Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1915)
- Date
- 1915-02-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1 1 «ritt 1 -SIMMf י ־“ ׳ ‘־Tt ־!kr Glück tut Unglück. Bei der Beschlagnahme des Vermögens esnes in Paris internierten österreichischen Juden namens Silbermann ergab es sich, daß sein Loos mit 200.000 Franks gezogen wurde. Die französische Behörde zahlt dex Familie monatlich 4000 Franks aus. sm!(1₪Hd(H1ieA!Bi11lefnB bildet die soeben edierte Reproduktion ״Das Gebetbuch im Kriege als Lebensretter“. Preis inklusive Porto K 2 20. ■ W —■ _a_—, mit hebräischer KriGgSringG Gravierung & K 2 50 inklusive Porto (rekomm.) K 2 85. Mögen Dovld in schönster Ausführung mit Bild Se. Majestä unseres Kaisers zu K l — und K 150 Porto 10 h zu beziehen durch den JUd. Buchu. Kunstverlag, Brünn Adlergasse Nr. 9. Die Emanzipation der Juden auf dem kommenden Friedenskongreß. Unter den: Namen ״Jüdisches Emanzipations-5komit.ee" hat sich hier un'ter dem Vorsitz des Richters Jakob S. Strahl ein Komitee gebildet, das die öffenliche Meinung für eine wirksame Vertretung der Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern auf den: kommenden Friedenskongretz vorbereiten will. Man rechnet zwar nicht auf eine offizielle Vertretung der jüdischen Gesamtheit auf diesem Kongreß, wohl aber damit, daß alle Kulturstaaten sich zum Anwalt der jüdischen Sache machen werden, wenn ihnen das notwendigste Material dazu geliefert wird. Das Komitee ist interkonfessionell und möchte zu ähnlichen Aktionen in den anderen Ländern anregen. ״. . . Damit sie Kaddisch sagen." Martin Polla-k, ein Kaufmann aus Kisilye tu Ungarn, vom 08. Infanterieregiment hat aufangs Jänner bei den Kämpfen in den Karpathen den Heldentod gefunden. Der Feldwebel Samuel Felsner benachrichtigte, wie ^Egyenlösseg" meldet, die junge Witwe von dettt Trauerfall. Es war sehr rührend, daß Felsner die niederschmetternde Nachricht auf der Ansichtskarte schrieb, welche er in den: Tornister des gefallenen Helden vorfand. Die Karte weist das Bild der unglücklichen Gattin und eittes kleinen Kindes, welches sie auf dent Arnte hält, auf. Die traurige Botschaft lautet wie folgt: ״Sehr geehrte gnädige Frau! Schmerzlich betrübt, teile ich Jhneu mit, daß Ihr gottseliger lieber Mann, ntir ein sehr lieber Kampfgenosse, am 1. Jänner 1016, morgens zwischett 8 und 0 Uhr, gefallen ist. Ich teile Ihnen dies deshalb so genau utit, damit Sie Kaddisch sagen lassen können. Mögen Sie den Trost darin fittden, daß unser aller Schicksal in der Hand des guten Gottes liegt, und in seinetn Ratschluß müssen wir uns fügett. Diese Karte fanden wir in seinem Tornister. Empfangen Sie ttteiu aus wahrem Herzen stamtuendes Beileid. In wahrer Hochachtung, Santuel Felsner." Erzherzog Peter Ferdinand über die jüdischen Soldaten. Die ״Wiener Morgenzeitung" bringt einen sehr interessanten Bericht aus den: österreichischeu Kriegspressequartier über eilten Besuch etner Gruppe von Berichterstattern bei jenem Teile unserer tapferen Armee auf dem nördlichen Kriegsschauplätze, zu dein die Division des Erz- Herzogs Peter Ferdinand gehört. Die Berichterstatter wurden in der leutseligsten Weise zur Tafel des Divisionärs Erzherzog Peter Ferdinand zugezogen. Bei der einfachen feldtnäßigen Mahlzeit erzählte der Erzherzog seinen Gästen Heldentaten der unter seinen: Kommando stehenden Soldaten, die er mit dem höchsten Lobe bedachte. Unter anderem berichtete er auch von einem 74jährigen Manne, dessen drei Söhne bei der Di- Vision stehen, und den es zu Hause nicht litt, wenn sein Fletsch und Blut gefahrvolle Momente draußen zu bestehen Hatto. Er bat den Erzherzog flehentlich, ihn als Freiwilligen in die Division eiuzureihen, was ihm endlich bewilligt wurde. Da dem Erzherzog der Name