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Jüdische Volksstimme · 1914-12-30 · Heft 47 (30.12.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 47 (30.12.1914)
Date
1914-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 47. «Tttische »,!r-Hr««e* Sette 2. Ist ja ein großer Teil dieser Bevölkerungsschichte von einem Hundertdrcißigniillionenreich gewaltsamerweise hier hineingeschoben worden. Wo die Bevölkerung im großen und ganzen aus heimatlichem Boden bleibt, da mag sie wohl gedrückt, ja geknechtet sein, doch weicht die Macht und Gewalt, so ist sie wieder frei im erbgesessenen Lande. So ist cs mit den Irländern und Polen. Bemerkenswert ist, das; diese keineswegs gegen andere milder gestimmt sind, die quälvoll zu leiden haben. Da trifft das Wort des Spruchdichters zu, der cs verkündet: Unter drei Dingen erbebt die Erde . . . Unter einem Skiaven, der zur Herrschaft gelangt, unter einem Verworfenen, der sich satt gegessen ... So ist es auf dem Balkan, unter den Regenten, mit Peter, unter den Staaten, mit Rumänien . . . Hoffen wir. daß cs auch hier bald anders wird. Doch dürfen wir imsever speziellen, jüdischeu Pflichten nicht vergessen. Heute stehen unsere Brüder noch zu Hundcrttausenden heldenhaft auf den Schlachtfelder«. Wie viele Hunderte haben da die Tapferkeitsmcdaillc errungen, wie viele Tausende aber auch den .Heldentod erlitten, wie viele Seufzer und Tränen beraubter Mütter, verlassener Witwen und Waisen . . . Da mag denn bald des Sieges frohe Kunde und des Fricdenschlusscs Fest gefeiert werden und da soll auch des Judentums nicht vergessen werden. Es wird da vielleicht an dem Bcaconsficld von einst und an so manchem andern fehlen . . Doch wird auch wieder so manches hier feint was dort nicht war. . Nicht als letztes das türkische Reich, in dessen Grenzen die Wiege den Menschheit stand, auch die Wiege unseres Bolkes und wohin die Ncubewcgungen der Judenheit immer in erster Reihe ihr Auge richteten. Wo wir so manche Fragen im Lichte der sich abwickelnden Kriegscrcignissc ventilieren hören, so darf uns auch diese Frage nicht als verfrüht erscheinen. Der zu erhoffende und s. G. w. baldige, glückliche Fricdensschluß sollte darum die gesamtcn jüdischen Organisationen in Bereitschaft finden, deren wir, das heißt, unsere bedrückten Brüder in weiten Landen mehr denn je bcdürfen werden. ״Die Hilfe Gottes aber ist das Werk eines Augenblickes." Wiener Brief. Der Edelsten einer hat den Heldentod des wahren Makkabäcrsohnes erlitten. Dr. Hugo Zuckermann ist seinen auf dem Schlachtfelde erhaltenen Wunden erlegen. Alle, die den tiefernsten, ans der Schule der Wiener Studenten- Vevcinigung ״Theodor Hcrzl" hcrvorgegangencn Mann kannten, der nun in der Blüte seiner Jahre als Frühvollendeter von uns gegangen, werden mit Wehmut der Momente gedenken, in denen er von der Rednertribüne herab zahllose Herzen in atemloser Spannung mit der Glut seiner Beredtsamkcit entfachte. Ein echter Künder der Leiden und Hoffnungen seines Volkes nung strahlten. Auch sie beherrschte eine brcn- »ende Mugierdc und ungeduldig erwartete sie den Abend. Der Abend brachte ihr aber nicht das erhoffte Glück. Der junge Nokach gefiel ihr gar nicht. Sein rot bewachsenes Gesicht und sein breiter Mund machten ihn recht häßlich. Atu selden Abend noch wurde ״Tkias-kaf" gemacht, sie aber wurde nicht