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Jüdische Volksstimme · 1914-11-11 · Heft 40 (11.11.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 40 (11.11.1914)
Date
1914-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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01- .15 Seite 3. «JSdische «ekk»sti«»e.» Nr. 4a jifK’jf:;׳ ׳-r!7r, .7f;/i(!nNH!׳׳•, Vor Kriegsausbruch m Jerusalem ,:i •:׳. •- ־sehr׳.׳geehrter-'• Herr Itedaktenr! 'Ich stelle Ihnen folgenden Brief, der mir soeben aus Ierstsalein, allerdings auf mancherlei Umwegen;,,zugegangen ist, zur ,Verfüguikg. Er dürfte Tie und Ihre Leser sicherlich interessiereu. Ter.Brief ist vom 17. September l. I. datiert und gibt ein klares Bild von den Znstäuben lind von der kriegerischen <Sti1nn1nng, die damals schon von den Türken und namentlich' in Jerusalem geherrscht haben. Mit besten Grüßen. Ihr.Tr. I. Günzig. ' * בעזר,"י יום די• לסדר.-כי תבא שנת תרע׳׳ז* ,לפ״ק י פה ירושלים עזדק תובביא:. Sehr geehrter Herr Doktor! Lieber Freund! -Ich schreibe Ihnen diese Zeilen nicht mit Tint.׳, sondern mit Blut. Ich kann Ihnen mit Worten nicht schildern, in welch finsterer und trauriger!!Lago ich! mich jetzt besinde.-In Ierusalein ist man immer gedrückt, zumal jebt, wo die st riegsfackel beinahe die ganze Welt in Brand gesteckt hat. Sämtliche Vereine und Wohltätigkeitsliistitnte sind geschlossen, sie haben keinen Pfennigs die!'Banken sind ebenfalls gesperrt und geben kein Geld, auch denen nicht, die dort ihr ganzes Vermögen. deponiert haben. Der kleine zhandel, der zumeist in Jerusalem betrieben wird, ist vollständig lahnlgclegt, einer borgt dem andern nicht auch nur einen Pfennig, die Post bringt vom Aus'ände kein Geld, nur leere Briese. Bekontmtzuän einen Scheck, so will ihn niemand kaufen, inan.nimmt nur Dollars an und zwar im Werse, zu! je .! Franks, während man früher stets mehr stls ä Franks für einen Dollar be komiiieti hat. .Postauwelsungün werden nicht aus gezahlt, .stürz, es ist finster und bitter, man geht herum ohne Pseülists und darbt; . . Ansländische Ware, die nach dem heiligen, Lande importiert wird, ist.seht hier nicht mehr zu bekommen, auch für teures Geld nicht, wie z. B. Bohnen. Kartoffeln. russisches Mehl und neue Ware kommt nicht herein׳, Zucker und Petroleum sind wohl noch vorhanden, aber zu enornren Preisen. Was das Schliminsle aber ist, noch bitterer als der Hunger, ist, das; man ältere Menschen als Soldasen nehmen will, auch solche, die niemals gedient haben und zlvar bis znnr 40. Lebensjahre nnd ich bin auch.unter, denen ... Es ist Hoffnung vorhanden, dass inan Talmndisten nnd Leiter der Ieschiboth vom Militärdienste befreit aber vorläufig mussten wir uns alle stellen. Es herrscht allgeurein ein großer Schrecken nnd nie mand weis;, wie dies werden wird. Von den Andersalänbigen hat man bereits assentiert הדדל דש und sie kampieren NM Jerusalem zu Tauseiiden und .Hunderttausenden . . . Aber auch Inden sind bereits viele eingerückt. Man be reitet sich vor auf einen großen fürchterlichen Krieg und man weiß nicht gegen wen. Tie Gassen sind finster und öde. es ist wie zur Zeit der Zer- ,srörung des Beth Hamikdasch. Gott soll uns geben Kraft dies alles zu überwinden. Wir tröstcn uns mit Thillim und Selichoth nnd man weint und klagt, Gott soll sich unser erbarmen und aller Menschen aus der weiten großen Erde, Amen. lind Nzeszow liegt doch in der Nähe des stürmenden, Lemberg. Gewiß kannst schon ^pureu finden großstädtischen Auslugs. In einem Teil der Stadt, der Neustadt. erheben sich komsortable/.Häuser mit Badeziininer und englischen Aborten, voll Würde und Wertbennlsstsein aus sthmalbrüstiger Umgebnng, in einer bestimmten Gasse, der Herrengasse, flutet allabendlich, zu mindest aber des Sonntags das bunte Gewoge proinenierender Jugend und Du erkennst an dem Schnitte der Toilette den großtuerischen Ei ier, an den blitzartig-kecken Seitenblick gelehrige Schüler lind Schülerinnen der Augensprach Lembergs, ans der Elastizität der Bewegung die Leichtigkeit der Auffassung, einen Hauch von Leichtsinn, von Koketterie. Besoildes die Herren vom Militär sind Zielpunkte so vieler heimli cher Sehnsucht. An ihnen macht man