des Alten entfallen war, sandte er einen jüdischen Unteroffizier, den Namen des Mannes zu erfragen. Als der Unteroffizier das Zimmer verlassen hatte, sagte der Erzherzog: ״Das ist ein treuer, derläßlicher Mensch, dieser Unteroffizier; er ist ein galizischer Jttde, und, wie man an seinem Barte erkennen kann, ist er orthodox". Alsbald kehrte der Unteroffizier zurück und meldete den Namen des Alten; der Erzherzog dankte ihm und sagte: ״Ihr seid ein braver ״Bal-Milchome!" Die Anwesenden lächelten über den hebräischen Ausdruck, den der Erzherzog gebraucht hatte, so daß Erz- Herzog Peter Ferdinand das Wort erklärte. Auf Grund dieser Episode entspann sich eine längere Unterhaltung über die Juden als Soldaten. Ein Hauptmann lobte die vielen jüdischen Landsturmer in ihrer traditionellen Barttracht, die ihren schweren Dienst mit der größten Gewissenhafti'gkeit ausüben. Der Erzherzog hörte aufmerksam zu und sagte dann: ״Meine Herren, es freut mich, daß sich die Gelegenheit bietet, darüber zu reden. Seien Sie so gut und nehmen Sie zur Kenntnis, was ich für Erfahrungen mit meinen jüdischen Soldaten gemacht habe. Sie sind alle sehr gut zu verwenden und sehr tapfer. Die Juden Haben sich in meiner Division als Helden geschlagen und ich bin mit ihnen sehr zufrieden." Höchste Zeit. Ein Flüchtling jüdischen Glaubens aus Russisch-Polen kam glücklich bis nach Ostpreußen uttd bat den Ortsvorsteher um Schutz. ״Sie sind doch Russe," fragte dieser, ״warum sind Sie denn aus Rußland geflüchtet?" — ״Wie die Kosaken kanten, ist meine Frau vor Schreck gestorben, meine Tochter verdorben, mein Haus haben sie verbrannt", klagte der Flüchtling, ״und trotzdem hielt ich es aus. Aber dann hörte ich von einem Erlaß: Art meine-ließen Juden! und da wußte ich: jetzt wirds gefährlich!" Vortrag über die Mesfiashoffnungen der Juden. Oberrabbiner Dr. Ludwig Venettaner, Dozent am Landesrabbinerseminar in Budapest, hielt am 18. d. M. tm Festsaal, 1. Bezirk, Eschettbachgasse 0, auf Einladung des Vorstcmdes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde einen Vortrag über die Messiashoffnung des Judentums. Der Vortrag entwarf ein ausführliches und sehr lehrreiches Bild von dem Zukttnftsideal, welches sich bereits im biblischen Zeitalter ausgestaltet hat und während der gan- Zen Geschichte der Juden eine unversiegbare Quelle des Trostes und der arbeitsfreudigen Lebenskrafl war. Das alte Testament kennt keinen Messias int Sinne der persönlichen Fähigkeit, dent Volke Heil zu schaffen; der Messias ist nur das W״rkzeng zur Ausführung des göttlichen Willens, der seinem Volke ״am Ende der Tage" im Nahmen der universalen Bekehrung Ruhe verschaffen wird. Dieser national-politischen und nniversal-ethiichen Zukunftshoffnung haben die Propheten mit glühenden Warten Ausdruck gegeben und durch sie das Ziel der Entwicklung des ganzen Menschengeschlechtes bestimmt, welckes auf reine Gotteskenntnis gegründete sittliche Vervollkommnung sein werde; ein jeder wird mit vollem Verständnis dem anderen gegenübersieben. Diese Zukunftshofsnuttg des Judentums ill Ziel n. Endzweck der Weltgeschichte. Lebhafter Beifall des Zahlreichen Publikums lohnte die ideenreichen Ausführungen des Vortragenden. Misrachi-Konferenz in Amerika. Die Konferenz wurde unter großer Begeisterung eröffnet. Von den Anwesenden seien erwähnt: Rabbiner Abramowitz-St. Lois, Nabb. Ahron. Mordechai, Oschinski-Pitsburg, Rabb. Dr. Schaffer-Baltintore, Rabb. Lewan-Detroit <MtM. Rabb. Nachmatkn Zwi> Ebin-Cleveland, Josef Selig Glick-Pitsburg, M. Gelman, Generalsekretär des Misrachi. Rabb. Abramowitz wies in seinetn Berichte nach, daß dev Misrachi trotz des Weltkrieges viel geleistet hat. Zahlreiche neue Ortsgruppen wurden gegründet. Bedeutende Summen wurden für palästinensische