Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 33 (10.9.1914)
- Date
- 1914-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-3r*5?» י:<-;ך זזל,!;!זייי ׳?זוזן!»ולזז!*»<«?4;מ5555 Nr. 33 »Jttischs »,lr-str««-״. Seite 3. Judentums" wird uns gemeldet: Für die in heimischen,Garnisonen (auch in Festungen) de-! kindlichen jüdischen Soldaten werdende zuständigen Herren Rabbiner, Lehrer oder Gemeinde- Vorstände gut tun, zu den bevorstehenden Feiertagen ohne Verzug um Beurlaubung oder, soweit Wse ans dienstlichen Gründen nicht erreichbar, um Dienstbefreiung nachzusuchxm Hinsichtlich der ,etwaigen Tienstbefreiuntz bei den im Felde siehcnden TrUhhen u. der Veranstaltung von Feld- Gottesdiensten bleibt' eine Verfügung des Kriegs- Ministers abzuwarten. Daruvar (Slüdonien). Ant 2ö. August wstrve im Tempel der hies. isr. Kultusgemeinde unter Leitung des Herrn Rabbiners Tr. H. E. Kaufmann aus Virovitica ein Bittgottesdienst für den Sieg unserer Waffen abgehalten, an dem die Spitzen der Behörden, die ׳Geistlichkeit verschiedenec Konfessionen und die angesehensten schiedener Konfessionen und die angesehensten Bürger nichtjüdischen Glaubens teilgenommen haben. Rabbiner Tr. .Kaufmann hielt aus diesem Anlasse eine großangelegte Rede in kroatischer Sprache über Krieg und Frieden, in welcher er zum Schlüsse die besitzenden Klassen aufsorderte, für die armen Familien zu sorgen, deren Ernährer in den Krieg ziehen mußten, um für den Ruhm unserer glorreichen Tynastie und für die Ehre des Vaterlandes zu kämpfen. RewHork. — Tr. L ch ma r j a L e w i n, Mitglied des Zionistischen Engeren Aktionskomitees, der aus der ״Kronprinzessin Eäcilie" nach Berlin zurückfahren wollte, wurde gezwungen, umzukehrcn und ist hier wieder eingctrossen. — Die erste Fahne! Und tvißt ihr, wer bei! Lagarde in der Schlacht Tie erste Fahne hat hei ingebracht Tie erste Fahne beim ersten Siege, Tie erste Fahae im ganzen Kriege? Ter Jude Fische! ist cs gewesen. So stand es in den Blättern zu lesen. Groß rühmen will ich den Jttdeit drum nicht, Er ist Soldat, und er tat seine Pflicht Wie tausend Juden, Millionen Christen, Tic zu känipsen verstehn und zu sterben wüßten. Er soll nicht Dithyramben hier lesen. Weil er ein Mann unter Männern gewesen. Doch wünscht' ich, daß jene läsen die Mär, Tie feind den Juden seit altersher. Sie niemals neben sich haben gelitten. Ihnen Deutschtum und Mannesmut abgestritteu. Von denen wird mancher sich doch nun bequemen. Sich ganz, ganz heimlich ein wenig zu schämen. Max Frank. Krieskasten F. X. Dem Zwecke der Armeuausspeisnng Geld zu widmen ist eine religiöse Pflicht, aber ein Kreuz muß ein Jude nicht als Schmuckstück kaufen. Wenn aber das Kreuz die Quittung über den gezahlten Betrag gilt, so müssen Sie es doch nicht als Busennadel tragen. Die Sprachschule Rzlba־Ka11u$ eröffnet ab 1. Oktober 1914 Sprach-, Lese- und Konversation*־ Kurse, verbunden mit allen modernen Arbeiten für junge Mädchen, dem staatl. gepr. Sprachlehrerin vorsteht. Näheres in der Schule Herrengasse Hr. S, II. Stiege II. Stock. Der Zaddik als Seelsorger. Von Rabbiner Tr. I. Niemirower in Bukarest.*) Die Oberhäupter der Chassidim sind Seelsorger im weitesten Sinne des Wortes, 'Naturlich kennt der Chassid den Ausdruck Seelsorger nicht. Dieser Titel ist ein unjüdischer. In Israel sorgt jeder selbst für seine Seele. Gab es allerdings auch schon in alter Zeit in demselben eine Würde der Seelsorge, Männer, die entweder belehrend, erzielend oder ratgebend und anseuernd wirkten, tugendhafte und fromme als Wundermänner geltende Gelehrte, deren Gebete man in Zeiten der?tot in Anspruch genommen, so kennt das Judentum den modernen Begriff: Seelsorger doch nicht. Es gab nur Lehrer und Führer, die ab und zu auch einen anderen Charakter annahmen, in ihrem Grundwesen jedoch Lehrer und Führer blieben. Tie Seelsorge ist erst in der neuen Zeit in Israel zur Bedeutung und Auerkennung