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Jüdische Volksstimme · 1915-02-10 · Heft 6 (10.2.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 6 (10.2.1915)
Date
1915-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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R». 6 Seite 8. ßAittf«, mfMhrnP. ihnen preisgebe. Da der Vater dies ihnen verweigerte, zog der eine Offizier feinen Säbel, legte dessen Schneide Ehrlich drohend an die Kehle, während der andere sich daran machte, die schlasende Tochter aus dem Bette zu zerren. Als der Vater, seinem Kinde helfend beispringen wollte, schnitt ihm der eine Offizier mit seinem Schwert die Kehle durch. Angesichts der Leiche wurde das Mädchen mißbraucht und liegt heute noch schwer krank darnieder. Ein Bräutigam Israel aus Konin fuhr per Rad nach Slnpci, um dort seine Braut zu besuchen. Zufällig stammte das Rad aus einer deutschen Fabrik und trug eine deutsche Marke. Für die Russen, die ihm begegneten, Grund genug, ihn zu verdächtigen. Sie rissen ihm von Rad herunter, steckten ihn in einen Sack und begrubcn ihn lebendig, ja hatten sogar kaltes Blut genug, zu diesem teuflischen Geschäft jüdische Solbaten heranzuziehen und so Brüder zum Henker des eigenen Bruders zu machen. Wenn ich Ihnen die angeführten Begebenheften erzählt habe, so ist es nicht meine Absicht, auf die Nerven Ihrer Leser zu wirken. Die Zeiten sind zu ernst und die Dinge zu ungeheuerlich, als daß sie zu journalistischen Effekten ausgenützt werden dürften. ,Ich habe die Tatsachen ihre erschlitternde Sprache reden lassen, damit die flaminende Entrüstung, die jeden empfindenden Menschen erfüllen muß, und die mich in diesem unglücklichen Lande seit Monaten in Aufregung hält, sich auch Ihren Kreisen und all denen in Ihren: Lande niitteile, denen Kultur, Gcrcchtigkeit und Menschlichkeit heilige Begriffe sind. Ich habe Fakten an Fakten gereiht, die sich zu einer schreienden Anklage verdichten müssen gegen eine brutale Barbarei, die Entsetzlichkeiten verübt, von denen n:an sich nicht varstellen kann, wie Menschenhirne sie ausdenken und Menschenhände sie vollführen können. Dinge, ob deren — um ein biblisches Wort zu gebrauchen — jedem, der sie hört, die Ohren gellen müssen. Lodz,. 25. Januar. Feldrabbiner Dr. Arthur Levy. Eine talmudische Parabel. Einer der hervorragendsten Agadisten ln der talmudischen Zeit war N. Simlai. Von ihm'wird folgende interessante Parabel in: Talmud (Aboda Saraz) mitgeteilt. ״Einst, leosid lowan, wird der Heilige, gelobt sei sein Name, die Thora im Schoße, die Völker, die sich mit den: Studium derselben befassen und ihre Vorschriften beherzigt haben, auffordern׳, den Lohn für die Verdiellste, die sie sich erworben haben, in Empsaug zu nehmen. Infolge dieser Aufforderung werden sie alle bunt durcheinander vor Gott erscheinen, die. er dann der Reihe nach aufrufen wird. Vorerst wird Rom vorgeladen werden, um Dies kam so: Meine Frau war schon lange krank, eigentlich seit dein ich mit ihr verheiratet war oder noch früher. Sie wollte nach Warschau fahren, wo es so viele berühlllte Aerzte gibt. Gut denn, sie kann ja fahren! Auf Geld fomrnt es mir gewiß nicht an. Aber nein, setzte sich da die kranke Frau in den Kopf, ich lnüßte mit ihr nach Warschau fahren; sie fürchtete auf den: Wege zu sterben, ohnemich wieder gesehen zu haben. Du lieber Himmel! Ich kann doch keine Kranken bedienen! Ich würde mir nur selbst die Schwindsucht auf dem Wege holen. Ob sie nicht lieber in Begleitung einer Wärterin fahren wollte? Nein, sie weint Tag und Nacht. Nein zun: Verrücktwerden׳. Da hieß es mit einem Male, meine Frau sei sterbenskrank und werde Wohl bald das Zeitliche segnen. Die Gemeinde nehme sich vor, mich gehörig zu rupfen. Zehntausend Rubel soll ich bezahlen. Sie wollen eine Gemeindeschule bcuuit bauen. Zehntausend Rubel? Unsinn! Da packe ich meine Frau ein und reise lieber nach Warschau! Die Aermste ist auf dem Wege gestorben ... Um die Leiche nach Warschau zu bringen, hat mich mehr als zehntausend Rubel gekostet. Tut aber nichts. Ich habe doch Recht behalten. Die dort haben keine zehntausend Rubel erhalten und auch keine Schule auf meine Kosten gebaut. Irr