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Jüdische Volksstimme · 1915-03-04 · Heft 9 (4.3.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 9 (4.3.1915)
Date
1915-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«eite S. miüamm.• «r. 9. חשורש# das א (in der Grammatik a prosthetikum bezeichnet) welches im Semitischen jedem Worte, das mit 2 Konsonanten beginnt, vorgesetzt wird, hinwegdenkt. Durch diese Feststellung erscheinen uns die Angaben in der Estherrolle in einem ganz neuen Lichte. Lerxes regierte von 486—466. In den ersten zwei Jahren seiner Regierung hatte er mehrere Aufstände in Babylonien und Aegypten zu unterdrücken. Als die Ruhe im Reiche wieder hergestellt war*), hielt er in seinem dritten Regierungsjahre, die bei Herodot (VII, 8—20) ausführlich geschilderte Reichskonferenz zur Beratung und Vorbereitung für den großen griechischen Feldzug, ab. Mit dieser Schilderung setzt das Estherbuch ein. Diese wichtige Reichsversammlung, zu der die Satrapen und Staatsbeamten aus den weitesten Provinzen des perfischen Riesenreiches eingeladen wurden, nahm 180 Tage in Anspruch. Der König zeigt ihnen dabei seine großen* Schätze und Kostbarkeiten, vielleicht um sie durch die ihnen (nach Herodot VII, 8) in Aussicht gestellten großen Geschenke, zum Kriege anzueifern. Darauf folgt ein allgemeines für Fürsten und Volk, die in der Residenzstadt Susa versammelt Waren, siebentägiges Fest, wobei Wascht?) der Aufgeregtheit und Laune des orientalischen Weiberkönigs zun: Opfer fällt. Hätte das Fest 180 Tage gedauert, wie dies manche Exegeten meinten, dann wäre es unbegreiflich, warum der König die Waschti nicht während dieses großen Festes, das ja für die Fürsten bestinunt war, denselben zeigen wollte und erst auf den letzten Tag des siebentägigen Festes wartete. Allein die richtige Uebersetzung der betreffenden Stelle in Esther 1, 8—6 lautet wie dies Jampel") klar dargelegt folgender!!!(!- ßen: ״In seinem dritten Negierungsjahre gab er ein Gastmahl allen seinen hohen und niedern Beamten, der Kriegsmacht Persiens und Mediens, den Edlen und den Provinzialverwaltern, die zugegen waren, nachdem er ihnen 180 Tage lang die Herrlichkeit seines Reiches gezeigt hatte. Und ׳als diese Tage vorüber waren, bereitete er den in Susa sich aufhaltenden Leuten von Graß bis .Klein (d. h. vorn höchsten bis zum niedrigsten Range) ein siebentägiges Gastmahl." *) Vgl. Esther 1- כשבת ד,נ^ך und die treffliche talmudische Bemerkung: Megillä 11- לאחר שנתיישבד. דעתו ׳) Vaschti ist nach Oppert das altpersische Vahischti und bedeutet die Schöne. Der Bericht über Vaschti entspricht vollkommen der damaligen Persersitte (Herodot I, 8—12, V, 18). 3) S. Jampel: Das Buch Esther, auf seine Geschichtlichkeit kritisch untersucht, S. 101. Praktische Theologie an die Universität zu Wien berufen wurde, wo er, von seinen Schülern hochverehrt, bis zur gesetzlichen Altersgrenze wirkte. In dieser langen Spanne Zeit war er vier Mal Dekan. Einfach, schlicht und ideal wie in seinem öffentlichen Wirken, zeigte sich Szeberiny auch in seinem Privaten Leben. Jnsbesonders war das Familienleben Wohl das innigste das sich denken läßt. In der fast 60 Jahre währenden Ehe, in welcher ihm 4 Töchter und ein leider früh verstorbener Sohn geschenkt worden waren. gab es nur Harmonie. An einer so aufrichtigen ehrlichen Natur konnte der grausige Sturm, der gegenwärtig die Welt durchtobt und die rohesten Instinkte zu Tage fördert, nicht vorüberziehen, ohne die tiefsten Spuren zurückzulassen. Erfüllte ihn, wie schon erwähnt, der Antisemitismus mit echtesten! Abscheu, so bemächtigte sich seiner ob der Masseninorde der jüngsten Gegenwart die größte Hoffnnngslosigkeit und Niedergeschlagenheit, da er sich eingestehen mußte, daß alle Versuche, die Nächstenliebe in das Menschengeschlecht zu ver- Pflanzen, fehlgeschlaqen seien. Er sah dem Tode als Erlösung aus dieser Seelenqual entgegen! Sowohl bei seinem Eintritt in das 90. Lebensjahr