Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1914-10-21 · Heft 37 (21.10.1914) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 37 (21.10.1914)
Date
1914-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2621806-2621897-2621934--3007-2624154
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*wtt 4. »Jidischr Rr. 37. sere Heere als Befreier wartet. Der Feldzug kann nicht anders entfchiedcn werden, als im Einvcrnehmen mit Revolutionären in allen Teilen Nußlands. Und da cs unmöglich ist, im Falle eines Sieges unsere Helfer den Henkern des russischen Weltreichs ans Messer zu liefern, so folgt schon daraus mit Notwendigkeit, das; der Krieg nur ein Ende haben kann, wenn cur Stelle des russischen Weltreichs die verlangten selbständigen Staaten treten. Kunäsebau. Eine Scene auf der Tramwayplattform. Wie». Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenbeit auf der Plattform der Tramway, einen Zugsführer, ich glaube den Deutschmeistern angchörend, der verwundet vom Kriegsschauplätze zurückgekehrt war und in wenigen Tagen zu seinem Truppenkörper zurückkehren wollte, einige Kriegserlebnisse schildern zu hören. Bei der Haltestelle standen zwei Juden und da rief der Zugsführcr aus: ״Seht Ihr, diesen Leuten haben wir fast alles zu verdanken. Mit Bärten und Schneckcrln gingen sie an der Spitze des Zuges und feuerten uns alle an. Wer noch etwas über Judcit sagen wird, kriegt von mir zwei Watschen. Solche brave und anständige Leute kann man suchen." — Ter Hörer dieser Worte wollte sich den Namen des Zugsführcr notieren, doch verließ dieser gerade die Troinway und konnte von ihm nicht mehr erreicht werden. — (Donnerstag, den 8. Oktober 1014 gegen halb 5 Uhr nachmittags zwei Wagen Richtung Pratcrstern.) Kriegslehrcn für jüdische Frauen. Unter der Ueberschrift ״Eine Feldprcdigt an die Zuhauscgcblicbencn" schreibt Rabbiner Dr. Breuer, Frankfurt a. M., in den ״Jüd. Monatsblättern": ״Erzählt ihnen (euren Frauen) von dem Wurmfraß, der am Volkskörper Frankreichs nagt; von dem unsittlichen Geist des Ehelcbens, den französische Entartung auch in unser deutsches Vaterland verpflanzte. Sagt ihnen, das; ein Volk verloren ist, dessen Frauen Kinderreichtum als -ine Last verfluchen. Und habt ihr euch und eure Frauen mit dem Geiste jenes Psalmwortes (127, ff.) erfüllt: ״Ein Geschenk des Herrn sind Söhne, sein Lohn die Leibesfrucht. Wie Pfeile in des .Kriegers Hand, also die Söhne der Jugend. Wohl den: Mann«, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt! Sie werden nicht zu schänden, wenn sie mit Feinden reden am Tore". — Dann betet zu eurem Gott, das; er unser Vaterland auch von den cingcdrungcncn Keimen französischer Sittenfäulnis säubere. — Nur eine reine Ehe kann reine Kinder zeugen. Wo wäre der Staat, der ungestraft die Reinheit des Ehelcbens verkümmern lassen dürfte! — Kinder wollen aber nicht blos geboren, sondern auch erzogen sein. Erzieht euch darum zu tüchtigen Erziehern. Wartet nicht, bis militärische Zucht den Starrsinn eurer Knaben bricht. Frühzeitig, noch ehe die Sünden locken, müssen sie mcrken, wie ernst und streng der Dienst des Gottes der Heerscharen ist." Jndcuhchc im russischen Militürblatt. ropcnhagen, 1. Oktober. Angesichts amtli- A v nßischcr Meldungen, wonach eine Vierteln!) jenen Juden im russ. Heere stehe, verdienen zw> Mitteilungen des Petersburger Blattes ״Re'scki" vom 21. September Beachtung. Dort legt der bekannte russische Publizist Dimitri Filosofow Verwahrung ein gegen einen Artikel des russischen Militärblattes ״Rußki Invalid", worin die bisherigen Mißerfolge der französischen Armee da׳ auf zurückgeführt werden, das; dort zuviel Juden dienen׳, der ״Rußki Invalid" zählt bei den Franzosen 3 jüdisch Generalleutnants, 3 Brigadegenerale, 14 Obersten, 21 Vizeoberstcn, 7,8 Majore. 