Warschau gefiel es mir unterdessen sehr. Verschlossene Häuser, Fenster mit Gardinen, keine Armen, keine Schnorrer. Natürlich gehe ich nicht nach der Nalewkistraße, wo ich so viele Arme seine Leistungen anzugeben, die belohnt zu 1 dvrden verdienen. Ran: wird sprechen: Wir hüben Städte erbaut, Märkte angelegt, Bäder e rrlichttzt, Schätze auf Schätze gehäuft und zwar 1ז jec deshalb, damit Israel in Rul)e und Frieden . Pch unzestört mit dem Studium der Thora bes׳ HMigen״ deren Vorschriften und Satzungen k«bnchten, könne. Gott aber wird ihnen antwort«,: ״Mv Toren, was ihr geleistet habt, geschah/ nur -ans Eigennutz. Märkte habt ihr für leichte Dirken, Bader für Wüstlinge errichtet, die Schätze aber, die ihr erworben zu haben glaubt, ssind Mein!" Nom wird ganz niedergeschlagen zuMktreien und Persien vortreten um seine Ansprüche geltend zu machen: ״Wir haben", wird Persien sprechen, ״Brücken über; Flüsse geschlagen, Städte erobert, zahlreiche Kriege geführt, und zwar nur in: Interesse Israels." A uch sie werden von Gott eine ähnliche Antwo.rt erhalten: ״Alles was ihr getan habt, geschah) aus Puren! Eigennutz. Brückeir habt Air geban t, um Zoll zu nehmen, Städte erobert, bannt die Bewohner auch Frohndienste leisten und wo.s die Kriege betrifft, so ist das nicht miete Sache, denn Here des Krieges bin ich!" I.׳!: ähnlicher Weise wird Gott alle anderen Nationen, abwcisen, weil sie die Thora nicht angenrmnne-n haben. Gainz abweisen werden sie sich!dort nicht lassen, indem sie einwenden werde!::כלום כ0ית עלינו דר כ\!גיניח wir etwa am Sinai Yoic Israel zur Annahme der Thora gezwungen lootden? תנהי דנו מראש וניעשנד Verleihe uns die Thora aufs Nelle lind w'ir wolle!: ste hochhal'ten. Ihr ״Toren!" wird ihnen Gott antworten, was redet ihr da für einen Ansinn? Derjenige׳, der a!n Bußtage des Sabbats keine Opfer, feilte Arbeit und keine Anstrengungen gescheut, um alle möglichen Vorkehrungen und Varbereitlingen für den Sabbath zu treffen, kann den Rnhetag in würdiger Weise feiern, die Frü'chtc seiner Bemühungen und Bestrebungen genießen, wer aber an: Bußtage des Sabbaths sich nicht im entferntesten um die Vorbereitungen für denselben kümmert, muß auf die Sabbathfremden wie auf den Genuß der Säbbathspeisen verzichten. Seit Jahrtausenden habt ihr die Annahme der Thora verschmäht, jetzt aber, da es gilt, ben Lohn für die Verbreitung der Kenntnis derselben, wie für die Beobachtung ihrer Gebote, Vorschriften und Satzungen in Empfang zi!! nehmen, seid ihr bereit, euch für sie zu begeistern, das geht doch Wohl!licht an! Nichtsdestoweniger will ich es versuchen, euch ein leichtes Gebot zu geben אע&ע מצרה קלה יש לי ומרעד שמד sie heißt ״Sllkkoh", Hütte, gehet hin und verfertigt euch Hütten, um in derlselben einige Zeit zu wohnen. Sofort Werder: sie sich beeilen Hütten aufznschlasehen kann. Wo ich wohne und wo ich verkehre, sind keine Armen zu sehen. Da herrscht Ruhe. Und so habe ich Bilanz gemacht. Alljährlich gebe ich zu wohltätigen Zweiten sehr große Summen aus. Auf einige tausend Rubel kommt esmir wahrhaftig nicht an. Zehntausend Rubel wollten sie von mir haben, eine Gemeindeschule zu bauen. Unsinn! Schn! irrer habe ich satt. Neulich aber spendete ich eine gleich; hohe Summe zum Bau eines neuen Operettentheaters. Dafür bekam ich keine Schnorrer?zu sehen: ich hatte es mit hübschen Damen und Kavalieren zu tun. Auch kan: :nein Name in die Zeitung. In meiner Heimat konnte ich es mit!einigen Rubeln abmachen, mit einer Pfeife Tabak, mit einer Tasse Tee. Aber die ewigen Bettler! Hier gebe ich an Veireine. Ob die Armen was davon haben?