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Jüdische Volksstimme · 1915-02-10 · Heft 6 (10.2.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 6 (10.2.1915)
Date
1915-02-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. S. m* 5. »Mtzffchr WWP»«.* Ministerpräsidenten gewendet und um eine diesbezügliche Korrektur der Vorlage angesucht. Dem Ausschuß, der in den letzten Tagen die Vorlage in Verhandlung zog, wurde die Modifikation, die dahin geht, daß die eingeborenen rumänischen Juden nicht als Fremde, sondern als rumänische Untertanen zu betrachten sind, tatsächlich unterbreitet. Die rumänische Kammer hat in dieser Frage bisher noch keine Stellung genommen. Bürgerliche Mensa in Budapest. Der isr. Frauenverein, Budapest, deranstaltete Sonntag eine Künstlermatinee, deren Reinerträgnis zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Familien verwendet, wurde. Bürgerliche Mensa. Der ״Jsr.-orthodoxe Volkstischverein" hat jüngst eine neue Institution eröffnet. Im Hause Wesselenyigasse 18, wo sich die Speisesäle dieses Vereines befinden, wird vom 5). d., angefangen Nachtmahl aufgctragen, und zwar nach Gasthausart. Das Nachtmal, bestehend aus Suppe, Gentüse mit Fleischauflage und Brot kostet 30 Heller, für Studenten, die Angehörigen eingcrückter Solbaten und Flüchtlinge 80 Heller, Suppe oder Kartoffelgcmüse mit Brot 12 Heller. Der Verein bringt große materielle Opfer und bittet die GQ sellschaft, ihn zu unterstützen. Unerhörte Judenverfolgung. Die ״Humanite" veröffentlicht einen Aufruf der sozialistischen Organisation des jüdischen Proletariats in Rußland ״Der Bund" an die zivilisierte Welt, demzufolge seit Kriegsausbruch Judenverfolgungen unerhörter Art in Rußland eingesetzt haben. Der Aufruf berichtet von Judcnverfolgungen in der Armeezone, von Pogromen in Polen, sogar in Lodz, von Massenaus- Weisungen und betont, daß die Juden unter dem geringsten Vorwände vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode oder zu Zwangsarbeit vcrurteilt würden. Mangels anderer Beweise diene stets die Behauptung als Beweis, daß die Juden die Deutschen unterstützen. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung an die zivilisierten Völker, den Zarismus daran zu erinnern, daß selbst in Kriegszeiten das Gewissen der zivilisierten Menschheit Worte finden werde, diese schwachvollen Handlungen zu verurteilen. Die Huinanite fügt hinzu, der Bericht sei das schlagendste Dementi für die Meldungen einer gewissen Presse, daß den Juden politische Gleichheit von dem Zaren versprochen worden sei. Rußlands innere Politik habe sich seit Kriegsbeginn nicht geändert. Die Judenausweisungen aus Petersburg dauern nach den Berichten der russischen Presse an. In der letzten Woche ist eine Anzahl jüdischer Handwerker aus der Hauptstadt ausgewiesen worden. Nach den Schatzungen des Chacham Baschi der Türkei leben in Palästina gegenwärtig etwa 25.000 bis 80.000 russische Juden. Diese suchen nun türkische Untertanen zu werden. Charakteristisch für die türkische Toleranz ist der Umstand, daß es auf Grund dieser Aktion gelungen ist, den sogenannten ״Noten Zettel" abzuschaffen. Diesen Passierschein erhielten die emigrierenden fremden (russisch-rumänischen) Juden und durften sich rechtlich nur drei Monate lang in Palästina aufhalten. Dieser von Abdul Hamid eingeführte beschämende Umstand hört nun auf. Jüdische Feldgeistliche im englischen Heere. Wie Londoner Zeitungen berichten, hat das englische Kriegsministerium den Feldgeistlichen Rabbiner Michael Adler zum Seelsorgedienst für die Expeditionsarmee erwählt. Rev. Adler wird England in den nächsten Tagen verlassen und sich an die Front begeben. Es ist dies das erste Mal, daß ein Rabbiner das englische Heer ins Feld begleitet. Rabbiner S. Lipson ist zun: Hilfsgeistlichen ernannt worden und wird die bisherigen Amtspflichten des Rev. Adler versehen. Jüdische Offiziere in der bayerischen Armee. Zum Feldwebel-Leutnant wurde ernannt: Offizier-Stellvertreter Frank im 11. Jnf.