Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XVI (1915)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1915)
- Date
- 1915-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^,4^^^^^^S^^WWW^WWW«WWWW»>W> I. WMHWW Gettr 4. tom^ *•mm*# Nr. l. Es herrscht ein unbeschreiblicher Schmutz, und man schleppt halb Frankreich m\ den Füßen mit in seine Bude. Das bringt mich dazu, Euch eine kurze Beschreibung über meine Rechte und P fl ichten als Gefreiter zu geben ... t. Maeterlink: Erwartung. (Aus der bei Dicderichs, Jena, erschienenen Gedichtssammlung.) Die Seele faltet ihre Wunderhände Am Himmel meiner Blicke, Herr, und fleht: O, daß mein Träumen doch Erfüllung fände Das von den Lippen deiner Engel geht! In meinen müden Augen harrt sie still, Den Mund geöffnet zu Gebeten, Tie zwischen meinen Liedern sich verspäten Und deren Blüte nie״,als kommen will. In meines Traumes Schoß ruht sie die Brust, Die unter ״,einen Wimpern ihr verblüht, Und zuckt die Wimpern, der Gefcthr bewußt. Die sie in: Garn der Lüg' erwachsen sieht. Auszeichnungen Silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse erhielten: Infanterist Emanuel Guttmann, Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 81; Infanterist Moses Schermer, Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 82; Zugsführer Max Kran,er, Landw.-Haub.-Div. dlx. 22; Reservefähnrich Dr. Josef Nappaport, Landw.- Inf.-Reg. Nr. IN; Infanterist Saun Engländer, Jnf.-Reg. Nr. 8.!; Res.-Kadett Michael Bardach, Jnf.-Reg. Nr. NO; Korporal Aladar Friedmann, Hus.-Reg. Nr. 12. Silberne Tapferkeitsinedaille zweiter Klasse erhielten: Einj.-Freiw.-Feuerwerker Erich Kohn, Feldhaub.-Reg. Nr. 2; Tit.-Feldwebel Max Pollatschek, Einj.-Freiw.-Korpornl Leopold Basch, Korporal Karl Deutscher, Infanterist Josef Pollak, alle vier vom Jnf.-Reg. Nr. 84; Gefreiter Arpad Breuer, Jnf.-Reg. Nr. 82; Infantcrift Karl Goldstein, Jnf.-Reg. Nr. 80; Vormeister Abrahn,n Feuerstein, Feldkan.-Reg. Nr. 86; Fugsführer Eugen Goldstein, schlvere Haub.-Div. Nr. 4; Korporal Rudolf Kohn und Korporal Sigmund Wahrma״״, Telegr.-Reg. Fugsführer Isidor Goldman״, Jnf.-Reg. Nr. 84; Korporal Sainuel Kis, Jnf.-Reg. Nr. 00; Fugsführer Simon Thut und Infanterist Jakob Wieselberg, Jnf.-Reg. Nr. 81; Feldwebel Jakob Lazar und Fugsführer Michael Fuhrmann, Infanterieregimcnt Nr. 61; Husar Moses Sorba״,^ Hus.-Neg. NW. 2; Korporal Dyonis Löwy, Inf.- Reg. Nr. 44; Vormeister Sigmund Gerstl, Feld- Kan.-Reg. Nr. 81; Reservefähnrich Mar Glas und Rechnungsunteroffizier Max Menkes, Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 10; Gefreiter Simon Steiner, Landw.-Jnf.-Neg. Nr. 27; cand. für. Fritz Klein, Fähnrich R., Jnf.-Reg. Vh. 72. ♦ Leutnant Robert Zweig. Der Gesellschafter der Firma Adolf Pollak (Joachim Pollaks Sohn) in Proßnitz, Robert Zweig, der als Leutnant ins Feld gerückt ist und sich als Bataillonsadiutant im Landsturn,regiment Nr. 18 durch seine Tapferkeit hervorgetan hat, fand in heldenmütiger Pflichterfüllung auf den, nördlichen Kriegsschauplatz den Tod. Leutnant Fweig wurde durch die Verleihung des Signum laudis ausgezeichnet. Flüchtlinge. Ein Volk, das n,an in Feuer und Wasser bringt herein, ,miß dir wieder teuer, gereinigt von der Sünde sein! (Synag. Poesie d. Mittelalt. 17). Welch' ׳eine Fülle von Gran, und Schmerz, von Wehluut und Bitterkeit liegt in diesen, verhängnisvollen Worte! Der härteste Schlag, der einen Menschen treffen kann, ist, wenn er Plötzlich gezwungen wird, Haus und Hof, Hab und Gut, überhaupt die ihn, lieb und teuer gewordcne Heimat, wo er geboren und erzogen wurde, wo seine teueren Ahnen ihre letzte Ruhestätte gefunden, mit Weib und Kind zu verlassen, in die kalte, frostige, unfreundliche Fremde hinaus zu e.leu und von Orr zu Ort zu wandern, um nur das nackte Leben retten zu können. Solch schwer geprüfte Menschen verdienen, selbst wenn;ie mit Schwächen und Fehlern mannigfacher Art behaftet wären — und