einmal gefragt, ob sie einvcrstanden sei. Die Eltern schilderten ihr ihr großcs Glück in der Zukunft. Am nächsten Tage bekam sic die erste Matune: einen goldenen, mit Brillanten gefüllten Ring und ein mit Diamantcn gefülltes Armband. Das überraschte sie schon und beruhigte sie. Wird sic doch die einzige in der Stadt sein, die solche reiche Geschenke lvird zeigen können. Sic bekam dann noch viele Geschenke und fühlte sich glücklich. Doch das dauerte nur bis zur Hochzeit. Jetzt mußte sie auch mit dem häßlichen Manne, der die reichen Geschenke gegeben, wohnen. Sie wußte gar nicht, lvie schwer ihr das sein wird. Nun begannen schreckliche Tage für sie. Der reiche Manu be- :rachtete sie als gekauftes Gut, erteilte ihr nur seine Befehle wie dem übrigen Personal. Sein Stolz kränkte sie. Allein durfte sie nicht spazieren gehen. Sic fühlte sich recht einsam und unglücklich im Hause des reichen Nokach. wußte er durch die Macht der Ueberzeugung zu faszinieren und riß die Zuhörer unwiderstehlich mit sich fort. Nun schveigt sein Mund für immer; gleich den größten unserer Führer und Herolde in, alter und neuer Zeit war auch ihm nicht vergönnt, das Land seiner, unserer Sehnsucht zu schauen . . . sein vor vierzehil Tagen in der Wiener ״Jüdischen׳Zeitung" veröffentlichtes Makkabäergedicht — es war sein Schwanengesang! Elchanan. Der Mantel des Propheten. Der heilige Krieg ist erklärt, die heilige Prophctcnfahne entrollt, der Sultan hat vor dem Mantel des Propheten Molgimmcd gebetet. Dieser Mantel umschwebt der Glorienschein der mohammcdanischen Legende. Er soll im Harem des Propheten gewirkt, dann einem zum Islam bekehrten Ungläubigen vom Propheten selbst geschenkt worden sein׳ ,׳ durch die Jahrhunderte Nab, der ein Geschäftsfreund ihres Mannes war und ihr Haus öfter besuchte, sah ihre Lage und ließ ihr heimlich einen Brief zukommen, in dem er ihr mittcilte, daß er ihrer noch immer gedkuke und er stets bereit sei, sie mit Freiheit und Glück zu beschenken. Doch sic antwortete ihm nichts. Wie konnte sie es auch? Ist sic doch die Tochter des frommen Schewach Parnas und die Schwiegertochter des bekannten Schamaj Nofad)! Ihr Unglück wuchs von Tag zu Tag. Wenn sie wenigstens ein Kind hätte, wäre ihr Leben nicht so leer. Aber auch dieses Glück mußte sic entbehren. Nun kam sie nach Krynica zur Kur. Auch da hatte sie keine Freiheit. Voruch beglcitete sic nach .Krynica und ließ sic nie allein. Nur mit einigen bekannten Frauen ihrer Stadt durfte sie spazieren, doch nur während des Konzertes. Nach sechs Uhr mußte sic alles zurücklassen und nach Hause gehen. Mehr als zu Hause spürte sie hier ihre Sklavenrolle. Heute wollte sie auch den schönen Tag genießen und ging mit ihrer Nachbarin zum Deptak. Dort fanden sie angenehme Gesellschaft, Nachbarinnen und Bekannte. Auch ein junger Mann war in der Gesellschaft. Schon lange, daß sie sich nicht so wohl gefühlt hatte. Plötzlich erschien vor ihr ihr Mgnn wurde dann der Prophetenmantel — und auch andere Stücke der Bekleidung und des täglichen Gebrauchs Mohammeds — zur kostbaren Neliquie, vor der der Stellvertreter des Propheten auf Erden, der Sultan, in heiligen Stunden inbrünstig betet. Der Mantel überhaupt spielt im Orient als wichtigstes Kleidungsstück eine bedeutsame Rolle, und auch unsere Bibel spiegelt diese Bedcutsamkeit verschiedentlich wieder. Es