-Reg. Negensburg: zum Leutnant: die Vizefeldwedel Otto Gulggenheinier, Heinrich Kaufmann, Max Kohn; zum Stabsveterinär der Oberveteinär Dr. Jakob Strauß (Aschasfenburg); zum Veterinär der Unterveterinär Jul. Goldmann (Neustadt a. H-). Jüdische Offiziere in Preußen. Zum Leutnant wurden ernannt: Georg Lewy, Rechtsanwalt in Berlin; Offiziersstellvertreter Fritz Bonheim, im Res.-Jnf.-Reg. 76, In- Haber des Eisernen Krettzes, Sohn der Frau H. Bohnheim Witwe, Husumerstraße 15, in Hambürg; Offiziersstellvertreter Ernst Fuchs, im 8. Landsturrnbataillon, Hamburg, Sohn des verstorbenen Geh. Sanitätsrates Dr. Berthold Fuchs, in Hamburg; Offiziersdiensttuer Selmar Demant, in: 16. Fcld-Art.-Reg., Sohn des Herrn Moritz Demant in Pinin. Zwei Millionen hcimntslose Inden! Das Petersburger Bureau der Jca, Jewisch Colonial Association, London, veröffentlicht eine Statistik, wonach zwei Millionen russisch-polnische Juden durch den Krieg heinmt- und mittellos geworden wären, außer den galizischen Fluchtlingen. Zur Unterstützung der furchtbar Notleidenden wurde ein Hilfskomite gebildet. An der Spitze desselben stehen Baron Ginsburg, Warschawski und Schliosberg, welche eine größere Aktion entfalten. Eingesendet. MW Zizkow, 7. Februar 1916. ״Seelsorgerwacht" betitelt sich in der letzten Nummer eine anonyme Notiz, die man eigentlich ganz einfach ignorieren sollte, weil der Schreiber nicht den Mut hat, seinen Namen darunter zu setzen. Es heißt aber auch: Qui tacet, consentire videtia, wer schweigt, stimmt der Ansicht zu. Da diese Notiz -aber meine Person betrifft, will ich alle diese Punkte Umstellen, damit die Oeffentlichkeit nicht falsche Begriffe über unsere Gemeinde und meine Person erhalte. Als einige der hier ansässigen Flüchtlinge den ersten Samstag, es war Schabos Chanuka, denn an einem andern Samstag wurde nicht gepredigt, im Tempel erschienen, hatte doch der Rabbiner seine Predigt schon fertip und auch memoriert; er kann doch im vorhinein nicht wissen, ob anderssprachige Zuhörer konunen werden. Im Tempel selbst kann er doch nicht eine böhmisch einstudierte Nede deutsch vortragen. Wenn der Herr Kritiker so tiichtig ist, beuge ich meine Knie gerne vor ihm, ich spreche nur das, was ich gründlich-einstudiert habe. Daß die Flüchtlinge das Gottes- Haus verlassen haben, ist eine große Unwahrheit, so wie die Bemerkung, daß der Seelsorger seine Rede zu Beginn beschließen mußte. Aber auch nicht e i n Buchstabe hievon ist wahr, in: Gegenteil, daß sehr viele das Gotteshaus hier besuchen und sich ganz unserer Weise akkomodieren,' leise nntbeten und sich sehr lobend über unseren Gottesdienst aussprechen, da sie jedes Wort mitbeten können ohne Geschrei. Daß die Leute berücksichtigt werden und besonders vom Rabbiner, beweist, daß 8 Tage nach diesem Sabbat eine Barmizwah stattfand und der Rabiner, trotzdem es ein hiesiges Kind war, unsere Amtssvrache die böhmische ist, demselben eine deutsche Ansprache hielt. 8 Tage später feierte Lin galizisches Kind dort seine Barmizma. obwohl der Vater desselbei: ein Chasid, so oft nie in unser Gotteshaus geht. Der Vater konnte nicht genug der Dank- Worte finden, obwohl der Rabbiner über Sachen sprach, uttt die Leute für die hiesige Kultur zu gewinnen. Der liebe, gute, von Unwahrheiten lebende Berichterstatter gibt an, ich hätte den Besuch der Flüchtlinge in unserein Gotteshause bei der Behörde Hintertrieben, gerade das Gegenteil ist wahr; er duldet es nicht, daß in Kellerwohnungen, die nicht gelüftet werden, die höchstens 80—40 Personen zum Stehen fassen, 800—400 sich zum Gottesdienste einfinden, die aber einen solchen Lärm verursachen, daß vor dem Lokale Gassenjungen sich ein Gespött daraus machen. Es ist mir auch gelungen, auf diese Weise es durchausetzen, daß an mehreren Orten Minjan aemacht wird. Denn 8000 Personen, die hier in Zizkow nntergebracht sind, hätten in keinem Tempel Platz. Der gute Mann, der mich weaen meiner Tätigkeit tadelt, läßt mich ganz kalt. Die Flüchtlinge haben ein ganz