Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 41 (19.11.1914)
- Date
- 1914-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3. ^Jüdische SriM|H«11(.1 Nr. 41. den sinten untertänig und sinten getrei seier König. Nach sin langweiligen Disput hat der Rabbiner ihm aufgeklärt, as das ist nor falsche Beschuldigung, was unsere Feinde sagen aus uns. Und der Rabbiner hat Abschied geuuininen und zu Hause gegangen. Schabbos den 17. hat der Rabbiner weiter bekummen a Befehl, er soll kuininen zu den Kommandeur, und so wie der Rabbiner gekummen ist in Wohnung von Kommandeur, dann hat man den Rabbiner mit tyraiinische und mörderische Kläppen a halbe Stunde geschlagen und er is ohnmächtig zu sein Haus gekummen und ist davon sterblich krank. Denselben Tag hat man 0 Inden in (Gefängnis eingesperrt. Tonntag den 18. hat mau weiter 10 Juden vornehmste angesehene Leute von Stadt in a zweites Gefängnis eingesperrt und der Kammandeur besohlen hat, das; alle jüdische Manncr von 10 Iabre an sollen die Wohnungen verlassen, wenn aber welcher jüdischer Mann sein Haus nicht verlassen wird, bann wird inan die 10 Männer von Gefängnis totschlagen, denn sei dasir verantwortlich sinten. Und alle jüdische Männer haben die Wohnungen verlassen, dann hat der Kommandeur befohlen sein Militär, as man soll die jüdischen Männer von die Stadt beraustreiben und das russische Militär aus Pferde haben die Juden geschlagen unbarmherzig mit mörderische Klüppen und sei getrieben 10 Kilometer von Stadt bis a Dorf: bat man sei in a Scheune eiugesperrt beisammen 2-10 Mann und das; Militär bat sei gehitet, as sei sollen kein Speis essen u. nicht trinken bekommen, auch zu menschliche Bedürfnisse bat man sei nicht gelasst, und das Militär hat gesagt, das; die Juden wird man verbrennen. Sowie die Männer haden die Stadt verlasst, hat der Kommandeur sein Befehl herausgegeben, das; die jüd. Vermögen ist frei zu rauben. Das Militär hat das jüd. Gut geräubert, auch hat das Militär die jüdische Frauen und Mädchen geschändet. Dann sinten die Frauen zu den Teich geloffen, sich zu tränken, in Wasser areinwerfen und sei sinten von Schaude gerettet geworden. Auch ist ein jüdisches Hans abgesondert gewesen von katholische Häuser, hat das Militär das Haus verbrennt und nicht zugelajst, zu retten. Noch viel solche Mördereien haben sei getan was es ist nicht auf den Papier herausgegeben. Tonntag 2 Uhr bei Nacht ist das vrens'.ische Militär ken Bieznn angekummen. Dann hat das russische Militär Bieznn verlasst und die 0 Juden von Gefängnis von 17. mit sich genummen: auch das russische Militär von Dorf Hot sich derwnsst, das; das preusstsche Mi . litär kummt an, boben sei auch das Dorf verlasst, und die Inden vun de Tchenne sinten dadurch niit den Ewiges Hilfe gerettet geworden nnd sinten mit viel Freide ken Bieznn angeknminen. Aber zum Bedauern babe» sei von seier Ver mögen sehr wenia aiiaetrosfen, denn das rassische Militär haben alle Inden beraubt. Solides bat in viele polnische Ttadt passiert, was ich babe gehört, nor in Bieuin selbst dabei gewesen." Diese Angaben tverden von der Tagespreise aus Grund ihr zugegangener Berichte in allen Teilen bestätigt. Die belobende Anerkennung (si num laudis) wurde ausgesprochen: Dein Leutnant d. R. Edmund Löwp, Infanterieregiment 20: Leutnant d. R. Otto Altmann, Festniigsartillerieregiment 1; dem Oberarzt Dr. Bernhard Karer, Infanterieregiment .'>8: dem Hanptmann Otto Großmann: dem vor dem Feinde gefallenen Oberleutnant Marimilian Berger: de»! Leutnant d. R. Adolf Fink, Infanterieregiment :>0; deii! Leutnant d. R. Dr. phil. Heinrich Reiniger, Infanterieregiment Tie allerhöchste belobende Anerkennung wurde ausgesprochen in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde den Leutnants 0. R. Rudolf Tugendhat, Infanteriereg. 0 und Edmund Löwp, Infanterieregiment 20: den Leutnants Herrmann Schwarz, Infanterieregiment .">7: Dr. jur. Robert Gramer, Feldjägerbataillon 22: in Anerkennung tapferen und aufopferuiigsvollen Verhaltens vor dem Feinde dem Regimentsarzt Adolf Reich, Infanterieregiment 8:!. Die belobende Anerkennung des Armeekom Mandanten wurde bekanntgegeben den! Korporal Paul Kohn, Infanterieregiment .",8. Die silberne Tapserkeitsinedaille 1. Klasse erhielten: Der Infanterist Samuel Fischer. Infanterieregiment :!7: der Wachtmeister Moses 2111!»); der Reservefeldwebel Ignaz Kornweif; nnd Infanterist Samuel Fischer, Infanterieregim. :>7; der Feuerwerker Selig Reißmann, Kanonierregiment 02 lletzterer hat wiederholt nach Anreiten auf näheste Distanzen an den Gegner zutreffende Meldungen gebracht, welche wertvolle Anhaltspunkte für die Feuerleitung lieferten). Die silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse erhielten: Der ZngSführer Heinrich Trainer, Kano nierregiment 02: Korporal Deutsch, Feldbauntzenregiment 0: Fugsführer Elias Gnttmann, Landsturminfanterieregiment 0.1: Infanteristen Jakob Teitscher, Landsturminfanterieregiment 2l: Heinrich Reiß, Feldkanonierregiment 00. Herr Leopold Straßberger, Führer im Te legraphen- und Telephoninfanterieregiment in Przemhsl, erhielt für besondere Bravour beim elephondienste während des grössten seindlichen Kugelregens die große silberne Tapferkeitsme daille 1. Klasse. Die Eltern und die (Kattin dieses intelligenten tapferen Kriegers, die hochge achtet sind, wurden allgemein beglückwünscht. Auszeichnungen jüdischer Offiziere und Krieger. Der Kaiser hat dem Sanitätschef des 10 Korps, Oberarzt 1. Klasse Dr. Gottlieb Arn stein in Anerkennung vorzüglicher Dienstleisning vor dem Feinde die Kriegsdekoration zu dem ihm schon früher verliehenen Eisernen Kronen Orden 0. Klasse verliehen. Das Militärverdienstkrenz mit der Kriegs dekorativ» wurde verliehen: Dem Major Heinrich Misch. Insanterieregi ment 00: dem Leutnant i. d. R. Rudolf Aron sohn, Kanonierregiment 0,8. In Anerkennung hervorragend tapferen Verhaltens vor dem Feinde dem Leutnant Marimilian Beck, Infanterieregiment 70. Das Ritterkreuz des Franz-Ivsefs-Ordcns am Bande des Militärvcrdieustkrenzcs wurde verliehen: Dem Hanptmann Hugo Prager des Infanterieregnn-ents 70: in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde dem Stabsarzt Dr. Heinrich Koralek des Infanterieregiment 02, Kommandanten der Brigadc-Tanitätsanstalt 10. Helden. Kadett Dr. jur. Armin Keszt von den 20er Jägern erhielt die silberne Tapserkeitsinedaille. Am 28. August meldete er sich freiwillig zur Durchsuchung eines Waldes, von welchem ver »intet wurde, das; er von den .Russen beseht sei. 2Nir vier )Nanu patrouillierte er die ganze ׳Nacht, entdeckte die Kampfstellung der Russen nnd ans Grund seines Berichtes ging die Truppe zum Sturm über. Im heftigsten Kampfe sind alle Lf fiziere gefallen oder verwundet worden. Dr. Keszt überniinnit das Koinmando, inzwischen wird sein linker'Arm von l Kugeln getroffen. Dr. Keszt kümmert sich jedoch darum gar nicht, führte seine Truppe zum Sturm, schlägt die;ltuisen ans ih reu Stellungen nnd erstattet hierüber Bericht erst dann begibt er sich ans den Hilssplah, um seine schweren Wunden verbinden zu lassen. Er wurde im Tagesbefehl belobt und dann befördert. Jetzt erhielt er die Tapferkeitsmedaille. Seine Wunde ist wohl noch nicht ganz vernarbt, aber seilt Urlaub ist zu Ende und er ist abermals unterwegs auf dem Kriegsschauplatz. Ter tapfere Kadett Ludwig Lvwh. Bei den 102«» dient der Kadett Ludwig Löivp, der sich i»! Felde derart ausgezeichnet hat. daß ihm die große goldene Tapserkeitsinedaille znerkannt wurde. Iinnrer wieder riß er seine Kompanie zum Sturme vor und!rar stets dort zu finden, wo die Gefahr am grössten und der Kugelregen am dichtesten war. 