107 Hauptlcutc auf. Ferner bringt der ״Retsch" folgende amtlich Mitteilung: Ter Minister für Volksaufklärung hat das Ersuchn des Professorenkollegiums der höheren Frauenkurse auf Annahme von 77 Jüdinnen über die für Juden bestimmte Einschränkungsnorm hinaus abgelehnt. Nach ausländischen Universitäten dürfen Jüdinnen sich gegenwärtig auch nicht begeben. Jom Kippur im Walde. Die ״Frankfurter Zeitung" bringt folgenden Bericht: ״Für uns Krieger war nach den großen Aufregungen der letzten Wochen eine Stunde der Erbauung geradezu zum Bedürfnis geworden. Bcreittvilligst gestattete uns unser Kompagnieführcr, am Neujahrsfeste einen Gottesdienst abzuhalten. Eine größere Anzahl jüdischer Landwehrmänncr fanden sich in einem Zimmer zu einer kurzen, erhebenden Andacht zusammen. Ein Frankfurter Lehrer hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages unter ganz besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse hinwics. Seine mit Begeisterung vorgetragencn Worte machten tiefen Eindruck. Am nächsten Tage führte uns unser Weg nach der Höhe von Provenchcrcs (Dcp. Vosges), wo wir acht Tage blieben und Gelegenheit hatten, uns am Versöhnungstagc wieder zum kurzen Gottesdicuste zusammenzufindcn. Diesmal war cs ein Wäldgottcsdienst eigener Art. Wir standen am Abhange eines Waldes, umgeben von hohen Fichtcn, vom Fuße hörten wir das Plätschern eines kleinen Baches, die Sonne sandte ihre Strahlen durch die Bäume, um uns herum aber dröhnte dumpf der Donner der Geschütze. Ergriffen lauschtcn wir den Worten unseres Vorbeters. Gerade in dem Augenblick, als das Kaddischgcbet gesprochen wurde, sausten über unsere Köpfe vier feindliche Granaten hinweg. Wir faßten sie als Ehrcnsalut für die gefallenen Kameraden auf/ Israelitische Kricgsgedichte. Prof. Hermann Gunkel-Gießen nennt in der Frankfurter Zeitung in einem Aufsatz ״Israel. Kriegsgedichte" das alte Israel ein ebenso kriegerisches wie poetisch begabtes Volk, das durch seine Propheten eine Fülle großartiger Kricgsgedichte erzeugt hat. Die Propheten, ״die in einer Welt lebten, da sich die Koloße altoricntalischer Weltreiche gegeneinander stürzten, haben die getvaltigsten Schlachtgesänge gesungen." Gunkel schließt seine Ausführungen: ״Die Größe dieser Dichtung besteht darin, daß in diesen Liedern männliche Herzen reden, die auch vor dem Furchtbarsten nicht verzagen. Und woher dieser unzerbrechliche Mut? Weil diese Propheten cs wißen, daß in dem Kriege, auch gerade dann, wenn er grausig und entsetzlich ist, Gottes starke .Hand waltet. Sic jauchzen hinein in das furchtbare Gewitter, voller Zuversicht, daß der Herr darinnen hcranzicht." Ein jüdischer Bürgermeister in Montreall In Montreal (Kanada) wurde kürzlich, wie die ״Ncwyork Times" berichtet, das jüdische Mitglicd des städt. Munizipiums Blumcnthal zum Bürgermeister gewählt. Diese Wahl ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil bekanntlich der hauptsächlich aus Frankreich eingcwandcrte kath. Klerus in Kanada zum Teile mit Erfolg eine antisemitische Propaganda inauguriert hat. Heldentat eines Fähnrichs. Auf dem südlichen Kriegsschauplatz hat sich der Fähnrich Emil Löwh vom Jnfantericrcgiment Nr. 102 durch seinen Heldenmut üusgezeichnet. Als bereits sämtlickie Offiziere seiner Konipagnic gefallen waren, übernahm er das Kommando über diese und erstürmte eine Höhe. Das heftige Artilleriefencr zwang ihn, die Höhe wieder aufzugcbcn. Als er aber Verstärkungen erhielt, erstürmte er neuerdings den Hügel und behauptete denselben. Löwh wurde für seine Heldentat vom Korpskommandanten, belobt und für eine kaiserliche Auszeichnung vorgeschlagcn. Nicdcrmctzclung einer jüdischen Gemeinde. Nach Krakauer Meldungen haben die rußischen Soldaten die gesamten Einwohner des Torfes Prsitik in Rußland nicdcrgemctzclt. Angeblich soll für die Kosaken Hafer geliefert worden sein, der vergiftet war. Ein großer Teil der Kosaken- Pferde sei infolgedessen an Vergiftung verendet. Der Hafer war aber nicht von der Bevölkerung in Prsitik geliefert worden. Da aber der Vorfall sich bei diesem Orte ereignete, gab der russische Kommandant Befehl, das Dorf einzuäschcrn. Leutnant Dr. D. Heschclcs. Am 20. August fiel während des Gerechtes bei Nowosielitza der Leutnant des 80. Landwehrrcgimcntcs Dr. David Hcscheles aus Lemberg u. wurde am jüdischen Friedhof in Czernowitz bcstattet. Ter gefallene Leutnant war als Advokat in Lemberg ansässig, wo