anderes Urteil über mich, sie behaupten ganz offen, ich sei ihr Vater, der ihnen mit Rat und Tat, jederzeit'» selbst am späten Abend beisteht. Der Herr Schreiber, dessen Nationalität ich nicht einmal kenne, möge sich merken, es sind nicht die schlechtesten Früchte, an denen die Wespen nagen. Rabbiner Abeles. Herrn Max Hickl, Redakteur in Brünn. Herr Abgeordneter Reitzes derzeit in Wien, hatte bei seinem Hiersein im hieß Barackenlager für ״Galizische Flüchtlinge" mir Ihre wert. Adresse gegeben, damit ich Euer Wohlgeboren ersuchen möge, für die im hiesigen Barakenlager untergebrachte Frau Blume Grünspann aus Delatin etwas zu tun. Besagte Frau verlor infolge von Verkühlung die Zähne und bittet, da dieselbe mittellos ist um künstliche Zähne, indem sie nicht int Stande ist die Nahrung zu kauen. Ich ersuche daher auch, falls es Ihnen möglich wäre, für diese Frau etwas zu tun, mir selbes bekannt zu geben. Besten Dank im vorhinein zeichnet Hochachtungsvoll Anton Schebek, Baraken-Verwalter, Pohrlitz. Eventuelle Spenden werden in der Nedaktion entgegengenomnten in diesem Blatte ausgewiesen und ihrer Bestimmung zugeführt. ״Die Polnische Pest"*. Gerade eine Woche, nachdem Herr Jakob Jedermann, Obmann des ״Isr. Kranken-Unterstntzungsveretnes ״Selbsthilfe", Boskowitz", in der letzten General-Versammlung des Vereines, in seiner überaus schwungvollen Rede seinen Menschlichkeitsgefühlen laut Ausdruck verliehen hatte, wußte er nicht anders feinen Worten die Krone aufzusehen, als durch folgende Worte: ״Die galizischen Flüchtlinge sind eine Polnische Pest, unter deren Einfluß wir noch stark zu leiden haben werden." Um zu zeigen, wie sehr Herr Federmann unter der Polnischen Pest zu leiden haß will ich die Verhältnisse der galizischen Flüchtlinge in Boskowitz mit kurzen Worten beleuchten. Mit besonderer Genugtuung kann ich hier konstatiren, daß die Boskowitzer Bevölkerung mit kleinen Ausnahmen, regen Anteil an dem Schicksale dieser Aermsten der Armen nimmt. Gleich nachdem die Flüchtlinge in unsere Stadt einzuziehen begangen, bildete sich unter der Leitung Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Dr. S. F u n ck ein Komite, welches sich als erstes zur Aufgabe gemacht, eine Liste freiwilliger Spender, die sich allwöchentli׳' zu gewissen Beiträgen verpflichtet hatten, aufzustellen, in welcher trotz eifrigsten Suchens der Name Jakob Federmann nicht zu finden ist. Eines scheint Herrn Federmann sehr nahe gegangen zu sein, daß nämlich Herr Springer in überaus verdienstvoller und edelmütiger Weise 60 Personen durch' Arbeitsmöglichkeit Gelegenheit zu lohnendem Verdienste gegeben hat. Und das scheint nteiner Meinung nach, nicht wenig zu seit:, wenn wir in Betracht ziehen, daß dies zu einer Zeit geschehen ist, wo die Flüchtlinge eine Staatsnnterstützung noch nicht bezogen haben. In seiner altgewohnten Weise hat Herr Federmann auch dieses humane Vorgehen des Herrn Springer bekrittelt. Auch glaube ich, daß Herr Federmann glücklicherweise nicht dazu berufen ist, irgend welche Urteile oder Anerkennungen für humane Leistungen abzugeben. Möge sich Hr. Federntann nur selbst seinen goldenen Mazzesorden, den er Herrn Springer zuerkannt hat, an die Brust heften, denn ihm gebürt er in erster Linie. Alle iene, welche durch freiwillige Spettden ihr Mitleid mit jenen armen Flüchtlingen ausdrückten, sie reflektieren sicherlich auf keinen Dank, ant wenigsten voit feiten Unberufener. Sie haben es als ein Gebot der Menschlichkeit betrachtet, die Lage jener, die von ihrer heimatlichen Scholle Vertrieben sind, tun ins Ungewisse hinanszmieben, ganz auf sich selbst gestellt, ohne eine Basis für die nächste Zukunft zu haben, so weit es eben im Nahmen der Möglichkeit ist, ztt lindern. Wer nur ein .Herz im Leibe hat, wer nur ein Atom menschlichen Gefühles besitzt, der wird, wenn er nicht materiell in der Lage ist, sich * Für Form tmd Inhalt übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.

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