'Nachdem er die goldene Tapserkeitsinedaille erhalten hat, die höchste 'Auszeichnung, die für Tapferkeit vor dem Feinde verliehen wird, führte er »och eine Reihe bravonriöser Angriffe mit seiner Kompanie durch. Bei einem Sturm erhielt er einen schweren .Kopfschuß. Er schlepvte sich nach dem Verbandplatz und ließ sich verbinden. Als ihn aber der Arzt ins Feldspital ׳ckn!'- zurückführen, mit der er den Sturm gegen die russischen Stellungen dnrchsührie nnd zum Erfolge brachte. Dann erst kehrte er zun! Verbandplatz zurück. Wegen tapferen Verhaltens wurde der jndische Oberleutnant Konrad Sachse! der 27. öfterreichischen Landwehrinfanteriedivision (aus Prag» vom Divisionär belobt und zum Kompaniekommandanlen ernannt. Der Fähnrich des 8. Infanterieregiments Richard Hirsch teilt seinen in Brünn lebenden Eltern mit: ״Ich habe heute die silberne Tapserkeitsinedaille erhalten. Ich bin jetzt der zweite ausgezeichnete Offizier im Regiment. Diese Auszeichnung erhielt ich für fylgendes: Ich drang bei;)(acht in einen tagsüber von starken russischen Kräften besetzten Ort ein und schickte dem Regiment wichtige Mitteilungen über die russischen Verteidigungsanlagen in diesein Orte. HwulMWi. Einige Lügen zur Auswahl. Die ׳״Newhorker San" tveiß anfangs September folgendes über London zu berichten: ״Tie Wiener Inden weigern sich dem Mobilisiernngsbefehl des antisemitischen Regimes Folge zu leisten. Sie haben in den Straßen Wiens Barrikaden errichtet, um sich gegen das anrückende Miirät11; ־ verteidigen." 'Andere N'ewporker Blätter melden: ״Tie ungarische Regierung ließ nur solche galizische Flüchtlinge in Budapest, ivelche eine Barsumme von 1000 Kronen vorweisen konnten. Ein Londoner Pogrömchen. Die durch das Indenviertel Londons durch-;iehenden englischen Soldaten haben sich das Plaisierchen gegönnt, einige jüdische Läden zu plündern.;>Nan sieht, das; eine Beeinflußung in der Iudenfrage zwischen Rußland und England, wie sie :sangwill versprach, tatsächlich stattfindet aber umgekehrt. Jüdischer lleberschwang. Das Londoner jüdische Blatt ״Iewish World" lässt sich von der englischen Stimmung so weit mitreißen, daß es die Beschießung der Reims«׳ Kathedrale dem Untergang des Ierusalemer Tempels gleichstellt und einen diesbezüglichen 'Midrasch gegen die Deutschen loslässt. Allgemeiner Fasttag in Warschau. Die Warschauer Rabbiner haben, wie man jetzt erfährt, für den >0. September einen allgemeinen Fasttag ausgeschrieben. Es wurden Selichot- und Totengebete rezitiert nnd für die Wiederherstellung des Friedens gebetet. Russisch-jüdische Helden. Der Krieg, welcher Spezialitäten jeder Art hervorgebracht hat, wie japanische Engländer, indische Belgier und schwarzliäutige Franzosen, hat auch russisch-patriotische Juden produziert. In einigen Gonveriiements herrscht eine begeisterte Lopalilät für das reuige Väterchen, der so rüh rend Besserung versprochen hat. Die Geschichte vom verlorenen Vater. So wurde ein Wilnaer!üdischer Student vom Faren mit einem Orden ausgezeichnet, weil er mit großer Tapferkeit eine riissische Fahne wiedererobert hatte: dasselbe Ver dienst und denselben Lohn fanden auch mehrere Andere. Briefe aus Rußland. Tas 'Newnorker jiddisch-sozialistische Blatt ״Vorwärts" veröffentlicht eine;)leihe von Brie sen ans jüdischen Städten in Rußland, welche von herzzerreißendem Jammer erzählen. Wenn auch die studentische jüdische Jugend sich in eine Begeisterung für Rußland hineingearbeitet hat. so empfindet es der konservativere Itide als dreifackes Unglück, für seine Bedrücker gegen seine ׳Befreier zu kämpfen. Die 'Abschieds׳;e»en. n\־l ste sich bei den Militärstigen alnpielen. über steigen jedes Maß. In Shnk ׳>!>d ”׳׳'׳"׳׳ ׳"־ ' Frauen, die von ihren '»-'änner21 ״ HO*׳ wen. vom Her ״'-Wage getötet worden. In »׳ Städten herrscht Hungersnot. Vielortens habe׳ h׳.״ ken wollte, lehnte der tapfere Kadett dies sehr!die Reservisten alle Läden geplündert. Die ^nentschieden ab und ließ sich zu seiner Kompanie: nagogen und Friedhöfe sind Tag und;Nacht von