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Jüdische Volksstimme · 1915-02-24 · Heft 8 (24.2.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 8 (24.2.1915)
Date
1915-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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*tll 4 iqWHP iwwpwnwr M. 8 Und wenn wir, die wir unser Heim verlas, sen mußten uns vergegenwärtigen, wie festlich wir diesen Tag vor einem Jahre begingen, wie glücklich wir waren, geben und helfen zu können, wo wir konnten, umso düsterer und bitter scheint er uns heute. Sein Licht und Glanz blendet uns und streut Salz auf die Wunden. Der Gram darob ist erdrückend und niederschmetternd. Doch der sprichwörtlich gewordene jüdische OptimismuH richtet uns auch diesmal wieder auf und läßt uns hoffen; vielleicht sind das nur Wolken, aus welchen dann eine prächtig strahlende Sonne hervorbricht. Abraham Kohane, dz. Prag. Die Stellung amerikanischer Juden zum Kriege. Die ״Arbeiter-Zeitung" schreibt :Die Sympathien der jüdischen Volksmasse Nordamerikas in dem großen Ringen sind, das unterliegt keinein Zweifel, auf Seite Deutschlands und Oesterreich-Ungarns. Dies erhellt unzweideutig aus der Haltung der sehr verbreiteten jiddischen Presse Newyorks und der Provinz. In den Vereinigten Staaten besteht eine vielgelesene Presse in jüdischer Sprache, im deutsch-jüdischen Idiom der Juden Europas. Die fünf jiddischen Tagesblätter in Newyork allein (es waren bisher nur vier, das fünfte wurde während des Krieges gegründet, erscheinen in einer Gesamtauflage von etwa 600.000 Exempl-aren täglich, wovon fast ei.n Drittel, 180.000 Exemplare, auf den sozialistischen ״Vorwärts" entfällt. Diese Presse wird in einem den Zentralmachten durchaus freundlichen Geiste redigiert. An Versuchen, sie in das Fahrwasser der Ententemachte hinüberzuleiten, hat es allerdings nicht gefehlt, indes ohne Erfolg. So wurde der Chefredakteur und Gründer der Tageszeitung ״Wahrheit", Luis Miller, der auch einen großen Teil der Aktien des Blattes besitzt, infolge der Proteste der Leser zum Rücktritt gezwungen, als er den Versuch gewagt hatte, Stimmung für die Ententemächte zu machen. Daß diesem Herrn das Handwerk gelegt wurde, ist umso erfreulicher, als er zu den gefährlichsten Preßscharlatanen Amerikas gehört und er — ein ehemaliger Sozialist und Arbeiterführer — die Führer der Gewerkschaftsbewegung aufs schändlichste zu verunglimPfen und bei׳ jedem großen Streik jüdischer Arbeiter in Newyork Verwirrung unter den Streikteilnehmern anzustiften Pflegte. Die Juden Nordamerikas sind natürlich weit davon entfernt, Haßgefühle gegen England und Frankreich zu hegen. Im Gegenteil. Indessen erachten sie es als ein großes Verbrechen an der Zivilisation, daß diese beiden sonst so fortgeschrittenen Länder gemeinsame Sache mit der reaktionärsten Macht der Welt gemacht haben mit dem Zarismus, der das jüdische Volk in Rußland auf die unmenschlichste Weise knebelt und martert. Die Juden Nordamerikas können keineswegs die geradezu kindisch anmutenden Jllusionen fortgeschrittener und sogar sozialistischer Kreise Frankreichs und Englands teilen, die im Fieber des Kriegsenthusiasmus vom Einfluß der Bundesgenossenschaft der Westmächte auf den Zarismus dessen Bekehrung zur Gesittung, zur Menschlichkeit und zur Gerechtigkeit gewärtigen. Sie, die ja größtenteils vor den Verfolgungen der russischen Regierung Zuflucht jenseits des Ozeans haben suchen müssen, wissen nur zu gut, was von den Versprechungen der Zarenknechte zu halten ist. Die grausamsten Peinigungen und Massenhinrichtungen von Juden im Polnischen Operationsgebiet haben die bösesten Ahnungen der amerikanischen Juden zu Beginn des Krieges weit übertroffen, so daß. wer heute von einer Kursänderung in Rußland zugunsten der Juden spräche, nicht ernst genommen werden würde. L. CH. Zur Familiengeschichte mährischer Juden. Von Anton Löw, Wien. Meine in Nr. 3 vom 18. April 1912 unter dem obigen Titel in diesem Blatte gemachte Anregung fand eine verständnisinnige Aufnahme; sie gelangt zun! Ausdrucke in einer höchst