wie anläßlich seines Heimganges bewiesen zahlreiche Kundgebungen von Privaten und Körperschaften die hohe Wertschätzung, derer! er sich allseits erfreute. Ehre seinem Andenken! Nach diesen 482 stattgefundenen Konferenzen und Vorbereitungen begann im Frühjahre 481 der denkwürdige Feldzug nach Griechenland, in dem Xerxes selbst mitgezogen war. Es folgt die Schlacht bei Thermopylan, im September die Niederlage bei Salamis. Am 2. Oktober 481, an! Tage der Sonnenfinsternis, ist Xerxes wieder in Asien, überwintert in Sarves. Im Somwer 479 ist er wieder in Schuschan im 6. Jahre seiner Regierung. Von da ab läßt er, wie es scheint aus Erbitterung über die schwere Niederläge, die Staatspolitik und sucht die Zeit mit Weiberpolitik auszufüllen. Mit einer historischen Treue, die Bewunderung verdient, erzählt uns das Estherbuch, daß iin 6. Jahre seiner Negierung die Aushebung der Mädchen begann und im 7. Jahre (Esther 21״) Hadassa, die Oheimstochter Mordechais dank ihrer Schönheit und Anmut die Gunst des Königs erwirbt. Als Königin bekomnlt sie den persischen Namen Astar, d. h. ״leuchtender Stern"*). Dies war alter Brauch am persischen Hofe. Die persischen Herrscher führten den Beinarnen: Brüder des Mondes und der Sonne. Dr. G. Rosenmann, Rabbiner in Mähr.-Schönberg. :{ (Schluß folgt.) *) So auch die talmudische Erklärung, s. Mcgilla 13»: N. Nechemja sagt: ״Hadassa war ihr Name. Nur erhielt sie von den Persern den Namen Esther על שום אםתד,ר das ebenso wie das Griechische ״aster" Stern bedeutet. Komitee der jüd. Flüchtlinge in Prag. Wir ersuchen Sie sehr höflichst um freundliche Veröffentlichung folgender Zeilen in Ihrem sehr gesch. Blatte: Das unterfertigte Komitee der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Prag erlaubt sich hiemit von seiner Entstehung und Begründung geziemend Mitteilung zu machen. Die Gründe dazu, daß dieses Komitee ins Leben gerufen wurde, sind die, daß es die jüdischen Flüchtlinge in Prag für nötig und gut befanden, sich ein eigenes Organ zu schaffen, das sich mit den Flüchtlingen und ihren Bedürfnissen im Nahmen der Möglichkeit befaßt. Wir wollen nicht, daß die vielen Kräfte, die in diesen großen Massen von Flüchtlingen durch die Verhältnisse gezwungen brach liegen, ganz unausgenützt bleiben. Wir müssen es freilich anderen, den löblichen k.?.״Behörden und der einheimischen Bevölkerung» überlassen, für uns und unsere Bedürfnisse zu sorgen, wir wollen aber, wenn auch nicht auf materiellem Gebiete, so doch auf tausend andern ebenso notwendigen, wie das Kulturelle, Gesellschaftliche usw. unser Scherflein zur Erleichterung des Schicksales unserer Leidensgenossen, unserer selbst beitragen. Das unterzeichnete Komitee, das unter dem Protektorate des bekannten Philantropen Herrn kais. Rates Robert Fuchs Edlen von Robettin ins Leben gerufen wurde, hat sich diese Aufgaben zu eigen geinacht und bittet die Oeffentlichkeit um ihre wohlwollende Unterstützung. Bei dieser Gelegenheit wollen wir zun! ersten Male von einer öffentlichen Tribüne aus der löbl. israel. Kultusgemeinde, Repräsentanz in Prag und ihrem wohlwollenden Präsidenten Herrn Dr. Nosenbacher, dem Versorgungskomitee für jüdische Flüchtlinge in Prag, insbesondere den höheren Beamten des hohen k. k. Statt- Hallereipräsidiums und des Präsidiums der löblichen k. k. Polizeidirektion unseren tiefgefühlten Dank für ihr eifriges Bemühen um die Sache 'der Flüchtlinge ausdrücken. Die durch den Feind von ihrer Heimat vertriebenen Juden.haben in Prag ein wohlwollendes und herzliches Entgegenkommen gefunden, daß sie sich den obgenannten k. k. Behörden und Institutionen dankbar verbunden fühlen. Die Herren Bezirkshauptmann der Statt- Halterei Dr. Janka und Polizeioberkommissär Dr. Nuß sind nicht allein Beamten, die ihres Amtes gerecht und sachlich walten, sondern was zu ihren Ehren gesagt sei, Menschen, die für das menschliche und für das Leiden ihrer Mit- Menschen Gefühl und Verständnis haben. Mit besonderem