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Jüdische Volksstimme · 1914-12-02 · Heft 43 (2.12.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 43 (2.12.1914)
Date
1914-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Güte 4. »Attische B»I?«{H«Sft.* Nr. 43. Redakteur Wittmann ausgezeichnet. Der am nördl. Kriegsschauplätze im Felde stehende Fähnrich des Jnf.-Reg. 8, Heinrich Wittmann, Mitarbeiter der Jüdischen Volksstinnnc, der sich bereits in mehreren größeren Schlachten durch tapfere Haltung ausgezeichnet hat, ist durch Verleihung der silbernen Tapferkcitsmcdaille ausgezeichnet worden. NIEDERLÄNDISCHE Labensvnrsichenings - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 Im eigenen P1U11, Versichertes Kapital drka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5% jShrlicfa fallender garantierter Prtmie Qenaralagentur für Wien I., Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag Ferdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocba 3 Leiter LObel Taubes Oeneral-Agentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Ringplatz 9. General-Agentur für Blelitz, Scblossgraden 9, Leiter Adolf Heltllnger. Hauptagentur für Brünn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Testament eines gefallenen jüd. Offiziers. Durch die Blätter ging bereits die Nachricht, daß auf dem Kriegsschauplatz in Serbien am 20. Oktober d. I. Alfred Kraus, Leutnant in der österr. Armee, den Heldentod gefunden hat. Vor wenigen Wochen noch wurde ein ausführlicher Feldpostbrief des Verstorbenen veröffentlicht, in dem er mit einer Schilderung des Lebens im Felde seinen warmherzigen Gefühlen für die jüdischc Sache beredten Ausdruck gab. Nebenbei erzählte er, daß er gemeinsam mit jüdischen Kriegskameraden in bosnisch-jüdischen Gemeinden N.-F.-Büchsen gefüllt habe. Nun wird dem ן teilt wurde und daß der Generaldirektor der ungarischen Staatsbahnen Cornel Tolnay auch die Beförderung durch die Bahn bewilligt hat. | Die russische Schreckensherrschaft gegenüber den Juden. Berichte aus Äalisch. Das ״Neue Wiener Journal" meldet aus Budapest: Ein galizischer Kaufmann aus Darnow, der in den letzten Tagen in Kalisch war, und vor don dort cingczogcnen Russen flüchtete, traf heute hier ein. Er erzählte, daß die Russen bei ihrem Einzuge einen Weinhändlcr Perlgrau, der sich geweigert hatte, Geld herzugcben, erschosscn haben. Die jüdische Bevölkerung wird gezwangen, den russischen Offizieren die Hände zu kiiflcn. Weiter wurde ihnen verboten, auf den Trottoirs zu gehen. Aehnliche Zustände herrschen auch in anderen Orten Russisch-Polens. Die Schandtaten der Russen in Sadagora. Die ״Zeit" schreibt: Wir entnehmen dem Czcrnowitzcr Tagblatt vom 19. November folgcndes: Gestern gegen 1 Uhr mittags versam- Hielten sich mehr als 100 Personen vor der Sadagarer Einwohnerschaft, die seinerzeit von der Rückkehr plötzlich abgcschnittcn wurden, vor dem Gebäude der Stadtkommandatur. Negierungsrat Dr. Norst erklärte sich bereit, eine Deputation von dem Stadtkommandanten zu führen. Stadtkommandant Rittmeister Thodt empfing die Deputation sehr freundlich. Negierungsrat Dr. Norst schilderte die unsagbar traurigen Zustände in Sadagora und bat, die Berichte der einzelnen Deputationsmitgliedcr hören zu wollen. Diese erzählten nun mit vor Tränen erstickter timme Einzcll>citcn, die an Grauen durch nichts übcrtroffcn werden können. Fünf angesehene Bürger wurden hingeschlachtet, viele Personen, darunter Frauen und Kinder, mehr oder weniger schwer verwundet. Alles Hab und Gut, Lebcnsmittcl inbegrrffon, wurden weggcraubt, unglaubliche Schandtaten an Frauen und Mädchen Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds im ^llbracht und auch halbe Kinder nicht geschont. Haag von dem Bruder des Heimgegangenen berichtet, daß Leutnant Alfred Kraus testamentarisch folgendes bestimmt hat: K 700.— für einen Alfred Kraus s. A.