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Jüdische Volksstimme · 1915-02-04 · Heft 5 (4.2.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 5 (4.2.1915)
Date
1915-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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eine — wir haben hiebe! nur die Wiener Verhältnisse in! Auge — wurden Konversationskurse eingeführt, ein eigener hebräischer Konversationsklub bildete sich und der ״Herzl-Klub" unterhält sogar noch heute, mitten ii'u Kriege, zwei solcher Kurse. Wir können aber leider nach lauge nicht zufrieden sein, wenn wir sehen, daß in einer Großstadt mit 200.000 jüdischen Einwohnern höchstens hundert Personen hebräisch pflegen und daß diese Personen sämtlich schon erwachsen sind, während die Jugend in! schulpflichtigen Alter nach wie vor fast keine Ahnung von! Vorhandensein der hebräischen Uurgangssprache hat. Mit Achad Haan! können wir daher ausrufen: ״Nicht dieses ist der Weg!" Die Erziehung zun! Volljuden kann nur in der frühesten Jugend begonnen und während der Schülerjahre konsequent fortgesetzt werden und wenn auch noch so viele Enqueten abgehalten und Artikel geschrieben werden/) wird der in unseren! Westen immer weiter fortschreitende Verfall des Judenturns unaufhaltsam vor sich gehen. Da hilft auch kein gelegentlicher fronuner Augenaufschlag unserer Rabbiner zur Frauengalerie, da kann nur radikale Aenderung unserer ganzen bisherigen Erziehungsformen Abhilfe bringen. Die Erziehung unserer Jugend, unserer Hoffnung,!nutz hebraisicrt werden; dazu genügt aber nicht, daß einzelne Gesinnungsgenossen ihren Kindern privaten hebräischen Unterricht erteilen lassen, wie es jetzt vielfach der Fall ist. Die bereits vorhandenen Ansätze in dieser Richtung müßten ausgebaut, die schon bestehenden jüdischen Schulen und Schulvereine umgestaltet und erweitert werden. Wo solche nicht bestehen, müßten sie gegründet werden — und all diese Arbeiten n!üßte ein ernster imposanter Verein, ein A l l g e in e i - n׳e r H e b r ä i s ch e r Schulverein für Oesterreich durchführen; das erst wäre eine befreiende Tat für unser ganzes Volk! Möge es uns gegönnt sein, daß bald die geeigneten Männer der Tat unter uns sich zu diesem Werke aufraffen, einem Werke, das zwar keinerlei Titel und Orden verspricht, Wohl aber den Dank der Geschichte denjenigen, die so zur rechten Zeit in die Bresche treten für ihr Volk und seine Kultur. Gilt es doch auch nebenbei bemerkt, die Kinder unserer armen Flüchtlinge geistiger Verwahrlosung einerseits und der Entjudung andererseits zu entreißen! Und an geeigneten Kräften kann es uns nie fehlen, wenn jeder Jude der Mahnung unseres großen Hillel gedenkt: במקום שאין אנשים השתדל להיות איש ״Wo es an Männern fehlt, da strebe du, ein Mann zu sein!" . . . (Ein weiterer Artikel folgt.) *) S. David Kaufmann ״Wie heben wir den religösen Sinn unserer Mädchen und Frauen?" Oest. Wochenschrift 1893, Nr. 6 und 6. Literarisches Feuilleton. 1. Proben aus literarischen Neuerscheinungen. Aphorislnen von Oskar Wilde. (Aus Nr. 63 der Insel-Bücherei: Lehren und Sprüche von Wilde.) Wenn der Ernst zu Jahren kommt, wird er Langweile. Der Mensch ist alles andere eher als vernünftig. Die Tragödie des Alters liegt nicht darin, daß man alt wird, sondern daß!!!an jung i-st. Manche Frau versucht, einen Salon zu gründen und es gelingt ihr nur, ein Restaurant zu eröffnen. Ein Echo ist oft schöner als die Stimme, die es wiederholt. Man sollte nie etwas tun, worüber man nach Tisch nicht reden kann. Ich liebe Männer, die eine Zukunft, und Frauen, die eine