auch Schule Man seht ins Praktische um, was man Lemberg Gottesdienst in Kriegszeiten. Wie». Der Ernst der Zeit macht die Menscheu religiöser als sonst und treibt sie in das Gotteshaus, das, zumal an den Sobbateil, überaus zahlreichen Besuch aufweist. Ties gilt wohl von allen Wiener Synagogen, insbesondere aber von jener größten in der Tempelgasse. Sie ist nicht nur das Ziel der hier seßhaften Glaubensbrüder, sondern auch jener andern aus den: Norden unseres Reiches, die ihre Zuflucht daelbst gesucht und gesunden haben. Mögen sie da- Kim ihrer Andacht lauter und nngedruitgener Ausdruck geben; hier fügen sie sich recht willig in die landesüblich geziemende Sitte und Ordnnng, worin sie sich nur durch gänzliche Umhüllung des Tallis unterscheiden — eine Ansnähme, die ihren srommen Brudersinn anstandsos concediert. Einen sympathischen Eindruck nnter den Besuchern des Tempels machen die zahlreichen galizischen Gymnasiasten in ihrer kleidsamen Uniform — ein Beweis, welch' fromnwr gottesfürchtiger Sinn in den jugendlichen Herzen lebt, den sie wohl vom Hause aus zu betätigen gewohnt sind. Darin könnte diese Jugend den Wiener Studenten zur Nachahmung empfohlen werden. Wie wir hören, obliegen die galizischen den Hirtenstreit zu unterdrücken, dein Loth z,׳. ries: ״Laß' ab von jedem Zank und Hader, Veitwir sind ja nahe Verwandte. Waren die Herrscher der westlichen .stultnrvölker solch edler Gesinnung und Denkungsart fähig gewesen, sie würden den Weg zur Verständigung gefunden und der Welt den Schrecken desKrieges nnd seine Folgen erspart haben. Wir sind frei von jeder Frevelschuld und darum erfassen wir gottvertranenü den Sieg unserer heiligen gerechten Sache Amen! A. L. «■י׳ iv־'״ vu Der Drang r!ach Mut. tEiil Feldpostbrief vom IN. September, veröfseiulicht im ״Hamburger Echo".) Meine lieben Alten! In fliegender Hast und Eile ein Paar Zeilen. Unser viertes Korps, besonders mein Regiment, hat Unglück gehabt. Seil dem (>. September befinden wir uns in einer mörderischen Schlacht, in der wir vorgestern zurückgedrängr worden sind, uns nunmehr aber jenseits der . . auf einer Höhe verschanzt haben, die wir lebendig unseren Feinde» nicht überlassen werden. Erlaßt es mir. Euch ans diesem Ringen heute Einzelbeiten zu schreiben; es ist furchtbar. H. ist verwundet. unser Major nnd ein anderer Batterie offizier sind tot: ein einziger Schlachttag lvorgestern) kostete dem Regiment fünfzig Mann und sechs Offiziere an Toten und Verwundeten. Meineu Batteriechef, der sich mir gegenüber einmal äußerte, daß er sich wunderte, daß ich als Jude ein io guter Soldat wäre, habe ich endlich auch den Beweis persönlichen Mutes geben können. Also hört: Am S. »insstcn wir eine Stellung ans geben nnd wegen Pferdemangels Misere sechs Mnnitionswagen aus dem >tampfseld lassen. Am Mittelschüler hier in Wien in eigenen von connanächsten Tage wurde die Bakterie zusammen-- tionalcn Professoren geleiteten Schulen ihren gegerufen und ans das .stommaiido: ״Freiwillige vor!" trat ich sofort als einzioer Unteroffizier vor und erbot mich, die sechs Wagen wieder ans dem feindlichen Gelände zu holen. Von den Segeyswünschen meiner Batterie begleitet, machte wohnten regelmäßigen Studien, womit sich die rchulbehörden ein außerordentliches Verdienst erworben haben. Von der Würde und Andacht des Gottesdienstes in der Tempelgass-e zu berichten, wäre wobt überslüstig. Bewährte Cantoren und herrlicher Eborgesang erhöhen die Andacht nnd fesseln die Ansinerksanikeit des Viibliknins. worunter mich das weibliche recht zahlreich vertreten ist. Rabbiner Dr. Mar Grnnwald benäht jeyen Anlaß, seines hehren Anites dankenswert ׳nt walten und in dieser schweren Zeit Worte der Erhebilng nnd des Trostes an die Versammelten, in deren Reihen immer durchziehende Krieger zu bemerken sind, zu richten, die ihren Eindruck nicht verfehlen. An jedem Sabbat, wenn bei offener Bundeslade das feierliche Gebet für unfern Monarchen nnd den Sieg unserer Waffen besprochen wird, flicht der geistvolle Prediger eine Betrachtung ans dem laufenden Wochenabschnitte ein. die ans die .Wriegszeit Bezug ninimt lind aktuell wirkt. Am lebten Sabbat, Parsche ''״!-{> lecho. pries der Redner die Friedenslieb.