Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 33 (10.9.1914)
- Date
- 1914-09-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4, ^M«sche ' Der Infanterist Julius Reif. Wien, 8. September. Aus dem Kriegsprcssequartier wird gemeldet: Aus Galizien keine wcfentlichen Nachrichten. Aus den Reihen der Un- Unsrigen liegen Gerüchte über eine Reihe von Heldentaten vor. Der Infanterist Julius Reif des 31. La-nLnvehrinfanterie-Regimentes in Teschen eilte am 24. August beim Gefechte bei Suchodol allein der dritten Kompagnie voraus, entfernst die feindlichen Tistanzpflöcke und nahm an der Spitze seiner Kameraden die feindlichen Stellungen im Sturm. Er wurde sofort zum Korporal ernannt. Am 27. August hielt er allein mit 12 Mann im heftigsten Feuer aus. Am nächsten Tage wurde er mit einem Zugskommando betraut. Er führte taktisch richtig den Zug gegen die feindliche Stellung und trug wefcntlich zur Zurückdrängung des Feindes bei. Ein andermal griff er mit 70 Mann 100 Russen an, stach vorerst den feindlichen Kommandanten nieder und jagte die Hälfst des Feindes in die Flucht, nachdem er zahlreiche Feinde getötet hatte. Später ging er auf eine Anhöhe vor, wo vier feindliche Maschinengewehrabtcilungcn postiert waren, nahm deren Bedeckung gefangen und erbeutest mehrere Maschinengelvehrc. Reif wurde zum Feldwebel befördert und wurde überdies für die höchste Unteroffiziers-Auszeichnung vorgeschlagen. Ein jüdisches Regiment vor über 200 Jahren. Ein Freund unseres Blattes übersendet uns eine Nummer der in Essen erschienenen Zeitung ״Allgemeine politische Nachrichten" aus dem Jahre 1809, die vom Sonntag, den 19. November j datiert ist. In dieser Nummer finden wir die folgende bemerkenswerte Notiz aus Holland: ״Am 1. d. hat sich der Kricgsminister nach dem Haag begeben, um das in dieser Stadt errichtete blos aus Juden bestehende Regiment zu mustern. Se. Erz. schienen mit der Haltung dieses neuen Korps uttd mit den Fortschritten, die cs gemacht hat, vollkoiumen zufrieden." Es ist zu bedauern, das; in dieser Mitteilung nichts Näheres über dieses jüdische Regiment gesagt ist. Jedenfalls ist aus dein Schlustpast'us der Notiz ersichtlich, das; cs ein tüchtiges Regiment war, das seine Pflichtcn in zufriedenstellender Weise erfüllte. Dr. Julius Stix, Brünn HL-rrengasse 7 Telephon 3092/IV ordlnlart 10-12 und 2-5 Uhr mit sämtlichen Apparaten der modernen E ektrotherapie geeen innere und Nervenleiden• Radium gegen Krebs• Honorar mBftlg I Jüdischer Patriotismus Prags. Bereits vor einigen Wochen wurde in diesem Blatte berichtet, wie unsere Glaubensgenossen in Prag iin Kriegszustände patriotisch fühlen; doch mit diesem Berichte ist das jüdische Patriotenherz nicht voll, der Glaubensgenosse sagt sich aus vol- Icm Herzen ״Patria mori dulce cst" (für das Vaterland zu sterben, ist süß). Wir verweisen aus die Predigt: ״Frieden im Krieg" von Prof. Dr. Aladar Deutsch in Prag, deren Reincrträgnis für die Reservisten bestimmt ist und schon jetzt eilten bedetttettden Betrag diesem Zwecke zugeführt wurde. Ter Prediger der Prager Tcmpelgemeinde, Herr Dr. Entanuel Schwartz, weilte austerhalb -Oesterreichs und kaum war es ihm ermöglicht worden, die Grenze Böhntcns zu betreten, bestieg er die Kanzel und hielt ebenfalls eine Kriegspredigt, an welche sich ein patriotisches Gebet anschloß. Weil,, .Herr Dr. Schwartz eine Teraschah hält, so ist der Tempel stets sehr gut besucht, das ist bei diesciit hervorragenden Kanzelredncr etwas Selbstverständliches. aber damals war der Tompelbesuch noch zahlreicher, wie an einem Jomkipur. Auf vielseitigen Wunsch wird diese Predigt, eine wahre Glanzleistung der Rhetorik und der Stilistik, ebenfalls abgedruckt werden. Die jüdischen Damen Prags nähen und stricken für das rote Kreuz, damit unsere braven Soldaten bei Eintritt der rauhen Jahreszeit gegen die Unbill des Unwetters geschützt sind und in allen jüdischen Lagern bekundet sich der jüd. Patriotismus. Im Kaiser-Jubiläumstempel zu Prag werden täglich beim Abendgebete abwechselnd die Psalmen Kapitel 7, 9, 18, 20, 21» 27, 33, 44, 45, 47, 67. 