Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 46 (23.12.1914)
- Date
- 1914-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Seite 5. mucl Appel, Jnf.-Reg. Nr. 67; Kadett der Rescrve Alexander Bachmann, Jnf.-Rcg. Nr. 85; Rechnungsunterosfrzier Adolf Kwartler, Hus.-;lieg. Nr. 12; Korporal Wilhelm Schlesinger, Telegraphenrcgiment; Inf. Andreas Diamant, Infanterie-Reg. Nr. 32; Zngsf. Nuchim Kupferberg, Fcldkanonenregiment Nr. 31; Gefr. Sunson Stcgmann, Jnf.-Reg. Nr. 58: Zugsfiihrer Salomon Meininger und Korporal Salomon Goltz, Jnf.-Rcg. Nr. 24; Zugsführer-Leon Dabcr und Gefr. Moses Kimmelmann, Jnf.-Reg. Nr. 41. Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse erhielt, wie gemeldet, Moritz Kaufmann, Rechts- Praktikant beim Bezirksgericht in Pohrliß, Fähnrich der Reserve beim 8. Jnf.-Reg. in Brünn. Stets durch seine Tapferkeit ein leuchtendes Beispiel gebend, hat er sich selbst zu Nntcrnehmungen, die an den Manncsmut des Kriegers hohe Anforderungen stellten, freiwillig gemeldet. , Auszeichnung. Caud jur. Fritz Klein, k. k. Fähnrich in der Reserve im 72. Jnf.-Reg., ein Sohn des Vize- Präsidenten Josef Klein, wurde für sein Tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Dekorierte jüdische Militärärzte. Für ihr tapferes Verhalten vor dem Feinde wurden Stabsarzt i. P. Dr. Michael Grabscheid und Negimentsarzt i. P. Dr. Samuel Bram, beide zugeteilt dem Fcstungskommando in Przcmysl, ausgezeichnet, und zwar erhielt crstever den Franz-JosefOrden, letzterer das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Herr Dr. Bram hat bereits den bosnischen Feldzug mitgemacht, lies; sich im Jahre 1808 pensionieren und hat sich zu Beginn des Krieges freiwillig gemeldet. Er ist ein Bruder des Herrn Jakob Bram, Vorsteher des poln.-israel. Tempels in Wien. Unsere Mitarbeiter im Felde. Unser Mitarbeiter, .Herr Dr. Hugo Bergmann, Prag, hat an seine in Brünn wohnenden Anverwandten diesen Brief geschrieben: 30. November. Im Schützengraben! Liebe Tante und Onkel! Vielen Dank für Eueren lieben Brief und Deine Beschreibung liebe Tante. Hoffeulich wird es zu den Scgnungen dieses Krieges gehören, das; er Liebe und Mitgefühl der Menschen stärken, die Gegensätze der Klassen mildern, vielleicht sogar aufheben wird, so das; die Kinder in einer besseren und gerechteren Atmosphäre aufwachsen werden. Was die Galizier anbelangt, so sehe ich das entsetzliche Unglück dieser Menschen täglich. Nur ein kleiner Teil von ihnen wird nach dem Krieg in die verwüstete und verarmte Heimat zurückkehren köuneu. Dem Bauer bleibt seine Erde, dem Juden wird aber alles genommen sein. Man wird beizcitcn daran denken müssen, den Leuten entweder iin Westen Oesterreichs Arbeitsgelegenheit zu verschaffen oder eine Uebersiedlung nach Amerika oder Palästina zu ermöglichen. Tie Armen sind ja nicht mindere Opfer und Helden des Krieges als die Soldaten. — Habt Ihr meine letzte Karte wegen des Gefreiten Leszagewicz erhalten? Ich habe ihm seither 20 Kronen senden können. Herzliche Grüße und Empfehlungen Eueren Lieben. Besonderen Grus; an Gerti. Euer Hugo. Eingesendet. Löbl. Redaktion! Ich erlaube mir die höfliche Bitte, nächstehende Zeilen in Ihrem gesch. Blatte Raum zu geben: Am 23. August bin ich von Buczacz geflüchtet und nach vielen Plagen am 7. September hier nach Proßnitz gekommen. Seit damals brachte und bringt jeder Tag viele Flüchtlinge aus Mittel- und Westgalizien. Die Zahl derselben ist jetzt auf mehr als 2000 angewachsen und habe ich Gelegenheit, die unermüdliche Tätigkeit und väterliche Fürsorge des über alles Lob erhabenen hiesigen Rabbiners Herrn Dr. Goldschmied wahrgenommen. Mein Herz ist voll Bewunderung für diesen seltenen Mann und fühle mich verpflichtet, meine Gefühle zu veröffentlichen. Außerdem, daß derselbe jeden Freitagabend mit seiner berühmten Rednergabe in stundenlangen Predigten die hiesigen Bürger zur Wohltat und zum Mitgefühl mit den beklagenswerten Flüchtlingen aueifert, kennt seine phnüsche Tätigkeit keine Grenze. Tag und?lacht ist derselbe bei der 'Arbeit, Geld, Kleider und Einrichtung zu sannneln und air die Aernisten zu verteilen. Fast den ganzen Tag finden sich viele Fluchtlingc mit verschiedenen Bitten bei ihm ein und jeder findet liebevolle Aufnahme, väterlichen Trost und weitmögliche Hilfe. Dieser prächtige Mann ist eine Zierde und unschätzbare Perle des Judentums. Auf solchen Rabbiner können wir wahrlich stolz sein. Mit vorzüglicher Hochachtung A. Lichtman. Proßni'tz, 21. Dezember 1014. Korrespondenzen. Lundenburg. Seit der ersten Äriegswoche bergen auch die Mauern unserer Stadt jüdische Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, deren Zahl in den letzten Tagen auf 800 Seelen gestiegen ist. Zur Unterstützung der in Not Geratenen bildete sich gleich von Anbeginn ein Hilfskomitee, welches eine aufopfernde und äußerst segensreiche Tätigkeit entfaltet. Durch wiederholte Sammlungen und Zeichnungen freiwilliger Monatsbeiträge, wobei sämtliche hiesigen Gemeinde- Mitglieder eine seltene Opferwilligkeit an den Tag legen, wurde für die Aermsten der Armen bis nun viel gutes geleistet. Die am 10. d. M. von den Damen des Flüchtlingskomitees unter der Leitung der in der Betätigung wahrer?Neuscheuliebe unermüdlichen Präsidentin des hiesigen isr. Frauenwohltätigkeitsvereins Frau Dr. Bauer im Hotel ״Zur Krone" für die Kinder der Flüchtlinge veranstaltete Chanukabfestjause macht dein Opfersinn der hiesigen Knltiisgemein de alle Ehre; nach einer angeniessenen Jause wurden mehr als 70 Kinder mit Winterwäsche. Backwerk und Obst reichlich beschenkt. Das seierliche Anzüdeu der Chanukahlichter wurde vom .Herrn Oberkautor Goldenberg vorgenommen, wobei Frau Dr. Kamilla Schwenger die Klavier begleitung in exakter Weise besorgte. Herr Nabb'iier Dr. Schwenger richtete an die Kinder eine ergreifende Ansprache, welche in ein dreimaliges Hoch auf den geliebten Landesvater ansklailg. Hierauf wurde die Volkshhmne von den Kindern begeistert gesnngen. Es war ein herzerquickender Anblick, die von Freilde und Glückseligkeit strahlenden Gesichter der armen Fliichtliiigskinder zu sehen, welchen gewiß die erbebende Feier in ste ter Erinnerung verbleiben wird. Um das Gelin gen dieses Festes hat sich auch Herr Arnold Bitt ner besonders verdient gemacht, der seine ganze freie Zeit im Vereine mit Herrn Knltnsvorstand Josef Holländer nnd Herrn Rabbi!rer Dr. Schwenger der Flüchtlingsfürsorge in nie erlahinender Weise widmet. Ir. Hamdachas׳ Eine irregeleitete Stadt. Wenn im alten Israel das Gerücht verbreitet wurde, das; die Bewohner einer Stadt dilrch ruchlose Unholde zum Götzendienst, wie überhaupt zur Verübung scheußlicher Greueltaten mannigfacher Art verleitet wurden, so mußte vor allem eine äußerst strenge Untersuchung - scheiva cha kerot, siebenfacher Art - eingeleitet werden. Ha den nun die strengen 'Nachforschungen nnd die mit einer minutiösen Pünktlichkeit sondergleichen geführten Untersuchnngen es ergeben, daß das verbreitere Gerücht auf reiner Wahrheit beruhe, so mußte die ganze Stadt samt Allem ivas sich darin befand, schonnngslos eingeäschert werden. Ja noch mehr, sie mußte zur Schmach einem riesigen Steinhaufen gleichen und durfte nie mehr erbaut lverden. In der modernen Zeit jedoch behandelt man eine solch' verleitete Stadt etivas milder nnd nachsichtsvoller. Sie wird vom Gegner. der sie erobert hat, besetzt, streng bewacht, und so sich einer der Beivolnier das geringste Vergelien ,;u Schulden kommen läßt, so wird er rücksichtslos hart bestraft. Eine wahre Ir Hanidachas. eine verleitete und verführte Stadt verdient Belgrad, die Haupt stad! Serbiens genannt zu werden. Belgrad war bis vor wenigen 'Monaten die Brutstätte der Fürstenmorde, der Schlupfwinkel gedungener, gut bezahlter 'Mordbnben, die Z,uflnchtsstä!ie der ruchlosen Todfeinde der altehrwürdigen Mouarchie, die seit vielen Jahren dort ungestört ge fäbrliche, auf die völlige Vernichtung des ul reu Erztiauses.Habsburg Lothringen zielende Pläne schinieden konnten. ׳Nun ist endlich der Tag der Vergeltniig herangenaht, auf dem Palaste, in welchem bis vor kurze»! ein Peter, dessen Großva ter ein Vatermörder war, residierte, flattert jetzt die Fahne der österreich.ungarischen 'Monarchie die zu zertrümmern jener gedachte. Hosseutlich wird in absehbarer Zeit Serbien vollständig besiegt sein und das verhetzte serbische Volk die Ueberzengnng gewinnen, daß diejenigen, die es zur Verübung unerhörter Freveltaten verleitete und ins Unglück gestürzt haben, nicht die aus richtigsten Freunde Serbiens waren. ׳Nun aber hören wir fragen, was würde es uns nützen, wenn auch Serbien, das doch nichts anderes als das Werkzeug des Panslawismus war, ganz geschla gen sein wird, so die eigentlichen Stifter des Weltbrandes frei herumlanfen dürfen, ohne daß sie an der Kehle erfaßt werden können. So lange