galizien angeordnet. .... * * * Zwittau. Der Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Dr. Felix Kanter, erhielt vor einigen Tagen voll einem Gemeindeangehörigen, der vor kurzem zum Oberleutnant avanciert und schon vor Nochen mit dem Signum laudis dekoriert wurde, vom östlichen Kriegsschauplätze folgenden sehr interessanten Brief, der es verdient, hier wörtlich wiedergegeäen zu werden. ״In! Felde 23. Februar 1915. Hochverehrter Herr Doktor! Jcb habe aus Zeitungsberichten mit Freude ersehen, daß Sie sich an die Spitze einer so schöne» Tätigkeit stellten und dis armen Flüchtlinge stützen, die in meiner Heimat Zuflucht gefunden haben. Ich habe leider nur zu oft Gelegenheit gehabt zu sehen, wie arg gerade unsere Glaubensbrüder die Härten des Krieges büßen und kann man diesen ״Aermsten der Armen" nicht genug gutes tun. Ich bitte Sie, mich an Ihrem guten Werke beteiligen zu dürfen und beifolgende Banknote mn 7. März, dem Todestage meines sel. Vaters, den dortigen Flüchtlingen zn Gute kommen zu lassen. Wenn ich Sie noch bitte, mein schwaches Mittun an Ihrem großen Werke anonym zu halten, danke Ihnen bestens für Ihre Mühe und wünsche Ihnen vom Herzen vollen Erfolg. Mir geht es den Kriegsverhältnissen Rechnung tragen, gut und erflehe ein baldiges gutes Heimkommen int großen Siege. Ich hoffe Sie und Jhve werte Familie recht wol, begrüße Sie herzlichst als Ihr ergebener N. N." Es gereicht dein jungen Oberleutnant gewiß zur besonderen Ehre, auf dem Schlachtfelde an die Jahrzeit seines Vaters zu denken und die ar- «teil Flüchtlinge nicht zu vergessen. Kriegs-Hagada. nvv bv הגדה Zur Erinnerung an den Weltkrieg 19141915־. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Max Hickl. Brünn, 1916. An ד!גדות für die Sederabschnitte ist auf dem jüdischen Büchermärkte wahrlich kein Mangel. Fast jährlich begegnet man neuen Produktionen auf diesem Gebiete. Die meisten davon sind dein großen Publikum zur Genüge bekannt. Dem rührigen Jüdischen Buch- und Kunstverlag gebührt das Verdienst, etwas Neues, und wie wirs hoffen und wünschen, Bleibendes geschaffen zu haben. Neu ist zum großen Teile die dem hebräischen Texte beigedruckte deutsche Uebersetzung, die durchwegs als äußerst gelungen bezeichiiet zu werden verdient. Neu sind auch die schönen Illustrationen — ca. 20 an der Zahl — die die Hagadah schmücken. Diese Illustrationen sind durchwegs antiken Meisterwerken entnommen; wir nennen bloß die Reproduktionen der Hagadah von Mantua, Sarajevo und Prag usw. Nandvel-äleriulgen moderner jüdischer Künstler verleihen der Hagadah, die mit den: Bildnisse des österreichischen und deutschen Kaisers geschmückt ist, ein schönes und anziehendes Gepräge. Schön ' ■'־; ־ ־ v ז ' - IVm; ■ ■u * i:'׳ m ל >iVי ־' /Hr, rf ' l «$»*. / /,' / ’1^5 Y- יי: ’’ י MF f \;י )ff ־; סי, M. Openheim. Der Sederabend. Illustration aus der im Jüdischen Buch- und Kunstverlag, Brünn, erschienenen Kriegshagadah