welcher Staubgeborene ist unfehlbar — daß sie mit besonderer Rücksicht und Nachsicht in feinfühliger Weise behandelt werden, damit sie ihr hartes Geschick einigermaßen n,it Geduld und Resignation ertragen können. Es genügt nicht, sie,bloß zu näh ren, körperlich zu stärken und zu kräftigen, damit sie nicht an, Hungertuche nagen ^müssen, sonder!, man muß auch auf ihren Seelcnschmerz Rücksicht nehmen und sie derart behandeln, auf daß sie nicht zu sehr die Härte des Wortes ״Fremde" zu fühlen brauchen. Kein historisches Ereignis wird in der hl. Schrift so oft und so nachdrucksvoll betont als die Befreiung Israels aus der Knechtschaft Aegyptens. Bei seder Gelegenheit wird den, Bekenner des Judentums eingeschärft: ״Bedenke, daß du in eineu, fremden Lande, in Mizraiin, geächtet und geknechtet wurdest." ״Liebet den Fremden, denn Fremde wäret ihr in Aegypten." ״Wenn ein Fremder bet dir in euerem Lande wohnt, kränke ihn nicht, wie der Einheimische von euch soll er behandelt werden, liebe ihn wie dich selbst, denn Fremde wäret ihr in, Lande Aegypten." ״Den Fremden sollst du nicht quälen und nicht bedrücken", d. h., wie die Weisen erklären, du sollst ihn nicht durch verletzende Worte kränken und geschäftlich nicht übervorteilen, denn Freu,de wäret ihr in, Lande Aegypten. ״Den Fremden sollst du nicht bedrücken, denn ihr wisset ia, wie einen, Freu,den zun,ute ist, ihr wäret ja auch Freu,de in, Lande Aegypten." ״Wenn dein Bruder bei dir seines Vermögens verlustig geworden, greife ihn, rasch unter die Arme, unterstütze ihn kräftig, gleichviel, sei er ein Fremder oder ein Einhein,ischer, damit er bei׳ dir leben kann." ״Einerlei Lehre sei für den Einheimischen wie für den Fremden unter euch." Bemerkt muß werden, daß in Israel jeder Fremde der war. der einen, andern Volke, einer andern Nasse und andern Konfession angehörte. Nach der Lehre des Judentmns ist der Jsraelite verpflichtet, den Ger, Fremden ebenso liebevoll zu behandeln, wie den eigenen Glaubens- und Stannncsgenossen. Der berühmte Tanaite R. Akiba hatte den Ausspruch getan: ״Das Gebot liebe deinen Nächsten wie dich selbst" bilde das Wichtigste Grundprinzip der Thora (Sifra Ked. Midr. Ber.). Hillel der Große belehrte einen Heiden, der von ihn, verlangte, in gedrängter Kürze mit den, ganzen Inhalt der Thora vertraut gemacht zu Werden, in folgender Weise: ״Was du nicht willst, das n,an dir tut, das tue auch deinen Nebenmenschen nicht." Das ist der Hauptinhalt der ganzen Thora, alle andern Vorschriften bilden hiezu den Konnnentar, gehe also hin und lerne (Sabbat 81). In bezug auf den Vers (Psaln, 16. 6), in welchem derjenige belobt wird, der sein Geld ohne Zinsen verleiht, be,nerkt der Talmud (Makot 24) ״daß diese Belobung sich auf diejenigen Juden erstreckt, der auch einen, ,Nichtjuden' (afilu beribit Aknin) Geld ohne Finse״ leiht." ״Es ist weit sündhafter, einen Nichtjuden zu übervorteilen, als einen Judci," (Toseft B. Kama 10). ״Die Würdigen und Gerechter, aller Nationen", lehrt der Talmud (Sanhedra 106) werden des künftigen Lebens und der ewigen Seligkeit teilhaftig." ״Der Allgütige hat Israel beschworen, gegen die Völker, unter denen sie leben, nie und ״immer Treulosigkeit und Ungehorsam zu begehen (Ketub. 111). ״Wer sich gegen den ׳ Landesfürsten auflehnt, begeht eben ein solches Verbrechen, als wenner sich gegen Gott unwürdig benonunen hätte (Midr. N. Beresch. P.!)2). Und so können noch zahllose Stellen aus den, jüdischen Schrifttum angeführt werden, aus welcher, zur Genüge erhellt, daß die Religion Israels bezüglich der Humanität und Mer,scheuliebe keinen konfessionellen Unterschied kennt. Wenn also der Fremde, der nichtjüdische Verfolgte und Bedrückte, äußerst liebevoll behandelt, geschützt und gestützt werden muß, so ist es doch selbstverständlich, daß jüdische Flüchtlinge, besonders wenn sie^ihres Vernwgens verlustig geworden, mit wahrhaft brüderlicher Liebe aufgenommen werden ,nüssen, damit es ihnen gegönnt sei, unter ihren Glaübensbrüdern ein Menschenwürdiges Dasein fristen zu können. ״Kräftigst unterstützen sollst den Dürftigen und dich ss nicht verdrießen lassen, daß du ihn, zu wiederholten Malen Spenden zukomnren lassen mutzt, denn nur deshalb wird der Ewige dein Gott dich segnen in allen deinen Unternehmungen." (6 M. 15. 