Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 40 (11.11.1914)
- Date
- 1914-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621937--3032-2624182- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sk. 40. trrguen zu stürzen, tvas ihm auch tatsächlich gelimgcn wäre, so sein Vorhaben nicht rechtzeitig dein Herzog verraten worden.Wäre, sprachen sämtliche jüdische Gemeinden, Kon- 1ianti!>opeIc^^e11^sKstd.eu-.VaMi über/ jbp verruchten DHmSr,'-IvHr über dessen Hielfers- Helfer ans. —' LiüHMüptg^nxr Josefs war der Großvczier dcj^ SttiltLis ׳SeUitz, namens MohamedSokrKi,-^n DHber trotz der hohen einflnßreichen Stellung, die er cinnahm, nicht geliiigen konnte, den jüdischen Herzog — der die Politik der Pforte mit unumschränkter Macht leitete und einen solch mächtigen Einfluß besä! das; selbst Kaiser Marimilian, der Herzog von Oranicn und andere Fürsten sich veranlaßt sahen, um seine Gunst zu werben — zu stürzen. Nach dem Tode Sclims zog Josef Nassi sich von den politischen Geschäften zurück und war bis zu seinem am 2. August (1570) erfolgten Tode bestrebt, das Heil und Wohl seiner Glaubcnsbrüdcr zu fördern. Nach seinem Tode wurde sein Vermögen vom Sultan Murad III. eingezogen, so daß seiner kinderlosen Witwe Donna Rcgna bloß ihre eingebrachtc Mitgift im Betrage von 00.000 Dukaten geblieben ist, die sie dann der Förderung der jüdischen Wissenschaft, wie der Gründung eitler l)ebräischen Buchdruckerei in Palästina gewidmet hatte. Wie Josef unter Sclim, stand auch der gelehrte Arzt R. Salomo b. Nathan Aschkenasi unter Murad III. in großenl Ansehen. Ter bereits erwähnte Großvezier Sokolli, dessen Leibarzt c'r war, verwendete ihn als Unterhändler im vcnctianischen Friedcnsschluß (1572). Es gelang ihm umso leichter, diesen Frieden zu ver- Mitteln, als er mit dem venetianischcn Dogen, der für die Erhaltung seiner beiden in Venedig lebenden Söhne liebevoll gesorgt hatte, sehr bcfr-eundte war. Besonders hohe Verdienste erwarb sich Talomo Aschkenasi bei der Verhandlung über den Frieden mit Spanien, wie bei der Wahl Heinrichs Hl. van Frankreich zum König von Polen. Bei beiden hochwichtigen Angelegenheiten spielte er eine bedeutende Atolle und nur seiner Klugheit, Gewisscnhaftiakeit wie seiner diplomatischen Gclvandthcit hatte er *n verdanken, daß cs ihm gelang, höchst günst׳-״׳ Ncsultate zu erzielen. Salomo Aschkenasi genoß bis an sein Lebensende (1602) die allgemeine Hochachtung und Verchrung. Brief der Kreisleitung Mährens des jüdischen Handlungsl- Hi^enverbandes. Tie letzten Tage des sonnigen Julis des Jahres 1014 dürften wohl zu den bedeutendsten in der Geschichte des gesamten Europas zählen. Tage größter Entscheidungen waren sie sowohl für den einzelnen, als für die großen Staaten¬ Tr* ל-**, d1 g1־! ■ ־- --- /׳• , \rr• ,׳. *.-•? <;; ' US* ' bündnissc und all dessen, was sich in dem Nahmen dieser bewegt und regt. Allein die schwersten Stunden haben jene private -Zusammenschlüsse. durchzusÄhten. gehabt, welche sich in den Zeiten' eines -goldigen Friedens gebildet, um öv^DW--' gliedern am Wege der Organisation den׳ MuMf: um Lebensstitd Erisrcnzsralseit zu erleichtern, denn ein Großteil der braven Mitarbeiter zoc, ins Feld, um für Gott, Kaiser und Vaterland zu kämpfen, und seine letzte Bitte richtet sich an seine Kollegen, indem er sic bat, seines Weibes und seiner Kinder nicht zu vergessen. Allein noch mehr wurde von den Gewerkschaften gefordert. In dem Augenblick, wo Handel und Gewerbe von dem bevorstehenden großen Weltkriege bedroht zn werden schien, da schlossen ein Teil der Unternehmer ihre Betriebe, der andere trachtete durch reduzierte Gehalte seine Regie zu verringern, um dadurch vielleicht die Möglichkeit, zu erreichen, auch während der Krise seine Angestellte dauernd zu beschäftigen. Kaum vier Jahre sind vergangen, als auch wir uns in einer guten Zeit zu einer Organisation zusammengctan, mit dem festen Vorsatz, die 310t des jüdischen Proletariats durch vereinte Kraft zu mildern und in dem kleinen Zeitraum ist cs uns durch mühselige und stramme Arbeit gelungen, Mittel und Wege uns zu schasscn, um unsere Vorsätze auch durchzusühren. Wie fest und wohl organisiert wir aber