Vergangenheit haben. Ich bin durchaus nicht zynisch, ich habe nur Erfahrung, — und das ist so ziemlich dasselbe. Das Leben ist zu wichtig, um ernsthaft darüber zu sprechen. Den Zuschauer, nicht das Leben spiegelt die Kunst in Wahrheit. Alles Schöne gehört nur einer Zeit an. ■ Newyork das neue Zentrum. Tie ״Ungarländische jüdische Zeitung", Budapest, bringt folgenden hochinteressanten Arti- Tel: ׳ Wie sich auch das Schicksal der heiß käinpfendeu Völker immer gestalten wird, so ist das Los eines gewesenen Reiches bereits jetzt entschieden worden; das polnisch-jüdische Reich, dessen Gel markung sich über die politischen Grenzen Rußlands, Galiziens und Ungarns ausdehnte und Russisch-Polen, ganz Galizien und Nordost-Ungarn mnfaßt hat, liegt in Trünunern. Die Metropole Warschau, das Herz des jüdischen Kulturlebens, das Leipzig der jüdischen Literatur, die Gebutsstätte der!nodernen hebräischen und jiddischen Presse, sie hat schon jetzt ihren Rang und ihre Vorrechte an Newyork abgetreten. Dorthin hat sich nun der Schwerpunkt des geistigen und Politischen Lebens unseres jüdischen Volkes verlegt, und bald wird sich auch London, das Zentrum Politischer Freiheit, Paris, der erste internationale Mittelpunkt von Amerika überflügelt sehen, während Berlin das Zentrmn jüdischer Kunst sich wohl als solches be- Haupte!!, aber auch jenseits des Ozeans, nach Stütze suchen wird. Aber Newyork ist noch!!!ehr als der Mittelpunkt, es ist das lebendige, fühlende Herz des jüdischen Volksorganisinus geworden. Es gibt und empfängt fortwährend Lebensblut und geistige Strömungen. Kann! hat das Judentum der Diaspora noch je ein solches Zentrum besessen, daß sich mit so viel Ambition und so viel Verantwortlichkeitsgefühl seiner Pflicht als erste Geinei!!de das Golus bewußt geworden wäre. Palästina hungert? Newyork fühlt es an! schmerzlichsten und sendet Lebensmittel. Galiziens Bewohner sind obdach- und nahrungslos, Newyork saininelt und arbeitet. Russisch-Polen ist verwüstet und schon schleppt Newyork neue Bausteine herbei. Schon die Dimension des Newyorker Judentums, welches längst eine Million überschritten hat, stellt es an die Spitze aller Gemeinden; allein, dieses Uebergewicht erhöht sich unendlich durch die Qualität der jüdischen Masse New- Yorks, welche in der freien Atmosphäre der Demokratie, von keinem Zwange niedergehalten, ihre jüdische Volkskraft voll zur Geltung bringen kann. Newyork birgt die kühnsten Reformrabbiner und die fanatischsten Chassidim, den ungebundenen Zionisten und den restlosen Assimilauten; es besitzt mehr als 300 Synagogenge-!neinden, eine wahre Weltausstellung der verschiedensten jüdischen Schattierungen, und doch greift eines in das andere, und alle haben sich freiwillig eine gemeinsame Oberleitung erkürt; die europäische Goluskrankheit des Schisiuas ist mit den Auswandererschiffen nicht nach Amerika verschleppt worden. Die Gewissensfreiheit belebt den Konservativsten ebenso wie seinen Antipoden. Newyork ist nicht Neu-Jerusalem, wie die Die Frauen geben den Männern das wahrhafte Geld des Lebens; aber sie verlangen es i!n-!!!er wieder in kleiner Münze zurück. Pünktlichkeit bestiehlt die Zeit. -0 * # Verhaeren: Die Tat. (Aus: Verhaeren; Hy!!!uen an das Leben, Insel-Bücherei Nr. 6.) Müde der Bücher, n!