10). ״Ist das nicht ein Fasten, das ich liebe: öffne die Schlingender Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte und jegliches Joch zerbreche! Nicht so? Brich dem Hungrigen dein Brot, unglücklich Verfolgte (Flüchtlinge) bringe ins Haus, so du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und deinem Fleische entziehe dich nicht! dann wird wie Morgenröte dein Licht anbrechen und deine Heilung schnell gedcihen, und vor dir zieht dein Heil daher, des Ewigen Herrlichkeit schließt deinen Zug. Dann rufst du an, der Ewige erhört, fleht und spricht: Hier bin ich" (Jes. 68. 0—9). R. Chia erteilte seiner Gattin folgende Lehre: ״Wenn du siehst einen Arn,en sich deinen Türen nähern, so warte nicht bis er anpocht, sondern eile ihn, freundlichst entgegen und reiche, ihn, eine ergiebige Unterstützung, damit man^einst auch unfern Kindern in solch liebenswürdiger Weise entgegenkomme." ״Aber Main״!" rief die betroffene Frau ganz erstaunt aus, was sprichst du da? Wie kannst du nur so unvorsichtig sein, und deinen Kindern ein solch niederschmetterndes Prognostikon stellen?" Beruhige dich mein Kind, entgegnete der fron,ine Rabbi, die Armut gleicht einer Kugel, sie durchläuft die Welt und kein Mensch kann mit Bestimmtheit behaupten, daß er von ihr verschont bleiben werde. (Sab. 16). Man muß daher, so lange man Besitzer irdischer Güter ist, dieselben derart verwenden, daß man für alle Fälle die Früchte einer segensreichen Tätigkeit genießen kann. ״Versende deine Güter über das Wasser, im Laufe der Feiten wirst du sie wieder finden" (Kohel. 11. 1.). Schon aus diesen wenigen aus den, jüdischen Schriftentume hier angeführten Stellen ist klar und deutlich zu ersehen, daß zu allen Feiten die allgenreine Menschenliebe den Grundzug des jüdischen Charakters bildete. Welch unerschwingliche Opfer wurden in den Gemeinde״ Jeschuruns zu allen Zeiten und unter allen Un,ständen — außer den unvergeßlich großen Jrwensteuern — für humanitäre Zwecke gebracht. So oft es galt Unglücklichen beizustehen, Schwergeprüften, Fortheimgesuchten Hilfe zu leisten. Gefangene auszulösen, Flüchtlingen eine Zufluchtsstätte zu verschaffen, Tränen zu trocknen, Wunden zu heilen und tiefbetrübte Herzen aufzurichten, haben alle in den Gemeinden, die Glückbegünstigen wie die Minderbegüterten gleichsam miteinander gewetteifert, un, entsprechende Beweise ihrer Herzensgüte, Munifizenz und aufrichtigen Teilnahme zu liefern. Dieser bewundernswerte Wohltätigkeitssinn war es, den, das Judentum seine unbesiegbare Lebenskraft zu verdanken hat. Was wäre aus Israel geworden in den finsteren Feiten des Druckes und der grausamen Verfolg״״- gen, in den verhängnisvollen Tagen, wo Haß und Lieblosigkeit, Mißgunst und Rachgier, Unduldsainkei-t, Mordsucht und Raubsucht sich gegen das Volk der Geschichte verschworen hatten, wenn nicht die brüderliche Teilnahine in und mit der Gemeinde eine Zufluchtsstätte geboten hätte und heute ״och eine Stelle böte, wo Liebe und Freundschaft die Eisrinde vom Herzen ablöst und die Teilnahine der Brüder das gemeinsame Leid erleichtert. (Fortsetzung folgt.) Runllfchau. Atisemitismus in Bulgarien. Eine heftige antisemitische Bewegung greift in Bulgarien un, sich und die jüdische Bevölkerung ist sehr beunruhigt. Täglich werden in der Presse Verleun,düngen und Anklagen ge-׳ gen die Juden veröffentlicht. Noch nie zuvor hat ׳ die judeufeindliche Agitation einen derartigen Umfang in Bulgarien erreicht. Die Negierung verurteilt zwar die antisemitische Kampagne, hat aber bisher nichts Wirksames zu ihrer Eindün״״ung unterno,nmen.