Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1915)
- Date
- 1915-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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■ «Sette 4. 9k S die Bevölkerung, namentlich die Juden, fortwährend geprügelt. Oesterreichische Gefangene wurden vielfach sehr schlecht behandelt. Russische Versprechungen. Man weift schon seit langem, daft es mit russischen Versprechungen nicht weit her ist. In Rußland wird immer sehr viel versprochen, aber sehr wenig gehalten. Die Unmenschlichen Unterdrückungen der Inden in Ruftland seit dem Ausbruch des Krieges haben ihrerseits den Glauberl an die Versicherungen der konservativen russischen Kreise völlig erschüttert. Nun veröffentlicht die jüdische Zeitung ״Moment", Warschau, eine Unterredung mit einer höchstehenden Persönlichkeit, die anscheinend zu der liberalen Richtung gehört. Es ist bemerkenswert, ulit welchen Vorbehalten auch von dieser Seite den Inden die bürgerlichen Rechte versprochen werden. Der russijche Politiker hat sich folgenderlllaften über die zukünftige Gleichberechtigung der Juden geäußert: ״Es wird geplant, den jüdischen Ansiedlungsrayon abzuschaffen, jedoch nur in Bezug auf' die Städte. Das Wohnungsverbot für die Dörfer wird auch künftighin bestehen bleiben. Mall denkt daran, die Prozentnorm in den mittleren ulld höheren Schulen fallen zu lassen. Es ist aber nicht sicher, ob dieses gleich oder erst im Verlaufe van einigen Jahren geschieht. Man will indes den Inden erlauben, eigene Schulen zll gründen. Es ist ferner lnöglich, daft inan den Inbat den Zugang zur Advokatur wieder gestatten wird; inan denkt sogar daran, jüdische Offiziere zu ernennen. Jedoch hält ntan dieses Projekt in den maßgebenden Kreiselt für verfrüht. Die ho- Heu Finanzkreise sind sehr, dafür, daft man den Attsiedlungsrayon abschafft. Sie nlachen aber gleichzeitig darauf aufmerksam, daß dadurch die Auswanderung von nicht diplontierten jüdischen Handwerkern aus Polen nach Rußland einen zu großen Umfang annehmen wird, wodurch eine große Konkurrenz zwischen deut jüdischen Arbeiter, der für einen viel niedrigeren Lohn arbeitet, und deut russischen Bauer entstehen wird. Mit der Befreiung Galiziens wird sich für Rußland eine neue Judenfrage bilden. Die galizisehen Juden leben noch ärmer als die Juden Polens und sind bereit, für einen noch kleineren Lohn zu arbeiten. Auch von diesen Juden ist int Falle der vollen Freizügigkeit eine starke Konknrreitz zu befürchten. Zu beachten ist es, daß die galizischen Juden an ein freieres Regime gewohnt sind, weshalb sie sich nicht so leicht mit den neuen Zuständen absurden Werden. Die ntaftgebcnden Kreise halten deshalb eine Organisation der jüdischen Masseuauswandcrung für sehr wichtig. Wir glauben, 'daß England eine von beit deutschen Kolonien bekommt und sie uns dann wieder gibt. Jedenfalls wäre es sehr wüitschenswert, wettn Syrien unter Englands Protektorat käme. Dieser Laltdstrich soll dann den Juden uttter״ der Garantie der vollen Selbstverwaltung überlassen werden. Matt wünscht auch, daß über diese Fragen eine öffeittliche Diskussion sich etttwickelt. Insbesondere hält man in den ntaftgebenden Fragen eilte Erörteruttg der Entigratienssragett für höchst notwendig." Matt sieht aus bat vorstehenden gequälten Ausführungen, wie wenig Hoffitung die russischeu Jliden haben, eilte wirkliche Gleichberechtignvg zu erlangett. Nur eine Niederlage des Zaristltus wird sie ihttett verschaffen. An die Freunde der Agudas Jisroel Jugendgruppe. Sie haben dtlrch die Zeitung von dem schwereu Schlage gehört, beit unsere Jugend gruppe durch den Heldentod erlitten hat, bat ihr Gründer und eifrigster Förderer. Herr Matin Feist, gefunden. Wer sich je mit der Agudas Jisroel Jugendgruppe und ihrer Entwicklung befaßt hat, welchen Anteil