Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 45 (17.12.1914)
- Date
- 1914-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'?S1!';;:':׳; ייימויייי-י ■1»j11.)41,.1׳,-׳j1|)j41U111u111!1״..■. Nr. 45. »Jvischr »■IfijkhKme”. Seite 5. Feierlicher Kriegsgottesdienst im türkisch-sepharbischen Tempel. Ter Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten in Wien hatte gestern vormittags in dem schönen Tempel der Gemeinde in der Zirkus-; gasse einen feierlichen Kriegsgottesdienst für den' Sieg der Waffen des Sultans und seiner Ver-' kündeten abgehalten. Ter Gottesdienst verlief ungeinein erhebend. Zur Feier hatten sich als ' Ehrengäste eingcfunden: Ter türkische Botschafter Hussein Hilmi Pascha mit dem ersten Sekretär Fuad Bey und dem Personal der Botschaft der persische Gesandte Mirza Mustapha Khan:! in Vertretung des Kriegsministcriums GM.' Sucht) usw. Nach dem Gottesdienst stimmten die Andächtigen die Sultanhymne an, die von^ Tefvik Bey Davoud vertont ist. Als die Hymne j verklungen war, ertönte in deutscher Sprache die Volkshymnc und mit dem gleichfalls in deut-' scher Sprache gesungenen ״Heil Dir im Sieges- 1 kranz" schloß die eindrucksvolle Feier. Krünner Nackriekten. Brünn. Der israelitische Frauen-, verein in Brünn ist während seiner 52-jährigen! Tätigkeit seiner Aufgabe, die Not der bedürfti-, gen armen und kranken Frauen zu lindern, jederzeit vollauf gerecht geworden. Seit einer lan- > gen Reihe von Jahren bestreitet der Verein aus seinen Mitteln den größten Teil der Annenpflege der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde lind es betragen die jährlichen Zuwendungen an diese ungefähr 12.000 Kronen. Außerdein werden hiesige und fremde, hilfsbedürftige Arme mit monatlichen Ilntcrstühungen bcteilt, die einen Aufwand von jährlich 5000 Kronen erfordern. Auch unter dem Eindrücke der durch den Krieg hervorgerufenen Hilfsaktionen hat der Verein bereits eine namhafte Summe der allgemeinen Wohltätigkeit zur Verfügung gestellt und seiyc fernere finanzielle Mitwirkung für eine neue große Hilfsaktion zugesagt. Durch Errichtung einer Nähstube, in der von wohltätigen Damen .Kleidungsstücke und Wäsche für die notleidenden galizischen Flüchtlinge hcrgestcltt wurden, war cs dem Verein möglich gemacht, eine große Anzahl Frauen und Kinder vor den Entbehrungen der Winterkälte zu schützen. Große Aufgaben harren noch des israelitischen Frauenvereines für die Zukunft! Ter Krieg mit seinen Wirkungen wird noch bedeutende Anforderugen an den Verein stellen, die aus den Jahresbeiträgen und dem Zinseiierträgnisse des Vereinsvcrmögens zu decken kaum möglich sein wird. Es ergeht daher an alle wohlhabenden Glaubensgenossen Brünns die innige Bitte, des israelitischen Fraucnvereines bei besonderen Anlässen in gütiger Weise durch Zuwendung von Spenden zu gedenken." Brünn, 0. Dezember 1011. aber in Lebensmitteln immer mehr bemerkbar machte, so ist es natürlich, daß die Preise angezogen haben, wozu auch der Umstand wesentlich beigetragen hat, daß der Bahngüterverkehr schon einige Tage nach Beginn der Mobilisation in den betreffenden Strecken eingestellt worden ist und daher fast keine Möglichkeit war, Waren von irgcndwo zuzuführen. Nachher besetzten die Russen (u. zw. das erste Mal) jene Gegend in Westgalizien und plünderten — und versteht es sich von selbst, daß, was Genußmittel betrifft, die Russen beim Räumen der besetzten Ortschaften davon fast keine Spur zurücklicßcn. Es konnten Lebensmittel bezw. Waren nur in der Weise zugeführt werden, daß man sich in eine der großen Städte, wo