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Jüdische Volksstimme · 1914-09-17 · Heft 34 (17.9.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 34 (17.9.1914)
Date
1914-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. ^Attische 8,Ikrsti««e.' Nr. 34 marke ״koscher" und unter dem Deckmantel ״untcr Aufsicht des Brunner Rabbinats" betrieben wird. Entweder die Herren lehnen die Verant- Wortung ab, oder sie müssen es sich gefallen lassen, das; man sie hiefür zur Verantwortung zieht. Es ist vernünftiger 1—2 jüdische Fleischhauer für den Verkauf von ..koscher" Fleisch zu bestimmen, die ehrlich koscher Fleisch ausschrotcn, als 10 Fleischhauer zu haben, die alles andere nur nicht wirklich koscher Fleisch verkaufen. Genehmigen Sie den Ausdruck der Vorzuglichsten Hochachtung Ihr ergebener I. P. Das Brünncr bürgerliche Schützen- und Bürgerkorps hat anläßlich des Krieges sich an die Brunner Bevölkerung mit der Aufforderung gcwendet, in dieser kritischen Zeit, behufs Ausübung des Sicherheitsdienstes dem Brünncr Bürgerkorps bcizutretcn. In dein Aufrufe wird an das patriotische Gefühl der Brunner Bevölkerung appclliert. Der Umstand, das; das Brünncr Bürgerkorps Juden in ihrer Vereinigung prinzipiell nicht aufnimmt. veranlaßt uns, hiezu Stellung zu nehmen. Es ist uns unbekannt, ob jüdische Mitbürger diesem Aufrufe Folge geleistet haben. Interessant wäre cs nur zu erfahren, ob die Herren des Brünncr Bürgerkorps auch jettzt den Standpunkt vertreten, Juden in ihrer Verein!- gung nicht aufzunchmcn. Eine Aufklärung wäre an! Platze. Jüdischer Turnverein ״Makkabi", Brünn. Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß der Turnbetrieb mit 16. d. M., in vollem Umfange wieder ausgcnoinmcn wurde. — Tic Turnzeitcn sind ״'״׳ende: Herrcnturncn: Montag u. Donnerstag 8 — >/2!u Uhr Damenturnen 1: Montag und Donnerstag V27 — *iß Uhr Damenturnen 2: Mittwoch und Samstag 8 — -/»IO Uhr Knabcnturncn 1: Mittwoch und Samstag V«6 — V7־ Uhr Sllta 6—12 Sabre Knabenturnen 2: Mittwoch und Samstag V»7 — s/ß U ' älter 12—18 Jahre Mädchenturnen: Montag und Donnerstag > 6 ׳ - V..7 Ub■ Nciianmcldnngcn werden vom Turnlciter im Turnsaale: Jubiläuins-Volksschule, Krön« 2äa, während der Turnstunden cntgegcngenommen. Der Turnrat. Unerfüllte Wünsche. Nosch ha-Schonoh. Es kan! der Herbst. Es schloß das Jahr. Tie inüdcn Blätter fallen. Wenn deine Ernte glücklich war So schntücke deine Hallen. Es kam der Herbst.. Kau! auch das Glück? Ach nein, noch weinen viele. Noch viele schau'!! mit bangen! Blick Nach ihren! fernen Ziele. Wenn wohl ein Wunsch, noch unerfüllt, Dich quält mit bitter!! Schmcrzcn, Denk uns'res Volks, das ungestillt Noch seinen Wunsch im Herzen ... Denk uns'res Volks! Jahrtausendlang Den einen Wunsch in! Munde. Denk uns'res Volks und sei nicht bang, Auch dir kommt frohe Kunde! Kurt Guggenbauer. Kein jüdischer Student verkehrt in einem Lokale in dem die ״Jiid. Bolksstimme" nicht auslirgt. An die Juden tn Polen. (Dieser Aufruf erschien in 1-ebräischcr Sprache und in! Jargon.) ״Tie heldcninütigen Armeen der mitteleuropäischen Staaten Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind in Polen cingedrungcn. Der wuchtige Marsch unserer Artneen hat die despotische Negierung zur Flucht gezwungen. Niemand wird sich ihnen entgegenstellcn. Unsere Fahnen bringen euch Recht und Freibeit, gleiches Bürgerrecht, Glaubensfreiheit, die Freiheit, ungestört auf allen Gebieten des ökonomischen und kulturellen Lebens in euerem Geiste zu leben. Zu lange habt ihr unter dem eisernen moskowitischen Joche gelitten. Als