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Jüdische Volksstimme · 1914-12-23 · Heft 46 (23.12.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 46 (23.12.1914)
Date
1914-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Beite 4. »JNische Str. 46 Polnische Juden. Unter der Ueberschrift: ״Wohltun trägt Zinsen", bringt das ״Prager Tagblatt" folgende rührende Mitteilung: 3>ic Wahrheit dieses aU tcn Spruches hat sich neuerdings in folgendem Vorfall bewährt: Bald nach Ausbruch des Ärieges mit 9tnßland wurde ein Infanterist eines deutschböhmischen Regimentes in der 9tähe eines galizischen Dorfes schwer verwundet und blieb hilflos im Schützengraben liegen. Eine jüdische Jyamilie nahm sich seiner hilfreich an und Pflegte ihn tagelang, bis ihn eine Sanitätsabteilung mitnahm. Der Soldat lag einige Wochen im Spital und ist nun als Rekonvaleszent in seine Heimat, in ein Dorf bei Saaz. beurlaubt worden. Als er dieser Tage nach Saaz ging, wollte er kaum seinen Augen trauen, als er am Ningplatz jene jüdische Familie traf, die ihn nach seiner Verwundung so aufopfernd gepflegt hatte und setzt durch die Kämpfe in Galizien ihre .Heimat verlassen musste. Der brave Soldat nahm die Leute mit hinaus aufs Dorf zu seinen Eltern, wo sie gastliche Aufnahme und Unterkunft fanden. Die Grosilogc in Deutschland stiftet einen Lazarcttzug. Nach einer Meldung der Frankfurter-Oder- Zeitung will die Bnei Briß-Groß-Loge für Deutschland dem Kriegsministerium einen vollständig ausgerüsteten Lazarettzug zur Verfügung stellen. Die Kosten sollen sich auf 00.000 Mark belaufen. Hilfe für jüdische- Flüchtlingskindcr. Die große Not der Flüchtlingsfamilien macht eine besondere Fürsorge für deren Kinder dringend erforderlich. Die Kinder vor allem müssen vor den Unbilden des Winters und vor möglichen körperlichen und sittlichen Schäden, die ihnen znstoßen können, geschützt werden. Zugleich wird den Eltern dadurch ihr Los erleichtert und ihre Sorge vermindert. Jüdische Familien, die ein Flüchtlingskind während des Krieges unentgelt-!ich bei sich aufnehmen möchten, wollen sich freuudlichst möglichst bald mit dem Hilfskomitee der Machfike Hadas in Verbindung setzen. Russisch-jüdische Soldaten. Im ״Pester Lloyd" schildert der Kriegsberichterftatter: In der ersten Zeit waren es ganz freundliche Fußsoldaten. Schon mit den Tscherkessen waren 126 jüdische Soldaten mit eingezogen. Sie sollten Ordnung halten, damit die wilden Horden aus dem Kaukasus nicht allzuviel Unheil aurichtcn. Nasch hatten die jüdischen Soldateu mit der Bevölkerung Freundschaft geschlosseu. Aus ihrer Gesinnung machten sie kein Hehl. Wen» sie sich von den Russen unbeachtet wähnten, klagten sie der Bevölkerung ihr hartes Los. Sie waren mit ihrem Schicksal nicht zufrieden und wollten gerne entweichen. Gar mancher Bürger wurde gebeten, ihnen bei der Flucht behilflich zu sein. Einige von ihnen erzählten, daß sie in den vor einigen Wochen stattgefnndenen Kämpsei! bei N'owosielicza sich in den Maisfeldern verborgen, ihre Gewehre weggeworfen und nun gewartet hätten, daß die Oesterreicher sie zu Gesaugeneu machen. Es wäre ihnen besser, in Oesterreich gefangen zu sein, als in Rußland als freier Soldat zu gelten. Ein Jude habe doch vom russischen Zaren nie etwas zu erwarten. Sie erzählten auch, ursprünglich hätten die Generale die iüdischeu Soldaten infolge ihrer Intelligenz und lt'-eil iin incindschurischen Kriege so gute Erfallrilligen mit jüdischen Soldaten gemacht wo» den. in die ersten Reihen gestellt. Doch die Generale hatten die Rechnung ohne die Gesinnung der jüdischen Soldaten gemacht. Damals, in der Mandschurei, hatten sie gekämpft, weil man ihneu und ihren Angehörigen Freiheiten versprochen hatte, Nichts wurde gehalten und so seien sie nicht ii» geringsten gewillt, seht wieder ihr Leden für ihre Bedrücker in die Schanzen zu schlagen. Judcnhetzcn in