die Russen nicht eingedrungen wirren, begaben, und dort eine Fuhr mietete, denn in den von den Russen besetzt gewesenen Gegenden war um keinen Preis eine Fuhr zu bekommen, nachdem sämtliche Gespanne von den Russen vergriffen tiDren. Wie ungeheuer teuer sich eine derartige Fuhr stellte, läßt aus der Tatsache schließen, daß man z. B. für eine Fuhr von Tarnow bis zu unserer Stadt Baranow seine Entfernung von ca. 70 Kilometer) 000 Kronen zahlte für die Ucbcrführung von nur C—7 Meterzentner, und dauerte eine solche Fahrt nicht weniger als etwa eine Woche, denn die Wegverhältnisse wurden drrrch das häusige Passieren von Lastautomobils und Kanonen unsäglich schlecht. Ties hatte zur Folge, daß wir selbst abnorm hohe Preise zahlen mußten und so kam cs, daß wir z. B. für Zucker K 2.-10 per Kilogramm statt früher etwa K —.80, für Salz K —.00 statt früher ca. K —.20 per Kilogramm, für eine Schachtel Zündhölzer 0—8 h statt früher 2 h. für ein Kilogramm Kerzen K 2.-10 statt früher K —.80 zahlen mußten usw. und waren froh, daß wir cs bekommen konnten. Getränke waren fast um keinen Preis zu bekommen. - Nun was Wunder, wenn man den Soldaten, die die betreffenden Ortschaften passierten, mitunter dementsprechend höhere Preise berechnete. Man muß ja in Erwägung ziehen, daß die Teuerung mancher Lebensmittel, welche hier erst vor kurrem eingetrcten ist, in jenen Gegenden schon vor Monate eingetreten war. M. Nosenzwei'g. Das Chanukalied. Von Friedrich Porges (1010). Die Lichtlein flackern. Schatten ziehn Die Stubenwand entlang Das Mütterlein sitzt beim Kamin Ihr ist so bang, so bang . . . Wohl glitzern hell die Flammen Und nicken und winken ihr zu Sie stecken die Köpfchen zusammen — Doch rings herrscht Grabesruh! Sehr geehrter Herr Redakteur! Da Sie als journalistischer Verteidiger des Judentums im allgemeinen und der galizischen jüdischen Flüchtlinge insbcsonders gellen, :,cstatte ich mir, Tic mit meinen folgenden Zeilen zu belästigen, die Ihnen dazu dienen können, den letzteren öfters gemachten Vorwürfe zurückzulvcisen. — Schon in mehreren Fällen wurden hier jüdische Flüchtlinge unter dem Vorwände sekiert uiid mißhandelt, daß die Juden Galiziens das österreichische Militär bei dessen Durchmarsch dort ausgebeutet haben, indem demselben beim Verkauf von Genußmittel usw. enorm hohe Preije berechnet wurden. Solchen Vorwurf, bekommt man leider auch von manchen hiesigen naiven Einwohnern zu hören und wird manche antisemilische Zeitung wahrscheinlich daraus auch Kapital für ihre Hetzereien -schlagen. Daß derlei Vorwürfe unberechtigt sind, crl>cllt die Tatsache, die ich als Jnsaße einer der betreffenden, unweit der russisch-polnischen Grenze gelegenen Städte nachstehend wahrheitsgetreu schildere. Seit dem.Beginne des Krieges marschierten fast tagtäglich österreichische Truppen durch die Ortschäften der in Betracht kommenden Gegenden. In den ersten Wochen wurden dem durchmarschierenden Militär nicht nur keine höheren Preise berechnet, sondern es wurden ihm auch zum Teile Speisen und Getränke unentgeltlich verabreicht. Nachdem aber die Truppendurchmärsche längere Zeit angedauert hatten und sich ein beträchtlicher Mangel in verschiedenen Artikeln, insbesondere Die öde, lautlose Stille — Großmütterleiu wird cs so weh Ums Herz. ״O Gott, Tein Wille," So betet sie, ״gescheh!" Ich bin nun einsam, verlassen Und war doch einst so froh. Wie kannst du mich. Arme, so hassen! Wo ist mein Glück, du, wo? Ich war eine Fürstin im Kreis' Meiner Lieben und herrschte darin, Nun bin ich so alt und weiß Und eine Bettlerin. Tu nahmst