Freunde kommen wir zu euch; das barbarische fremde Joch ist vorbei. Eine neue Acra zieht für Polen l>erauf. Wir werden alle unsere Kräfte ins Werk setzen, damit die gleichen Rechte auch für die Juden auf festen Fundanienten errichtet werden. Laßt euch nicht durch schmeichlerische Versprcchungen betören, die ihr schon oft gehört habt. Hat denn nicht der Zar 1905 den Juden gleiche Rechte versprochen, und hat er denn nicht dieses sein Versprechen n!it dem höchsten Manifest bekräftigt? Wie hat er sein Wort gehalten, das er vor aller Welt verpfändet hat? Gedenket der furchtbaren Ausweisungen, die gegen die großen jüdischen Massen in Anwendung gebracht werden. Gedenket der Städte Kischincw, Hömel, Bialystock, Siedlec und der übrigen Hunderte von Pogroincn. Gedenket des Beilis-Prozcsses und der Anstrengungcn der barbarischen Regierung, die schreckliche Lüge des Blutmärchens zu verbreiten. Also hielt der Zar sein kaiserliches Wort, welches er gegeben hat, als er in der 9?ot war. Auch jetzt befindet er sich zwischen Hainmer und Ambos, und das ist die Ursache seiner Versprcchungen. Euere heilige Pflicht ist es, jetzt sämtliche Kräfte anzuspannen, um an der Befreiung!nitzuarbeiten. Sämtliche Kräfte: euere Jugend, euere Gcinciudeu, euere Vereine inüsscn wie ein Mann auftretcn, der heiligen Sache zu helfe!!. Wir erwarten, daß ihr euere Gesiuuung und euere Ergebenheit durch Tatsachen dokuinentieren werdet. Wendet euch!nit der größten Zuversicht an die Kominandeure unserer Heere in den Orten, die euch am nächsten sind. Alle Arten Lieferungen werden prompt und gut bezahlt. Bahnt den Weg, un! den Feind vollständig zu bezwingen, un! damit der Freiheit und Gerechtigkcit zun! Siege zu verhelfen. Das Oberkommando der deutschen und österreichisch-ungarische» Armeen in Polen. Der jüdische Soldat. Von Morris Roscnseld. Bei Plcwna liegt's. 's geht hundert Schritt hinab. Tort liegt's. Ein Grab. Kein Mensch weiß von dein Grab. Hier dringt kann! Mcnschcnlaut, kaum Vogelschrei'!!. Dort liegt cs stuium und hart. Kein Kranz, kein Stein. Dorthin bringt kaum ein Frühling Halm und Blatt — Tort unten ruht ein jüdischer Soldat. Ein Jud', ein Mann, verblutet in der Schlacht, Tic Rußland seinen großen Tag gebracht. Nacht ist's. Rings schliefen alle Tinge ein, Tie tote Stille möcht noch stiller sein ... Da zählt die Turinuhr zag die Mitternacht Und plötzlich ist ein dumpfer Sturn! erwacht. Es zerrt und rüttelt in der öden Luft, Es wetterleuchtet und die Stunde ruft, Der Sturmwind wühlt und wühlt — da klafft die Erd' — Der Held steht auf dem Grab; es starrt sein Schwert. Er wirft sich in den Sturm. Der packt ihn auf — Zur Festung hin — er hält den blut'gen Knauf Und seine Wunden bluten, bluten fort. Er schlägt ans Schwert, es hallt sein hohles Wort: ״Kam'radcn auf! Ich halt' Gericht! Erwacht! Ihr müßt mir zeugen! Kämpft' ich in der Schlacht Nicht heiß und treu genug, den andern gleich? Und nicht für Rußlands Ehre, Rußlands Reich?! Ta hört inan's dumpf, wie fernen Stromes Lauf, Es rauscht und rannt und tappt und taucht herauf, Ein schlotterndes, tollendes Kriegerheer, Wie sturmzerwühlter Sand am toten Meer. Es klappern ihre Knochen wirr und warr, Wie׳ hartes Holz. Und plötzlich steh'n sie starr. Und jeder hebt zun! Schwur die dürre Hand: ״Ja, wie ein Held starbst du für unser Land!" — Und dann kein Laut und auch kein Schlottern!!!ehr. Verschwunden ist das Knochenkriegerheer. Nur er allein steht noch auf seinem Platz Und!neißelt glühend in die Nacht den Satz: ״Von Weib und Kindern riß mich dein Gebot, Rußland, für