-— Aber ich will Ruhe haben! Neulich schenkte ich eine große Sumn für einen noblen Kavalier, der.... fremde G der verspielt hatte und sich eine Kugel durch Kopf schießen wollte. Er kan:, um zu danken vornehmer Herr; beileibe kein Schnorre r unterstütze Schauspielerinnen, Ballettän-׳ allerhand Vereine, mache Woltätigkeits^r^ m־jJ’ zahle die höchsten Preise in den Wok Mtiakeitsbalaren, werde von den schönsten Da 1״en fnumb׳ lich angelächelt, in den Zeitungenc .elabt iifk‘vr»TT eingeladen und gefeiert. Es kostet \1n. geheuere Summen, die ich gerne 1m& ^er_ gnügen spende. Eines aber tut 7nix wobl-^w sehe keine armen Leute mehr! ' x 07 So, deshalb wohne ich irr Marschau! gsn! und sich däüstwohnlich einzurichten. Allein sobald die^Mrahlen der brennenden Sonne in dieselben dringen werden, werden ste, die an BeyMMkichkeit gewohnt und Opfer zu bringen nicht lähig sind, sogleich die Flucht ergreifen und dtv Mizwoh verschmähen." Welch einen tiefen Gedanken enthält diese Parabel! Der große fromme Rabbi beabsichtigte hier, die schöne herrliche von dem gottbegnadeten Propheten geschilderte Messianische Zeit im Bilde zu veranschaulichen. Bekanntlich wird in jener glorreichen Zeit, die Israel, seit es seiner nationalen Selbständigkeit verlustig geworden, mit Zuversicht erwartet, die Gotteserkenntnis allgemein auf Erden verbreitet sein, daher jeder Haß und Groll, jede Rachgier und Verfolgungssucht, jede Zerklüftung und Zerfahrenheit, jeder Kampf und Streit aus den Kreisen der inenschlichen GeselU,chaft schwinden und an deren Stelle Friede, Ei ntracht, Menschenliebe und Menschenverbrüderung treten werden. Und es wird einst, beachnis h,ajomi!n an: Ende der Tage sein, fest ist der Berg des Gotteshauses auf der Spitze des Berges, er überragt alle Hügel und zu ihm werden strömen alle Völker . Zahlreiche Völker werden Wandel!: und sprechen: Kommt, laßt uns auf den Berg des Herrn, in das Haus des Gottes Jakobs gehen, daß er uns belehre von seinen Wegen und wir wandeln auf seinen Pfaden, denn von Zion geht die Lehre aus und das Goiteswort von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern, entscheiden unter den Na- Honen, sie werden ihre Schwerter zu Sicheln ninschmieden, und ihre Spieße zu Winzermessern; kein Volk wird mehr das,Schwert gegen ein anderes Volk erheben und die Kriegskunst werden sie nicht :!:ehr lernen, d. h.: es werden weder Waffellübungen noch Mobilisierungen Vorgen. werden (Jes. 2) ferner (Jes. 11). ״Und es wird wohnen der Wolf mit dem Lamm, der Leopard mit dem Böcklein lagern, Kalb, Leu und Mast- Vieh zusammen und ein kleiner Knabe wird sie mitetnanber treiben usw. Sie verheeren und verderben nichts auf dem Berge me!ne!s Heiligtums, denn die Erde wird voll sein vor der Erkenntnis des Ewigen, wie Wasser das Meer bedeckt." Der Prophet Secharja bezeichnete den süngsten Tag mit den Worten: ״Der Ewige wird zum König über die! ganze Erde; an selbige!!: Tage wird der Ewige Einer, und sein Nan:e Einer sein." (Sech 14.!).) In diesem Sinne haben auch die andern Propheten diemessianische Zeit -geschildert. Die Gotteserkenntnis wird allgeinein verbreite': sein und die Menschen werden von der Uc.-berzeugnng durchdrungen sein, daß es nur ei nen einig, einzigen Gott gibt, der der Schövfer rmd Erhalter des Weltalls, der Vater aller Menschen und Lenker aller Geschicke sei, daher die Menschen, ohne Unterschied der Nationalität und der Nasse, sich als Kinder eines Vaters betrach- 'ten, brüderlich behandeln und liebevoll umfassen!nüssen. Um nun diese schöne herrliche:nenschenfreu- . ende Zeit fördern zu können, hat sich der Allvater am Sinai offenbart und Israel die Thora verliehen mit dem Aufträge, dafür zu sorgen, daß die erhabenen menschenbeglückenden Lehren der selben in die Welt hinausdringen und das Heil und Wohl der gesamten Menschheit nach jeder Richtung hin fördern können. (Fortsetzung folgt.) Schändung des Gotteshai׳'' ,. Dukla. --esm fortwährende Mi ß b , Jud-׳ vonbliutg ber Der Kriegsbericht ליד Zeitung" meldet a׳׳ .-erstatter der ״Vossischen ,quartier: Die R dem k. u. k. 5triegspresse-,' ihnen besetzt 'Een begehen weiter in ben von ten und - 1'י'**ן י? Zaliziens Granfan,keifn fir 11 die Bevölkerung. Aus Dnkb ö^^ude Flüchtlinge berichten, daß dort trotz ber Anwesenheit vieler hoher Offiziere die rnsbarbarisch wütet. In Kirchen Mb-räeMckt,5^''°''°^^»^"- nachdem die nwergejtlckten Decken und das für toofiMtW Pf/rde?Öteff?6 Cß> Ä)Ien worden war, rM.i: Am orthodoxen Tempel verb Kosaken damit, auf das Kaiserb!ld zu schießen. Dann verbrannten sie die Mö׳ be und die Thorarolle״ und schii lich nLbct «<">«- Bau m Flammen auf. Auch anderes» lft״fm!‘rbcn »׳ebergebrannt. Die Geschäfte ^und Wohnungen wurden völlig ausgsMLrt und

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