üde der Worte, Die mir den Willen versengten, verdorrten, Such ich in! Grunde!!!einer Selbstbewußtheit, Die Tat, die rettet, die Tat, die befreit. Das Leben, dort stiirmt es, schäumend im Nasen, Gleich -einem gallopierenden Pferde, Stark und spendend über die Straßen Der Erde. Die Starken unter den Menschen wissen Dort tu! Staub und Stur!!! seine Mähne zu fassen, Und von Wunder zu Wundern hin fortgerissen, Von ihn! sich schwingen und jagen zu lassen, Und die Berge der Wagnisse trotz aller schliminen Winde und Stürme beherzt zu erklimn!en. » » « dortigen Assimilanten lehren, aber Nwhl eine Zwischenstation zwischen Golus und Volksfreiheit. Einst sind sie vor den! Zarenjoche entflo- Yen, nun aber entdecken sie, daß es eine gleiche Wohltat war, aus den! Joche des Ghetto-Absolutisinus, aus dein Banne des europäischen Ge-!neindejudentuins zu entkonnnen. Jenseits des Ozeans muffen und wollen selbst jüdische Multi-!nillionäre der Volksstinnnung Rechnung tragen, verleihen dem Volkswunsche ihre Lustre und ge- Winnen durch das Volksvertrauen an Kraft. Die Kulturen aller Länder vereinigen sich hier zu eine!!!׳ farbenreichen Bouquet. Die Genialität des russischen, das Temperament des ungarischen, der Scharfsinn des polnischen, die Kraft des deutschen Juden paart sich hier zun! guten .Klange. Die Freiheit entwickelt die großen Vorzüge aller Rassennuancen und hat ein inächtiges Ensemble von kulturellen, sittlichen, religiösen,!nateriellen und politischen Kräften geschaffen, wie es die Exilgeschichte noch nie gekannt hat und welches uns!nit zu den besten Ahnungen von einer konnnenden Mission Newyorks erfüllt. S. B. Gloffen. 2. Eine biblische Heldin. In! 1. Buche San!uel, Kap. 4, wird von der furchtbaren Niederlage berichtet, die Israel zur Zeit Elis im Kampfe gegen die Philister erlitten hatte. Dieser Bericht wird im genannten Kahitel einigemale wiederholt und lautet merkwürdigcrweise!!!!!!!er anders. Man beachte genau den Wortlaut in den folgenden Versen. Vers 10 lautet: וילחמו פלשתים וינגף ישראל וינסו איש לאהליו וגד וארון אלקים נלקח ושני בני עלי מתו חפני ופינחס ״Und die Philister kämpften und Israel erlitt eine Niederlage und cs floh jeder nach seinen Zelten usw. Und die Bundeslade wurde (gefangen) genonnnen und die zwei Söhne Elis starben, Chofin und Pinkas." Hier wird zuerst die Gefangennahme der Bundeslade und dann der Tod der Söhne Elis erwähnt. Der Bote berichtete dem greisen Eli anders: נס ישראל לפני פלשטים וגו" וגם ש:י בניך מתו וגו" וארון חאלקים נלקחה ״Israel floh vor den Philistern und' so weiter und auch deine Söhne starben und die Bundeslade wurde gefangengenommen" (V. 17). Hier wird zuerst der Tod der Söhne Elis und dann d.ie Gefangennahme der Bundeslade erwähnt. Wiederum anders lautet der Bericht an die Schwiegertochter Elis, an die Frau des Pinchas. Vers 11 lautet: וכלתו אשת פינחס וגו" וחשמע אתהשמועה אל חלקת ארון האלקים ומת חמיה ואישה וגי" ״Und seine Schwiegertochter, die Danthendey: In meinen! Ohr wohnt nur dein Name. (Aus: Dauthendey, Ausgewählte Lieder aus sieden Büchern. Preis M. 1.60, Verlag Albert Langen. 163 Seiten.) Das Not deiner Wangen ist ein Bett für mein Auge, Mein Zinnner wird feierlich von der Pracht deiner Haare, Jede Stunde bei dir ist ein Baun! voll zärtlicher Blumen. Wenn ich von dir singe, Füllt der Himmel heiter!!!eine Scheiben, Und die Wolken ziehen zufrieden ihren Weg. Wenn ich dich vermisse. Zerrt mein Herz an einer Kette. In!!!einen! Ohr wohnt nur dein Name, Wie ein Vogel im Bauer. * * * Andre Spire: Israel. (Aus: Die lyrische Bewegung im gegenwärtigen Frankreich. Eine Auswahl von O. E. Grautoff. Verlag Eugen Diederichs, Jena.) Israel, Israel, Volk voll trotzigem Leben, Flieh, Israel, flieh aus falschem Vaterland. Du liebst jeden Boden, auf dem du dich mehrtest; Licht, Lüfte und Schnee, die Winde, die Weiten;

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