dich starb ich den jungen Tod. Was jagst du jene jetzt in Blut und Schmach?! Ich fluche dir, ich fluch' dir hundertfach!!" Die Flüchtlinge aus Galizien. Ihre Unterkunft in Wien. Tie Ereignisse im Osten unserer Monarchie haben dazu geführt, daß viele Tausende von Galizianern hauptsächlich jüdischer Konfession, sich seit Kriegsausbruch aus Galizien nach Wien flüchteten. Besonders gewaltig wurde der Zustrom als aus strategischen Gründen Lemberg von unseren Truppen geräumt wurde. Man wird nicht fehlgehcn, wenn man die Zahl der Flüchtlinge die gegenwärtig in Wien weilen, auf 50.000 bis 60.000 beziffert. Die Flüchtlinge jüdischer Konfession, so meldet die ״Zeit" aus Wien, lenken ihre Schritte zuerst zur hiesigen isr. Kultusgemeinde, die sich infolgedessen ungeheueren Anforderungen gegenübergcstellt sicht. Zuerst waren es jüd. Flüchtlinge aus Belgien und Frankreich, die unmittelbar nach Kriegsausbruch nach Wien kamen und hier an die Kultusgemeinde appellieren. Damals setzte unter Aegide der Kultusgemeinde eine Aktion ein, deren Zweck es war, die Leute über Wasser zu halten. Da kam nun als weitere Folge der unerwartete Ansturm der galizischen Flüchtlinge Die Kultusgemeinde trat mit den staatlichen u. kommunalen Organen in Verbindung und es ist gegenwärtig eine Aktion im Zuge. Es hat bereits eine Sitzung eines besonderen Komites der Kultusgcmeinde stattgefunden, in der über die jetzt zu ergreifenden Maßnahmen beratschlagt worden ist. — Was nun die gal. Flüchtlinge betrifft, so kann inan sie in 4 Kategorien einteilen, der gänzlich Mittellosen, die etwa ein Viertel der Gesamtheit betragen. Die zweite Kategorie besteht aus dem Mittelstand, dessen Angehörige zwar über ein gewisses kleines Vermögen verfügen, die aber ohne flüssige Mittel hierhcrgckoinmen sind. Eine dritte Kategorie bilden jene aus dem Mittelstand, die bei ihrer überstürzten Flucht aus Galizien um Hab und Gut gekommen sind und nun in Wien sich eine neue Existenz gründen wollen. Die vierte Kategorie besteht aus einer größeren Zahl!!!eist jüngerer Aerzte, die-bisher noch nicht in der Lage waren, sich eine Existenz zu schaffen. Einen verschwindend geringen Teil der E!!!igranten endlich bilden die sehr reichen Leute, die hier in den vornehmsten Hotels wohnen. Zu erwähnen ist ser- »er, daß aus Lemberg das gesamte Rabbinat mit Obcrrabbiner Tr. Caro an der Spitze und allen Funktionären der dortigen Kultusgemeinde hier cingetroffen ist. Der hieß Kultusvorstand hat dafür gesorgt, daß ihnen während der bevorstehcnden hohen jüdischen Feiertage die Abhaltung des G o t t e s d i c n st e s in zwei großen Sälen erinöglicht wird, und auch für die orthodoren Juden ist in dieser Weise vorgesorgt worden. Was die Unterbringung der Flüchtlinge betrifft, so bot sie naturgemäß große Schwierig- Feiten, besonders was die Unterbringung der arinen Schichten anbelangte. Man hatte zunächst die Flüchtlinge aus Belgien in der Talmud Tora- Schule in der Malzgasse Nr. 16, im 2. Bez. cinlogiert. Dann gelang es. für die allermeisten Vrivatwohnungcn im 2. Bez. ausfindig zu machen. Die Besiersituierten logieren teils in den verschicdenen Hotels im 2. Bez., teils haben sie Privat- Wohnungen in verschiedenen Bezirken gemietet. Die Frage der Unterrichtserteilung für die noch im ichulpflichtigcn Alter stehenden Kinder der Flüchtlinge ist noch nicht gelöst. Sie wird im Zusammenhang!nit allen anderen Fragen in den Verhandlungen zwischen Kultusgemcinde, Regierung und Komune ihre endgültige Erledigung finden.

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