Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 43 (2.12.1914)
- Date
- 1914-12-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 »Jikischr »,mßr««». e-tte». Innern gerichtet im Interesse der in Ungarn weilenden russischen Juden. Die Eingabe führt aus, daß die hier lebenden russischen Juden aus ihrer Heimat geflohen sind, daß sie mit uns fühlen, unseren Sieg wollen und nur deshalb nicht ausfolgt. Ter Minister wird gebeten, die eventuellcn Nesortionsmaßnahmcn nicht auf die russischeu Inden auszudehnen, da sich darüber die Russen nur freuen würden. Jerusalem im Weltkriege. Man berichtet von dort: Alles von 20 bis 85 Jahren rückt ein, auch Nichtgediente. Non Jerusalem selbst rücken 7000 Juden ins Feld. Talmudlehrer im Felde. Dem ״Netvyorker Vorwärts" wird aus Warschal! berichtet, daß man sämtliche Talmudlehrer (in Warschali gibt es deren einige hundert) bis auf ganz alte Leute cinberufen hat. Die Kriegsanleihe und die Jeschiba. Aus Pozsony (Preßburg) wird gemeldet: Auch die Rabbinatschule hat sich an der Anleihe beteiligt und einen Teil des gesammelten Fondes für die Abgebrannten und den Neubau der Jeschiba in der Höhe von 80.000 Kronen gezeichnet. Bevorstehende Baronisierungen. Budapcster Blätter melden, daß die beiden bekannten Philantrophen Manfred Weiß de Csepcl und Theodor Wolfner de lljpest den Barontitel erhalten sollen. Beide haben sich während des Krieges durch große philantropische und finanzielle Aktionen verdient gemacht. Die berühmte Belser Synagoge wohin alljährlich Tausende Wallfahrten, um mit dem dortigen Wuilderrabbi zusammen zu beten, ist von den Kosaken bis auf den Grund zerstört worden. Rabbinerinstallation. Der Wiener ״Chewra Beth Hatfila" bestellte Herrn Rabbiner Dr. Arthur Schwarz, den Sohn des Bekannten Rektors der Wiener Theologischen Lehranstalt Prof. Schwarz, zum Rabbiner des Tempels 0. Bezirk, Müllnergasse. Herr Rabbiner Dr. Schwarz hielt Freitag den 18. v. M. seine Antrittsrede. Vom Augsführcr zum Offizier befördert. Der Nyiregyhazer Kaufmann Albert Bela Beregi, der früher Goldstein hieß, ist als Zugsführer auf dem nördlichen Kriegsschauplatz eingerückt. Tort wurde er durch eilte Kugel verwunbet und bei diesem Anlaß wegen seines tapferen Verhaltens Var dem Feinde zum Feldwebel befördert. Seine Verlehung war keine gefährliche, so das; er weiter im Felde verbleiben konnte. An der großen Schlacht bei Grodck nahm er als Kompaniekommanbant teil. Hier würbe er durch ein Schrapnell verwundet, ist jedoch seither wieder genesen. Auf den Antrag ber Armeeleitung wurde Beregi, der weder Einjährig-Freiwilliger war, noch eine Offiziersschule absolviert hat, von seiner Majestät zum Leutnant ernannt. Wie ein Budapestcr Blatt zu dieser Meldung lnnzüfügt. soll das der erste Fall gewesen sein, daß ein Soldat des Mannschaftsstandes zum Offizier befördert wurde. Auszeichnungen Se. Majestät der Kaiser hat verliehen das Militärverdicnstkreuz mit der Kriegsdekoration dem Major Morib Seinfeld des Jnfanteriereginientes Nr. -18: dem Oberleutnant d. R. Rudolf Almoslino. Infanterieregiment Nr. 88; das Ritterkreuz des Eisernen Krvncn-Ordens mit der Kricgsbckoration dem Oberstabsarzt 1. Klasse Tr. Adolf Schönbaum, Festungschefarzt (Przenivsl). in Anerkennung hcrvorragenber und aufopferungsvoller Dienste vor dem Feinde: ferner wurde anbefohlen, daß die Allerhöchste Ancrkcnnung ausgesprochen werde in Anerkennung tapferen Verhaltens Var dem Feinde (signum laudis) dem Leutnant d. R. Natan Pistincr» Infanterieregimcnt Nr. 50: dem Leutnant b. R. Moses Hauer, Infanterieregiment Nr. 81: dem Oberleutnant d. R. Friedrich Goldstein. Infanterieregiment Nr. 72: dem Leutnant d. N. Morib Schimann, Autoabteilung; dem Landsturmleutnant Ludwig Popper, Landsturmregiment Nr. 38: ferner