Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 34 (17.9.1914)
- Date
- 1914-09-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621931--2979-2624123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 34. ״JUlsche v»l?»sti««e" Sette 3. der Rabbi den Mund aus. ״Sei es dein Wille. Herr unser Gott und Gott unserer Pater, daß dieses Jahr sich uns erneue zu einem guten, süßen, schmerzlosen Jahr."!׳ ״Amen!" Als der Morgen erwachte, trugen die Sch iler ihn zur Schule. Eben wollte der Bote der Gemeinde vor der geöffneten Lade die dreimalige Heiligung des Herrn und seiner Scharen bcginneu. Ta wurde die Stimme des Rabbi laut. ״Mir geziemt cs, die Heiligung Gottes zu verkündigen!" Auf alle, die in ihren Sterbekleidern andächtig standen, senkte sich tiefe Wehinut. Tenn Amnons Gebet war größer als alle Gebete vor ihm, und als er das ״Heilig, heilig, heilig in der Herr der Scharen" sprach, da war die Schule voll Weinens. Trei Sabbate gingen hin. Amnon kam nicht mehr in die Schule. In seinem Gemach saß er und Rebekka schrieb sein Gebet. Als er geendet, da scheuchten ihn die Tiener des Erzbischofs aus der Stadt. In Köln fand er eine Stätte, und Schüler, die ihn liebten. Tie trugen sein Gebet in alle Welt. Leicht löste sich eines Tages seine Seele von dem gebrechlichen Leibe, um zu dein Ewigen zu gehen. Wenn aber am Gedächtnistag die Gläubigen das Treimalheilig beten, so bereiten sie sich vor durch Amnons Gebet, das anhebt: ״Nnesanne thokef!" NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versickertes Kapital ciika 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5% jährlich fallender garantierter Prämie Qenaralagentur für Wien I., Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. 8ub Direktion für Prag Ferdmandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes General-Azentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Rlogplatz 9. General-Agentur für Blelitz, Schlossgraben 9, Leiter Adolf heitlinger. Hauptagentur für Brünn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Leo Gottlob auf dem Schlachtfelde gefallen. Im Kampfe gegen den Erbfeind des jüdischen Volkes ist unser lieber Freund und Turnbruder Leo Gottlob, gefallen! Rassen Auges doch stolzen Herzens bringen wir dies unseren Freunden zur Kenntnis. Heldentaten jüd. Soldaten. Schon der erste Monat dieses Krieges hat eine Anzahl hervorragender Einzeltaten gebracht, die vom Kaiser gewürdigt, von den Tagesblättern gefeiert, von allen bewundert wurden. Und wir dürfen es mit stolzer Genugtuung sagen, eine große Fahl dieser Helden, deren Mur, Tapferkeit und Todesverachtung man feierte — sind Juden. Auf den Infanteristen, der im Teutschen Feldzug die erste französische Fahne erbeutete — Fischet — sind bald die anderen gefolgt,Infanterist Langer, Leutnant Singer, Tr. Frank, Pick und nun Julius Reis. Tb wir uns mit unseren Helden brüsten dürfen, ob wir allenthalben betonen dürfen, daß die, von den alle jetzt mir Enthusiasmus und Bewunderung sprechen Juden, unsere Stammesgenossen, sind? Gewiß, nicht nur wir dürfen, wir sollen es: wir sind es ihnen, wir sind es uns schuldig, diese glänzenden Beweise gegen die kleinlichen Anwürfe, diese ehrliche Sprache der Tat gegen das verleumderische Gezische!, mit dem ganzen Rachdruck ihrer Größe ins Feld zu führeu. Unseren Gegnern zu zeigen, daß es langsam für sie Feit wird, ihre Phantasie nach neuen verleumderischen Erdichtungen sich umseben zu lassen, denn mit dem Vorwurf der ehrlosen Feigheit wird es wohl nicht lange mehr gehen. Und dazu Helsen sie uns, unsere Helden, und daß wird auch gewiß so mancher von ihnen selbst wollen und deshalb sind wir es auch ihnen schuldig, ihr Judentum zu betonen. Und umsomehr, je krampshastere Anstrengungen gewisse Blätter machen, das Judentum unserer Genossen zu