Nachdrucke wollen wir hier des Lei-; ters des Versorgungskomitees für jüdische : Flüchtlinge in Prag des Herrn CH. Nagler gedenken, der für die Flüchtlinge Großes geleistet hat. Ihm und seiner aufopferungsvollen Arbeit!ist die Begründung des Hilfswerkes in Prag und seine Ausgestaltung größtenteils zu verdanken und ist er es auch, der dank seiner Fähigkeit es verstanden hat, durch seine Vermittlung zwischen den Flüchtlingen und den k. k. Behörden etwaige Mißverständnisse von vornherein auszuschalten und so ein gutes Einver- Nehmen zwischen den k. k. Behörden und den Flüchtlingen zu fördern. Was Herr Nagler für die jüdischen Fluchtlinge in Prag geleistet hat, wird einmal in der Geschichte dieser für das jüdische Volk so sturmbewegten Zeit erzählt werden, heute wollen wir ihm nur für das bisher Getane danken und auffordern, wie bis jetzt im Dienste der jüdischen Flüchtlinge sein Bestes zu leisten. Die löbl. Repräsentanz der israel. Kultusgemeinde zu Prag wird es für sich in Anspruch nehmen dürfen, die einzige in Oesterreich zu sein, bei der sich die Flüchtlinge nicht wie unter Fremden, sondern wie unter eigenen, wie unter Brüdern fühlten, und die ihr Bestes tat, um das Los der von ihrer Heimat verjagten Glaubensgenossen zu erleichtern. Zum Schlüsse wollen wir der Prager Bevölkerung und der hiesigen Presse für ihr loyales und freundliches Verhalten den Flüchtlingen gegenüber unseren wärmsten Dank aussprechen. Der Vermißten-Nachrichteudienst der hiesigen Presse, den sie mit so großen niateriellen Opfern führt, sichert ihr den tiefgefühlten Dank tausender jüdischer Familien. Das gefertigte Komitee fühlte es als seine erste Pflicht, bei seinem ersten Auftreten vor die Oeffentlichkeit jenen Dank zu sagen, die sich unserer schweren Not annahmen und annehmen. Komitee der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien u. der Bukowina in Prag. Das Exekutivkomitee der vereinigten österreichischen Zionisten. In Durchführung des von der Vertrauensmänncrsitzung an! 31. Jänner 1916 einstimmig geäußerten Wunsches nach einer gemeinsamen Exekutive, sind die Zionistischen Parteirepräsentanzen Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina übereingekommen, ein aus 10 Mitgliedern bestehendes Exekutivkomitee einzusetzen, worin Westösterreich und Galizien durch je 4, die Bukowina durch 2 Repräsentanten vertreten sind. In den letzten Tagen wurden die Repräsentauten nominiert und am 16. Feber 1915 trat das neugegründete Exekutivkomitee der vereinigten österreichischen Zionisten zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dem Exekutivkomitee gehören folgende Herren an: Für Westösterreich: Dr. Karl Pollak, Ob.-Jng. Stricker, Dr. Leopold Plaschkes und Dr. Paul Weisengrün. Für Galizien: Adolf Stand, Dr. Osias Thon, Dr. Leon Silbermann und Dr. Anselm Holpern. Für die Bukowina: Dr. Salomon Kassner und Dr. Theodor Weisselberger. Zur konstituierenden Sitzung waren alle gewählten Vertreter erschienen. Zum Präsidenten des Exekutivkomitees wurde Dr. Karl Pollak, zum Vize- Präsidenten Adolf Stand und zum Schriftführer Dr. Anselm Halpern einstimmig gewählt. Hierauf entspann sich eine mehrstündige allgemeine Debatte über die momentane Lage, wobei selbstverständlich die Frage der Behandlung der Flüchtlinge den größten Raum einnahm. Einmütig gab das Exekutivkomitee seiner Entrüstung über gewisse gegen die Flüchtlinge gerichtete gewerbebehördliche Verfügungen und über die jüngste Advokatenverordnung Ausdruck, wobei beschlossen wurde, gegen den bezüglichen Erlaß des Justizministers Protest zu erheben. Bertrauensmännersitzung der galizischen Zionisten in Wien. Sonntag, den 14. v. M., un! 3 Uhr nachmittags, traten die in Wien weilenden Vertrauensmänner der galizischen Zionisten im Bureau des Zionistischen Zentralkomitees Westösterreichs zu einer Sitzung zusammen. Es waren gegen 40 Gesinnungsgenossen anwesend. Die Beratungen

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