sind, das beweist wohl gerade unsere Haltung in der Jeie zeit am besten. Tie Wolken des politischen Himweis konnten sich nicht genug dichten, um unsere Arbeit brachzulegen, oder vielleicht gar es uns unmöglich zu machen unseren Mitgliedern auch jetzt Hilfe und Schutz zu sein. Unserem Vcrsprcchen getreu, sorgten wir für diejenigen, die unsere Kollegen zurückgelassen, als sie begeistert dem Ruse des Vaterlandes folgend, in die Schlacht zogen, und wenn auch unsere Aufrufe zur Unterstützung unserer Sache wenig Erfolg aufwiesen, waren wir imstande, voll und ganz dieser Ehrenpflicht zu entsprechen. Als dann mit dem heranrückcndcn Quartal die Kündigungen sich häuften, forderten wir alle unsere Kollegen, die hievon betroffen wurden, auf, unverzüglich sich an uns zu wenden, um ihnen ihre gerechte Forderung zukommcn lassen zu können. Unser Konditionslosenfond wurde mehr als je in Anspruch genommen, aber das energische Betreiben des Inkassos unter jenen Mitgliedern, die von der Frage um ihr täglich Brot verschont blieben, gestattete es, uns allen Unterstützuilgsbedürftigen zu helfen. Aber nicht nur materielle Arbeit wurde in dieser Richtung von uns geleistet, vielmehr wareu wir mit Umsicht und Fleiß am Standplätze, beobachteten die Pläne des Kapitalismusses und durch nötige Schritte hielten wir an, was zu vermeiden möglich war. So kamen wir am Anfang der Krise über die interne Arbeit nicht heraus, bis in den ersten Tagen des Monates September die mähr. Kreis- - Seite 2. "" —--M7M0E leitung durch ihre Mitglieder"persoiill'ch ui den verschiedenen Ortsgruppen sich über den Stand :.derselben informierte und tatsächlich recht erfreu- JichesHur vorfaizMAM üuse^^)1ck^gruppen wa- (teil auH. njM Vereins- ^DcitKgcwWeiH'üvHinßynch MMmmlungcn und ZHaMmenMnste Hl KMerE-Dahmen derzeit lilüvöDch HldA | || W '. i•••#־ TürunF giiW-iilinnMir divssAtzntrale mit doppelt,;;׳ Energie daran, allen 1l>WvVertraue11smännern in den verschiedenen Orten Weisung über die zu leistende Arbeit zu geben und in wenigen Tagen funktionierte speziell die Stellen- Vermittlung so gut, daß wir'jetzt auch daran schreiten, in den Reihen Huer Hilfe zil schaffen, die Haus und Hof verlasieü müßten, angewiesen auf die Wohltätigkeitihrer.Volkesbrüder sich in den verschiedenen Orten uiederließen- und als .galizijche Flüchtlinge.ein Guadenbröt-esfe-n.-׳Ein wahres Bild des Jammers nnd der Not rollr sich vor den .AugenfdWMschmirtÄÄnes derartigeil Massengliartiers irgend einer flciu.cn mMrischen"Ortschaft äris,'.däs"ün1sö1nehr sich verfinstert, wenn wir die.Ueberzepgnng gewonnen haben״ -daß.'keiner dev Notleidenden den Plebs von Atom gleich, panem et circensis ruft, vielmehr alle gerne Arbeit'leisten inöchten, um selbst zu verdienen, was sie zum Leben brauchen. Wir habenidaher beschlossen, unsere Stellen- Vermittlung auch auf Handwerker und Hilssärbeiter zu erstrecken und bitten alle diesbeznglichen offenen Stellen unserer Zentrale, Wien II. Obere Tvnaustraße 65, bekaiintzugeben. ebenso in den Massenquartieren Umschau zu halten, ob nicht für einzelne der-Flüchtlinge sich in unserer Stellenliste geeignete Posten befinden. Wir Hofscn, daß der heutige Bericht von all jenen die ihn lesen, mit Freuden zur Kenntnis genommen werden wird, von unseren Mitgliedern als ein Ansporn, zn weiterer intensiver Arbeit, denn solche werden wir bald.wieder in Fülle vor uns ausgebreitet sehen, voir den anderen Lesern aber als ein Beweis dafür, das; auch die jüdisch-nationale Gewerkschaft ihre Pflicht voll und ganz erfüllt, ja im Gegenteil mehr leistet als von ihr gefordert werden kann, eben deshalb, weil sie sich jüdisch nennt und all jenen hilft, die jüdisch fühlen. Gleichzeitig fordern wir alle Unternehmer aus, die Sonntagsruhe, so auch alle Schutzgcfetze der Angestellten nunmehr wieder zu beobachten, denn auch diese brauchen Rühe: ebenso die reduzierten Gehalte als ein Ding der Unpäßlichfeit arifzuhebcn, zumal gerade in dieser schweren Zeit der Arbeiter jeden Heller dringend benötigt. iktskid Hebräisch-deutsch ä 1 60 zu beziehen durch den Jüd. Buchu. Kunstverlag, Brünn. losen Schiss gleiche, das sich vom Winde plan- und ziellos treiben läßt. Tn läßt dich nicht