Zwecke aufgebracht. Rabb. Dr. Klein vertritt den Mtsrachi in dem Zentralhilfskomitee, Rabb. Gold in dem Amerikan. Jüd. Hilfskomitee. Sodann wurden die Einzelberichte erstattet. Freitag Abend und Samstag fanden unter großen Andrang, daß Hunderte zurückkehren mußten. Vorträge in den Synagogen statt. Auf dem Bankett am Samstag Abend wurden 200 Dollar für den Agitationsfond gesammelt. Aus den Verhandluugen am Sonntag und Montag sei der Beschluß erwähnt, Generalsekretär Berlin, der sich gegenwärtig in Kopenhagen aufhält, zum zweiten Male nach Amerika kommen zu lassen. Der Eittdruck der Konferenz war der, daß der Mtsrachi in Amerika gute Aussichten hat. Einen Pfennig täglich! — Ein Beispiel zur Nachahmung. Die Agudas Jisroel-Bewegung hat in Frankfurt einen Anhänger, der vielen als Muster gelten dürfte. Heute brachte er abermals eine Spende. Es waren Mk. 3.65 oder richtiger: Dreihundertfünfundsechzig Pfennig. Er habe täglich einen Pfennig für diesen Zweck zurechtgelegt zum Beweise dafür, daß er täglich der Aguda denkt! Wer macht es ihm nach? Ein Pfennig im Tage ist für den Aermften unter uns eine Kleinigkeit. Und doch bedeutet dieser eine Pfennig, ideel sehr viel. Und der materielle Ertrag wäre auch nicht zu unterschätzen, wenn wir uns alle dazu verständen, unserem alten Freund nachzuahmen. Man bedenke nur: Hunderttausend Juden täglich einen Pfennig! B. Ein gemeinsames Grab. Von einem Unteroffizier R. ist den ״Posener Neuesten Nachrichten" 'ein Feldpostbrief zugegangen, in dem es heißt: ״In einem heftigen Artilleriekampfe waren drei von den Kameraden den Heldentod gefallen.,. Ihre Bestattung fand auf dem Soldatenfriedhofe in . . . statt. Zwei Särge aus roh gezimmerten Brettern und mit Tannengrün und Efeublätter feierlich umkränzt, nahmen die sterblichen Ueberreste der Braven auf. In dem einen war ein Unteroffizier, in dem anderen Sarge ein Gefreiter und ein Kanonier aufgebahrt. Der' Unteroffizier gekörte der evangelischen, der Gefreite der katholischen Konfession und der Kanonier der ntosaischen Neligion an. Die Strahlen der untergehenden Sonne beleuchteten ein erhebendes Bild. Alle dienstfreien Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Batterie, der die Gefallenen angehörten, geleiteten ihre toten Kameraden zur letzten Nuhestätte. Hinter ihnen folgten Kameraden der Infanterie und alle anderen Abkömmlichen. Soaar der Briaadegeneral War erschienen. Alle dersammelten sich unt die offenen Gräber. Mehrere Kränze aus vorhandenen Efeublättern und Tannenarün, schlicht zusammengebunden, sogar Leinenstreifen mit letzten Widmungen zierten weihevoll die Särge. Bald erschienen der evangelische und der mosaische Divisionsgeistliche. Inzwischen war die Dämmerung hereinqebrochen. Der Abendstern erblinkte am wolkenlosen Himmel, und die Sichel des zunehmenden Mondes senkte sie intttter tiefer dem Horizont zu. Der evangelische Pfarrer wies auf den schnellen Tod der Kameraden hin. Als er geendet hatte, gedachte auch der mosaische Geistliche in kurzen Worten der Gefallenen. ״Unsere Braven haben alle ihre Pflicht bis zunt Aeußersten getan, und dies mit ihrem Tode bezahlen müssen. Kein Unterschied der Konfession trennt sie hier, sie sind alle im Tode vereint in die andere Welt, dahingegangen und in gleicher Pflichterfüllung vor ihren höchsten Richter getreten. Ganz gleich, ob Jude oder Christ, ob Protestant oder Katholik. Ihr Tod gilt den: Vaterlande, ihr Blut ist für unsere gerechte Sache geflossen. Wenn wir alle so wie sie in solch treuer Hingebung für Kaiser und unser teures Vaterland kämpfen, dann werden wir und müssen wir siegen." Hierauf wurden die sterblichen Hüllen der Toten der Erde übergeben." מגילות צו פודים ln reichster Auswahl, zu beziehen durch den Jüd. Buch-u. Kunstverlag, Brünn.