-Garten im Oelbau- Haine des Vereins jüdischer Hochschüler Bar- Äochba, Prag (dcsicn Mitglied er war); K 500. für den Dispositionsfonds obigen Vereines; falls der Dispositionsfonds aufgelöst werden sollte, ist die Sumnie als einmalige Palästinareise-Sti pendium bestimmt; K 300.— für 12 Stück P. L. D. C.-Aktien; K 200.— für das hebräische Schulwerk in Palästina; K 100. für das mikrobiologische Institut; K 100. für den Zcntralfond; K 100.— für Landspende; K 100.— für den jüdischen Turnverein ״Maccabi", Prag (dessen Gründer der Vcrftorbene war); K 50.— dem Volksvcrein ״Theodor Herz!" in Trautenau; seine Bücherei» der jüdischeu Universitätsbibliothek in Jerusalem. Der Weltkrieg hat schon jetzt in die Reihen der zionistischen Jugend beträchtliche Lücken gerissen. Die Blutopfer, welche die jüdische Jugend auf allen Kriegsschauplätzen so zal)Ircich darbringt, erlralten eine besondere Weil-e durch die Treue, die jene Helden dem jüdischen Volke bis zum letzten Atemzuge bewahrt haben. Leutnant Alfrcd Kraus hat diese Anhänglichkeit an die jüdischc Ideale in besonders ergreifender Weise zum Ausdruck gebracht. Ehre seinem Andenken! itimdfcft au. Heldentod eines jüdischen Bildhauers. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der hervorragende begabte junge Bildhauer Cornel Samuel hat in einer Schlacht beim Uszoker Pas; den Heldentod gefunden. Seine Kameraden brachtcn den Leichnam des Künstlers zur ewigen Ruhe, bezeichnetcn das Grab mit einer Holztafel, auf welcher sic den Namen des Helden mit blauem Stifte bezeichnetcn. Die Witwe des Künstlers hat nun Schritte unternommen, daß die Leiche ihres im Heldcnkampfe gefallenen Mannes exhumiert und nach Hause gebracht werde, um daselbst bestattet zu werden. Es ist ein Beweis für die Anerkennung des Talentes des Verblichenen, daß über Intervention des Äunstrcfcrenten im ungarischen' Kultusministerium Ministerialrat Paul Majofskh der Witwe die verlangte Bcwilligung zur Heinibeförderung des Leichnams er- Und all das ging nicht von den einzelnen Soldaten aus, sondern wurde auf höheres Komma» do angeordnct, als Strafe dafür, daß man den russischen Truppen den Weg nach Czernowitz vcrsperrt. Das Schrecklichste aber ist, daß die Einwohnerschaft kein Geld und keine Nahrungsmittel hat, die Häuser zu verlassen fürchtet und so dem Verhungern nahe ist. Einige Personen vcrlorcn vor ausgcstandcncn Leiden den Verstand. Die Deputation sprach die Bitte aus, das Aommando möge Mittel und Wege suchen, um zu erwirken, daß man der dortigen Einwohnerschaft freien Abzug nach Czcrnowitz gewährt oder wcnigstcns gestatte, daß man dorthin Nahrunqsmittel zuführc. Stadtkommandant Rittmeister Thodt erwiderte, die Armee werde wie den Czernowitzcrn auch den Sadagoraern Befreiung brin gen. Das wird je nach den Umständen früher oder später geschehen. Was aber für don Momcn verlangt wird, sei leider unmöglich, er werde sedoch ungesäumt höheren Ortes die Tatsachen bekanntacbcn. Der Kommandant sprach den Herrcn Mut und Trost zu und entließ sie auf da liebenswürdigste. Eine intcresiantc Erinnerung. Wir berichteten unlängst, daß sich in Pa-lästina eine jüdisckie Legion gebildet hat, die dem Sultan ihre Dienste zur Verteidigung des türkischen Vaterlandes zur Verfügung stellte. Schon in früherer Zeit bestand eine solche Legion. Als Napoleon I. seinen ägyptischen Feldzug 1798 vorbereitete, erließ er einen Aufruf an alle Juden in Asien und Afrika. Darüber sagt der ״Monitcur": Constantinopcl, den 28. Germinal. Bonaparte ließ eine Proklamation bekanntmachen, in welcher er alle Juden in Asien und Afrika einladct, sich unter seinen Fahnen einzurcihen, um das alte Jerusalem wieder l>erzustellcn. Er hat bereits eine große Zahl von ihnen bewaffnet und ihre Bataillone bcdrolM Aleppo." Woher kommt der Name ״Lazarett? Ter erste Blick auf das Wort ״Lazarett" zeigt, daß darin der?tarne Lazarus enthalten ist. Warum aber benennen wir die Krankenhäuser mit einem Wort, das von dem?!amen Lazarus abgeleitet ist? Der?käme ist abgekürzt von dem hebräischen ״cl azar" oder ״Elazar" und bcdcutct: ״Gott ist Helfer". Jüdische