72 91 107, 108, 118,125, 128, 144, 147 recitiert und^wird ein Gebet, verfaßt vom Herrn Rabbiner'"Dr. A. Deutsch, welches zunt Abdrucke gebracht wird, gesprochen. Vorerwähnter Funktionär war der allererste Rabbiner in Prag, welcher seit Beginn des Krieges diese Gebetordnung eingeführt hat, was hier mit Nachdruck bemerkt sei; allerdings hat auch Herr Dr. Entanuel Schwartz gleich bei seiner Ankunft m Prag, aus eigenem Antrieb, ohne fremdes Zutun, ebenfalls voll und ganz, seinen Patriottsmus bekundet — seine Tempelgememde veranstaltet während der Kricgsdauer ebenfalls Bit'tgebcte. Unsere Glaubcnsgenosien find von dem!Wunsche beseelt, daß der Sieg für die österreichische-ungarische Monarchie ein ehrenvoller sei und wir hoffen, datz unserem erhabenen Monärchen, dem edlen Frirdensfürsten Kaiser Franz Josef dem Ersten Ruhm, Glanz und Segen zuteil werde; denn wir alle» gute Oestcrreicher, an dent haben die Juden einen guten Teil, lieben unseren Kaiser mit Recht über alles, wir kämpfen für eine gerechte Seche und der Gott Israels, der uns durch das rote Meer geführt, wird auch int gegenwärtigen Momente uns behüten und beschützen, dainit wir unserem Feinde nicht in die Hände geliefert werden, dann wcrdetr wir gleich Moses, den Hyntnus: ״Os joschir" aus vollen Kehlen tausendstimmig anstimmen. Wie gegenwärtig in unseren Gotteshäusern der Geldinhalt der Zedokobüchsen für die eingerückten Reservisten verwendet, so wäre es sehr löblich, wenn die Spenden für die Haskarah am bevorstehenden Jomkipurfeste zu einem Fond für; verwaiste Kinder, deren Väter auf den: Felde der Ehre gefallen siitd, vcrwettdct werden. - Am Vorabende des Versöhnungsfestes, vor Kol-Nidre, wären zu diesem Zwecke beim Eingang der Gottes häufe r.gavz einfache Geldbuchsen aufzustellen, datnit Jedermann reichlich sein Scherflein beitrage; auch am Beschlustseste wäre dieser Vorgang zu wiederholen. Der eingegangene Geldbetrag wäre von den Cultusgcmeinden zu verwalten. Unserer braven Soldaten, die heldenmütig gekämpft nnd int Kampfe für Kaiser und Vaterland gefallen sind, wollen wir über das Grab hinaus ehren und int Maskir-Gebete. ant Versöhnungstage und Beschlustfcste in besonders feierlicher Weise gedenken. Der hier gemachte Vorschlag werde in ganz Oesterreich-Ungartt, wie auch in Deutschland zur Tat; alles Trennende müssen wir in der Zeit des Krieges bei Seite legen, wir sind Juden und ein Volk von Brüdern. Teschubah, Tefilah und Zedokoh sei unser Panier! Üordruckerei « « « Plissieranstalt « « _FANTA, Postgasse r. Jtorrcfpondcnjcn. Brünn. Herr Heinrich Zaitschck, Tem- Pcl-Vorsteher feierte heute seinen 50. Geburtstag, er wurde aus diesem Anlasse zur Tora gerufen u. spendete einen Betrag zur Verteilung an Arme. Herr Zaitschek erfreut sich in weitesten .greisen großen Ansehens und wirklicher Beliebtheit. Bethaus ״Machsike hadas", Brünn, Adlergasse 12. — Es wird dem P. T. Publikum zur Kenntnis gebracht, daß Vormerkungen auf Bethaussitzc, für Männer und Frauen, von jetzt ab entgegen genommen werden. Der Gottesdienst findet nach altjüdischem Ritus, in wohlgeordneter Weise, statt. Pohrlitz. Auf Anregung des Herrn Oberlehrers Moritz Bader haben sich die Danten Rudi Schnabl, Julie Ellingcr, Therese Bader, Louise Pick. Johanua Pick, Hilda Bader. Irene Zweig, Vertu Langer, Anna Kobcrz, Irma Schnabl, Ä. Schweinburg, Frieda Meier und Anna Schnabl der Kricgsfürsorgeaktion angeschlosfen. Als erstes Ergebnis ihrer Tätigkeit würde der Neichsorga- Nr. 33. nisation der Hcmsfräuen Oesterreichs ein großeres Quantum Eillsisbeobst, Himbeersaft» Mülagawcin udgl. für die Verwundetest übergeben. Gleichzeitig wurde die Verfertigung,mehrerer