Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 45 (17.12.1914)
- Date
- 1914-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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י \\ ■־:;־־.־ד־-ר־ד••', דיר Güte 4. ^Jvrfche 8,N«fti«»e.* Nr. 45 sches Institut konstituiert ist. Die Finanzlage ist ohnedies recht kritisch, der Vertrieb von Banknoten hat fast aufgehört und für eine Note von Fcs. 20.— werden höchstens Fcs. 13.— bezahlt. Die Geschäfte der russischen Untertanen wurden in Jaffa geschlossen, doch durften sie wieder geöffnet werden. Zahlveiche Haussuchungen fanden bei russischen Untertanen statt und cs wurden vorübergehend auch 200 russische Juden verhaftet, die aber sehr rasch wieder freigelasfcn wurden. Es ist besonders zu betonen, daß sich die Rcgierungsorgane sowohl bei Haussuchungen als Verhaftungen äußerst rücksichtsvoll benommen haden. So viel bekannt, sind sämtliche deutschen Institute, insbesondere auch die Schulen der ״Freien Vereinigung" und die Wohltätigkeits-Jnstitutionen der Deutsch-Holländischen Palästina-Nerwaltung in Jerusalem und anderwärts in ungestörtem Betrieb. In Pethach-Tikwa funktioniert die Schulküche der Mädchenschule als Volksküche und trägt so bedeutend zur Erleichterung der schwierigen Lage bei. Der Krieg und die Jeschiboth. Der Krieg hat sich auch in den verschiedenen großen Talmudlehrhäuscrn Ungarns stark fühlbar gemacht. Mit Ausnahme der Preßburgcr Jeschibah, welche keine Einbuße an Schülern erlitten hat, sind fast alle großen, zumeist in der Karpathengcgcnd gelegenen Jeschiboth, wie Huszt, Marmaros-Szigct, Hunsdorf usw., nahezu ohne Bachurim geblieben. Abgesehen davon, daß einige dieser Städte vorübergehend von den Russen beseht waren, hat die im Gefolge des Krieges entstandcnc wirtschaftliche Krise auch auf die Unterstützungsanstalten und Frcitischvercine dieser Lehranstalten ungünstig eingewirkt, so daß die zumeist unbemittelten Talmudjüngcr nicht in der Lage wären, sich daselbst ohne Nahrungssorgen dein Talmudstudium hinzugeben. Hierzu kommt noch, daß ein großer Teil der Besucher dieser Lchrhäuser unter den Fahnen ist. Sir Francis Montesiorc. Aus London wird gemeldet: Sir Francis Montesiorc, das langjährige Mitglied des zionistischcn Aktionskomitees, ist aus der zionistischeu Organisation ausgetreten, weil sic unter deutscher Leitung steht. Millionär Poznanski. In Lodz zeichnet sich in diesem traurigen. Moment besonders der bekannte jüdische Millionär Poznanski durch seine großzügige Wohltätigkcit aus; er hat den Unterhalt vieler jüdischer Familien übernommen und unterstützt in weitherziger Weise die Krankenhäuser und die Chcdarim. Große Armut herrscht besonders untcr den jüdischen Lehrern, von denen viele einfach vor Hunger sterben. Der europäische Krieg und die jüdischen Gemeinden im fernen Osten. Der europäische Krieg hat die jüdischen Gemcindcn im fernen Osten hart getroffen. Die jüdisck-en Einwohner von Hongkong, Schanghai, Tientsin, die zum größten Teile aus den verschicdenen Ländern Europas stammen, haben fast alle ihre Heimat verlassen müssen, um dem Rufe des Vaterlandes zu folgen. Es sind unter ihnen russi-, sche, englische, deutsck)c und österreichische Inden, die hier in voller Eintracht zusammcnhicltcn und nun die Waffen gegeneinander gebrauchen! Welch tragisches Schicksal! Und dennoch folgten alle, manche unter großen Schwierigkeiten und Opfern, dem Rufe der Pflicht. Plötzlicher Tod eines Predigers im Tempel. Aus Berlin wird uns telegraphiert: Der verdiente Prediger der jüdischen Neformgcmeinde zu Berlin, Doktor Moritz Lcvin, ist lfcutc mittags gegen 12 Uhr im Gottes- Haus in der Johannesstraße auf der Kanzel vom Tod ereilt worden. Mitten in der Predigt, der auch seine Gattin und sein Sohn beiwohnten, sank Dr. Lcvin plötzlich um und starb an den Folgen eines Herzschlages, che nmn ihm Hilfe bringen konnte. Der Gottesdienst wurde sofort abgebrochen. Dr. Lcvin, der sich allgemeiner Beliebthcit