interessanten Brochure ״Die Familie Flesch" betitelt, die den Kanitzer Rabbiner, Dr. Heinrich Flesch, zum Verfasser hat und aus Veranlassung des BrÜnner Großindustriellen, Adolf Flesch, anlaßlich des 100. Geburtstages seines verstorbenen gleichnamigen Großvaters, IS. Dezember 1913, herausgegeben wurde — ein Denkmal der Verehrung darstellend, wie es Pietät- und sinnvoller nicht erdacht werden konnte. Es mag aber auch dein Epigonen zum Stolze gereichen» den Ursprung seiner Ahnen auf das Jwtzr 1670 dokumentarisch Nachweisen und der Welt vor Auge führen zu können» welch eine Fülle geistiger Kräfte in ihnen wohnte und welch edle Charaktere ihr eigen waren. Begreiflich, wenn wir lesen, daß der Urahne dieser Familie nahe verwandschaftliche Beziehungen hatte zu den berühmten Rabbiner Meschulam Salman Auerbach-Fischhof aus Wien und fleißiges Thora- und Talmudstudium in diesen Familien forterbend gang und gäbe waren. Wie aber hat sich diese Tradition bis auf die Gegenwart verblaßt. Mit wenigen Ausnahmen ist die letzte und vorletzte Generation dieser honorigen Familie unsenn Stamme untreu geworden und wenn auch viele ihrer Glieder es zu höherem Rang und Ansehen und Reichtum brachten, den Glanz der Lichtgestalten Abraham und Josef Flesch. 1756—1840 vermögen sie nicht zu verdunkeln. Ihnen ist denn auch in dieser Brochure ein breiter Raum gewidmet und das Andenken dieser hervorragenden Männer ihrer Zeit rechtfertigt Wohl, einige Momente aus ihrem Leben hervorzuheben. Mit ihnen verknüpft war die Bedeutung Neu-Raußnitz, als eine der erstrangigen Gemeinden des Landes. Nach Dr. Theodor Haas ״Die Juden in Mähren", betrug die Zahl der systemisierten Familien in Neu-Raußnitz 1798—1848: 195 mit einer Kopfzahl von 1085. Neu-Raußnitz war also die siebtgrößte Judengemeinde Mährens. Von dem Geistesleben daselbst zeugt, daß Abraham Flesch, kaum 13 Jahre alt, nach Nikolsburg ging, um den Vorträgen des Landesrabbiners Gerson Pulitz zu lauschen und drei Jahre später» 1771, die berühmte Prager Talmudschule unter Ezechiel Landau bezog, wo er so viel Wissen erwarb, daß er zu Jakob Neustädte! nach,Hamburg als Hauslehrer berufen wurde. Dort, beschäftigte er sich eifrig mit Bwelstudien und machte sich! auch profanes Wissen zu eigen, so daß er bald ein glänzender hebräischer Schriftsteller,wurde und einer der Ersten, der die deutsche Sprache in L ort und Schrift beherrschte. 1779 nach Neu- Raußnitz zurückgekehrt, gelangte der Sohn der Heimat zu großer Wertschätzung. Es war der Ehrgeiz der Vorahnen jener Zeit, einen Gelehrten zum Schwiegersohn zu erküren, und so griff der angesehene Gemeindevorsteher David Loschitz nach Abraham Flesch, um ihn zum Manne seiner Tochter Regina zu erwählen. Mit der Begründüng des Hausstandes regte sich der Erwerbssinn des jungen Gelehrten, er betrieb eine Wollspinnerei und daneben einen umfangreichen Handel mit Lcmdesprodukten, wodurch Wohlstand ins Haus zog, das wohl angemessen aber nicht luxuriös geführt wurde. Bezeichnend hiefür war die Haltung eines eigenen Hauslehrers für seine Kinder. Abraham Flesch waltete des Amtes als Vorsteher der Gemeinde, Chewra Kadischa, als Judenrichter und beschloß 1828 sein arbeitsreiches und verdienstvolles Leben. 1839 folgte ihm feine Gattin Regina im Tode nach. Deren Sohn Josef Flesch, geb. 19. Septembrr 1781, genoß im gelehrten Elternhause eine vorzügliche Erziehung. Als Sechzehnjähriger bezog er die Prager Jeschiba, an deren Spitze Samuel Landau stand und zu deren Lehrern auch Jakob Günzburg, Löb Fischels und Baruch Jeiteles zählten. Von seinem gelehrten Vater angeeifert, Pflegte der würdige Sohn mit großem Eifer die verschiedenen Disziplinen der jüdischen Wissenschaft, das Bibelstudium und profanes Wissen und brachte es darin so weit, daß er mit Erfolg philosophischen Vorlesungen an der Universität hören konnte. Im Jahre 1801 kehrt er zurück ins Elternhaus und verehelicht sich, kann! 20 Jahre alt, mit der Tochter Mahresch (Mathilde) des Salamon Berger aus Leipnik. Nach einer Gepflogenheit jener Zeit, die bei geschäftsunkundigen