gelangt. Jir den Ländern, in welchen der Durchschnil'tsjrrde in die Tiefe seiner Religion nicht dringt und ihre Höhen nicht einmal kennt, keine Muße und Kraft besitzt, um für sein Seelisches zu sorgen, seiner Seele spezifisch jüdische Nahrung zuzuführen, soll der Prediger Seelsorger sein, seinen Gemeindegliedern seelische Nahrung im einzelnen und kleinen znführen, ihnen die geistigen Speisen mundgerecht, sceleu- und herzensgerecht machen und das Soll und Haben ihrer Seele führen. In den Ländern des Ostens, in welchen die Turchschuittskenntins und Erkenntnis des Judentums eine weit großere und gereiftere ist, isr die Seelsorge jedoch für die große Anzahl unter dem Turchschnitte stehender Juden, deren Berns und Leben ihnen nicht gestattet, Scelsorgen zu haben, eine?tot־ Wendigkeit. Je mehr der Kamps des Daseins gefährliche Dimensionen annimmt und die ganze Kraft des Menschen in 'Anspruch nimmt, je mebr die menschlichen Bedürfnisse sich steigern, desto weniger Juden sind in der Lage, ihr Seelisches selbst zu pflegen und zu entwickeln. Wie eine arme Mutter, die in die Fabrik gehen muß, gezwungeu ist, ihre Kinder einer Wärterin anznvertrauen, einer bestimmten Person, die für die sogenannte Erziehung vieler armer Kinder sorgt, so ist der körperlich sich aufreibende Mensch gezwungen, seine Seele in eine Pension zu schicken und fremden Leuten anzuvertrauen. Auf dieser Tatsache beruht ja der Einfluß der Geistlichkeit auf minder Gebildete und mehr Belastete, aus Bauern und Handwerker. Freilich ergeht es diesen armen Seelen, die auf fremde Kost und Erziehung, richtiger Tressierung angewiesen sind, oft, wie es den oben erwähnten armen Kindern ergeht; sie fallen oft einer sogenannten ״Engelmacherin" zum Opfer; das bißchen Seelisches wird in Jenseits von Glauben und Un glauben im schlechten Sinne des Ausdruckes befördert. Allein es läßt sich nicht ändern. ׳Nun, im Chassidismus beschränkt sich diese Seelsorge, die Verwaltung des Seelischen durch andere, nicht nur auf minderwertige Individuen, deren Seelenleben ein unentwickeltes und unbedentendes ist, die man mit kleinen, armseligen Kindern vergleichen kann, sondern sie erstreckt sich eigenst lich aus alle, auch auf die befähigtsten und entwicklungsreichsten Personen. Um beim gebrauchten Bilde zu bleiben, kommen alle chanidäischen Lee len in ein Pensionat der Seele, als deren Vorsteher der Zaddik angesehen wird. Ter Greis wie der Jüngling, die Matrpne wie die Jungsrau, der Stadtbewohner wie der Landmann, der Theologe wie der Laie, der Begüterte wie der Güterlose, sie alle unterwerfen sich dem Szepter eines höheren Führers, unterstehen dem Kommando eines Oberen, dent sie ibre geistige Nahrung verdanken. Ter erfahrungsreiche Greis, an dem sich die Heilskraft des Judentums erprobt hat, in Zeiten des Sturmes wie in Zeiten der Ruhe, iy Momenten der Ebbe wie in Momenten der Flut, bewährt sich ein jugendliches, kindliches Herz, das empfänglich für nette Gedanken im alten Stile ist und gehorchen kann. Ter Jüngling, der in der Vollkraft seiner Ingend steht, gebietet Halt dem tobenden und ranschenden Sturme und Strome seines Innern auf Befehl seines Rabbi, an den er wie an einen *) Aus dem interessanten ncuerschiencncn Werte ״Chassidismus und Zaddikismus" Non Tr. ^c. Rieinirower, Rabbiner der spaniolischen Gemeinde in Buka- 1 rcst. Truck und Verlag der graphischen Anstalt Albert Baer, Bukarest 1913. Papst glaubt. Die Matrone, deren Sbrnrunzeln Zeugenschaft von den Sorgen, mit welchen sie in ihrer stillen Häuslichkeit gekämpft und unter welchen sie gelitten, ablegen, lauscht noch initiier auf das Wort des Zaddik, dem sie gleich einein Heiligen und Propheten vertrant. Tie Jungfrau, welche lebenslttstig und lebenskräftig in die dunkle Zukunft mit allem Gottvertranen blickt, liebt den Rabbi ttub vertraut ihm wie eittcitt Herzenser ko re neu und Seeleubräutigam. Ter Stadtbewohner, der dem