׳ tammvaters Abraham, der, um Phantasie verraten. Dabei trocknet ihr die Kehle und sie garantiert unter Ehrenwort, das sie jemanden abgetanst hak, nach jeder geleerten Sektflasche, daß die folgende eine sehr gute, unübertreffliche Marke ist. Und wenn dabei ihre Finaer in Deinem Haar kraulen nnd sie 11׳ Dein Sin־ entzückende >losena1nen flüstert, dann mußt Tn ihren erfinderischen Geist belohnen. Wie Du nach Hause kommst, wirst Du Dich schwer entsinnen. Das kann Dir allabendlich vastieren 1111D! das geschieht auch, weil das großstädtisches Leben heißt. Und die lieben Bürger und ihre Söhne einen Schwung hineinbringen wollen in das fade Provinzleben, einen heißen, pulsierenden Rhytmus in die Trübsinnigkeit wässeriger Tage, einen schäumenden Ehampagner in den philiftröu’n Magen stürzen. Aber. Du hast den Ein druck, als ob Kinder in Schuhen von Erlvach ich mich dann mit zehn erprobten Leuten und zwei Bespannungen bei anbrechender Dämme riing ans den Weg, verständigte »üch mit unseren Insanterievorposten und pirschte mich dann an die Wagen, zuerst einmal allein ans dem Bauche kriechend, heran, um mich von ihrer Transport fähigkeit zu überzeugen. Dann holte ich meine Leute mir den Proben und holte erst einmal vier Wagen, brachte die in Sicherheit, nnd holte als dann die übrigen zwei sowie viele lose Munition, Geschnbzngehör nnd unsere Toten. Zgveimal rie sen mich feindliche Patrouillen an. drei Schüsse Wurden ans uns abgegeben; dennoch mußte ich meine Lenke aiiltulrc!!, nicht eher zu!reichen, bis alles verpackt nnd geborgen war. Vor dein äußer sten Schübengraben empfing mich unser Rest mentskonimandenr, gab mir die Hand nnd sagte: ״Das haben Sie sehr brav geinacht. Kamerad, ich danke Ihnen!" Na, das Märchen von der iii di scheu Feigheit habe ich wenigstens für unser Regiment wohl gründlich zerstört. Und wenn mir kein anderer Loh» wird, io ist mir dieses Bewnßtsein überreichlich genug . . . verdankt. Weißt Du, was noch-? Sogar Nacht-/senen gingen. Und Du wirst lächeln über die lokalitäten mit DamenkapeUe nnd Sekt gibt es rührende Einfalt der Provinzler. Daß die Mendort. Es sind Baisel, deren Fenster mit Vorhänge» nach sapanischen Muster verhängt sind nnd hinter denen die wohlhabende oder so tuende Ingend sich ainüsiert. Dabei wird schlechter Sekt vorgesebt nnd. die Tromnilerin im weißen, duftigen Mleibe mit roter Schärpe Hilst Dir über diese unerfreuliche Erkenntnis mit Geplauder hinweg. Tenn sic kommt von Wien erzählt sie immer direkt von Prochask.1 wegangagiert und sprudelt Dich an mit ihren Erlebnissen, die eine große rührende Einfalt der Provinzler. Daß di scheu immer große Gebärden lieben . . . Ten Grasen aber und Deine schöne Polin findest Du am sich>׳vsu>1, iem >its der Grenze, wo '-׳,! ׳eiste ns ihre Schlösser haben. Und dort hoffe ich. wirst Du unvergeßliche jüdischen Flüchtlingc Tage und unveraeülichere Nächte mit ihnen, mit Nötigsten kehlt, zu i NIEDERLÄNDISCHE Labensverslcherungs - Beullichaft, Wien I., Aspernplatz 1 Im eigenen Palais, Versichertes Kapital drka 422 Millionen. Reserve drka 116 Millionen Kronen Billigste Tarife. Mitarbeiter wer len Ob• >al g II. d Um»er neuester Tarif mV 5»/• )Mn :1 1a lerdcr!׳ •r.m:l»1■ Prämie Genaratagentur für Wien I, \<pernp1ar . 1 L ne, : David Nebenzahl. SubDirektion filr Prag Perduiand'Str. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion IDr Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes Oeneral-Agemur lür Krakau, Moritz Gulfel Krakau, Ringplatz S. General-Agentur für Blelitz, Seblassgraben 9, Leiter Ado» HeiUinger. Hauptsgentur für BrUtta, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. itiuidMtau. Jüdische Flüchtlinge iu London. Die jüdische Bevölke׳ verwaltnng bietet all 1.׳! nn und lN'iiieinde für die zahllosen gien. denen es am Lord Rothschild hat ihr verleben. Tu Glückskerl. Du! Und nun fahre vorerst •!(10.1)00 Mark zur Linderung der ersten alücklich. Vielleicht sende ich Dir ein Rezept nach., Rot gespendet. Da die vorhandenen Herbergen Aus Wiedersehen! und Asyle sich als weita׳ sind große Gebäulichkeite zu klein erlösten, als Obdach für die

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