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Jüdische Volksstimme · 1915-01-27 · Heft 4 (27.1.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XVI (1915)
Issue
Heft 4 (27.1.1915)
Date
1915-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«eite 4. »Sfttif* ««.• Nr. 4 so im Süden den 2600 Meter hohen Mosesberg. Selbst mn Mittelländischen Meer beträgt der Regensall nur 200 Millimeter im Jahr. Der Pflanzenwuchs ist sehr spärlich. Die wichtigste Pflanze ist die Tamarinde, deren Rinde nach dem Stiche eines Insekts ein breiartiger Saft entflieht. Nur in den Oasen fin&cn sich Palmen, Mandclbäume, Weintrauben usw. und an manchen Stellen Gerste. Acht Stämme arabischer Beduinen mU einer Zahl von zusammen etwa 10.000 Seelen leben auf der Sinaihalbinsel. Es sind meist recht wilde Gesellen, die Kamel- Schaf- und Ziegenzucht treiben und nur äußerlich Mohammedaner, in Wirklichkeit aber Heiden sind. Die türkische Garnison der Hafenstadt Nkaba und die ägytischen Militärposten halten sie int Zügel. Für die Türken wären die Wege von Wann über Akaba nach Suez und von Gasa der Mittelmoerküste entlang nach Jsmailia die gegebenen. Wie ein frommer Jude stirbt. Aus Dorna-Watra wird gemeldet: Als nach den lebten großen Kämpfen in der Bukowina das Schlachtfeld geräumt wurde und Freund und Feind ins friedliche Grab gemeinsanr gebettet werden sollte, da bemerkte!!!an, daß einem to ten russischen Soldaten an die linke Hand ein kleines Säckchen gebunden war. Es wurde ab gelöst ltitb darin, neben einigen Silbermiinzen und etwas weißer Kalkerde auch noch ein Zette^ gefunden mit der Bitte, das Geld dem zunächst liegenden ״Heiligen Verein!" zu übergeben,um den Verstorbenen auf eigene Kosten in ein südi sches Grab nach jüdischer Sitte zu bestatten. Man solle den Wunsch des Sterbenden nicht abschlagen tutb von seinem Tode den Vater, den Rabbiner von Odessa, verständigen. Die Leiche wurde tat sächlich der Cbewra Kadischa des zunächst gcle genen Ortes übergeben. Bei der Entkleidung der Leiche wurde entdeckt, daß der Mann unter seinein grauen Militärmantcl das ganz vorschrifts mäßige jüdische Sterbegewand angezogen hatte In! vollständiger Ausrüstung, mit den Tachrichiin, inachte er sich auf den weiten Weg, der ihn in den Tod führte ... Er wurde begraben 1!!i dein Haupte auf dem Säckchen mit der Weißen Erde aus Palästina. Julius Jacoby. In! hohen Alter von 01 Jahren ist in Berlitt Herr Julius Jacoby, langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, gestorben. Jacoby war eine durch eiserne Arbeitskraft hervorragende-auf allen Gebieten der jüdischen Gemeinde- Verwaltung erfahrene Persönlichkeit׳, durch seincn Charakter und sein Wirken erwarb er sich die Hochachtung und Wertschätzung aller Kreise des Berliner Judentums. Judcuvcrfogungen iu Rußland. Die ״Hmnanite" veröffentlicht einen Aufruf der sozialistischen Organisation des jüdischen Proletariats Rußlands ״Der Bund" an die zivilisierte Welt. In dem Aufruf heißt es, daß seit dein Kriegsausbruch Judenverfolgungen unerhörter Art in Rußland eingesetzt haben. Der Aufruf berichtet über Judenverfolgungen in der Arnreezone, über Pogroms in Polen, sogar in Lodz, sowie über Massenausweisungen und betont, daß die Inden unter den! nichtigsten Vorwand vor das .Kriegsrecht gestellt und zürn Tode oder zu Zwangsarbeit verurteilt werden. Mangels anderer Beweise diene stets die Behauptung, daß die Inden die Deutschen unterstützen. Der Allsruf schließt mit der Aufforderung an die zivilisierten Völker, sie!1!örf}tc!1 den Zarisums daran erinnern, daß, selbst in Kriegszeiten das Gewiß seu der zivilisierten Menschheit Worte finden werde, nur diese schmachvollen Handlungen zu verurteilen. Die ״Hmnanite" bemerkt hiezu, der Bericht sei der schlagendste Gegenbeweis für die Meldungen einer gewissen Presse, daß den Inden vom Zaren Politische Gleichheit versprochen worden sei. Rußlands innere Politik habe sich seit .Kriegsbeginn nicht geändert. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums versendet folgendes Rundschreiben: ״Gemäß einem Beschlüsse unseres großen Ausschusses gestatten wir uns hiedurch, im natioualen Interesse Ihre Aufmerksamkeit auf Folgendes zu lenken: 1. Es dürfte sich empfehlen, daß alle der rituellen Aufsicht unterstehenden Bäckereien durch die Aufsichtsorgane unverzüglich zur so fortigen reichlichen Herstellung von Kriegsbro angehalten, und daß ferner durch Rundschreiben an die Gemeindemitglieder, bezw. durch Ermah nungen von der Kanzel zum ausschließlichen Ge nusse dieses Brotes ermuntert werde. In gleicher Weise könnte auf die Einschrän kung der Herstellung von Weißbrotgebäck und von Kuchen energisch hingewirkt werden. Gerade von unserem religiösen Standpunkte aus, der jahraus, jahrein die erheblichsten Ge nnßbeschränknngen in Speise und Trank van uns fordert, wird es leicht sein, die verhältnismäßig geringe EntsaguUg, die jetzt im Namen des Va ierlandcs und bctmit auch unserer religiösen Pflicht an uns herantritt, wirksam zu begründen und einzuschärfen. 2. Wir bitten die Herren Rabbiner und Gemeindevorstände dringend, dafür sorgen zu wollen, daß bei der Herstellung der Mazzos überall strenge auf den Zusatz von 30 Prozent Roggenmehl geachtet ״ wird, eine Beimischung der zur Zeit nach eingeholten autoritativen Gutachten keinerlei religiöse Bedenken entgegenstehen. Auch in solchen Fällen in denen das Weizenmehl bereits gomaljlen ist, muß nach gesetzlicher Vorschrift der Zusatz von 30 Prozent Noggenmchl unter allen Umständen vor den! Backen erfolgen. Dabei gestatten wir uns, die Herren Nab bitter darauf aufmerksam zu machen, daß das Erkennen des sogenannten Auswuchses bei der rituellen Prüfung der Noggenfrucht vor dem Ausmahlm besondere Sachkunde und Sorgfalt voraussetzt. 3. Nach 8 20, Absatz 2 der Bundesratsverordnung vom 6. Jänner 1016 darf dasjenige geringe Quantum vom Mizwos, das zur Vor nahnw der gottesdienstlichen Handlungen an den beiden Sedcrabenden religionsgcsctzlich notwendig ist, aus reinem Weizenmehl hcrgestellt werden." Russische Gemeinheiten an den Juden in der Bukowina. ״Esti Ujsag" meldet aus Bukarest: In Kim- Polung eingetroffene Flüchtlinge aus Czerno- Witz erzählen, daß Russen iu Czernowitz eine neue Steuer nur für die Juden eingeführt haben. Da die israelitische Kultusgemeinde diese hohe Kontribution nicht bezahlen konnte, wurde der Tempel von den russischen Behörden gesperrt und den Jllden verboten, die Kaffeehäuser zu besucheil. Der Militärkommandant enlpfängt die Judeir in keiner Angelegenheit. Die Offiziere der russischeu Garnison wurden in einen! besonderen Befehl aufgefordert, mit Juden bloß in behandschuhten Händen Händedruck zu wechseln. Die Czernowitzer Geiseln in Sibirien. Anläßlich der erstell Besetzllllg Volt Czerllo- Witz durch die.Russen haben diese, wie bekannt, eillige führende Persönlichkeiten voll Czernowitz u Geiseln genracht, itttb als sie die Stadt räunlten, die Geiseln mitgenommen. Von diesen haben nuil Bürgermeister Dr. Weißelberger, Staatsanwalt Lazarus, Redakteur Dr. Menczel und Hofral Dlizinkiewicz ihre Angehörigen in Czernowitz verständigt, daß sie iu einem kleinen Ort, namens Kolpasova, interniert sind und sich Wohlans befinden. Wolffsvhns Testament. Der verstorbene Zionistenführer David Wolffsohll hat 3 Millionen Mark in. gleicheil Teilen für zionistische Zwecke und für die Kinder Herzels testiert. Martin Feist. ben mit neuen Begriffen, neuen Vorstellungen beginnen können. So schrieb er, der Reichsten Einer, der Frankfurter Großkaufmann. Die Warschauer Universität für Juden gesperrt. Zahlreichen polnisch-jüdischen Studenten, die wegen des Krieges ihre Studien an deutschen und österreichischen Universitäten unterbrechen!nutzten und zur Fortsetzung ihrer Studien nach Warschau gingen, wurde die Zulassung zur Warschauer Universität verweigert. jener