Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 47 (30.12.1914)
- Date
- 1914-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter diesen ist hervorzuheben, das; den aus feindlichen Ländern zurückgekehrtcn jüdischen Stubentcn die Erlaubnis zur Ablegung der Prüfungen nachdem sic ihnen anfänglich gewährt wurde jetzt wieder strikt verweigert wird. Gesuche von Schülern um Aufnahme in die Mittelschulen über die Prozentnorm hinaus werden abgcwicscn. Zu großen Protesten gab auch der Vorschlag des Ministers des Innern Maklakow Anlas;, das; bei der Genchinigung von Aktiengescllschaf tcn die Ausschließung von Juden als Dircktorcn und Aufsichtsräte wieder streng durchgeführt werden soll. Versicherungen und Testamente zugunsten des Jüdischen Nationalfonds. Es sind in letzter Zeit neuerdings eine größeve Anzahl Versicherungen zugunsten des Nationalfonds abgeschlossen worden, vornehmlich von amerikanischen Juden. Es geschieht dies dort in der Regel im Anschluß an eine persönliche Versichcrung, in der Weise also, daß z. B. der Auftraggeber für sich und seine Familie eine Versichcrung im Betrage von.10.000 Mark aufnahm und weitere 1000 Mark zugunsten des Nationalfonds versichertes Andere Wiederuin haben die Versicherungssumme ausschließlich für den Nationalfonds bestimmt. Insgesamt sind in Amerika Nationalfondsvcrsichcrungcn im Betrage von ca. 120.000 Mark abgeschlossen worden, eine Summe, die in Anbetracht des Umstandes, das; cs sich meist nicht um rcickic Leute handelt, immcrhin bemerkenswert ist. Aber auch in den curopäischen Ländern haben die bei verschiedenen Gesellschaften abgeschlossenen Versicherungen zugunstcn des Nationalfonds erfreulich zugcnommen. Auch testamentarische Zuwendungen an den Jüdischen Nationalfonds mehren sich in letzter Zeit. Aus dem Nachlaß von David Popkiu, Bulavaho (Südafrika) wurden dem Nationalfonds kürzlich 1800 Mark überwiesen. Ferner haben manche Feldzugsteilnehmer die Verwaltung des Nationalfonds von ihren letztwilligcn Vetfügungcn zugunsten des Fonds in Kenntnis gesetzt. Außer dem bereits in einer früheren Mitteilung erwähnten Leutnant 5traus hat auch der leider vor kurzen? in Serbien gefallene Gcsinnungsgcnosie. Ingenieur Ad. Hofmann, den Nationalfonds testamentarisch bedacht. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, das; Angehörige und Freunde eines gefallenen russisch-jüdischen Soldaten, namens Beuzion Gutkin aus Malaja-Wischcra (Gouv. Nowgorod), einen Oelbaumgartcu in Palästina auf den Namen des Verstorbenen gestiftet haben. Moslemische Funktion eines Rabbiners. Oberrabbiner Dr. Leopold .Kecskemeti in Nagyvarad hat bei sterbenden nlohanunedanischeu Soldaten, die im dortigen ,Kriegsspital lagen, die geistliche Funktion — mit Hilfe eines Dolmetsches — versehen. Eines der Begräbnisse fand Samstag statt, weshalb der Rabbiner schon Freitag das Grabgebet verrichtete. _____ Hebräischer Kricgsring. Rabbiner Dr. Hcvcsi, Budapest, hatte im Einvernehmen mit der Negierung einen sehr schönen silbernen Kricgsring in' Verkehr gebracht, der die Inschrift: ״Adono usi, 1014. Zedaka tazil" trägt. Der Ring findet als Andenkcn und Amulct reißenden Absatz und Dr. Hevesi konnte dem Landesverteidigungsfond schon die ersten 6000 Kronen abliefcrn. Der Ring ko stet 2 Kronen in jeder Größe und ist auch durch unser Blatt zu bestellen. Ein 64-jähriger- Frcilvilliger. Ludwig Stern, der den 70cr Feldzug als Leutnant mitgemacht hatte, diente jetzt als