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Jüdische Volksstimme · 1914-10-28 · Heft 38 (28.10.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 38 (28.10.1914)
Date
1914-10-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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vMUsche *dtm***•' Rr. 88. Seite 3. Tod gesunden und da ist der Gesang nicht am werden nicht beschämt, wenn sie die Feinde vor den Toren fordern'" Platze. Nun erst hier. Ta liegen ja Sieger ebenso, als Besiegte.... Hier ist vollständige Gleichheit.Hier ist auch kein Unterschied des Standes, des Ranges, des Alters. Hier ist der Tod der grotze Gleichmacher. Nur die Ueberlcbenden kämpfen weiter, siegen oder unterliegen. Auf eine solche Zeit, hauptsächlich aber auf die gegenwärtige gelten die Worte des königlichen Denkers, wo er spricht: ....Siehe, die Tränen der Unterdrückten fliehen und sie haben keinen Tröster. In der Hand der Bedrücker liegt die Macht und sie haben keinen Tröster. Ta lobe ich mir die Toten, die schon längst gestorben sind, inehr als die noch setzt Lebenden. Besser noch jene, die gar nicht geboren wurden, die nicht sahen, die furchtbar unglücklichen Ereignisse, die sich unter der Sonne abspielen. Betrachte ich aber, all das Mühen und Kämpfen, all die Miiiffe und Schliche, die zu diesem Zerstörungswerke führten, so ist ihre Ursache nichts anderes, als: Ter niedrige, elende Neid.״ Allgemein werden die Worte: ״und sie haben feinen Tröster", nur auf jene Unterdrückten bezogen, der dann, wie in einem Refrain, sich wiederholt. In Wirklichkeit aber muß dem ganz und gar nicht so sein. Im Gegenteil.... Es ist Wohl wahr: Vae victis, wie das alte Wort lautet, wehe den Besiegten! Toch gibt es denn nicht Tränen, die bei den Bedrückten und Bedrückern, bei den Besiegten und Siegern gleich schmerzlich fließen? Werden nicht liier, wie dort Tränen geweint, um die Toten, auf d. Schlachtfelde Gefallenen? Hier, ivie dort, haben sie in gleicher Weise ihr Blut fürs Vaterland vergossen. Welch tragisches Geschick, als kräftiger Mann, als blühender Jungling, wenn die Pulse noch rascher schlagen, die Lungen kräftig atmen, ein junges Leben hinzugeben . Tie Tränen der Besiegten fließen und sie haben keinen Tröster! Toch. wie ist es denn bei den Siegern? Sind dort keine Söhne. Gatten, Brüder, die als Opfer hinsinken? kleine schluchzende Mütter? kleine verzweifelte Frauen? kleine weinende Väter und Geschwister? Es ist wohl wahr, der Sieger ist der Herr und Gebieter. Ihm gehören eroberte Städte und Länder, ihm Schätze und Reichtümer. Er befiehlt und ihm wird blind gehorcht. Unter seines Rosses Hufen erbebt die Erde, unter seines Blickes Strenge zittern die Menschen. Doch Einem vermag auch er nicht zu gebieten: dem noch ungleich rascher, siegreicher dahinjagenden Tode! N'un wohl: ״In der Hand des Siegers, liegt wohl die Macht, die Gewalt". Toch Hier, im Angesichte des Todes, begegnen einander Sieger und Besiegte und wo Tränen fließen, ״haben auch diese, die Sieger, keinen Tröster!" Darum schweigen die Fanfaren, die Tromnieten, schweigt der Siegesjubel, der Siegestaumel. So zeigen sich, neben hellsten Lichtstrahlen, dunkelste Schatten. Welcher Kontrast! Hier ein glänzender Siegeszng, strahlender Glanz, Siegestrophäen, Fahnenschmuck, eine jubelnde Menge .dort ein gebrochenes Mütterchen, das ihr Einziges beweint. Und dennoch werden einst diese grandiosen Züge, von einer Gloriole der Verklärung überstrahlt, kommende Generationen, mit ihrem Bilde berauschen, begeistern und entflammen.... Toch gegenwärtig fließt noch das Blut, flies׳,en noch die Tränen .... Tie schwer Betrosfenen hüben, ivie drüben sind es. die da seufzen! ״Ach, da lobe ich mir die Toten, die schon längst verschieden, mehr als die Lebenden, die jetzt noch leden.die sahen ja nicht die unglücklichen Ereignisse, die sich hier, unter der Sonne begeben." So hängt, dem alten Worte nach, jeder irdischen Freude ein - hebräisches ״ach", ein ״nur", an. denn so sagt die Schrift: Tn sollst ״nur" freudig sein!" Ein ״ach", das darum nahezu dem deutschen ״Ach" gleichkommt. ״Tenn, lautet die Erklärung, hier auf Erden, ist keines Menscheu Freude vollkommen. Hast