hundert Paar KstieeWarmer, Schavls, Socken st׳- anderer Gebkäuchsgegenstände.für die sist Felde stehenden Soldaten in Angriff tzenommen. Die Kosten der Herstcllüntz bestreiten die Frauen u. Mädchen der Kveiten Pohrlitzer.Gemeinde äüo eigenem, wie sie auch dieUnsertigung der ge- Nannten Wäschestücke perfostlich besorgen. Eibenschitz. Heer Dr. Philipp Ritter v. GM׳- perz, -LNndrags-Abgeordneter und Herrschaftsbesttzer in Oslawan, hat dM Kuratorium der Äraitkenanstalt ist Eidenschitz zum Ztvecke der Einrichtung eines Neservespitales des MpitzÜ Kreuzes in der Taubstummenanstalt in Eibenschitz den Betrag von 5000 R gespendet. Eine größere Menge voll Bett- und Leibwäsche haben Frl. Nelly b. Gomperz in Oslawan und Frau Marianne Placzek, Fabrikantensgattin, Alexo- Witz, gespendet. Berlin. Der Vorschußverein der jüdischett Gemeinde will auch während der Kriegszeit west ter zinsfreie Darlehen an der .?Silfe bedürftige Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde gcwähren, falls Aussicht vorhanden ist, daß hierdurch die Existenz der Darlehensnehmer aufrechterhalten werden kann. Die notwendige Bedingung für die Gewährung ist die Stellung eines sicheren Bürgen und der Nachweis der Möglichfeit der satzungsaemätzest Rückzahlung. Gesuche sind nach Bendlörstraße 25, zu richten.. Dieser Tage fand ist der Emdester-Strätze 53 die Eröffnung der 21. Kindervolksküche des Vcreines für KiNdcrvolksküchen und Bolkskindörhorte statt. Tiefe Anstalt steht unter der Leitung der,Frau.Geheimrat Ludwig Max Goldberger, der Frau Justizrat Mühsam und der Frau Renliere Julius Reichenheim. Berlin. Das Preußische Kriegsininisterium hat sich den alsbald nach der Mobilmachung gestellten Anträgen des Verbandes der Deutschen Juden sowie der Freien Vereinigung für die Interessen des Orthodoxen Judentums — die zunächst unabhängig von ersterent vorging, sich aber dann seinen Schritten anschloß — entgegenkomtuend erwiesen, und man kann auf eine Verfüguug rechnen, auf Grund deren Rabbiner aus verschiedenen dem Preußischen Hecreskoutiugent zugehörigen Landesteileu als Feldgeistliche zu den Truppen gehen werden. Es liegt auch Grund zu der Annahme vor, daß die — in dieser Sache, wie in vielen — selbständige Bayerische Militärbehörde in gleicher Weise verfahren wird wie die Preußische. Der Gang der Verhandlungen im Einzelnen verspricht ein baldiges günstiges Ergebitis. — Erwähnenswert ist, datz auf die Umfrage des Verbandes eine den Bedarf weit übersteigende Zahl von Nabbmeu aus allen Teilen des Reichs sich zu dem ebenso mühewie ehrenvollen Dienst sofort freiwillig zur Verfügung gestellt hat. Straubing. Der Einjährige-Unteroffizier Heinrich Lippmann, Sohn des Bankiers Salomon Lippmann, starb ant 12. August als erster der bayerischen Judeuheit den Heldentod. New-Dork. — Gebete für den Frieden und Proteste gcgett dctt Krieg siitd in zal)lreichen Synagogen gehalten worden. In den Predigten wurde besonders der trostloseit Loge der russischen Juden gedacht als Mühlstein zwischen Bedrückung uitd Krieg. Ladenburg, Baden. (Tod fürs Vaterland.) Als' erster Ladenburger fiel unser Glaubettsgenösse Theodor Hauser im Gefecht bei Brunstadt (nahe bei Mühlhausen) im Kampf fürs Vaterland. Auch 1870 war der erste, der von hier fiel, ein Hude. Mannheim. (Der jüngste Soldat der deutscheu Armee ein Glaubensgetwsse.) Ter jüngste freiwillige Soldat der deutschen Armee ist ein Jude. Es ist dies Josef Steinhardt voit hier, der am 10. Juli 1899 geboren, also fünfzehn Jahre alt ist, Sohn des Vuchdruckercibesitzers Fcrdinaitd Steinhardt. Der junge Vaterlandsverteidiger wurde von verschiedenen Aerztcn für kräftig genug befunden, unt den Anstrengungen des Heeresdienstes gewachsen zu sein. Er wird zurzeit bei der Artillerie in Rastatt ausgebildct. Frankfurt a. M. Aus dem Büro der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen