Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 41 (19.11.1914)
- Date
- 1914-11-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41. ״Jtbifche B»lkrsti««e^ Seite 2. Bechawa. Janow, Krasnik und sSamosch. In 1 dieser Stunde. Uebcrdies hat die Kricgsnot auch bincr, Doiiibrowa: Uscher Horowitz, Nabb., Kraeiner ganzen Anzahl von anderen Städten 1)0־|i» de» Werkstätten der Wohltätigkeit den Weg kan׳, Nuchem Gelles, Nabb., Slotwine: Jsak I. für namenloses Elend eröffnet. Die Schutzbefoh-, Tumim, Bankier, Przemysl; Pinkns Horowitz, lenen der Waisenhäuser, der Greisenheimc, der Nabb., Bohorotczany: Ehaim Mayersohu, Gros;- Spitäler, Irrenanstalt, Blindeninstitut, der zahlgrundbcs., Stryi; Dr. Baruch Margulies, Nabb., den die Polen schwer an den Juden gesündigt, sie verfolgt, Pogrome des Militärs gegen sie verschuldet, Augenzeugen haben Brandes berichtet von jüdischen Soldaten, die wahnsinnig in den Lazaretten darnicchcrliegcn, aber nicht infolge der Schrecknisse des Krieges, sondern der Pogrome, deren Zeugen sie waren, der Erinordungcn, Notzüchtigungen unb schrecklichen Mißhandlungen unschuldiger Menschen. Wenn die Polen sich nicht alle Sympathien Europas verscherzen wollen, so ist es hohe Zeit zur Selbsteinkehr. Sind die deutschen Waffen in diesem Kriege siegreich, so wird die Karte Europas eine weitgehende Veränderung erleiden. Aber nur ein Volk, das Garantien dafür bietet, die lvcstenropäische Kultur geistig in sich verarbeitet zu haben, nicht ein Volk von Barbaren, sondern nur ein Volk von Menschen, welche der Freiheit wirklich wert sind, wird auf sie Anspruch erheben können. ״Söll ich mich schämen", fragt Brandes, ״Worte der Liebe für Polen geschrieben zu haben, seht, wo die Zukunft Polens bestimmt wird? Die Lage in Palästina. Hilfe aus Amerika. reichen Jcschiwos und Talmudthoraanstaltcn sind trotz der aufreibenden Arbeit ihrer Leiter von nanienlosein Weh hciingesucht. Es ist eine große Aufgabe, welche das Komitee als Mandatar der amerikanischen Aktion in schwerer Zeit zu erfüllen hat. Das gemeinsame Leid ist aber größer und fordert gebieterisch eine außerordentliche Kraftentfaltung. Das amerikanische Geld hat Dir. Wertheim, der Schwiegersohn des amerikanischen Gesandten Morgcnthau, in barem Goldgelb aus einem Kriegsschiff nach Jaffa bezw. Jerusalem gebracht. Dieses Rcttungswerk der amerikanischen Philantropcn und ihres edelsinnigcn und mutigen Abgesandten verdient die höchste Alterkennung. Es kann aber nicht genug betont werden, daß angesichts der jetzigen Weltläge Amerika insbesondere dazu berufen ist, nicht nur mit Gold, sondern auch durch regelmäßige Zufuhr von Nahrungsntitteln, der aus heiligein Väterbodcn in Mummet und Elend schmachtenden Bevölkerung Hilfe und Rettung zu reichen. H. Z Drohobycz; Dr. Rappaport Stryi, Schriftsteller und Großgrundbesitzer: Josef Schönblum, Banier, Lemberg: Dr. Josef Zipscr, Hof- und Gerichtsadvokat, Wien: Jakob Dicschc, Kultusvor- Seher, Lemberg: Jakob März, Fabrikant, Wien:! dolf Hecht, Bankier, Wien: Jsak Weismann, Privatier: Dr. S. Landau, Hof- und Gerichtsadvokat, Wien: I. Nelken, Schriftführer: Hermann Sporer, Direktor und Klassenloteric-Koll. Aufruf! Jerusalem. Die Verteilung der auf Anrcgung des Botschafters Morgenthau von den bekannten amerikanischen Wohltätern zur Linderuitg der Not übermittelten Fcs. 2r>0.000, wurde einem 11-glicdrigcn Komitee übertragen. Hiervon wurde die größere Hälfte für Jaffa und jübischen Kolonien von cüva Fcs. :118.000 für Jerusalem und Hebron bcstintint. Diesem rascheu Eingreifen ist cs zu verdanken, daß ein ansehnlicher Teil dieser tiirainc etwa 50.000 Fcs. für Armenspcisung verwendet wird. Es werden täglich 8000 Portionen an Arme ohne Unterschied ihrer Gemcindczugchörigkeit und ohne Rücksicht auf ihre religiöse Richtung oder Parteistellung verabreicht. Der größte Teil des amerikanischen Geldes soll in der Form von Darlehen an Hand- Werker und sonstige in Not geratene Personen Verwendung finden. Auch diese Maßnahnten bcrechtigcn zur Hoffnung, daß den drohenden Gefahren auch im Kreise derjenigen, die vor Ausbrnch des Krieges noch zu den Bemittelten zählten. sum Teile wenigstens vorgebcugt werde. Das Komitee bemüht sich auch, für verschämte notleidende Familien die Gaben an Nahrungsmittelit ins Haus zu schicken, um so nach Mäglichkcit zu vcrhüteit, daß die Notleidenden ans den intelligenteren Bcvölkcrungskreiscn.von diescr Wohltat ausgeschlossen würdeit. Was sind aber diese Hilfsmittel im Verhältnis zu der Not tind dem Jammer, die Och mit elementarer Ge Walt in der 50.000 jüdische Seelen zählenden Me trovolc Palästinas heimisch geinacht? Diele Welterschütteritdc Katastrophe hat auch die Wohlha benden oder besser Situierten ztl Bettlcrit ge- Ntacht. Arnt und hilfsbedürftig sind sic alle in vor ihren Augen. Dann begann sie nachzudcnken, tvas eigentlich zu tun sei, um dieses schreckliche Unglück, das sie in ihrer Phantasie schon gesehen hatte, zu verhüten und endlich durchzuckte ihr Gehirn ein Gedanke, den sic fcsthiel und nicht mehr laßen wollte. Zwei ihrer Freunbinnen, Hörerinnen der Medizin, hatten sich noch vor einigen Wochen dciit ״Noten Kreuz" zur Verfügung gestellt und sind nach dein Schlachtfeldc abgcrcift. Wenn cs ihr gelänge, ihrem Nafac als Samaritanerin folgen zu können! Aber sie ist dach keine Hörerin der Medizin und dann wird cs ihr Vater doch nicht erlauben, ihr den ״Sol baten" in den wilden Krieg zu folgeit. Sie muß aber, um jeden Fall ihren Rafael folgen. Wie aber dieses durchzuführcn, dachte sie eben stun dcnlang nach, bis sie endlich ihren Plan genau bearbeitete und ihn im Geheimen auszusührcn beschloß. Namenloses Unglück hat der Feind über einen großen Teil der galizischen Bevölkerung gebracht. Ein großer Teil der Bevölkerung, ohne Unterschied der;Kation und der Konfession, sah sich gezwungen, vor dem unmenschlichen Feind zu flüchten. Die unglücklichen Flüchtlinge suchten Zuflucht auch in der Reichshaupt- und Residenz stabt Wien. Tie hohe k. k. Negierung und die Stadt Wien haben den Flüchtlingen Hilfe gegen die ärgste Not geboten. An der Hilfeleistung bereiligt sich auch die Wiener Bevölkerung in werktätigster Weise und der Ruf von den Wiener goldenen Herzen hat sich jetzt in vollstem Sinne des biblischen. ״Liebe den Fremden" glänzend be währt. Wollen wir die unglücklichen Flüchtlinge wirklich vor materieller;Not schützen, so müssen wir auch auf die religiösen Bedenken derselben Rücksicht nehmen. Es gibt unter den jüdisc Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina eine große Anzahl Strenggläubiger, welche in Bezug ans Speisen strengste religiöse Observanz beobachten. Diese Frommen ziehen es vor, eher zu hungern, als Speisen zu genießen, deren! lercitung nicht vollständig den in ihrer Heiina üblichen religiösen Gebräuchen entspricht. Der in Wien bestehende jüdische orthodoxe Verein ״Mach ike Hadath" ist seit einer Reihe von Jahren be müht, dieser religiösen Anschauung der aus dem Osten nach Wien kommenden Juden Rechnung zu tragen und dieser Verein speiste bisher jeden anistag und jeden jüdischen Feiertag an 100 Personen in seinen Räumen unentgeltich ans Dank der Mitwirkung des so rühmlichst bekann ten Wohltätigkcitsvereines ״Zuflucht" und dank der Opferwilligkeit einzelner edler Persönlichkei ten ist es seht möglich, im Vereinsheim ״Mach sikc Hadath" die aus Osten nach Wien kommenden Juden nach ihren streng rituellen Wünschen aus znspeisen. Ferner wurden auch hebräische uiid ta mudische Untcrrichtskurse für die Kinder der Flüchtlinge — nm einem Müßiggänge vorzu beugen — errichtet..Das Unterzeichnete Komitee erachtete cs als eine heilige Pflicht, sich mit dem Vorstand des genannten Vereines ins Eiuvcr nchinen zu seßen, um diesem Mittel und Wege zu schaffen, seine Tätigkeit (im Sinne der Vereins statuten) erweitern zu können. Um diese Woh tätigkeitsaktion fortsctzen zu können und cvcn tuest zu erwciterii, wendet sich das niitcrzcichiiet Komitee an edelfühlcndc Herzen mit der Bitte, Spenden in barem und Naturalien, die in den Blättern ausgewiescn werden, an den Kassier des Vereines Herrn Simon Starnberg, 2. Bcz., Neinbrandtstraße 80, oder an den Obmann des Ver¬ Als das Regiment, zu welchem auch Nafac gehörte, mit Blumen geschmückt, von der Militär inusik begleitet und von der Bevölkerung mit Heilrufcn beglückwünscht die Stadt verließ, nm sich auf den Kriegsschauplatz zu begeben, mar schicrte auch .Heia, mit Militärbluse, -kappe und Rucksack adjustiert, an der Seite ihres Nafac mit. Simon Schreyer. ׳Timon Schreyer, ein Jude aus Szegedin, ist einer der Helden von Przemysl. Für seine vielachen Beweise der Umsicht, Findigkeit und Klugheit und für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde erhielt er die silberne Tapferkeitsmedaille, welche ihm der Festungskomniandant von Przeiiiysl, Kusmanek, in Gegenwart der Koinniandanten aiii 15. Oktober uniiiittelbar nach der Befreiung von Prezmysl in feierlicher Weise an die Brust geheftet hat. Diese Auszeichnung hat ich Schreyer als Führer eine Patruillentruppe erworben. Am 5. Oktober wurde er von einem der westlichen Fort zur Beobachtung des Feindes ausgesandt. Spät am Nachmittag zog er ans, uni von deii im Befehle bezeichneten Platze mit seinen acht Leuten die Beobachtungen des Feindes zu besorgen. Als er in der Nähe des fixieren Platzes kam, war dieser bereits vom Feinde ׳ ־tzt. Demzufolge wählte er sich selbst einen Bcobachtungsort aus.׳ Daß cs ein guter Ort war, geht daraus hervor, daß er bald wahrnehmen onnte, daß der Feind ein Nachbardorf und den Rand des daneben befindlichen Waldes besetzt satte, offevchar mit der Absicht, nm dort auch zu übernachten. Hieraus ließ er sofort seinen Bericht an die Anftragsstclle gelangen und nii-!ere Artillerie begann um 10 Uhr das Bonibardcment der zwei beobachteten Stellen, welches bis zuiii Morgen anhiclt und den dort lagerndeir 3ht)־ feit riesige Verluste beibrachte. Am andern Tage konnte Schreyer sci׳׳c weitere Beobachtung incl- . den, daß die feindlichen Truppen sich in eine andere Richtung zurückgezogen haben. Am 7. Oktobcr mittags erschien Schreyer beim Konimando mit einem gefangenen russischen Unteroffizier. Diese Gefangennahme geschah ans die Weise, daß Schreyer einer der )einigen gleichstarken rusfischen Patrouille sich näherte. Schreyer befahl seinen Leuten sich zu verbergen und als die Nnssen sich bereits in einer Entfernung von 80 Schritte befanden, sprang er mit seiner Mannschaft ans dein Verstecke mit schußbereiten Gewehren herbor. Die Russen blieben vor lieberraschung wie versteinert, der Patrouillenführer warf sein Gewehr weg und ergab sich, während die Mannschaften das Weite suchte. Unter gleichcn Umständen machte Schreyer am 8. Oktober drei russische Gefangene. Dieses Verhalten vcraiilaßte das Kommando, Schreyer für ibie Auszeichnung, welche nun seine heldenhafte Brust schmückt, in Vorschlag zu bringen. eines Herrn Jakob März, 1. Bez., Augustengasse 1, gütigst übcrwciseii zu wollen. Rabbiner M. Maycrsohn, Vorsitzender des Komitees; Jsak Friedman», Rabbiner, Bojan; Moses Babad, Rabbiner, Lemberg; Israel Friedmann, .Rabbiner, Czortkow: Josef Engel, Rabbiner, Krakau; Abraham I. Friedmann, Rabbiner, Sadagora; Maier Arak, Nabb., Buczacz; S. David Unger, Rabb., Szabna; M. Weidevfeld, Rab- Judenpogrom in Polen. Einen Pogrom, der in seinen grauenhaften Einzelheiten an die Vorgänge von 1007 erinnert, erlebte das Städtchen Biezun bei Plock. Wir geben den Brief eines Augenzeugen an eine jüdische Organisation hiermit wörtlich wieder: ״Tcicrc Brider, Vnci Awrohom, Jizchok und Jaakob! Gewiß ist euch nicht wissentlich die Mördereien, was das russische Militär tun de Juden, die russische Untcrtaner in Pculen bei die Kriegszeit. Mit herzzerreisende Leiden und mit bittere Tränen veröffentlich ich eich a Geschichte, was selbst bcigcwohnt habe. Das hat Passirt in Biezun Plocker Goubcriiie Nussisch-Peulen, was solchcs hat nicht Passirt vor inittelalter Jahren. Der Kommandeur von russisch Militär, was ist gerade gewesen in Biezun, hat den 10. Oktober gerufen den Rabbiner und fragt ihni, far wos beten nicht das jüdische Volk, daß der russischer König soll glücken in diese Krieg mit Teitschland? Dann war die' Antwort von Rabbiner, daß Juden russische Untcrtaner beten für sein Glick, sowie mir geboten finden: ״Wehawe mispallei bischlaumoh schel malchus". Und die Ju-