Erfinder und der Krieg. Schon 1870/71 verdankte die deutsche Armee ihre Erfolge bei der Belagerung der französischen Festungen zum großen Teil einer österreichischen Erfindung, den sogenannten ״Zeitzünder" des Mechanikers Siegfried Markus, des Erfinders des jetzt so unentbehrlichen Benzinautomobils, der für jene ״Zeitzünder״ ein Anerkennungsschreiben des Goneralstabschefs der Armee des preußischen Kronprinzen, Generalfeldmarschalls von Blumenthal erhalten hat. — Die ״Zeppeline" beruhen zum Teil auf Vorarbeiten des jüdischen Erfinders David Schwarz aus Kcszthcly (Ungarn), sic arbeiten mit dem Libcllenquadrantcn und anderen Erfindungen Professor Marcuscs. — Die österreichischen Pioniere schlagen ihre Brücken nach dem System des Wiener Inspektors Moritz Kohn und die österreichische Maeine verdankt ihre modernsten Bauten deni beännten Schiffbauingenieur Popper. Dr. G. Naturalisierung der fremdländischen Juden in der Türkei. Auf Grund von Unterredungen, die der Großrabbiner in der Türkei mit dem Minister des Innern gepflogen hatte, hat sich die türkische Negierung bereit erklärt, den fremdländischen, in der Türkei wohnhaften Israeliten, insbesondere russischer Staatsangehörigkeit, die zu tausenden um die Gewährung der ottomanischen taatsbürgerschaft ansuchten, diesen Wechsel ihrer Staatsangehörigkeit unter der Bedingung zu gestatten, daß sic die ottomanische Staatsbürgerschaft nach dem Kriege nicht wieder aufgcbcn. 10.000 dieser Israeliten sind in Jerusalem scß- Haft. Der Spion im Kaftan. Im ״Pesti Hirlap" erzählt ein österreichischer Offizier von der Tat eines jungen Fähnrichs, der einen Spion fangen konnte. Die Geschichte lehrt auch, welcher Mittel sich die Russen bei ihrer umfangreichen Spionagetätigkeit bcdicneu. ״Drei Tage kämpfen wir. Die Rüsten waren tausend Schritte vor uns eingegrabcn; unsere Stellung -aber war die bessere. Am Abend wurde das Feuer eingestellt und wir fingen an im Grabcn zu schlafen. Drei Schritte von mir lag der Fähnrich. Der hebt plötzlich seinen Kopf, blickt über bcn Erdwall, dann kriecht er langsam zurück zum Walde. Der Morgen graut, da hat er ihn endlich erreicht. Rechts von ihm rührt sich etwas: eine graue, lange Gestalt im Kaftan. Sie kehrt ihm den Rücken. Und aus der weiten Rocktasche fängt sie cm bedeutsam ein Papier hcrauszuziehen und dann zu zeichnen. Lautlos löst der Fähnrich seinen Hosengurt, nimmt die Schnalle in den Mund und kriecht auf die Gestalt zu. Jetzt ist er auf Armlänge bei ihr. Er legt den Gurt zu einer Schlinge, wirft diese der Gestalt um den Hals. Ein Ruck, sie liegt zu Boden; der Fähnrich hockt auf ihr und würgt ihren Hals mit beiden Händen. Es dämmert immer noch,als er zurückkommt. Er ist totenblaß; ich fürchte er sei krank. ״Ich habe einen Spion erwürgt," sagte er mit brechender Stimme. Sväter bittet er mich, mitzukommcn, um seineu Gürtel zu holen. Noch immer ist der am!Halse des angeblichen Juden im Kaftan. Aber 'wie wir ihn hcruntcrreißen wollen, kommt der lange Bart mit, und als wir den Toten aus seinem Kaftan schälen, da cntpüpvt sich der ״Jude" als ein russischer Stabsoffizier. Der Fähnrich erhielt die Tapfcrkeitsmcdaille." Die Zahl der Juden in den europäischen Armeen. Dem ״Hebrew" vom 3. Septemcbr cntnehmen wir folgende Aufstellung über die Zahl der bei der Mobilisierung der europäischen Groß- Mächte zu den Fahnen berufenen jüdischen Soldaten: Rußland 300.000, Deutsches Reich 100.000, Oesterreich-Ungarn 150.000, Frankreich 30.000, Italien 5000,'Holland 7000, Belgien 1000, Serbien 700, Bulgarien -1500, zusammen 598.200. Unter den jüdischen Soldaten befindet sich eine große Reihe hoher Offiziere. Im Interesse der russischen Juden. Eine h u m a 11 c 3t f t i 011 der ungarl ä n d i s ch c n Z i o n i st c n. Gelegentlich der Zusammenschreibung der hier wohnenden Untertanen der feindlichen Staatcn hat der Landcsausfchuß der ungarländischen Zionisten eine Eingabe an den Minister des

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