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Jüdische Volksstimme · 1915-02-10 · Heft 6 (10.2.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 6 (10.2.1915)
Date
1915-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fette 8. noivifp vinipnnn*^ MS an dem großen Hilfswerke zu beteiligen, wenigstens Worte des Mitleides mit jenen Märtyrern unseres Vaterlandes finden. Unmenschlich ist es, durch abfällige Aeußerungen, wie die Worte des Herrn Federmann: ״die gatizischen Flüchtlinge sind eine Polnische Pest, unter deren Einfluß wir noch stark zu leiden liaben werden", sie ihre Lage moralisch empfinden zu lassen. Ich will nicht annehmen, daß Herr Rabbiner Dr. Levy, auf den sich der Herr Federmann berufen hat, über die Flüchtlinge derselben Meinung ist, wie dieser. Ich glaube sicher das Gegenteil annehmen zu können? Eine traurige Erscheinung ist cs leider, daß so viele sich seinen Ausführungen, wenn nicht ganz angeschlossen, so doch durch Beifallskundgebungen ihre Zustimmung hiezu gegeben haben. Ich wünsche nur, daß meine paar Zeilen, die ich nur dazu benützen wollte, um auf das Ungehörige des, Vorgehens des Herrn Federmann hinzuweisen, ihre Wirkung nicht verfehlen werden. B. B. BoSkowitz 9. Februar 1915. Bücherlisch. ״Der Zar und seine Juden" von Kurt Aram Verlag Curtius, Berlin, ist ein interessantes und aktuelles Buch. Der Autor hat auf Veranlassung eines großen amerikanischen Verlages eine Reise durch Rußland unternommen, welche den Zweck verfolgte, das Leben und die Verhältnisse der russischen Juden den Amerikanern näher zu bringen und über die von Zeit zu Zeit auftauchenden Alarmnachrichten Aufklärung zu geben. Kurt Aram hat diese Aufgabe in würdiger und sachlichcr Weise gelöst und da er Nichtjude ist, muß man das Buch umso höher einschätzen. Er spricht über die russischen Zustände, über Warschau, Lodz, den Ansiedluugsrayon und dos Verhalten der russischen Polizei gegenüber den Juden. Wir heben folgende beachtenswerte Stelle aus dem Buch heraus: ״Seit 30 Jahren mißbandelt die absolutistische Regierung Tag für Tag den Juden und jetzt jammert sie, daß die jüd. Bevölkerung ihr feindlich gesinnt sei. Nun, ich finde, ein russischer Jude, der ein ehrlicher Fremid dieser Negierung ist, wäre noch verüchtlicher als ein malträtierter Hund, der nicht beißt. Daß die Zahl der jüdischen Terroristen so klein ist/ kann man überhaupt nur aus dem eingefleischten Widerwillen der Juden gegen Gewalttätigkeiten jeder Art erklären. Sonst ist es einfach unverständlich." Eine neue Volksausgabe der ״Philosophie des Unbewußten" von E. tzon Hartmann, Verlag Kröner, Leipzig, 445 Seiten, Mark 2.40 in zwei Bänden, wendet sich an die große Menge derer, welche, ohne erforderliche Zeit zu tiefer eindringlichen Studien, doch den Wunsch nach Bekanntschaft mit den Ansichten der großen Denker und geistigen Führer haben. Ihnen soll hier die Möglichkeit geboten werden, das vielbesprochene und vielumstrittene Fahnenwerk Eduard von Hartinann, das bisher wegen seines Umfanges und seines Preises nur verhältnismäßig wenigen zugönglich war, in einer billigen und gekürzten, aber olle wesentlichen Teile unverändetr wiedergebenden Form kennen zu lernen und für die eigene Bücherei zu erwerben. Das Werk selbst wie auch die bekannten philosophischen Volksausgaben des Verlages sind Jedem zu empfehlen. Wir konlmen denmächst auf andere Werke der Krönerschen Volksausgaben zu sprechen. Es war eine gute Idee, die Kriegsaufsätze Chamberlains gerade jetzt dem deutschen Publikum, d. h. für jene, welche sich mit theoretischen Kriegsbetrachtnngen begnügen müssen, in einer guten Ausgabe zum Preise von einer Mark zuzuführen. Verlag F. Bruckmann, A. G. München. Es ist eigenartig, daß Chamberlain und fast alle wirklich Großen Englands den brutalen Egoismus der Engländer, der sich mit einem Schleier von Moral verhüllte, aufs eindringlichste gegeißelt haben und man weiß, daß heute Bernhard Shaw, der größte unter den lebenden englischen Dichtern, denselben Standpunkt einnimmt und die englische Politik öffentlich brandmarkte. Beim Lesen der Chamberlainschen Kricgsaufsätze, es sind sechs Essays auf 94 Seiten, bekommt man ordentliches Mitleid mit Frankreich, welches sich für England opfern nmß. Obwohl Chamberlain manches geschrieben hat, welches das Judentum nicht gerade schmeichelhaft berührt, ist es doch recht angenehm, von der hervorragendsten englischen Seite so hohes Lob über die Deutschen zu hören! Der Roman ״Sonnenbrut" von Olga Wohlbrück, Concordia-Verlag in Berlin, behandelt ein starkes und fesselndes Problem: das Spiel von Leidenschaft und Liebe in dem großen Kampf, den