Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1915)
- Date
- 1915-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 4 Sette S. Ze-iten feststellen. Bis in die letzten Details müssen wir alle Vorkommnisse buchen, die unser Verhalten in diesem Kriege, sowie überhaupt gegen den Staat und das Verhalten aller Staatsfaktoren gegen uns betreffen. Mit einem Worte, wenn wir in unseren: Kampfe gegen das Nebelwollen und für unser volles Recht gerüstet sein wollen, dann müssen wir das ״Jüdische Kriegsarchiv" schaffen. Jüdische Volksgenossen! Wir Gefertigte sind überzeugt, daß Ihr die Notwendigkeit dieser Gründung einsehet und wir dürfen datier auch hoffen, das; Ihr uns helfen werdet, sie durchzuführen. Hiezu benötigen wir vor allem Euren wertvollen Rat und gelegentlich für das Archiv bestimmte Mitteilungen. Aber wir erlauben uns auch darauf aufmerksam zu machen, das; eine Aufgabe, wie die oben geschilderte, nicht ohne beträchtlichen Aufwand erfüllt werde:: kann. Es ist eine regeluniijuji' Amtsführung erforderlich, die sich auf den: ganzen weiter: Gebiete der heutigen Ereignisse nichts entgehen lassen darf, was n:it den: südischeu Interesse zusammenhängt. Daher nüissen wir Gefertigte an Eure Mithilfe auch nach der Richtung apellicren, das; Ihr Euch entschlicht, zur Deckung unserer Kosten unserer Aktion beizutragen. Ihr könnet dies entweder als Stifter des Archivs tun, wenn Ihr eine einmalige Zuwenduug :uachet oder als Förderer in Form einer regelmäßig monatlichen Beitragsleistung für die Dauer des Archivbestandes. Zuschriften und Beitrittserklärungen sind zu richten an das ״Jüdische Kriegsarchiv", Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Geldsendungen an das Bankhaus I. u. A. Brecher, Wien, 9. Bezirk, Berggasse 1. Für das vorbereitende Komitee zur Anlegung des ״Jüdischen Kriegsarchiv": I Oberingenieur Robert Stricke r, Vorstands- Mitglied der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dz. Obmann. Dr. Nathan B i r n b a u m, dz. Archivleiter. Ludwig B a t 0, Börserat Adolf B re cher, Dr. Leopold E h r l i ch, Dr. Erich Ritter von K a hl e r, Dr. Alfred L a n z e r, /Redakteur Julius L ö w y, Dr. Isidor M a r g u l i e s, Dr. Wil- Helu: Stein, Dr. H. S u s s u: a n::, k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig, I. H. W a l t u ch, Dr. F. W a s ch i tz, Dr. Paul W e iseng r ü::. i i Wer hilft rasch?! Für einen durch Krankheit in Not geratenen jüdischen Gewerbetreibenden, dessen Sohn ihn bis zum Ansbruche des Krieges unterstützte nnd derzeit in russischer Gefangenschaft ist, übernimmt Herr Rudolf Meist, Kaufmann, Krapfcngasse, Spenden, welche in unserem 4 Blatte veröffentlicht werden. Rasche Hilfe tut not! Gideons Nachtangriff*). Er War der jüngste unter seinen Brüdern, und sein Geschlecht war das kleinste in Mauasse. Aber er trug ein wackeres Herz in der Brust. Schon als Knabe hat er die Faust geballt, wenn die Midianiterhoren durchs Dorf streiften, das gedroschene Getreide und das Vieh aus den Ställen stahlen und wenn ihre zahllose Kamele fraßen, was noch in den .Halmen stand. Wie oft hatte er mit den Seinen das nackte Leben in den Höhlen des Gebirges retten :uüsseu. Jetzt war Gideon ein strammer Bursche und tat schwere Bauernarbeit. Er drosch den Weizen mit den: Stock, weil Zugtier und Dreschtafel den: arinen Vater fehlten. Und nicht auf der Tenne geschahs, sondern auf der Kelter im Weinberg, wo die Feinde gewiß am wenigsten den Weizen suchten. Denn wieder waren sie im Land, wie der Blitz einbrechend in Hof und Stall, auf schnellen Kamelen und wie der Blitz verschwiudend, ehe sich eine bewaffnete Faust erhob. Verhaltene Wut gab seiner Arbeit die Melodie: Jeder Schlag — ein Medianit! Heißer, imu:er heißer ward ihm ums Herz. Und Plötzlich stand der Engel vor ihn:: ״Du mußt es tun! Gott hat dich gewählt." Sein Geist war über ihn gekommen. Er ging durch die Gaue und warb Genossen seines Planes. Viele hundert sammelten sich um den jungen kühnen Necken. In der Nacht nun kroch Gideon mit seinem Schildknappen bis ans midianitische Lager vor. Da hörte -er, wie einer den: andern erzählte! ״Ich hatte heute einen seltsamen Traum. Ein Gerstenbrot rollte ins Lager und warf unser Zelt um." Das war für Gideon ein Gotteszeichen. Jetzt holte er seine Genossen herbei, 300 waren sie an der Zahl. Er teilte sie in drei Haufen. So schlichen und krochen sie von drei Seiten aus Lager heran. Ein jeder trug eine brennende Fackel und darüber eine:: leeren Krug gestülpt, um den Feuerschein abzublenden. Plötzlich stößt Gideon in die Posaune. Da zerschmetterten sie alle ihre Krüge und schwingen mit der Linken die Fackel, mit der Rechten das Schwert. Schaurig