Handel sich geweiht, der Landmann. der den Kräften der Erde ihre Früchte abtrotzt, überlassen dem Zaddik ihre Führung. Für den Theologen, der den Rabbinerberus erfüllt und dent Himmel sich geweiht, wie für den Laien, der einem allgemein menschlichen Beruf nachgeht und im Dienste des Welt lichen steht, ist der Zaddik eine lebendige Einleitung in den Schulchan Aruch. in die Bibel des Lebens. Ter Reiche befragt den Rabbi auch in geschäftlichen Tingen. Auch der Güterlose, der im Schweiße des Angesichtes die Notdurft des Lebens mit den edelsten Kräften seines Wesens erkaufen und erringen muß, siebt in seinem Seelischen e׳n Hobes Gut, das er einer geschickteit Führtmg anvertrauen will, ein erhabenes Etwas, das man mir einem Seelenkünsiler überläßt. Diese 'Auffassung ergibt sich aus den 'Ansprächen, die der Chassidismus an jeden Ein ׳,einen stellt. Während der Nichtchassidäer sich mit einem Durchschuittsjudentrim begnügt, lehrt der Chassidismus ein stetes Fortschreiten auf den! Geleise der Religion, ein Fortschreiten, das ke! neu Stillstand kennt, keinen '.Noment des Rastens, weshalb für den Chassid die '.Notwendigkeit erwächst, sich immer wieder Erzieher anzu schaffen. In den höheren Kreisen der Gesellschaft wird das Kind in die Pension geschickt, trotzdem bas Notwendigste der Bildung, die Erlernung der '.Nutteriprache, die Aneignung der Durchschnittskenntnisse. die ^Angewöhnung gewisser Fertigkeiten auch im Hause erreicht werden kann, weil die betreffenden Eltern von der Bi! düng einen anderen und höheren Begriff haben. ׳Auch der Chassidismus macht große Ansprüche, begnügt sich nicht mit dem '.Notdürftigen der Frömmigkeit, mit der Erlernung der Religion-:׳- spräche, mir der 'Abneigung der Dttrchschnittsreligiosität, mit der Angewöhnung religiöser Form fertigkeiten und bedarf daher einer ewigen Erziehung. Wie diese Erzielniugsbedüristigken bei den untersten schichten beginnt, so schließt sie bei den obersten. Auch die Zaddikini ünd der iee lischen Fürsorge durch andere, durch höhere M-ei ster nnteNvorten. Selbst der größte Zaddik hat nach der Lehre des Chassidismus einen Seelsorger, int Jenseits, in der Vergangenheit, in sofern er nämlich in dem Sinne und Geiste da Hingeschiedener Zaddikini gewisseruttßen unter ihrer Leitung zu leben und zu tvirken sucht. Dar aus entsteht auch bei ihnt die Wahnvorstellung, daß der Prophet Elias oder irgend ein anderer Prophet, der Baal Schein oder irgend ein anderer Wnnderrabbi, irgend ein Engel, irgend ein überirdisches Wesen ihm erscheine und ihn lenke und leite. Das Bild wird ja häufig vom Mnstiker. der uns unterbrochen gebraucht, mit dem Begriffe verwechselt. Die Form wird zum Inhalt, der Schein zum Sein. Auch in der Wissen-- schart macht ׳ich eine ähnliche Erscheinung be merkbar. Die alten Pptagoräer. die sich als Matbetnatiker in einemfort Ser Zahlen bedienten, alles in Zahlen nmsebten. legten mit Oer Zeit der Z,ahl eine Substanzialität bei. Heratlit. dessen Lieblinaswort ״Feuer" trar. betrachtet dasselbe, drückt sich ״!anchmal wenigstens so ans. als das Ein und Alles de-׳- Seins. Plato lebte und webte in der Welt der Ideen io lange bis sie bei ihm eine greifbare, gewissermaßen körperliche Gestalt annabmeii. Eine ganze Reibe logisch unverständlicher Phänomene im Reiche des Geistes läßt sich aus diese Weise begreiflich ntachen. Eine ׳Anzabl der durch die Tradition überlieferter Tatsachen, bereit Tatsächlichkeit die Vernunft jedoch leugnet. lassen stch durch dielen vsv,bischen Prozeß, durch die Identifizierung des Bildes mit dem Dargestellten, durch die Perio nifiziernng einer Redetigur erklären. Der Prophet Elias, welcher io manchem .Kabbalisten er ichieueu sein soll, war nichts anderes, als das bessere Ich des Betreffenden, das sich demselben geotfenbart. war der in ihm thronende und wirkende Elias, dem seine Phantasie ins Himmel reich veriebt. weil er diesen Elias mit dein 286181