Racheiekten. Die Konstituierung des Kultnsvorstandes. In der unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern a׳nt 6. Jänner 1016 in Wien stattgefundenen Plenarsitzung des Wiener Kultus- Vorstandes fanden die Neuwahlen der beiden Vize-Präsidenten und der Mitglieder des Vertreterkollegiums statt. Zum 1. Vizepräsidenten wurde Herr Dr. Gustav Kohn neuerdings wiedergewählt. Der Vize-Präsident Dr. Kohn dankt für diese neuerliche Vertrauenskundgebung und verweist darauf, daß es gerade 30 Jahre sind, seitdem er dem Kultusvorstande angehöre. Es erfülle ihn mit besonderer Genugtuung, daß es seiner Initiative gelungen sei, im abgelaufenen ereignisreichen Jahre Notstandsaktionen ins Leben zu rufen, welche ein günstiges Resultat zeitigten und das Budget der Kultusgemeinde nicht wenigstens teilweise belasteten. Er werde auch weiterhin bestrebt sein, seine Arbeitskraft den! Wohle der Gemeinde zu widmen. (Beifall.) Zunl Vize-Präsidenten wird Hofrat Dr. Benjainin Nappaport wiedergewählt. Bei der hierauf vorgenonuuenen Wahl von 8 Mitgliedern! des Vertreterkollegiunls erscheinen als wiedergewählt die Herren: Salo Kohn, kais. Rat Sieg!!!. Kauders, Dr. Leopold Kohn, Wilhelm Kuffner, Professor Dr. Pollak, Dr. Markus Spitzer, kais. Rat Adolf Schranlek. Als 8. Mitglied wird Herr Dr. Felix Katzau gewählt, der jedoch die Wahl nicht annimmt. Das Budget der Wiener Kultusgemeinde. In der mn 30. v. M. stattgehabten öffentichen Sitzung des Kultusvorstandes wurde das Budget für das Jahr 1916 vorgelegt und ohne!ede weiteren Beratungen angenommen, was ich dadurch erklärt, daß es diesn!al an der übichen zionistischen Oposition fehlte. Herr Strik- Her blieb der Sitzung fern und Dr. Ehrlich ist im Felde. Der Voranschlag für das Jahr 1016 rechnet n!it Eingaben von . . . K 3,185.806.00 und Ausgaben von 3,507.048.01 Der leibliche und geistige Sohn des Begründers der ״Aguda", Martin Feist, ist für ein deutsches Vaterland in! Alter von 23 Jahren gefallen. Er war eine seltene Zusammenfassung!üdischer Männertugenden und versprach einer ber Größten zu werden. In einen! seiner Feldiiriefe schrieb ernach Hause: Möge auch diese Zeit reinigend hineinfahren in unsere Frankurter Gassen, möge man verstehen lernen, daß inan bisher zu viel gefragt hat, wer reich und wer arm ist. Weg mit der An betöre! des Reich-!ulnes, entfernen wir diese Götzen aus unseren! Herzen . . daß wir nach den! Kriege ein Le- 'on!it mit einen! Defizit von K 321.242.82 Die leitenden Gedanken bei Abfassung dies Budgets wurden in einen! ausfühlichen Neferate von! Knltusvorsteher Dr. Leopold Kohn auseinandergesetzt. Rosalia Hvfbauer s. A. Mittwoch, an! 6. Tewes (20. Dezen!ber) verschied in Wien Frau Rosalia Hofbauer in! 60. Jahre ihres gottgeweihten Lebens, tiefbetrauert von ihren! ebenbürtigen Gatten, ihren Kindern und Verwandten und von einen! außerordentlich großen. Bekanntenkveis. Was für eine Heldin Frau Rosalia Hofbauer f. A. auf dem Wohltätigkeitsfelde gewesen, beweist der Umstand, daß während ihrer achttägigen Krankheit tausende Männer, Frauen und Kinder mit tränenden Augen zu Gott flehten, er möge ihnen ihre Gönnenn und Freundin erhalten. Frau Rosalia Hofbauer war näinlich — ohne Uebertreibung — eine zärtliche Mutter der armen Jehudiui. Sie weilte und schaffte den größten Teil des Tages und Abends, zuweilen bis in die späte Nacht, bei ihren geliebten ״armen Kindern" in der in orthodoxen! Sinne geleiteten Ausspeisungsanstalt ״Einheit", die von tatkräftigen Männern, an-deren Spitze ihr Gatte steht, ins Leben gerufen wurde und.mit großen Opfern erhalten wird. Die überaus große Beteiligung sämtlicher Schichten der Bevölkerung an de!!! Leichenbegängnisse, welches Donnerstag vormittags vou! Hause aus stattgefunden, beweist, welcher Verehrung und Wertschätzung sich Frau Hofbauer auch als Prinzipalin der Firma A. u. B. Hof-

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