erfreute, stand im 72. Lebensjahr und übte seit mehr als dreißig Jahren das Amt eines Seelsorgers an der Ncformgcmcindc aus. Ehe er nach Berlin kam, wirkte er in den Gemeinden in Zürich und Mrnberg. Die Beisetzung wird auf dem Friedhof in Wcißensee erfolgen. Die Juden in der englischen Armee. Die ״Times" schreibt: Die britische Judenschaft ist mit Recht stolz auf die Gefolgschaft, welche ihre Angehörigen dem Rufe zu den Wasfen geleistet l>abcn. Bei Ausbruch des Krieges waren ungefähr 500 Juden bei der Armee, heute hat der Reverend Michael Adler, der jüdische Seelsorger in der Armee, bereits die Namen von über 5000 Rcligionsgenossen — und diese Ziffer wächst täglich rapid. Diese Zahl ist auffallend groß, zumal eine große Menge nicht in England gebürtiger vom Dienste ausgeschlossen ist und weil die verhältnismäßige Quote, welche die Judenschaft nach der Bcvölkcrungsziffer beizustcllen hätte, nicht mehr als 3200 ist. Es sind bereits Vorbereitungen getroffen, um den Nevcrend Michael Adler nach der Front zu schicken. Es wird dies der erste Fall in der Geschichte sein, daß ein jüdischer Seelsorger die englische Armee in den Krieg begleitet. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs - Gesellschaft, Wien Aspernplatz 1 Im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5°/0 jährlich fallender garantierter Prämie Genaraiagentur für Wien 1., Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag Ferdmandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes General-Agentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Rlngplatz 9. General-Agentur für Blelitz, Schlossgraden 9, Leiter Adolf Heitiinger. Hauptagentur für Brünn, Leiter : MAX DEUTSCH, Zeile 31. Auszeichnungen Auszeichnungen jüdischer Offiziere und Soldaten. Sc. Majestät der Kaiser hat verliehen das Ritterkreuz des Franz-Joscfs-Ordcns am Vande des Militärverdienstkreuzcs dem Stabsarzt des Ruhestandes Dr/ Michael Grabscheid, das goldene Verdicnstkrcuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille dem Negimcntsarzt des Ruhestandes Dr. Samuel Bram und dem Artilleriezeugsoberoffizial Heinrich Katz, alle drei vom Festungskommando Prezmhsl, für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde; ferner die Allerhöchste belobende Anerkennung (Signum laudis) ausgesprochen dem Leutnant der Reserve Ignaz Hcrsch (Jnf.-Neg. Nr. 61), dem Oberleutnant Rudolf Glückselig (bosn.-herz. Jnf.-Neg. Nr. 1), dem Leutnant der Reserve Ludwig Schwarz (Jnf.-Neg. 91'r. 85), dem Leutnant Proviantoffizicr Samuel Broch (Ulanen-Neg. Nr. 2), dem Leutnant der Reserve Artur Knöpfmacher (Jnf.-Neg. Nr. 00), dem Leutnant Jsak Nccek (Jnf.-Rcg. Nr. 6), dem Assistenzarzt der Reserve Dr. Mordchc Ostermann (Landw.-Jnf.-Ncg. Nr. 1), dem Leutnant Oskar Herner (Landw. Inf.- Reg. Nr. 6); das Militärverdicnstkrcuz 3. Klasse mit der Äriegsdckoration dem vor dem Feinde gefallenen Leutnant Jakob Kellner; das goldene Verdicnstkreuz mit der Krone am Bande der Tapserkeitsmcdaille dem Ncgimcntsarzt Dr. Hermann Pilzer (Militärkommando Krakau) und dem Militär-Tierarzt Wilhelm Heinbach (Land- Wehr-Jnf.-Neg. Nr. 36). Anzubcfchlcn, daß die Allerhöchste belobende Anerkennung bckanntgcgcbcn werde in Ancrkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde dem Leutnant i. R. Dr. jur. Leo Brunn der Traindivision Nr. 2. Die belobende Anerkennung des Militärobcrkommandos wurde ausgesprochen dem Major Norbert Hirschhorn des Fcst.-Art.-Reg. Nr. 3. Silberne Tapferkeitsmcdaille 1. Klasse: Fähnrich der Reserve Moriz Kaufmann (Inf.- Mg. Nr. 8), .Korporal Karl Heller (Jnf.-Neg. Nr. 81), Zugsführer Aron Boszar (Hus.-Reg. Nr. 10), Fähnrich Julius Obstgarten (Tiroler Jägcr-Ncg. Nr. 3), Obcrjägcr Heinrich Fleischmann (Feld-Jägcr-Baon. Nr. 6), Zugsführer Berhard Schwarz und Ilntcrjäger Armin Gottlieb (Jägcr-Baon. Nr. 21(, Stabsfeldwebel Jakob Hcrsch (Jnf.-Neg. Nr. 63), Feuerwerker Jakob Mnncz (Fcld-Kan.-Ncg. Nr. 21), Korporal David Äapik (Pion.-Baon. Nr. 7). Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse: Infanterist Thalring (Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 20), Fähnrich Felix Pollitzer, Korporal David Schreyer (Landst.-Jnf.Reg. Nr. 13), Korporal Sigmund Grauer (Landst.-Jnf.-Reg. Nr. 31), Fähnrich der Reserve Josef Grün (Jnf.-Neg. Nr. 63), Fähnrich der Reserve Oskar Reiß und Feldwebel Max Allerhand (Jnf.-Reg. Nr. 1), Fähnrich der Reserve Hugo Eisler (Jnf.-Neg. Nr. 81), Oberjäger Dr. Arthur Tartakowcr (Jägcr-Bat. Nr. 25), Pionier Max Knobloch (Tclegr.- Reg.), Einj.-Freiw. Mediziner Samuel Stern (Jnf.-Neg. Nr. 65), Zugsführcr Josef Goldmann und Zugsführer Emil Mohr (Feldkan.-Reg. dir. 25), Kanonier Singer (Haub.-Rcg. Nr. 0), Fähnrich Eugen Bernstein (Jnf.-Neg. Nr. 63), Infanterist Simon Noscnblatt (Jnf.-Neg. Nr. 15), Feldwebel Moses Rubin, Einj.-Freiw. Zugsführer Nehcmias Judenfreund, Zugsführer Isidor Neitmann, Gefreiter Ohrcnstein, Einj.-Freiw. Korporal Jakob Läufer, Infanterist Leon Sagel (Jnf.-Neg. Nr. 05), Fahrkanonier Leo Wagner (Feldkan.-Reg. Nr. 26), Korporal Jakob Gottfricd (Fcldkan.Ncg. Nr. 11;, Kanoniere Läzar Elias Golz und Osias Pcsatc (Feldkan.-Reg. Nr. 33), Kanonier Abraham Schapira (schw. Haub.- Div. Nr. 11), Infanterist Aron Kiß (Jnf.-Neg. Nr. 62), Zugsführer Moriz Großmann (Inf.- Reg. Nr. 82), belobende Anerkennung des Oberkommandos erhielt der Illanc Kalman Silberspitz (Ulanen-Neg. Nr. 3). Kadett-Feldwebel Felix Pollitzer, A. H. der jüd.-akad. Verbindung ״Veritas" (Brünn), wurde ״in Anerkennung seines tapferccn Verhaltens unter gleichzeitiger Beförderung zum Leutnant mit der Silbernen Tapferkeitsmcdaille 1. Klasse ausgezeichnet. Fähnrich Paul Weinstein aus Olmütz, aktiver Bursch der jüd.-akad. Verbindung ״Unitas" (Wien), hat für seine vor dem Feinde bewiesene Tapferkeit und kühne Entschlossenheit die Goldene Tapferkeitsmedaille erhalten. Fähnrich Paul Weinstein hat mit seiner Batterie eine Brücke vier Tage lang Mit bravourösem .Heldenmut und mit Todesverachtung gegen wiederholt unternommene Sturmversuche der Serben verteidigt und durch sein vortrefflich geleitetes Feuer den Serden riesige Verluste beigebracht. Der Divisionär selbst heftete vor den versammelten Offizieren und Mannschaften dem jungen jüdischen Helden die Goldene Tapferkeitsmedaille an die Brust und belobte ihn mit einer Ansprache für sein musterhaftes, heldenmütiges Verhalten. Wiener Nachrichten. Josef Reiniger. Wien, 15. Dezember 1011. Mittwoch abends, am Eingänge des 22. Kislew, starb hier Herr Josef Reiniger im Alter von fast 86 Jahren. Mit ihm verliert die Indeuhcit eine ehrwürdige Erscheinung, die ihresgleichen selten findet. Der Verblichene entstammte einer alten jüdischen Gelehrtenfamilie und war ein Mann, der selbst nebst seinem talmudisch. Wisscn n. gründlicher Bibclkenntnis allgemeine umfassende Bildung besaß. Seine Frömmigkeit ließ ihn ebenso alle Vorschriften des jüdischen Ritus mit minutiöser Olcnauigkeit beobachten, so'wie er den ethischen Grundsätzen unserer heiligen Religion sein ganzes Leben hindurch Rechnung trug. In seinen jüngeren Jahren betrauten ihn seine Mitbürger mit dem Amte des Bürgcrmeisters und Kultusvorstehers in Straßnitz. In dieser Stellung betätigte der Verblichene die größtc Selbstlosigkeit und Hingebung für das allgcmeine Wohl. Als Denkmal seiner Amtstätigkeit besteht auch heute noch die mehrklassige Bibelschule in Straßnitz, welche er seinerzeit mit Ueberwindung vieler Schwierigkeiten ins Leben rief und organisierte. Seine Bescheidenheit, sein makelloser Charakter und das vornehme Wesen schafften ihm zahlreiche Freunde und sichern ihm ein freundliches Andenken bei allen, die ihn kannten. — Das Leichenbegängnis fand Freitag vom Traucrhause unter überaus großer Beteiligung statt. Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Fürst, hielt einen tief empfundenen Nachruf. Auf dem Friedhöfe nahm Herr Rabbiner Baumgarten namens des Bcth hamidrasch Abschied vom Vcrstordenen.