er sich in weiten Kreisen groyer Wertschätzung erfreute. Leutnant Heschees war ein treuer Anhänger der jüdischnationalen Idee. DieMonistey7i1n Kampfe. ״Az Eft" >meldst:׳^JnÄr ׳Schlacht bei Ußok, in der die Russen nach langem blutigen Staig :n siegreich zurückgeworfen wurden, kämpften auf Seite der Oestcrreichcr etwa 160 zionistische Freiwillige, aus der Ukraina, die als Vorpost 1». so lange heldenmütig den übermächtigen Angriff der Rußen abwehrten bis gegen 6 Uhr abends, die Verstärkungen cinlangtcn. Der kommandierende General äußerte sich überaus lobend, über den Mut und die Tapferkeit der zionistischen Freiwilligen. Auf dem Felde der Ehre gefallen! Herr Richard Stößler, Sohn des Her u G.i stav Stößler, ist auf dem Kriegsschauplätze tri Zamoß gefallen. Herr Richard Stößler erhielt ii'iolge seiner Tapferkeit die Tapfcrkeits'N'.daille. Ter Judenmord — ein russisches Soldatenvergnügeu. Großfürst Nikolajewic als Menschenschinder. Berlin, 18. Oktober. Wie das ״Berliner Tayblatt" erfährt, hängtcn die Russen bei der voruberuhenden Besetzung Radoms, den jüdisch״ Gelehrten Danzingcr und zwei seiner Verwandten auf. Die Frau, welche sich beim russishcn Kom- Mandanten und dann beim Großfürsten Nikslajew-c beschwerte, erhielt die Antwort: ״Sie können stolz darauf sein, daß Ihr Mann gehängt wurde. Er starb für andere". Der Großfürst f igte weiter: ״Wenn sich meine Soldaten schindrt musscn, müssen sie auch ein Vergnügen haben. Wenn dabei den paar Juden der Schädel elugeshlägen wird, hat das keineBedeütung." . Rorrejponäenzen. Wien. Unter der großen Anzahl der für ihr heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde ausgezeichneten Offiziere und Soldaten befinden sich selbstverständlich auch jüdische Offiziere und Solbaten, die, was Mut und Opfcrwilligkeit betrifft, hinter den anderen nicht zurückstchen. Das beweist am besten die große Anzahl gefallener jüdischer Offiziere und Soldaten, deren Namen wir nach eingehender Perlustrierung noch veröffcntlichen werden. Unter den mit hohen Orden ausgezeichneten jüdischen Offizieren sei in erster Linie erwähnt Oberstleutnant und Bataillonskommandant Maximilian Ullmann, welcher für sein tapfcrcs Verhalten vor dam Feinde die Eiserne Krone 3. Klasse mit der Kriegsdckoration erhielt. — Oberstleutnant Ullmann wurde verwundet und befindet sich derzeit in Spitalspflege in Wien. Der bekannte Redakteur Karl Ullmann ist sein Bruder. Ferner wurde ausgezeichnet Stabsarzt Dr. Leopold Redlich, welcher das Ritterkreuz mit dem Franz-Josefs-Ordcn, zu tragen am Bande des Militär-Verdienstkreuzcs, erhielt. Diese neucste Anordnung, daß auch der Franz-Josefs-Orden am rotweißen Bande des Militär-Verdienstkreuzes getragen werden kann, ist auf eine jüngste kaiserliche Verordnung zurückzuführcn und ist ein Beweis, daß an allerhöchster Stelle die Kriegs- Verdienste der Acrztc, die nicht minderen Todesgefahren ausgcsctzt sind als die Kombattanten, auch in gleicher Weise bewertet werden. Reichcnbcrg. Der hiesige Rabbiner Prof. Dr. Hoffinann besucht in Begleitung seiner Gemalin die zahlreichen Verwundeten in den verschiedenen Spitälern mehrmals wöchentlich, bcteilt dieselben mit Liebesgaben und Zeitungen und läßt insbcsondere den glaubensgenößischen Soldaten religiöse Fürsorge zuteil werden. — Auch hat sich die hiesige Kultusgeineinde durch reichliche Spenden zu den hohen Feiertagen am galizischen Hilfswcrkc beteiligt. Budapest. Das ״Budapcslc Tagbl." schreibt: Vom galizischen Kriegsschauplätze kommt die Nachricht von dem Tode des Budapcstcr Advokasten Dr. Ludwig Tömcny, eines der erstem Zionistenführer Ungarns. Dr. Döineny stand im 33. Jahre und diente als Leutnant des Landsturmes. Er war als guter Organisator und Redner bckannt und hat seinen Ideen mit Hingebung gedient. Budapest. Ter Maßcnzuzug aus Galizien ließ die Behörden strengste Maßnahnlen ergrei- .fen. So wird das hier anlangende Element nur zum Durchzug von einem Bahnhofe zum anderen zugelaßen. Erew-Jomkippur setzte die orthodoxe Gemeinde es durch, daß 800 dieser Unglücklichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.