du .minder, so weißt du nicht, ob sie lebensfähig, ob sie dir erhalten bleiben." Es will sagen: Tie Freude kann nicht ganz sein und die höchste ist: das MinD. Miinöc't es nicht der Pjalmist, hauptsächlich in seinen Stnscngesängen? Sieh' doch, ein Geschenk Gottes sind minder, reicher Lohn die Leibesfrucht. Wie Pfeile, in des Helden Hand, sind jugendliche Kinder. Heil dem, der mit ihnen seinen Köcher fühlte. Sie Ter größte Schatz ist also: das Kind. Es ist der höchste Einsatz und du gibst ihn hin, dem Paterlande. Für das Höchste, gibst du auch dein Höchstes hin und selbst gibt es sein junges Leben NN ... . Fragen wir aber: Welch zwingende Gründe, machen die Erde erzittern, furchtbarer, mächtiger und gewaltiger, als vom Tosen der Elemente? Welch zwingende Gründe, für all die Verwüstung und Zerstörung, die einem Erdbeben gleich, Städte in Trümmer legen. Ortschaften hinwegfegen, und ״Menschenleichen hinsallen. wie Erdklumpen, auf dem Felde, wie Garben, hinter dem Schnitter, die Keiner aufnimint?" Ta hören wir ja auch schon die Antwort, chlagend und überzeugend: Sieh' doch! All das Mühen und Künsteln - all diese Kniffe und Schliche — die zu diesem Zerstörungswerfe führen, ist nichts Anderes, als — der nackte Neid! Ja. der Neid, der gelbe Neid — das ist die eigentliche, gelbe Gefahr, die sie übrigens auch mitbrachten — hat den Hochmut des Westens, mit der Rohheit des Ostens verbunden und die Hab- und Ländergier Beider nicht ruhen lassen und sie haben die Brandfackel des Krieges in die Welt geschleudert. In solch furchtbar ernster Zeit, mag uns voranleuchten, das Prophetenmort Iesaias, als Verheißung einer glücklicheren Zeit! Es wird geschehen, in späteren Tagen, da wird fest stehen der Berg des Hauses Gottes, aus dem höchsten aller Berge und erhaben über Gipsel und zu ihm strömen alle Völker. Und er wird richten, unter Völkern, entscheiden über viele Nationen. Ihre Schwerter werden zu Pflugscharen, ihre Speere zu Winzermessern. Völker erheben nicht mehr gegeneinander das Schwert und üben nicht mehr Siegesknnst. Das ist und bleibt unser Znknnftssehnen. unsere Hoffnung. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversfcherungs - Gesellschaft, Wien l., Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden liderall gesucht — Unser neuester Tarif mit 50/0 jährlich fallender garantierter Prämie Qenaraiagentur für Wien I., Aspernplatz I, Leiter: David Nebenzahi. Sub Direktion für Prag Ferdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes Oeneral-Agenlur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Rlngplatz 9, General-Agentur für Bielitz, Schlossgraden 9, Leiter Adolf (ieitlinger. Hauptagentur für Brünn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Trauerseier für David Wolffsohn in London. Eine erbebende Tranerfeier für unseren verslorbenen Führer veranstaltete die English Zionist Federation in der großen Dukes Place Simagoge. Tie Spnagoge war schwarz drapiert und mir zionistischen Emblemen geschmückt. Tie Synagoge, deren Vorstands-Präsident Lord Rothschild ist. war von einer großen Menschenmenge gefüllt. Tie Trauerrede hielt Ehief Rabbi Tr. Herz. Er schildene das Leben T. Wolffsohns und pries ihn als Muster eines srolzen und ganzen Juden. In schwungvollen Worten verherrlichte er die grenzenlose Liebe des Verstorbenen zu seinein Volke und die Opferwilligkeit, mit der er seine Ideale zu verwirklichen suchte. Wolffsohn war der Typus des vorivärtsstrebenden, nach einer besseren geistigen und sozialen Eristeuz ringenden Juden. Aus eigener Kraft und durch seine hingebungsvolle Arbeit f. sein Volk erreichte er eine der höchsten Stufen unseres gesellschask- Ischen Lebens und ivurde zu einem jüdischen Staatsmann. der auch für sein Volk viel erreichen konnte. Tr. Herz hob in überzengenden und eindrucksvollen Worten die große Bedeutung des hen, wie unnatürlich unsere Lage unter den Völkern ist. Mit einein Gebet und dem Gesang der Hatikwah schloß die erhebende Feier, die bei den vielen Persammelten einen ungeheueren Eindruck hinterließ. Palästina im Zeichen des Krieges. Tie Lage des alten Jischub. Von der durch den europäischen Krieg hervorgerufenen außerordentlichen Notlage in Jerusalem entwirft der Leiter des Palästinaburcaus der deutsch-holländischen Ehalukaverwaltung. Herr Rabbiner I. Horowicz, der zurzeit in Frankfurt a. M. weilt, folgende Schilderung im Israelit": ״Ter größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Jerusalem und den übrigen Städten kauft die Lebensmittel gewöhnlich in kleinen Geschäften auf Kredit. Sie zahlen langsam und nehmen immer aus Konto. 