in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dein Feinde den Oberärzten d. R. Doktor Josef König, Jnfantcrieregiment Nr. 19 und Dr. Jsak Chotiner, Landsturminfanterieregiment Nr. 18: endlich in Anerkennung erfolgreicher Tätigkeit vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapserkeitsmedaille dem Oberleutnant Oekonomicoffizier Moses Nagy und dem Assistenzarzt Dr. Arcm Pesies, beide vom 0. ung. Landwehrregiment, vcrliel)en. Ter Kaiser hat dem Oberleutnant Aladar Taussig, zugeteilt der Lustschifferabteilung, das Militärverdienstkreuz mit ber Kriegsdekoration verliehen. Oberleutnant Taussig hat sich vor kurzem während der ersten Belagerung von Przemysl durch seinen bravouriösen Flug vom Hauptquartier über die feindlichen Stellungen in bie Festung und zurück ausgezeichnet. Der Kaiser hat dem Stabsarzt Dr. Morib Friedmann bes Infanterieregimentes Nr. 55 (Lemberg) in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Stabsarzt Dr. Friedmann, der ein glaubens- und stammestreuer Jude ist, betreute, trotzdem er selbst eine Schußverletzung davongetragen hatte, in aufopferungsvoller Weise die Verwundeten am Verbandplatze. Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse erhielten: Patrouillenführer Arnold Golbstein, Jägerbataillon Nr. 17: er hat, als Bauer verkleidet, unter höchster Lebensgefahr eine Erkundigung in Feindesland durchgeführt und seine Kompanie vor einer verhängnisvollen Situation gerettet: Vormeister Leo Fischer, Haubitzenregiment Nr. 2: Reservepionier Bertold Grünspann: die Titularzuasführer Josef Adler und Jgnab Grünwald, Infanterieregiment Nr. 08: Zugsführer Moses Errn, Unterjäger Samuel Grcza, beide Jäacrbataillon Nr. 28; Fähnrich Oskar Friedmann, Jägerbataillon Nr. 21: Zugsführcr Leiser Rudner, Infanterieregiment Nr. 57: Kadcttfeldwebel Samuel Äahan, Landsturmregiment Nr. 7. Der Wiener Bezirksrat Philipp Back ist der Oeffentlichkeit schon längst gurch seine hervorragenden Leistungen auf bem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeit rühmlichst bekannt. Er hat sich um den 2. Bezirk, der bie einzige Bezirks- Vertretung mit fortschrittlicher Majorität besitzt, hervorragende Verdienste erworben. Nun hat ihm der Kaiser in Anbetracht seiner Leistungen das Ehrenzeichen 2. Klasse taxfrei verliehen. Otto -Blau. Sohn des Hof- und Gerichts- Advokaten Dr. Markus Blau in Wien, k. f. Fäh» rief) beim 21. Feldjägerbataillon, erhielt für mutiges Verhalten vor dem Feinde die silberne Ta!׳- ferkcitsmedaille. Fähnrich Hugo Eisler, Infanterieregiment Nr. 81, 1. Feldkompanie, hat durch sein tatkräftiges Eingreifen und durch energiseheS Einsetzen seines Zuges die bereits schwankende Schwarmlinie des Infanterieregimentes Nr. 81 in starkein feindlichen Feuer bei Modnnia vorgerissen!und dadurch das Ausharren in der vorbereiteten Stellung bis zum Eintreffen weiterer Reserven ermöglicht. Nach dem Gefechte hat Eisler trotz seiner eigenen Erschöpfung einen Hilfsplatz für die Verwundeten improvisiert und diese verbunden und gelabt. Infolge seiner fieberhaften Tätigkeit verfiel er selbst in eine Ohnmacht, aus welcher er erst nach längerer Zeit durch Eiugreiseit eines Arztes erwachte. Wegen seines energischeu und tapferen Benehmens und seiner cigeneu Aufopferung bis zur vollständigen Erschöpfung wurde er vom Kompaniekommandanten Leutnant Johann Machka für die Dekorierung mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille vorgeschlagen. Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse erhielten: Infanteristen Jakob Wolfram und Simon Wolf. Infanterieregiment 99: Infanterist Majer Weber, Infanterieregiment 80: die Uuterjäger Adolf Köhler und Desiderius Rosenstein. Feldjäaerbataillon 28; Rechnungsunteroffizier Simon Bauer, Landiv. Haubitzenbivision 18: Zuasführer Rubin Lerch. Landwehrregiment 22: Infanterist Abraham Smiel. Infanterieregiment 08; Infanterist Rudolf Pollak, Arbeitsabteilung: Zugsführer Samuel Hobacfek, Kanonierregiment 21: Rest-Gefreiter Juda Leinwand recte Schwarz, Infanterieregiment 55: Einj.