Talmudjüngern zur Regel ward, erhält dieser außer der Mitgift noch Kostjahre im väterlichen und schwiegerväterlichem Hause. Die ersten 3 Jahre nach der Hochzeit verlebte Josef Flesch in Neu-Raußnitz, erst im Jahre 1805 begab er sich zu seinem Schwiegervater nach Leipnik, wo er eifrigst klassische Studien trieb. Nach Ablauf der Kostjahre kehrte er nach Neu-Nauß- > nitz zurück, sich an seines Vaters Geschäfte beteiligend. Als dieser starb, war Josef Flesch AlleinwHaber des Geschäftes, das er in rühmlicher Rechtschaffenheil führte und wobei er noch Muße fand, zu einer ersprießlichen schriftstellerischen Tätigkeit getreu seinem Leitspruche: ״Ein Kaufmann bin ich und in der Stille meiner Klause suche ich Weisheit nach des Tages Mühen." Josef Fleschs fruchtbare Tätigkeit als neuhebräischer Schriftsteller begann 1829. Er schrieb mehre, e Abhandlungen für das Jahrbuch ״Vikkure haittim". Tiefgründiges Können beengen seine Deitläge zur Landau'schen Bibelausgabe (1833-1838.) Als Beilage der Landau'schen Jesajasausgade erschienen seine ״Monographien", ״Reschimat ansche mcfet", ״Sefer hajoresch", ״Der Erbe göttlicher Dinge" von Alexander Philo, übersetzt von Josef Flesch mit einem Anhänge ״Alon bochut" (Trauerrede über seinen Vater Abraham Flesch, Prag 1830), ״Chaje Mosche" (Philonis Judaci de Vita Mosis, Das Leben Moses, usw.) Josephus Flesch, Jsraelita, Moradus, Rausnitzensis. Prague 1838. Seine Ergänzungen zur Burtorsschen Konkordanz sind noch undeutlich. Am 13. Januar 1840 beschloß dieser Geistesbegabte, 57 Jahre alt, seine irdische Laufbahn. Was für Schätze hätte die hebräische Literatur noch gewonnen, wäre er ihr nicht allzu früh entrissen worden. Er starb kinderlos und legierte der Gemeinde Neu-Raußnitz fl. 4000. (fl. 3000, zur Gründung einer Religionsschule, fl. 1000, widmete er Seelenheilstiftungen). Elf Jahre später, am 5. März 1851, folgte ihm seine Gattin Mathilde (Mahresch) im Alter von 71 Jahren im Tode nach, den größten Teil ihres Vermögens gleichfalls wohltätigen Stiftungen der Gemeinde widmend. An dem Sterbetage Josef Flesch's findet noch bis beute eine Seelenandacht in der Neu- Raußnitzer Synagoge statt, zu der Lehrer und Schuljugend erscheinen und wobei der Rabbiner eine die Würdigung des Verstorbenen beinhaltendc Gedenkrede halt. Eines jüngeren Bruders Josef, nämlich Philipp iPerez) später Franz Flesch, geb. 22. Februar 1791, muß noch rühmlichst gedacht werden. Er studierte an der Hohen Schule in Prag Mathematik und zeichnete sich durch besondere Geistesgaben und vielseitiger Kenntnisse aus. Nach seiner Verehelichung mit seiner Cousine, Eva Loschitz, begründete er sich in Neu-Raußnitz eine Existenz und wurde in noch jungen Jahren (1824) in die Gemeindevertretung berufen. (Schluß folgt.) Runchchau. 400 jüdische Reserveoffiziere gefallen. Wie uns unser Mitarbeiter, Herr Moritz Frühling, auf Grund seines an der Hand der Militär-Grundbuchsblätter zusammengestellten authentischen Materiales mitteilt, haben bisher in der österreichisch-ungarischen Armee mindestens 400 jüdische Reserveoffiziere und Kadetten den Heldentod erlitten. Bürgermeister Dr. Weißelberger — frei. Die seit Monaten fortgesetzten Unterhandlungen wegen Enthaftung des von den Russen nach Sibirien verschickten Czernowitzer Bürger- Meisters Dr. Weißelberger haben zu einem Positivem Resultate geführt. Dr. W. und mit ihm der Staatsanwalt Lazarus befinden sich bereits auf dem Heimwege und dürften demn-ächst in Rumänien eintreffen. Die zahlreichen Freunde und Verehrer dieses durch seine unerschrockene Haltung berühmt gewordenen Mannes werden diese Nachricht gewiß mit großer Freude aufnehmen. Das eiserne Kreuz laben bis 1. Februar 2108 jüdische Soldaten der deutschen Armee erhalten. Die jüdischen Wehrpflichtigen aus Nen-Griechenland. Die Einreihung der jüdischen Wehrpflichtigen aus den neuen Gebieten, die Griechenland nach dem zweiten Bälkankriege erworben hat — das wertvollste i,st das von Saloniki — ins griechischtz Heer wird erst vom Jahre 1916 beginnen.

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