gellt ihr Kriegsruf durch die Nacht: ״Hier Schwert Gottes und Gideons." Dabei rübreu sie sich nicht von der Stelle. Erschreckt fahreu die Midiauiter aus dem Schlaf. Sie sehen Lichter flackern. Schwerter blitzen und wähnen das Lager erobert. Da stürzt sich Nachbar auf Nachbar im Glauben, es sei ein Feind. Wer sich fliehend zu retten sucht, fällt den llmzingleru draußen in die Arme. In ungeheuren: Blutbad endet diese Nacht. Ein schwacher Nest wird beim Morgengrauen über den Jordan gejagt. Narcisse Leven. Narcille Leven, der Präsident der ״Alliance Jsraelite Universelle" ist gestorben. In Paris hat seine Beerdigung stattgefunden. Wir veruehmen in Trauer die Kunde von dem Hinicheideu des greisen Präsidenten der Alliance. Narcille Leven war ein Mann, der der Alliance Jsraelite Universelle seinen Willen aufzuzwingen wußte, mochte sich auch eine demokratische Opposition den oft versteinerten Anschauungen des Nachfolgers *) Aus dem Buche ״Kriegsbilder aus der Bibel" von Dr. Karl Auer, Verlag Earl Curtius, Berlin. Cremieur' entgegenstemmen. Mehr als fünfzig Jahre hat N. Leven die Geschichte der Alliance, zum Teil als ihr Präsident, mitbestimmt. Der zionistischen Bewegung stand N. Leven oft genug als Gegner gegenüber. Als nach der türkischen Revolution eine nach Europa entsandte Delegation der türkischen Kammerdeputierten auch in den Pariser Bureaus der Alliance erschien und von Herrn Narcisse Leven mit einer politischen Ansprache empfangen wurde, bezeichnete er den Zionismus als den türkischen Interessen zuwiderlaufend und hob einen scharfen Gegensatz zwischen den Bestrebungen der Alliance und des Zionismus hervor. Scharfe Kämpfe hatte unter der Leitung Narcisse Leven das Pariser Zentralkomitee der Alliance u:it der Deutschen Konfereuzgemeinschaft der Alliance durchzukämpfen. Narcisse Leven war als Präsident der Alliance hervorragendes Mitglied der Leitung der Jca. Er war einer der ältesten Chowewe-Zion. Trotz der Kämpfe, die die zionistische Organisation in den früheren Jahren mit Narcisse Leven und der von seinen Geist bestimmten Allianceleitung auszufechten hatte, wissen wir die hohe Bedeutung des Verstorbenen vollauf zu würdigen, der sich um das Judentum außerordentliche Verdienste erworben hat. Runllfchau. Der amerikanische Dreyfuß. Unter den christlichen Geistlichen ist eine Bewegung entstanden, um die Hinrichtung des offenbar, unschuldig des Mordes halber zum Tode verurteilten Leo Frank aufzuschieben. Die französische Regierung, hat eine Subvention von 40.000 Kronen der französischen Allinuceschule in Marokko bewilligt. Der mutige Chief-Rabbi. Ter spaniolische Chiefrabbi Dr. Gaster hat in London in einen: öffentlichen Meeting erklärt, daß die englischen Juden trotz des Krieges brüderlich mit den notleidenden galizischcu Juden fühlen. Er reflektiere nicht darauf der Held der Zeitungen zu sein, sondern seine jüdische Pflicht zu tun. Dr Gaster, ein Zionistenführer, ist Professor ii: Bukarest gewesen und wegen seiner Angriffe auf die antisemitische Negierung, troßdem der König sein Freund war, ausgewiesen worden. Er wurde später vergeblich zurückgerufen. Die Flucht des Kosincr Rabbi. Der Warschauer ״Moment" ׳erzählt von der Flucht des Kosiuer Rabbis,' der über 10.000 Chassidim gebietet und ein Sproß des auch in der Literatur verewigten Kosiuer Maggids ist. Sie flohen Freitag Nachts und der Rabbi rettete nichts als zwei alte Thorarollen, die sein Ahn eigenhändig geschrieben hatte. Der Regen floß in Ströme:: und der Rabbi zog seinen Nock aus, um ihn um die Rollen zu Wickeln und lief im strömenden Regen im Hemde durch die schwarze Nacht. Jetzt befindet er sich in Warschau. Sein Haus ist vollständig zerstört worden. Tod zweier Jeschibaschüler. Alexander Breuer aus Diszel (Eon: Zola), ein besonders fleißiger und braver Schüler der der Pozsonher Jeschiba, ist aus dem nördlichen Schlachtfelde gefallen. — Tragischer ist der Tod des zwanzigjährigen Adolf Durchschlag. Er weilte gerade bei seinen Eltern in Jzbugyradvany, als es von der Russeninvasion heinigesucht wurde. Tie Kosaken veranstalteten dort ein fürchterliches Blutbad. Sie drangen ins Wirtsgeschüft seines Vaters ein, erschlugen seine Mutter, erschossen dann ihn selbst. Seiner Schwester die flüchten wollte, zerschossen sie ein Bein, und nur dem Vater gelang es heil zu entkommen. Die Predigten für die Hilfsaktion. In allen Synagogen Newyorks ist an: Ehanuka-Sabbat für die Unterstützung der galizischeu und russischen flüchtigen Juden gepredigt worden. Der Weg nach Aegypten. Der Weg der Türken nach Aegypten führt über die Halbinsel Sinai. Es ist dies ein recht unwirtliches Land mit steinigen Bergeshöhen,