willkürlich von den Wellen treiben, in der Seele Deines Schisses ist das weite Gefühl der Weltnmsassnng, das auch die Wellen beherrscht. Du kennst die Enge des Herzens nicht, das Joch nicht, das die Politik jenem Jünger um den Nacken setzt, mit verschiedenen, sirencnhaftcn Zauberformein und anderen bunten Schnick-schnack. Und ich bitte Dich auch, wenn Tu auf dem duftenden Busen einer schönen Polin ruhen sollst, vergißt nicht, daß es Lieder gibt, die keine Worte haben und die schönsten sind.... Tu mußt näm-!ich wissen, die Polin spricht und denkt und politisierk in Melodien. Sic selber ist überhaupt eine schwermütige Melodie, die eine schöne Göttin einmal auf der goldsaitigcn Leier gespielt und und die sich durch Zufall hieher verloren hat. Ihre Politik ist ohne Worte. Ter Pole dagegen braust, wie der Windgott selber, tu großen Wartcn einher. Aus jeder Silbe zuckt eine Flamme seines eingefleischten Nationalgefühls empor u. blendet nnd berauscht ihn. Daraus ist cs auch zurückzuführcn, daß es dort so viele betrunkene Menschen gibt. Das macht die Liebe, die Bcgeislerung zur Nation. Und wie überall, so pflcgeit sich auch dort berauschte Menschen zu verbrüdern, nnd so bitte ich Dich wiederum, mein Lieber, wenn Dich die schöne Polin ihrem Gatten zusührt und er sich verbrüdern will, so tue in derr brüderlicken Trank, ich weiß nicht ob Du Champagner ober Liquer oder Cognac oder Asti spumante bekommst, einige Körnchen Nüchternheit hinein und sag zu allem: Sie haben ein melodisches Organ, Herr Gras, und eine wunderschöne Frau. Das verbindet zu nichts. Und endlich wird seine ausgetrocknete Kehle so viel brüderlichen Kitt empfangen haben, daß sie verstummt, einschlüst und dann . . . dann . . . Ter Herr Graf hat eine wunderschöne Fron . . . Du brauchst nichts zu befürchten. Tenn der Pole hat Takt. Nur manchmal liegt etwas Poltcrndcs in seinem Wesen. Gewöhnlich beim Glaschen. Sonst ist er höflich, elegant und, wie Tu weißt, überaus gastsreiindlich. Das alles hat er in der Schule gelernt. Hast Tu gesehen wie ein polnischer Gymnasiast sich verbeugt —? Wie ge schmcidig seine Gelenke funktionieren —? Früher war das Eigenart der Franzosen, dieses leichte formvollendete Benehmen. Ein wenig Ziererei liegt drin, ein wenig Schnörkel. Aber nicht ansdringlich und voll Würde. Die Würde legt der Pole nicht der Ghmnasiaslenilniforiit an, die angegossen sein muß. Sie bildet den Schlüssel, der ihm manche Türen versperrt nnd manche öffnet. Sic ist eine allgemein dichtbarc Visiikarte, die ihm der Unannehmlichkeit einer persönlichen Vorstellung enthebt. — Und nun, mein Lieber, glaube ich. Du könntcst gefahrlos schon nach Galizien fahren. Tie Gefahr der schönen Polinnen und des manchmal echten Champagners in Galizien wird Dich eher anziehen. In Nzeszow ist sie verhältnismäßig gering und unsichtbar, wie alles Dämonische. Da findest Du meist arme, blutleere Menschen. Inden. Und viel Geschrei, viel Gezanke. Auf einem großen Platz hocken sie vor ansgebveitetcn Waren, die sie schreiend feilbieten, in abgeschabte», farbigen Triche eingewickclt. das sic von ihren Vorfahren ererbt und wohl weiter vergeben werden. Tiefer Hang an der Tradition, diese zähe Liebe ist gewiß ein schöner Zug des Juden. Hier in Wien ist er nicht heimisch, der Wiener Jude ist ein wenig verwässert, ist emanzipiert, ist der Träger der Kultur, der fortschreitenden Gegenwart. Der Jude in Galizien, ich denke dabei an den Orthodoxen, ist stehende Vergangenheit, ist ei» Stück, Golus von heute. Er lebt auch im Kerker. Nur mit dem Unterschied, daß er sich wehrt gegen den befreienden Retter, daß er die Augen schließt vor dem leisesten Strahl, der hincinsällt von draußen. — Daran wirst Du Dich gewöhnen. Und so manchen unästhetischen Eindruck überwinden ntüssen. Ich empfehle Dir überhaupt, die Wohnungsstätten der durchwegs armen Bevölkerung dieser Gegend zu meiden. Es klebt an den Wänden der engen Zimmer, in denen viel, sehr viel Menschen oft wohnen, eilt drnnpfer Geruch von Moder, von Schimmel, er legt sich auf Deine Brust und wird nicht weichen. Dabei halten die Leute die Fenster möglichst verschlossen, als hätten, sie Angst vor guter Luft,. vor Sonne.