'Nun wurden alle Geldquellen plötzlich mit einem Male verschlossen. Ter Krämer kann sich kein Geld verschaffen, und wer weiß, ob diese kleinen Kaufleute überhaupt noch in der Lage sind, ihre kleinen Läden in geschäftlichem Betrieb zu erhalten. Tie Zufuhr von überseeischen Ländern hat vollständig aufgehört. denn es verkehren nur noch einige neutrale Schiffe. Hauptsächlich aus Italien, und viele für das tägliche Leben unentbehrliche Nahrungsnuttel, wie Mehl. Spiritus, Zucker. Petroleum und Hülsenfrüchte müssen regelmäßig aus Europa und zum geringeren Teile aus Amerika importiert werden. Tiese Zufuhren haben vollständig aufgehört. Tie Post verkehrt wohl noch, aber nur mit gewaltigen Verzögerungen und ohne jede Sicherheit. Tie Paketpost und Geldüberweisung ist auch offiziell sisliert.Tie jüngsten schon vor fünf Wochen datierten Berichte aus Jerusalem sind herzzerreißend. Es herrschte schon damals eine Hungersnot in der heiligen Stadt, von der tausende Familien bedroht sind. Tie Wassernot war schon früher sehr fühlbar, doch hatte man gehofft, daß Vorkehrungen getroffen werden, um diesem Nebel vorzubeugen. Infolge des ausgebrochenen Krieges ist leider auch diese Aktion im Sand verlausen. In den zahlreichen auch besser situierten Kolelverwaltungen herrscht schon seit Wochen unbeschreibliche Not, und der himmlische Vater möge helfen, daß es nicht zu erschütternden Katastrophen komme. Ter überwiegende Teil dieser auch sonst notleidenden Familien lebt von Vorschüssen, die man sich in ruhigen Zeiten gegen Erlag der kolelamtlichcn Schuldscheine verschafft. Nun haben auch diese Papiere zurzeit jeden Kreditwert verloren, weil keine Geldverleiher da sind, und das Metallgeld, welches sonst den wirtschaftlichen Markt vollständig beherrscht, unter dem Drucke der kriegerischen Wirren sehr rar gewoden ist. Es handelt sich ohne jede Uebertreibnng um die Gefahr einer Hungersnot unter Tausenden von Menschen, die zu retten die angelegentlichste Sorge unserer maßgebenden Kreise in der ganzen Diaspora bilden müßte .... Das Wichtigste wäre jetzt, wenn man aus Amerika kvielleicht auch ans Italien) nebst größeren Geldüberweisnngen Meist und andere notwendige Lebensmittel in größeren Onantitäten schicken könnte. In den europäischen Ländern könnte man augenblicklich nur durch An- Weisung von Geldmitteln helfend eingreifen. Das müßte aber rasch und in ausreichender Weise ge scheben. ohne Rücksicht darauf, ob man auch sofort die Gelegenheit findet, das Geld überweisen zu können oder nicht. Das Hilfskomite in Jerusalem sollte auf telegcaphischeni Wege stets unterrichtet werden, welche Beträge an den Zentralstellen in den verschiedenen Ländern für das Hilfswerk vor- Händen sind. Dieses Hilfskomite würde dgnn vielleicht in die Lage kommen, nach dem Muster der jüdischen Palästina-Bank sgeineint ist unsere Anglo-Palestine Eompanp. - Tie Red.) durch Ausgabe von scheinen in kleinen Beträgen den Mangel an Metallmünzen für den Kleinverkehr teilweise zu ersetzen. Zionismus hervor. Gerade in dieser Zeit, wo das mörderische Ringen der Völker dem jüdischen Volke tiefe Wunden schlägt, kann die Bedeutung I dieses heiligen, selbstbefreiendcn Ideals in seiner ganzen Größe erkannt werden. Nach dem Kriege dürfte sich zweifellos diese Ansicht in den Reihen unseres Volkes Bahn brechen. Unsere Augen werden sich dann öffnen, und wir werden einse- Man kann sich kauin eine Vorstellung von der unbeschreiblichen Not machen, die in allen Schichten der armen jüdischen Bevölkerung, die auch sonst großen Entbehrungen ausgesevt ist. mit einem Schlage Platz gegriffen hat. Es ist eine Pflicht, auch in diesen kummervollen Tagen an Erez Jisroel nicht zu vergessen und unsere so arg

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