mir Mann und Kind Und triebst mich aus dem Laud, Wie welkes Laub oder Wind, So hast du mich verbannt. Ich bin gar müd' vom Leben Geworden aus der Bahn, Willst Wohltat Tu mir geben. So laß den Tod mir nah'n. Doch bei dem heil'gen Schein der Lichter Noch einmal laß mich feh'n Die Lieben mein wie einst. Du Richter, Dann will ich Rede stehen. Wie einst am Fest der Weihe Dein Ruhmeslicd erklang, In uns'rer frommen Reihe, So lausch ich nun dem Sang . . ." So klagte die Alte. Die Mienen, Sie wurden ihr freudig und hell. Die grauen Aeuglein, sie schienen Belebt von des Lichtes Ouell. Sie lauschte und lauschte und offen Hielt atemlos sie den Mund, Ihr ganzes Selmen. ihr Hoffen Gar ja diese letzte Stund'. Jetzt — jetzt — war das nicht ein Singen? Ein raunendes Sagen — wie . . .? Ja. ja — s o mußte es klingen: Moaus zur jeschussi . . . Und da -- da saß er. der Fromme, - Die Kinder — da nebenan — ach Und alle sangen voll Wonne Lecho noüb leschabeach . . . Ein Lächeln glitt über die Falten, ,Tie dunklen, wie kosend dahin Und es schmiegte der Körper der Alten Sich selig an den Kamin . . . Anfflackern die Lichtlein. Daun sinken Sie ziehend nieder. Des Schein's Trugschatten nur matt, mehr Winken. Es stirbt eines . . . und noch ein'-:׳ . . . Es lächeln die Lippen noch gar lang. Dann regen sie sich nicht Und mit dem letzten Seufzer sank Mütterleins letztes Licht . . . Und leise wie im Engelstranm Verklingt die süße Melodie, Es bebet weibvoll durch den Raum: Moaus zur jeschuosi . . . Aorresponäenzen. Austerlitz. Am 1. d. M. starb nach kurzer Krankheit Herr Julius Fürst. Seniorchef der Branereifirma Anna Fürst u. Söhne in Allsterlitz. Derselbe war Obmann der Ebewra Kadischa in Austerlitz und hat sich als solcher durch seine selbstlose Tätigkeit bleibende Verdienste um den Verein erworben. Das Leichenbegängnis fand am 0. d. M. unter zahlreicher Beteiligung der Vereinsmitglieder. der Verwandten und persönlichen Freunde des Verewigten statt. Herr Rabbiner Dr. Steif hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf, der auf die zahlreiche Trauergemeinde einen tiefen Eindruck ausübte. Austerlitz. Am 10. D-ezeinber fand hier wie alljährlich im hiesigen Tempel ein Ehanukahsest statt. Fast sämtliche Mitglieder der hiesigen KultusgiUtzLillde und die ganze Schuljugend waren erschienen. Nach dem Minchagebet und Entzünden der Ehanukalichter durch Herrn Kantor Hermann Stern, bestieg Herr Bezirksrabbiner Dr. Steii ans Neu-Rausnitz die Kantel und hielt eine be geisterte Rede. welche auf alle Anwesenden einen sichtlichen Eindruck machte. Religion und Philosophie. (Ans ״.Katechismus der Religionsphilosoplne" von Prof Dr. Rnnze. Webers Handbücher, Per lag I. I. Weber, Leipzig.) Der Gegensatz zwischen Religion und Phi losophie ist nur ein relativer: denn auch die Plnlosophie beruht auf einen Glauben, dem an die Möglichkeit des Wissens und an den Wert des selben, und auch die Religion ist eine universale Art des WelterkennenS. daher sie nushört zu sein, wenn ihr die Neberzeugnng von der Wahrheit dessen, was sie glaubt, zerstört wird. <M׳ rade die geschichtlichen Religionen, die ans One» barungen sich gründen, legen auf die theoretische Wahrheit ihres Weltbildes Wert: und umge- (ehrt: keine historisch bedeutsame Philosophie hat des Ausspruchs entbehrt, mittelbar praktisch auf Mit- und Nachwelt zu wirken. Wenn demnach irgend ei» allgemeineres Le bensgebiet berechtigt ist. als nennenswerter Zweig am Baume der Philosophie zu gelten, so darf gewiß auch die Religion Gegenstand methodischc 6-,! I p I i! 1 f I 1 1 i I I \ i f