Freiwilliger. Er fiel und wurde in Aachen mit Ehrcn begraben. Grenzsperre für russische Juden. Der rumänische .Konsul in Odessa erhielt die Ordre, daß er keine weiteren Pässe für Juden visieren dürfe, da die rumänische Grenze für Juden gesperrt worden sei, mit Ausnahme von Aerztcn. Die Mikve des Stadtratcs. In Johannisburg hat der Stadtrat eine Mikve (rituelles Bad) auf eigene .Kosten gebaut. Der zionistische Rabbiner Dr. Landau war der Initiator. Das Bad ist nach strengster rituellcr Vorschrift gebaut. Ebenso ist eine große, prächtige Synagoge erbaut worden. Johannisbürg ist bekanntlich eine judcnreichc Stadt und wird von den Engländern ironisch Jewhannisbürg geheißen. Aus Warschau. Das Newyorker ״Uiddische Volk" meldet aus Wauschau: Die Polen haben yiddische Proklamationen aufrührerischen Inhaltes gedruckt und sie in jüdische Häuser geschmuggelt. Sie erfinden stets neue Kabalen gegen die Juden. Der Schrecken in Warschau war so groß, das; die Rabbiner ausrufen ließen, man möge Heuer nicht zu Taschlich gehen. Ter Gcrer Rabbi untersagte den Gläubigen die große Wallfahrt zu ihm.?Nachdem in der Umgegend Warschaus Pogrome begannen, griff der Warschauer Gouverneur zu ernstlichen Maßregeln. In Josefow haben die Polen das Märchen der Bruuncuvergiftuiig aufgefrischt. Mau hat darauf 87 Juden getötet. Rabbiner Dr. Plaut gestorben. Rabbiner Dr. Plaut an der Frankfurter Haussynagoge (früher .Karlsbad) starb im Al ter von 72 Jahren. An seiner Bahre sprach Nabbitter Seligmann und der Bürgermeister.. Jüdische Studenten im Felde. Nach der soeben erschienenen Nummer der Zeitschrift des ״.Kartell-Convents der Verbindüngen deutscher Studenten jüdischen Glaubens (,K. C.)" stehen nicht weniger als 460 der K. C.-cr im Felde. Davon haben sich gegen 160 rciwillig gestellt. 24 sind bereits verwundet. 0 gefallen, 82 haben sich das Eiserne Kreuz erworben. Ein türkisch-jüdisches Bcrbrüderungsfest. Jerusalemer Blätter berichten in ausfiihrlicher Weise über ein muselmanisch-israelitisches Verbrüderungsfest in .Konstantinopel, au! dem Vertreter der angesehensten arabischen Familien sowie hervorragende israelitische Literaten und Gelehrte tcilnahmcn. Es wurden auch Ansprachen in hebräischer Sprache gehalten. Eine neue Zeitung in jüdischer Sprache. Ab 1. Jänner 1 SU5 wird in Wien, 2. Be.>, Taborstraße 62, P, ein neues Tageblatt in jüdisck>cr Sprache unter den; Titel ״Wiener Diorgen ze i t u n g " ersche i n cn. Die Flucht der Bevölkerung aus Warschau. Nach Depeschen aus Rußland beträgt die Bevölkerung von Warschau höchstens noch 80- bis 100.000 Seelen. Es sind dies nur die Allerärmsten, in der Hauptsache Frauen und .Kinder der ciugczogcnen Arbeiter. Der wohlhabende Teil der Bevölkerung, der׳ teillveise nach Warschau wieder zurückgekehrt war, ist nach dein Falle von Lodz und dein Wiedcrauftauchen eines Zeppelins über Warschau wieder geflüchtet, und zwar hauptsächlich nach Moskau. Die russischen Behörden legen der jüdischen Bevölkerung, die die vom Feinde bedrohten Städte verlassen will,' die größten Schwierigkeiten in den Weg, indem sic darauf Hinweisen, daß den Jllden auch im Krieg keine Freizügigkeit gestattet ist. Nr. 47. Berlin. Professor Max Liebermann, der seit Beginn des Krieges in Zeichnungen und Lithographien Gestalten und Bilder dieser Monate darstcllte, hat Tn seinen Gemälden auch jetzt an den Gegenständen fortgearbeitet, die den Meister in den letzten Jahren beschäftigt haben. Hatte er damals einet; Treiber