-Freiwilliger Samuel Stern, Infanterieregiment 82; Korporal Alois Herschmann, Infanterieregiment 92; Fähnrich Ludwig Spitzer, Infanterieregiment 88; Res.-Kadett Bronislaus Rappaport, Kanonierregiment 8: Kanoniere Moses Strauß, Hersch Rosenberg und David Fers.zek, Feldkanonierregiment 28: Sappeur Moritz Schaffer, Sappeurbataillonl: Pionier Mar Kohn, Telegraphenregiment: Zugsführer Jakob Merk. Jnfanterieregiment!>: Patrouillenführer Salomon Adler und Jäger Artur Rosenbaum, beide Feldjägerbataillon 19: Regimentstambour Sigmund Wolfsthal, Infanterieregiment 88: Pionier Zol tan Rosenfeld, Telegraphenregiment. Einjährig-Freiwilligen-Korporal Bernhard Lölvenherz, Infanterieregiment 80, meldete sich freiwillig bei sehr schwierigen Olefechtsverhält nissen als Gefechtspatrouillekommandant, sandte gute Meldungen und benahm sich sehr entschlafseit. Er erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse und zugleich wurde seine Beförderung beantragt. Ernst Wachtel. Sohn des Herrn Samuel Waehtel. Disponent der Firma D. ׳Lchtvarzmann u. Cie., hat die silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse erhalten und wurde zum Leutnant ernein nt. Herr Dr. Gustav Weil, k. k. Oberstabsarzt 1. Klasse, Sanitätschef des 10. Korps, erhielt für besonders hervorragende Dienstleistung vor dem Feinde den Orden ber Eisernen Krone 8. Klasse nebst Kriegsdekoration taxfrei. Leutnant Richard Jacobi, Sohn des Herrn Moritz Jacobi, Wien. 9. Bez., Porzellangasse 88, wurde zum Korpstrainadjutanten ernannt. K. u. k. Fähnrich Dr. Fritz Braun. Ung.- Hradisch und k. k. Kadett d. R. Siegfried Abend, Triest, ber verwundet Warden ist. haben die sil׳ berne Tapferkeitmedaille erhalten. Krürmer Nackricblen Strastenstrulche. In den letzten Tagen erlebten wir in Brünn das erbebende'.! Schauspiel, daß galizisch-jüdische Flüehtlinge auf der belebtesten Straße Brünns, vor den Bahnhöfen, mißhandelt und blutig geschlagen, wurden. Es ist schon an und für sich herzzerreißend, diese uiiglücklicheii Jamuiergestalten wie Schatten hernmschleichen zu sehen. - , lieber die ganzen Vorgänge werden wir ausführlich berichten und nicht verabsäumen, für Abschaffung dieser Hebelstände Sorge zu tragen. Am Montag den 80. ix gab es vor dem Bahnhofe eine sörmliclie De inonstratian. Tschechisch-antisemitische Agitatoren hetzten die Menge gegen die galizischen Flächt linge auf, Soldaten verbreiteten das Gerücht, daß diese Juden das Militär in Galizien bewncherten. Einige Jttden wurden verprügelt und zwei Juden blutig geschlagen. Das Hilfskomitee hat. um so manchen Uebelständen abzuhelfen, sich telegraphisch an die jüdischen "Abgeordneten gewendet und werden diese Abgeordneten in ein bis zwei Tagen hier eintreffen. Hoffentlich werden die maßgebenden Personen derartigen antisemitischen Ausschreitungen rechtzeitig Vorbeugen. Labedicnst Frcßgelage! Wie der Bevölkerung bekannt ist. hat dcts Hilfskomitee des Vereines Machsike Hadas für die galizisch - jüdischen Flüchtlinge auf den Bahnhöfen einen Dienst organisiert, um den galizischen Flüchtlingen mit Rat und Tat behilflich zu sein. Tie gesamte jüdische Bevölkerung Brünns war über die Tätigkeit dieses Hilfskomitees voll des Lobes, lieber Drängen der Bevölkerung sah sich das sogenannte ״offizielle Hilfskomitee" veranlaßt, am Bahnhofe einen Labedieust zu etablieren. Die durchfahrenden Personen erhielten Tee cmd Brot. In den letzten Tagen hat das Hilsskomitee der Ktiltusgemeinde den Labedienst zur Gänze eingestellt, lieber Befragen, aus welchem Grunde, erhielt man den Bescheid, daß den Herren