Gesetze und Pflichten alten Adels mit der Stimme des Blutes und mit jenem schrankenlosen Individualismus ausfechten, der den Untcrgang der Persönlichkeit bewirkt und der aus der eigenen Brust, dem eigenen Blut, nicht von außen her, seine zerstörenden Kräfte holt. Die Gestalten kommen in kurzen, charakteristischen Episoden zu maßgeblicher Geltung. Zarte Bilder, leise, warme Töne wechseln mit Stellen voll ryth- Mischer Poesie und heimlicher, feinster Wahrheiten. In den ״Pfeilen Amors", Verlag Erich Reiß, Berlin, behandelt Johannes Guthmann in einem Dutzend sehr nett ausgearbeiteter Novellen das Problem der Liebe. Die einzelnen Novelletten spielen immer in einem sehr heiteren Milien und wenn man vom nicht beunruhigenden Fehlen der Tragik absieht, welche bei Schnitzler den Grundton feiner Arbeiten ausmachen, so wäre das hübsche Buch am besten mit Schnitzlers Anatol zu vergleichen. Die Ausstattung des Vuches ist ebenfalls recht gut. Viel ernster stimmt der berühmt gewordene Roman ״Die arme Magvet" der Dichterin Enrica von Handel-Magetti, welcher im Verlage Josef Kösel, München in einer Neuauflage erschienen ist. Man kennt die Dichterin durch ihren Roman ״Jesse und Maria", welcher zur Zeit der Gegenrcformation in Tirol spielt und der durch seine wuchtige, an Schönherrs ״Glaube und Heimat" erinnernde Sprache Aufsehen erregte. Dieser Nowan ״Die arme Magret" spielt im alten Steyr und rechtfertigt die Erwartungen, welche man an Handel-Mazetti stellte. Wir wollen nicht den Inhalt des Romanes ausführlich klarlegen, möchten aber das wiederholen, was der deutsche Literaturhistoriker Karl Heinemann darüber schreibt: ״Was so viele Dichter geschichtlicher Nomane vergeblich erstrebt haben, ihr ist es gelungen. Die Gegenwart entschwindet dein Leser, oder vielmehr die grausige Zeit der Gegenreformation wird uns zur Gegenwart und die Menschen leben mit uns und sprechen zu uns. Nicht die arme Magret, deren Schicksal zu entsetzlich ist, deren Herzensgüte an das Uebermenschliche streift, ist die Hauptperson, sondern ihr Peiniger und Quäler, der es mit dem Leben büßen mutz, daß er das schwache Weib zu vergewaltigen versucht hat, ist, so wunderlich es erscheint, der eigentliche Held. Daß die Dichterin es versteht, für einen Menschen, der das getan hat, nicht nur unser tiefstes Mitleid, sondern auch unser innigstes Mitgefühl zu erwecken, schon das allein macht Enrica von Handel-Mazetti zu einer großen Dichterin. Und über all dem grausigen Elend, all den entsetzlichen Taten eines blutgierigen Fanatismus leuchtet die verzeihende Menschenliebe der bis zum Tode gemarterten Magret." Das Buch ist wärmstens zu empfehlen. Es ist nicht Mir ein hervorragendes literarisches Kunstwerk, es ist auch ein Dokument edler Frauennatur und tiefer Menschlichkeit. Krünnee Na«üri«l»tea Kleiderverteilnng. Es ergeht an die P. T. Glaubensgenossen die dringende Bitte, dem Hilfskomitee Kleider, Wäsche, Schuhe, Pölster, Decken, Strohsäcke, Matratzen, Sessel, Bänke, Tische u. s. w. zu überlassen. Nachdem der Kleidervorrat zur Gänze ausgegangen ist, bitten wir mn rascheste Zusendung. Talmud Thora. Das Hilfskomitee des Vereines Machsike Hadas hat für die Kinder der Flüchtlinge eine Talmud Thoraschule eröffnet. Der Unterricht wird für 3 Klassen in den Lokalitäten der Bibelschule der Machsike Hadas, Adlergasse 12, und für 5 Klassen in den Lokalitäten des Flüchtlingsheimes, Zeile 25, sowohl vorals auch nachmittags erteilt. Auf der Kröna werden in den nächsten Tagen in einem neuen Lokale weitere 4 Klassen eröffnet. Zirka 400 Kinder erhalten Unterricht. Hilfskomite des Vereines Machsike Hadas für die gal. jüd. Flüchtlinge, Zeile 25 und Adlergasse Nr. 12. Es ergeht an die P. T. Arbeitgeber Fabrikanten, Kaufleute, Gewerbetreibende, die dringende Bitte, eventuell frei werdende Posten bekanntzugeben. Arbeit suchen. Schneider, Herren- und Dalnenschuhmacher, Installateure, Metallarbeiter, Fleischer, Taglöhner, kaufmännische Angestellte, Reisende, Bureaupersonale, Dienstmädchem_ מיטטיילונג! וויר בעעזזדען אונס היעמיט דיא מיטטיילונג צו מאבק׳ דאסם וויר אונטער אופזיכט שטרעננ ארטאד. רבנים אונד אונטער לייטוננ דעם סופר מוהרד׳ אהרן בראקער אוים נאראל איינע אייגענע ערצייגונג פאן: פערגאמענט אונד אין פערבינדונג היעמיט דיא פערטינשטעללונג פאן: ספרי תורה - מזוזות מגילות - תפלין רצועות - בתים לתפל? גירטעל - עטרות - «0- טלתים בלעך׳ גלאז אונד מעטאל בתים למזוזות ערעפפנעט האבק. זעמטליכע כלי קדש זאוויא פרכת אונה תורה מענטעל מיט נאלד- שטיקעריי צו ביללינק פרייזק. ■ רעפאראטורען1פאן ספרי תורת אוגר וגפלין וועררען אימדנאמען. ■1 Jüdischer Buchand Kunstverlag in Brünn,

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