der Heimgegangene an ihrem Atlsbau hatte, wie er tttit allen Fasern seines Herzens' an ihr hing, wie er unermüdlich für sie arbeitete und seine ganze Kraft in ihren Dienst zu stellen bereit war. Wir halten es deshalb für eilte Ehrenpflicht, das Andenken Martin Feists innerhalb der A. I. JugendgruPPett für alle Zeiten durch Schaffung eines Fonds festzuhalteu, der einem der Zwecke zugtlte kommen soll, deren Förderung ihm besonders am Herzen lag, und der den Namen Martin Feist-Fond führen soll. Wir denken hierbei besonders an zwei Zwecke: Die Erhaltung und Ausgestaltung der Beth-Hamidrasch-Bibliothek, die den Namen seines unvergeßlichen Vaters trägt und die Schaffung einer Wanderbibliothek, die er selbst im Interesse der Jugendorganisation, mit uns geplant hatte. Wir bitten Sie, Ihre Zustintntung zu unserem Plane durch Zeichnung eines Beitrages zu bekunden und so ein Werk tttitfchaffen zu helfen, das die Erinnerung an unseren unvergeßlichen Freund über die Gegenwart hinaus für alle Zeiten zu sichern bestimmt ist. Der Vorstand der Agudas Jisroel Jugendgruppe in Frankfurt a. M. Kunäfekau. Misrachi-Konferenz in Amerika. Chicago, 7. Januar. Margen beginnt die dritte Konferenz, des Misvachi in Anterika. Für beit ersten Tag — Freitag — sind Berichterstattungen festgesetzt. Freitag abend und Samstag früh werden in vielett Syttagogcn Reden gehalten werden. Santstag abend wird eine Beratung stattfinden, an der die Rabbiner Chicagos und die Vorsteher der Chicagoer jüd. Vereine teilnehtnen werden. Auf der Sonntagvormittag-Sitzung stehen allgenteine zionistische Fragen zur Verhandlung und in der Nachmittag-Sitzung u. a. die hebräische Mittelschule ״Tachkemoni". Montag nehmen die Ver- Handlungen ihren Abschluß. Generalsekretärs Berlin Steife nach Amerika, Agitation, schriftliche Propaganda und Nattonalfonds stehen für diese letzte Sitzmtg auf der Tagesordnung. Feldgebetbuch. Der ung. isr. Kultnrfond hat ein in 12.000 Exemplaren hergestelltzes Gebetbuch für Soldatett in hebräischer und ungarischer Sprache herausgegcben. Israelitische Seelsorge. Deit k. k. Milttürspitälern und Sanitätsanstalten in Vorarlberg wird amtlich bekannt gegeben, daß laut Erlaß des k. k. Kriegsministeriums und M.-U. Nr. 1840 des k. k. Militärkommandos in Innsbruck, Herr Rabbiner Jg. Hauser in Hohenems zmtt Militärseelsorger für die int Lande Vorarlberg untergebrachten isr. Kranken und verwundeten Soldaten ernannt wurde. Rabbiner Hauser ist ein Preßbtlrger. Prügelstrafe in Lemberg. Die Russen haben in Lemberg die Prügelstrafe angeführt. Der jüdische Chocoladenfabrikaut Brandstädter, der in der Gemeinde eine Nolle spielte, wurde zur Prügelstrafe verurteilt. Auch der chriskl. Genteinderat Mokryczky, ein bekannter Politiker, wurde mit einer schweren Prügelstrafe bedacht und ist an bereit Folgen gestarben. Jawau, der Alte. Die Altgriffe der griechischen Presse gegen die Juden in Saloniki habeit einen solchen Grad erreicht, daß der griechische Pranierminister sich veranlaßt sah, int Parlament dagegen sehr cnergisch Verwahrung cinzulegen. Er hob die Bedentung der Judett für die Entwicklung der griechischen Industrie in Saloniki hervor und betonte, daß in ihre Loyalität gegen Griechenland kein Zweifel gesetzt werden könne. Er schloß mit der Aufforderung, sich um ein friedliches Verhältnis zu ben Juden zu belnühen. Die Mazzothfrage. Nach langwierigen Verhandlungen ntit den gouvermeittalen Kreiselt ist es der orthodoxen Landeszentrale gelungen, vom Handelsminister die Erlaubnis zu erwirken, ein größeres Quantum Weizen für die Beschaffung des unerläßlichen Pessachmehls anschaffen zu dürfen. Die Festsetzung des Maximalpreises für Mehl, das auch nur in proportionaler Verutischung mit anbereit Nährstoffen ztmt Verkauf gelangen darf, stellte dieseut Ansuchen der Kanzlei