mit Hunden in den Dünen gemalt, den die Wiener Moderne Galerie erwarb, so schuf Licbernunm jetzt das lebensgroße Bild eines Jägers mit eincin Hunde. Auch ein neues Bild eines Wettrennens hat der Künstler jetzt vollendet. Sofia. In Viddin (Bulgarien), von wo fast sämtliche Juden an den letzten zwei Balkankricgen tcilgenommcn hatten, hatte sich gleich nach Beendigung des Balkankraeges ein Komitee zur Sammlung eines Fonds zur Errichtung eines Denkinals für die in den Balkankriegcn gefallenen jüd. Soldaten aus Bulgarien gebildet. Tie Sammlung dieses .Komitees hatte ein günstiges Ergebnis, und auch-das Kriegerdenkmal ist bereits fcrtiggestellt. Es wird dieser Tage unter besonderen Feierlichkeiten im Hofe der Synagoge von Viddin zur Aufstellung gelangen. London. Der Londoner Orden der ״Bne Brith" hat in einem der aristokratischsten Viertel von London auf eigene Kosten ein Asyl für die zahlreichen hierher kommenden jüdischen Flüchtlinge eingerichtet. Vis jetzt sind da 50 Familien ausgenommen worden, die aus Paris, Löwen, Lüttich, Gent und Antwerpen geflüchtet waren. Es verdient besonders hervorgchoben zu werden, daß die Räume für diesen Zufluchtsort von einem edlen Christen, namens Dr. Bäcker, den ״Bne Brith" unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Für die Verpflegung sorgen vollständig, die' ״Bire Brith". Jakob H. Schiff. Die ״Morning Post" vom 4. d. M. bringt folgendes Telegramm ihres Korrespondeiltcn aus Washington: Mr. Jakob H. Schiff, eines der hervorragendsten Mitglieder der Ncw-?)orker Bankfirma Kuhn, Loeb u. Co., welche innige Beziehungen zur deutschen Negierung unterhält, hat seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft nicdcrgclegt, weil Japan sich auf die Seite .Rußlands gestellt hat. Während des russisch-japanischen .Krieges hat die Firma Mr. Schiff eine große japanische Anleihe in Amerika vermittelt. Mr. Oskar Strauß, vormals Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, hat gleichfalls seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft Designiert. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5W0 Jährlich fallender garantierter Prämie Cenaralagentur für Wien I., Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag rerdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Cerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes Oeneral-Agentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Rli.gplatz 9. General-Agentur für Blelitz, Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitlinger. Hauptagentur fOr Brünn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Auszeichnungen Sc. Majestät der Kaiser hat verliehen für aufopferungsvolles und tapferes Verhalten vor dem Feinde: Das Ritterkreuz des Frauzl-Josef-Ordcns am Bande des Militärverdienstkreuzes: dem Stabsarzt Dr. Heinrich Berger, Sanitätschef der 10. Landsturmbrigade. (Stabsarzt Berger ist ein Schwiegersohn des verstorbenen Landtagsabgeordneten und Kultusvorstchers Tr. Bernhard Goldmann in Lemberg); ferner dem Oberstabsarzt Tr. Ludlvig Glück, Sanitätschef der 20. Laudw.-Jnf.-Div.; dem Stabsarzt Dr. Albert Oberländer der 18. Landw.-Jnf.-Div. Das Goldene Mrdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkcitsmedaille: dem Assistenzarzt Dr. Aron Silbcrmann: den Oberärztcn Dr. Albert Steiner der Div.-San.-Anst. Nr. 8 und Dr. Emil Löw der Div.-Sän.-Anst. Nr. 30. Die allerhöchste belobende Anerkennung (Signum laudis) ausgesprochen: den Leutnants -s