Lemberg. Flüchtlinge ans Lemberg erzählen von neuen Judenhetzen in Lemberg, bei denen 10 Inden zum Opfer fielen. Erst der energische Einspruch des argentinischen Konsuls beim Militärkomniaudo erzielte die Beendigung der Judcnverfolguiigen. Die Geschäfte der geflüchteten Lemberger Juden wurden nach einer russischen Verfügung aufgebrochen, und fvemde Leute verkaufen die Vorräte. Sänitliche Läden müssen offen gchalteu werden. Gegenwärtig herrscht Ruhe in Lernberg. Die Lage der Juden in Serbien. Jiii ״Jewish Chronicle" schildert ein Korrespondent aus Saloniki die schreckliche Notlage der Juden in Serbien, die seit Beginn des Kricges die schlimmsten Tinge erleben müssen. Der Korrespondent berichtet, daß Nisch, die gegenwärtige Residenzstadt Serbiens, von jüdischen Flüchtlingen aus Belgrad überfüllt ist. Die jüdische Gemeinde hat den Flüchtlingen sämtliche Synagogen, Schulen und andere Gemeindegebände als Unterkunft überlassen. Ans Mangel an geeigneten Räumen mußten 200 flüchtige Inden nach Uesküb weiter -transportiert werdeit. Tie jüdischen Schulen sind geschloffen und die Not ist gräßlich. Die jüdische Gemeinde in Nisch hat sich an größere jüdische Gemeinden des Anslandes um Hilfe gewandt. Sie bittet um rascheste Ueberweisung von Geldmitteln, da sonst unzählige jüdische Existenzen den׳ Untergang preisgegeben sind. Heldentod. Auf dent Schlachtfelde in Flandern ist der Husarcnlcutnant der englischen Armee Alexis Baron Gucnsburg gefallen. Er war der Sohn der verwitweten Baronin Henriette Guensburg geborenen Goldschmidt. Die Familien Guensbürg und Goldschmidt haben in Wien zahlreiche verwandtschaftliche Verbindungen. Nationalfondspropaganda in Amerika. Die Herren S. Kaplansky-Kaplan und Dr. B. Epstein vom Hauptburean des Jüdischen Natioualfondes sind in New Bork eingetroffen, um im Jntereffc des Nationalfonds eine Propagandaturnee in den Vereinigten Staaten zu unternehmen. Die Jude» in der Türkei. Auf Grund der Unterredungen, die der Großrabbiner der Türkei mit dem Minister des Innern Talaat Bei gepflogen hat, hat sich die türkische Negierung bereit erklärt, fremdländischeu, in der Türkei wohnhaften Israeliten, insbesondere russischer Staatsangehörigkeit, die zu Tausenden um Gewährung der osmanischen Staatsbürgerschaft ansnchten, diesen Wechsel ihrer Staatsbürgerschaft unter der Bedingung zu gestatten, daß sie die osmanische Staatsbürgerschaft nach dem Kriege nicht wieder aufgeben. Zehntausend dieser Israeliten sind in Jerusalem seß- Haft. Der Anteil der deutschen Inden am Kriege. lieber den Anteil der deutschen Inden am Kriege gibt eine private Statistik interessante Aufschlüsse. Danach wurden bisher an Soldaten jüdischen Glaubens 710 Eiserne Kreuze verlie- Heu, darunter drei erster Klasse. Zu Offizieren befördert wurden bei den Preußischen Konti!» genten 12 Juden, bei dem sächsischen und wärttembergischen Kontingent je einer, bei dem bayrischen wiederum 12 Juden. Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. In den Tagen vom -I. bis 0. Dezember fand in Kopenhagen eine Sitzung des zionistischen Akfums-foiiiHcc■?' stall, an ber sich Mitglieder aus verschiedene!'! Ländern beteiligten. Der Sitzung lagen ausführliche Berichte über die Lage der iüdischen Siedelnng und der zionistischen Inst» tutionen in Palästina vor, die durch den Krieg in große Bedrängnis geraten sind. Mit dankenswerter Energie haben die amerikanischen Inden bereits eine Aktion für die Linderung der Not unternommen, es hat sich' aber herausgestellt, daß weitere große Mittel erforderlich sind. Es wurde daher beschlossen, eine großzügige Hilfsaktion in die Wege zu leiten. Zur Durchführung dieser Hilfsaktion und zwecks Erleichterung der Verbindung der einzelnen Teile der zionistischen Organisationen wurde beschlossen, ein Arbeitsbnreau in einem neutralen Lande einznrichtcn. Die endgiltige Bestimmung des Ortes für das Bureau