sei nur an die humane mosaische Vorschrift erinnert, dem Armen den gepfändeten Mantel bis Sonnenuntergang wieder zuzustcllcn: denn heute wie vor tausend Jahren ist der Mantel in Palästina noch das Bett des Landmannes, in dem gewickelt er die Nachtruhe verbringt. Aber auch mit dein jüdischen Prophetentum hat der Mantel mannigfache Zusammenhänge. Als Saul den Zipfel des Mantels des sich von ihm wendenden Samuel erfassen will (1. Buch Sam. 15, 27), reißt dieser ab, und Samuel sieht darin ein prophetisches Zeichen: ״Abgerissen hat Gott heute das Königtum über Israel." Der Prophet Achia zersetzt seinen Mantel in zwölf Stücke und gibt dem ihn begleitenden Jerobeam zehn zum Wahrzeichen, das; er über zehn Stämme den Herrscherstab schwingen soll. (1. Buch Kön. 11, 29.) Elia weiht seinen Jünger Elisa zn seinem Nachfolger: Er wirft ihm seinen Mantel über. Elia schlägt mit dem Mantel das Wasser. Es zerteilt sich׳, und als er im feurigen Wagen, gen Himmel fuhr und ihm da der Mantcl entglitten war, hob Elisa, sein Fortseßer, das Kleidungsstück auf, schlug ins Wasser und sprach: Wo ist denn nur der Gott Elias? (1. Buch Kön. 19. 14; 2, 8, 13, 14.) ׳ So erweist sich, daß auch mit der jüdischen ׳ Prophetie der Mantel lose verknüpft ist. aber nur äußerlich und symbolisch. Was für den Gottesinann Mose der Stab, mit dem er das Schilfmoer teilte, mit dem er Wasser aus dein Felsen rinnen läßt, so ist für Elia und Elisa der Mantel das Werkzeug, um Aehnliches zu verrichten, llnd da noch heute im Orient der Mantel das Zeichen der Mannbarkeit, der Würde ist, ohne den kein ehrbarer Bauer oder Beduine Haus oder Zelt verläßt, so benützt ihn auch der altjüdische Prophet für weihevolle Verrichtungen: für die Uebcrtragung seiner Nachfolge: das lieberreichen der Mantelfetzen ist das Wahrzeichen für die llebcrgabe der staatlichen Herrschaft. Niemals ist jedoch in der jüdischen Religion der Mantel, auch der des Propheten nicht, ein Gegenstand der Anbetung gewesen. Ir. Hanidachas. Eine irregeleitete Stadt. (Schluß.) Er hintcrlics; keinen regicrungssähigen Erben, daher seine Feldherren selbst die Erben des großen Weltreiches sein wollten. Jeder einzelne von ihnen glaubte mit Recht aufeinen Teil jenes Reiches, welches er habe erobern geholfen, Anspruch zu erheben. Infolgedessen entsteinden blutige Kämpfe. — Ein ähnliches Geschick und forderte sie auf, mit ihm nach Hanse zu gehen. Sie wurde rot und begann zu zitternd Es half kein Bitten der Freundinnen, sie mußte sich verabschieden und nach Hause gehen. Ein lautes Hurrah, das von Tausender Kehlen aufjauchzte, weckte sie von ihren Gedanken. Sie lauschte. Heitere Gespräche, lachende Stimmen. Alles lebt und genießt und sie, nur sie allein darf das Leben nicht, genießen. Warum? Weil sic sich dein Reichtum geopfert hat? Konnte sie denn auch nicht reich und glücklich sein? Was hätte ihr bei Nab gefehlt? llnd lvas hat sie von Boruchs Reichtum? Es kann so nicht bleiben, llnd ihre Eltern? Sie kann aber nicht und will auch nicht ihr junges Leben opfern. Es muß geschehen. * Als Bornch am zweiten Tage vom ״Minja»" mil dem Tefilinsack i» sein Zimmer trat, fand er auf dem Tisch eiiivu Brief von Scheindel. in dem sie ihm mitteilte, er möge sich eine audere Sklavin kaufen, sie werde nie mehr zu ihm zurückkehren. _

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