ein fast unüberwindliches Hindernis in den Weg. Es dürfte — so sprach die Staatsraisog,— keine Ausnähme zugelassen werden. Dem eindringlichen Ersuchen unseres Präsidenten, der im Namen einer Million loyaler Staatsbürger, die alles fürs Vaterland opfern, vorsprach, ist es jedoch gelungen zu erwirken, daft Rücksicht genommen werde. Der Preis wird aber ein bedeutend erhöhter sein und so wird diesmal das Brot des Elends... teuer zu stehen kommen. Unter Rttssenherrschaft. ״Secolo" und ״Stampa" erhalten vom ruffischen Kriegsschauplatz trostlose Berichte. ״Die Bukowina", so schreibt Luciano Magrini aus Czernowitz, ist in eine Trümmerstätte verwandelt. Die jüdische Bevölkerung, die als Österreichfreundlich gilt und von den Russen systematisch verfolgt wird, ist von wilder Panik erfaßt. Die Häuser der Juden werden überall aus reiner Zerstörungslust angezündet. In Czernowitz wurden auch alle Uhrläden ausgeraubt, da die Kosaken sich besonders gern mit Uhren schmücken. Ebenso Hausen die Kosaken in Polen. Der Korrespondent der ״Stampa" schreibt: Die Kosaken beginnen die Zerstörung mit den Judenhäufern, dann kommen die Häuser der Polen, schlieftlich sogar die Häuser von Russen an die Reihe. So wurde sogar das Haus eines Popen verwüstet. Die Kosakenoffiziere scheuten sich nicht, dem Korrespondenten gegenüber sich offen zu rühmen, wie sie in den deutschen Häusern die Weinkeller gplündert hätten, u. wie jeder von ihnen die Taschen voll gestohlener Uhren habe. In Warschau herrsche fortgesetzt eine große Angst vor den Preußen. Tag und Nacht hört man die Gebete der Bevölkerung. Die Bevölkerung zöge es vor, daß die Deutschen endlich einzögen und die ewige Nervosität ein Ende erhalte. Die jüdische Fahne. Dem ״Jüdischen Echo", wird aus Galizien von einem Mitglied des Müttchener Vereines ״Bne Jehrtda" geschrieben: — .... In meiner Kompagnie war eine große Anzahl Juden und Polen. Bei der Abfahrt ins Feld bet Mosony in Ungarn, nahmen die Polen Polnische Fahnen ntit Heiligenbildern mit. Deshalb wurde auf tneine Veranlassung eine jüdische Fahne in blau- Weißen Farben angefertigt. In ihrer Mitte war aus Goldbordcn ein Magen David gebildet, i,n dessen Mitte F. I. l., die Anfangsbuchstaben Franz Josef I., standen. Oberhalb des Magen David war das Wort ״Immanuel" ״Gott mit uns" zu lesen, während unter ihm die Worte ״Ana adonai hoschiana, ana adonai hazlichana^ — ״o Gott, gib uns Sieg, o Gott gib uns Glück!" eingestickt waren. — Als wir nun ausrückat solG ten kamett fast alle Juden der Stadt, um die. jüdische Fahne zu sehen. Uttterwegs sangen wir jüdischen Soldaten hebräische u. jiddische Lieder. Auf allen Stationen wurden wir tttit Begeisterung begrüßt. Ganz besonders in ostjüdischat Städten und zwar etttt meisten von der jüdischen Jugend. ״Tate! Seh nor a jiddische Fuhtt! A jiddische Fuhn!", schrien die jüdischen Kinder tttit ״Hislahawes", Begeisterung, und nicht ein Auge von den älteren Juden blieb trocken. Noch größer war die Freude, als wir durch russische Städtchen marschierten. Da kam Groß und Klein zusailtlnengeströntt, um ״de jidesche Fuhn" zu sehen, und ntan wünschte uns von allen Seiten, wir sollten ״beschulitn uhn a mechsel", in Frieden und ohne Mißgeschick, nach Hause zurückkehren.. טיכטיגע סי&רים בתים מאכער פארמעוט מאבעד אונד מזוזות־בתים אום ד.אלצ אונד טעטאל ערצייגעי finden lehnende Beschäftigung. Jüd. Buch-u Kunstverlag, Brünn. Eine Aktion der rumänischen Juden. Die runtänische Regierung hat bekanntlich vor Kurzent in der Kantnter einen Gesetzentwurf über die Kontrolle der in Runtänien lebenden Fremden unterbreitet. Da in Rumänien auch die dort geborenen Juden als Frentde betrachtet werden und die in Rede stehende Vorlage in dieser Beziehung keinen Unterschied machte, hat sich das Exekutivkomite des jüdischen Verbandes an,den