wurde dem E. A. C. überlassen. Bis dahin wird es seinen Sitz in Kopen- Hagen haben. bin jüdischer Soldat beim Einmarsch der Oesterreicher 1789 in Belgrad. Aus dem alten jüd. Friedhof zu Battelau (Mähren, Jglauer Kreis)-lesen wir auf einem Grabstein den Namen Eisig (Isaak) Popper, eines ausgedienten jüd. Kriegers, der, wie mein gelehrter scl. Vater mir mitteilte, kurz nach ״Jom Kippur" 1780 mit dem siegr-eichen österreichischen Heere in Belgrad cinzog. Es war unter Feldmarschall Laudon, und gerne erzählte der jüdische Veteran, wenn er vor dem altehrwürdigen Gottcshause seiner oben genannten Heimatsgemeinde zur Andacht sich einfand, von den Ruhmestaten der österreichischen Armee, deren Zeuge er selbst gewesen war. Moritz Antscherl. Die türkischen Juden in Frankreich. Wie der ״Nieuwe Rotterdämsche Courant" meldet, hat die französische Regierung allen in Paris wohnenden Türken erlaubt, dort zu bleiden; von dieser Erlaubnis sind jedoch die türk» scheu Juden, deren Zahl mindestens 1600 beträgt, ausgeschloffen worden. Eine griechische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert. Die Berichte, welche Kapitän Naymond Weill über seine im Aufträge und auf Kosten des Baron Edmund de Rothschild in der Altstadt von Jerusalem vorgenommenen Ausgrabungen an die verschiedenen gelehrten Gesellschaften erstattet l)at, enthalten eine Fülle neuer und wichtiger Daten über die älteve Geschichte Jerusalems. Hier sei eine griechische Inschrift wiedergcgeben, deren Ursprung Kapitän Weill in das erste Jahrhundert verlegt. Diese Widmungsinschrift in griechischer Sprache besagt: ״Theodores, Archisynagoges (Präsident einer Synagoge und Priester, Sohn und Enkel des Archisynagogcs), hat erbaut eine Synagoge zum Studium des Gesetzes und zur Lehre der Vorschriften sowie eine Herberge und eine Badeanstalt zur Benützung für Personen, welche aus der Fremde ankommen und dieser Anstalten bedürfen." Auszeichnungen Kriegsauszeichnungen jüdischer Offiziere und Soldaten. Hohe Auszeichnung eines gefallenen Offiziers. Se. Majestät der Kaiser hat dem vor dem Feinde gefallenen Hanptmann Hermann Ritter von Eiß, Sappeur-Bataillon Nr. 14, für besondere Verdienste das Ritterkreuz des Eisernen Kronenordens 8. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Kurz vor seinem Heldentode erhielt Hauptmann Eiß, der ein Sohn des Generalmajors Alexander Witter von Eiß ist, die Allerhöchste belobende Anerkennung (Signum laudis). S o n st i g c D e k o r i e r u n g c n. Die allerhöchste belobende Anerkennung ausgesprochen den Leutnants Dr. Alfred Spitzer, Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 88, Ludwig Reiß, Landst.- Jnf.-Neg. 9(125 .־, Richard Maunaberg, Landst.- Juf.-Neg. 9tr. 34, Dr. Moses Hauer, Jnf.-Neg. 9tr. 41, dem Landsturm-Assistenzarzt Dr. Karl Schlvarz, Jnf.-Neg. 9tr. 40, dem Reservekadetten Max Mund, Landw.-Jnf.-Neg. 9tr. 22. Der Kaiser hat verliehen in Anerkennung hervorragend pflichttrc-nen Verhallens vor dein Feinde das Silbern-e Verdienstkrcuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille dem Feuer- Werker Abraham Gruber, Feldkanonenregiment 9tr. 33, und dem Einj.-Freiw. Mediziner Ernst Wachsmann, Epidemiespital Starzawa. Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse: Zugsführer Jsak Hüttner, Landstnrmregiment 9!r. 10; Feldwebel Hermann Berger, Landwehrregiment 9tt\ 2; Jngsführcr Ignaz Fricdmann, Juf.-Neg. 9tr. 34; Gefreiter Sigismund Weisz, Jnf.-Neg. Nr. 34; Offiziersdiener Horowitz, Jnf.-Neg. 9?r. 07; Gefreiter Nute Jusler, Inf.- Reg. 9tr. 41; Inf. Juda Hausknecht, Jnf.-Neg. Nr'. 24. ־ Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse: Korporal Salo Freud und Offizicrsdiener Josef Herz-. Meister, Landw.-Ulanen-Neg. 9tr. 1; Inf. Chaskel Kranz, Landw.-Jnf.-Neg. 9tr. 35; Korporal Otto Stern, Leutnant der Reserve Sa-

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