vcrtuscheln. je häufiger sie ihre Artikeln so bringen, wie sie es bis jetzt getan haben. Tie stimmen nämlich wortwörtlich, mit jenen der liberalen Feitungen überein — bis aus die zwei Worte, mir denen die liberale Zeitung bekannt gibt, daß der betrefsende Jude war. Tie fehlen natürlich. Tas andere stimmt aber wieder, wortwörtlich. Wie albern, wie kleinlich ist doch diese Methode! Als ob sie durch das Weglassen dieser 2 Worte dieTatsache daß ein Jude diese Heldentat vollbrachte, aus der Welt schassen könnten! Als ich mit einem aus diesen Kreisen sprach, und ihm dieses Vorgehen vorwarf, »:einte er: ״Sie wissen doch nicht, ob einer von diesen über- Haupt aus Judentum denkt!" Und wollte sich absolut nicht daran erinnern, daß er doch alle Vorwürfe dieser eben gegen Juden erhebt, erhebt ohne Rücksicht darauf, ob derselbe sein Judenlnm verleugnet oder nicht, daß das also gar nichts an der Sache ändert, war es doch vor allem seit jelier die Rasse - und die kann mau nicht verleugnen - der alle Vorwürfe galten.Wir aber wollen es uns geloben und von den andern er- Ter jüdische Frauenverein Prags hat ein Lazarett mit 25 Betten eingerichtet und ersucht um Wäsche. Tricotagen usw., für verwundete und kranke Soldaten. Eventuelle Spenden wolle man für diesen edlen Zweck an Frau Emilie Löivy in Prag, Feltnergasse Rr.!». übermitteln. . Ter Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheilen wendet sich in einem Aufrufe um Geldspenden für unsere in Rot und Elend gerntenen Glaubensbrüder. Wer sein Scherflein beitragen kann, wolle dies an den Obmann Herrn S. Lieber-:׳ in Firma H. S. Goldschmidt in Prag. Graben Rr. übermitteln. Ein sehr beliebter Gemeinderabbiiier in der Prager Reustadr, activ, der bei Freud nnd Leid überall als erster an der Spitze ist, besuchte in den diversen Spitälern, wiederum aus eigenem Antrieb, einzig und allein, ans echtem, jüdischen Mitgefühl, verwundete und marode Soldaten: für alle hatte er ein gutes Wort. Für diesmal wollen wir seinen Rainen nicht anführen, damit wir das Odium einer Jnivirierung, aus uns nicht laden. * Zeitgemäßes. Tie ״Mitteilungen des isr. Lebrerverbandes" fragten vor einigen Monaten, wo der Leiter der Prager Talmud Tora Schule ist, wir möchten gerne wissen, wer zum isr. Religionsinspektor der Volks- und Bürgerschule in Prag bestellt sei: wir hörten von unseren die össentlichen Schulen besuchenden Kindern, vom einer Inspektion des Regierungsrates Josef O.uaisser. aber vom isr. Religionsinspektor, der doch ein Tekret vom Landesschulrat bereits in Händen haben muß, gar nichts. Tie Stelle wurde unseres Wissens, von der Cultusgemeinde-Repräsentan; sz. mit «׳<>>> K geschaffen. Wir möchte.1 aber nur noch bemerkt haben, daß wir in Prag haben, die sich aus Böhmen rekrutieren, die ohne jede Inspektion, ihr Amt sehr gut aussüllen. Sobald eine günstigere Feit eintreten wird, wollen wir als Steuerträger, hiezu haben wir unser gutes :liecht, zu dem Budget pro 51,75 ge bürende Stellung nehmen. Vorläufig legen wir uns :lteserve aus und wünschen allen uiiseren lieben Freunden und Bekannten, welche mit uns in allen diesen Angelegeuheiteu und sonstigen jü dischen Tagesfragen, eines Sinnes sind, ein glückliches und Segen bringendes Schonoh lowob! Brunner Jlocfiricftten Zur Kaschrussrage in Brünn. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ter .Krieg mit all seinen Folgeerscheinungen nimmt das Interesse der Gesamtlieit, sowie des einzeliie» derart in Anspruch, daß n,an in dieser so kritischen :',eit. was ja begreiflich ist. zu keiner anderen Frage Stell!,ng nelnnen kann. Wenn ich Sie. sehr geehrter Herr:ltedakteur, bitte, mir in diesen kritischen Tagen einige Feilen Ihres gesch. Blattes für die kaschrussrage einzuränineii, so geschieht es ans dem Grunde, weil die :',nstände ans dem Schlachthofe, in den Fleischbänken, Geflügelhandlnngen usw. direkt nach Abliilfe schrei en. Für heute nur folgendes: Brünn bat Schächter, die auf Grund ilires Vorlebens keinesfalls die Eignung besitzen, die s-es hochwichtige Amt eines Schächters ausznüben. In den jüngsten Tagen bat das Brünner :ltabbi mit einen 20jährigen Burschen, gewesenen Fab riksarbeiler. der Mechale Schabbos war. uiw.. nach l!tägiger Abrichtnng zum Schächter deiig nirt. Tieser junge Mann nimmt bereits Schlachtnngen von Groß nnd .Kleinvieh cca. t<> 50 St. lag!ich, ohne Aufsicht, selbständig vor. Um die Aufsicht in den koscheren Fleisch bänken kümmert sich niemand. Eine Kontrolle, ob koscher oder treten:׳:-׳ Fleisch in den Fleisch bänken at,-:-geschrotet wird, gibt es nicht. Man kann ruhig behaupten, daß in ganz Brünn kein Stückchen koscher Fleisch zu haben ist. Jüdische Fleischhauer!>nd j׳"׳düche Selcher schlagen am Sabbat das Vieh. rf' das Fleisch als ״koscher" verkauft wird, ist n׳ckv zu bezweifeln, .Kälber werden beinahe gen׳״ ׳chr geschlachtet. Es ii'r hoch an der Feit, daß die >i׳׳ltnsge1neinde und das Rabinat ein wenig Ordn11״g in die Fache bringen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach, ist es besser, der Bevölkernna klaren Wein einzuschenken, als daß dieser Betrug unter der Spitz- Unberechenbar ist die Größe des Verlustes für unseren Verein, dessen Kraft und Macht auf Leo Gottlobs turnerischer Arbeit aufgebaut war. War er cs doch, der als Turnleiter in unermüdlicher Weise wirkend, den aus kleinlichen Verhältnissen sich entwickelnden Verein turnerisch in die vordersten Reihen der jüdischen Turnvereine brachte und ihm die Achtung und Anerken- 111114! auch der fremdnationaleu Turnvereine verschaffte. Still, selbstlos nnd opferfreudig hat er mitgearbeitet an der jüdischen Turnidee und sich so bei der gesamten jüdischen Turnerschast ein bleibendes Gedenken gesichert. Uns aber wird er unvergeßlich bleiben, die Lücke, die hier gerissen, wird sich nie schließen. In diesem Schmerze, der uns alle bedrückt, hält uns nur der Gedanke aufrecht, daß er als Held im Kampfe gegen die Unterdrücker des jüdischen Volkes gefallen ist, für die Befreiung seiner russischen Brüder sein teueres Blut vergossen habe. Er selbst hat diesen Kamps auch in diesem Sinne ausgesaßt, wenn er uns, seine Turnbrüder, noch vom ^chlachtselde aus, ausforderte, für Judas Ebre und Rettung gegen den barbarischen Feind zu kämpfen. Wir sind stolz aus solches Heldentum und finden in diesem Stolze ein linderndes Balsam für unseren herben Schmerz. Ja, Leo Gottlob, wir sind stolz,י'■'♦'* du unser warst, wir werden dich nie vergessen! Ter Turnrat des ״Jüdischen Turnvereines ״Makkabi", Brünn hossen. daß die Beispiele unserer Helden bald Genossen finden. Ernst Lebenhardt. Schweizer Schokoladen I. Strachon & Cie, Brünn Bahnhofplatz. Patriotismus der Juden in Prag. In dem letzten Aussatz unseres Blaues hat der.Kobold im Setzkasten einen Schabernack gespielt, indem es unter Anderem heißen sollte: Pro patria mori. dulce est., ndgl. mehr. Rachträglich wollen wir bemerken, daß die Spnagogengemeinden von Carolinenthal, Smichow, Konigl. Weinberge, Fizkow den Geburt-:׳- tag unseres geliebten Kaisers diesmal besonders erhebend gefeiert haben. Eine sogenannte Kriegspredig! wie solche dieser Tage mir einer gewissen Anfforderung an die jüdischen Soldaten, in einem Prager Blatte seitens einer hies. Synagogengemeinde annonziert wurde, war s. F. aller- Vings in den Vorortegemeinden Prags nicht angekündigt: aber trotzdem waren speziell in der Königl Weinberge sehr viele Offiziere und Solbaten: ferner alle Abordnungen der Staatsbehörden, der Stadt usw. erschienen. Tie jüngste Vorortegemeinde Prags, u. zw. Fizkow hatte sogar den Tempelchor (Geistgasse) zu diesem feierlichen Akte acceptiert.