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Jüdische Volksstimme · 1914-09-03 · Heft 32 (3.9.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 32 (3.9.1914)
Date
1914-09-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32. ״JNischt Seite S. Krakau. Bei dem Ueberfall der Kosaken auf Podwoloczyska zeichnete sich der jüdische Landsturmmann Mathies Hellmann hervorragend aus. Er , -i, allein tötete eine größere Anzahl Pferde und Kosaken. Lemberg. Hier hat sich ein aus allen Parteien bestehendes Notstandskomite, unter Vorsitz des Herren Samuel Horowitz, gebildet. Zionisten sind im Präsidium durch Gg. Adolf Stand vertreten. Die Bne' B'rith-Loge hat Volksküchen errichtet. Die Kultusgemeinde nimmt täglich Brot- Verteilungen vor. Die jüd. Turnvereine errichteteil mehrere Kinderasyle und Jnformations- Bureaus für Familien der Einberufenen. Trotz der großen Not in dem vom Feinde gebrandschätzten Grenzorten kann die patriotische Stimmullg als eine gehobene bezeichnet werden. In allen Gemeinden finden feierliche Bittgottesdienste statt. In Lemberg fand in Anwesenheit des Generalmajors Ryk, als Vertreter des Korpskommandanten, ein feierlicher Bittgottesdienst statt. Rabbiner-Stellvertreter Tr. Hausner hielt eine erhebende Predigt. Im Tempel wird jeden Freitag abend das Kaisergebet vcrrichtet, eine Ansprache gehalten und die Volks- Hymne gesungen. Lemberg. Jüngst bildete sich hier unter Anspornlmg und bewährter Leitung unseres Herrn Dr. Fischel Waschitz und unter Genehmigung der hies. holten Militärbehörden ein jüdisches Schützenkorps, das bereits gegen 300 stramme. Waffenfähige Jünger und etwa 60 ausgediente Komilitonen umfaßt. Dieses neugebackene Kombarantenkorps wurde vom Militärdepot bereits mit entsprechendem Wasfepmaterial ausgerüstet und dürfte nach mehrwöchiger Einschulung dein Lande selbständigen Schutzdienst leisten. Der erwähnte militärische Verband, dessen Kommandospräche hebräisch bleiben wird, vorerst jedoch — lediglich aus praktischen Rücksichten — polnisch ist und der als jüdisches Abzeichen weißblaue Aufschlüge trägt, erregt in allen gutgesinnten jüdischcn Kreisen große Sympathie und öfters geradczu wegen dessen sich'rcr Haltung Staunen. Berlin. Das Kuratorium des hies. Vereines Lehrlingsheini Pankow hat in fciitcm Anstaltsgebäude eine Etage frei gemacht und der Militärbehörde die Zimmer mit 2'> Betten zur Verfügung gestellt. — Tie Frauenvereinigung der Ziouistischen Ortsgruppe von Hamburg-Altona hat ebenfalls die Einrichtung einer jüdischen Abendküche beschlossen, in der jeder Bedürftige unentgeltlich warmes Abendessen erhalten soll. Dresden. Die hies. isr. Religionsgemeinde hat auf einstimmigen Beschluß des Gemeinderats die Summe von 12.000 Mark der Allgeineinheit für Liebeslverke aus Anlaß des Krieges zur Verfügung gestellt. Hiervon sind 2000 Mark dein Landesausschuß des Roten Kreuzes und 5,000 M der unter der Leitung des Ober-Bürgermeisters gebildeten ״Kriegsorganisation Dresdener Vereine" überwiesen worden, lieber die Verwendung der restlichen ',000 Mark hat der Gemeinderat sich weitere Entschließung Vorbehalten. — Ferner hat die Gemeinde im Tempel Sammelbüchselt z. Linderung von Kriegsuot anfgestellt. — Tie Jsraelitische Krankenverpflegungsgesellschaft hierselbst hat dem Oberbürgerineister für das Rote Kreuz und für die Zwecke der Kriegsorganisation Tresdener Vereine!>000 Mark 3'/.,"/״ Erbländer Pfandbriefe zur Verfügung gestellt. — Tic hies. Fraternitasloge II. O. B. B. hat beschlossen, ihr Ferienheim in Obcrrochwitz dem Kriegsministerium zur Verfügung zu stellen und dem Roteil Kreuz, sowie der Stadt zur Unterstützung der Familien militärdienstpflichtiger Einwohner der Stadt Dresden je 1000 Mark zu überweisen. — Der Israelitische Arincn-Unterstütznngs-Verein hat ebenfalls 1000 Mark für die Kriegsorganisation Tresdener Vereine bewilligt. Frankfurt a. M. )Rabbiner Dr. Nobel ist für die Garnison Frankfurt zum Seelsorger der jüdischen Soldateit ernauut und es ist ihm die Binde der Feldgeistlichen verlielien worden. Düsseldorf. Die erste französische Fahne, die im Gefecht bei La Garde vor Luncville in deutsche Hände fiel, ist von cineiil Juden genonlinen warden. Der Infanterist Fischel aus Rimbeck bei Paderborn entriß sie im Nahkampfe dem fran-! scheu Fahnenträger. M.-Gladbach. Die isr. Gesellschaft Verein M.-Gladbach spendete 10.000 Mark für das Note Kreuz, das städtische Hilfsamt usw. Lodz. Ueber Lodz gibt Ernst v. Wolzogen in der ״Franks. Zeitung" eine Schilderung, in der folgende Stelle vorkommt: Das ganz neue Palasthotel, in dem wir, von dem glänzenden Nanten angelockt, abstiegen, gab uns eine höchst wunderliche Vorstellung von rußisch-polnischen Begriffen von Sauberkeit und Pünktlichkeit. Der Eigentümer und fast alle Angestellten darin waren Juden. Ter Portier nahm sich ganz besonders drollig aus: ein kleines mageres Männchen in einer viel zu weiten reich betreßten Livree, das uns in unverfälschten׳. Jiddisch mit überhöflichem Wortschwall überschüttete und nach jedem Satz knickste wie ein kleines Mädchen. Kaum waren wir auf unserem Zimmer angekomnien — es war inzwischen Abend geworben — ging eine Schießerei auf der Straße los. Ein paar Kerle rannten um ihr Leben, Gorodowois (Schutzleute) hinterher und wie aus dem Boden gestampft erfüllte plötzlich ein wütend johlender Mob die ganze Straße. Noch in der Nacht empfingen wir die Auskunft, daß ein paar Spitzbuben, die die Polizei ausgegriffen, sich beim Transport mit Hilfe des Pöbels losgerissen hatten. Die Polizei alarmierte durch ihre Pfiffe die Tworniks (Hausmeister), die in all diesen unsichercn Städten mit Revolvern bewaffnet und zur Hilfeleistung für die Gorodowois verpflichtet sind. Es hatte angeblich drei Tote und einige Verwundete gegeben. Aber das regt die guten Leute weiter nicht aus, denn solche Straßenscharmützel sind an der Tagesordnung. Während unten die Schüsse fielen und die Menge tobte, flammten überall die friedlichen Schabbeskerzen in den vorhanglosen Wohnzimmenl aller Stockwerke aus und die frommen Juden ließen sich durch de!t Lärm in ihrem Gebet nicht stören. Uordnickerti « « Pli$$i«ran$talt « « * _FANTA, Postflasse 2. Aufruf! Viele unserer Kollegen sind zu den Waffen berufen worden! Biele sind jedoch auch durch den Stillstand von Geschäften und Fabriken arbeitslos. Diesen stellenlosen Kollegen und Kolleginneu zu helfen, erachten wir als Ehrenpflicht! Ten erwerbslosen Mitgliedern des Verbaudes wurden die statutenmäßig festgesetzten Unterslützungen gewährt. In dieser überaus schweren Zeit wenden sich aber auch zahlreiche dem Verbände nicht angehörende Angestellte an uns um Hilfe. Um den an uns gestellten Anforderungen wenigstens einigerinaßen entsprechen zu können, ergeht daher an alle, die in der Lage sind, das Elend der postenlosen Angestellten 11יי lindern, die dringende Bitte: 1. Den Stellcnlosen-Unterstiitzmigsfond unseres Verbandes durch Zuweisnng von Spenden zu stärken. 2. Alle zur Besetzung gelangenden Stellen für kaufmännisches Personal uns schriftlich zn melden. Wir hoffen, bei keinem, der diesen Aufruf liest, eine Fehlbitte getan zn haben. Es handelt sich um die Rettung von Eristen- Zen! Für jede in obenvähntem Sinne gewährte Unterslützung im voraus herzlichsten Dank. Jüdischer Handluugsgchilseu-Berband Ortsgruppe Wien 2.. Taborstraße 1l b. Adresse für Geldsendungen: Isidor Blatt, Wien,!)., Wasagasse 2:5 oder Postjparkassenkonto Nr. 820:5:5. Jtundfcfiau. Jüdische Feldgeistliche. Herr Rabbiner Tr. Samuel Guttiiiauii, Lemberg, ist als Feldrabbiner einer Infanterie- Division zugeteilt worden. Ebenso wurden der Feldrabbiner Samuel Diller einer Landsturmbrigade zugeteilr. Leider ist die Anzahl der jüd. Feldgeistlichen im Verhältnisse zur Anzahl der im Felde stehenden jüdischen Soldaten, eine minimale. In letzter Stunde wurden durch Interveniion des Wiener Kultusvorstandes an maßgebender Stelle Schritte eingeleitet, um diesbezüglich Reinedur zu schaffen. bine jüdische Feldpredigt. Ter Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Insterburg der zugleich Feldprediger der dortigen Garnison ist. erließ an seine Seelsorge.׳besohleneu folgendes Rundschreiben, das durch das Generalkominanöo zur Verteilung gelangt: ״Kameraden, Brüder! Tie Schicksalsstuiide unseres geliebte» Vaterlandes hat geschlagen. Der Krieg ist erklärt, und Ihr seid berufen, des Deutscheu Reiches Freiheit und!Nacht tapfer und mutig zu schirmen, Nie ward das Schwert für eine gerechtere Sache gezogen. Unser Kaiser hat in 20 Jahren mit Aufbietung all seiner Geiireskratt und Willensmachr den Frieden gehalten. Doch die Neider ringsum haben Hm srevlerisch gestört. Rußland das Reich, das auch Euere Glaubensbrüder so unmenschlich behandelt, bedrobt Deutschlands Grenzen. Das Rußland, das Serbiens Mordbltben gegen unseren Btindesgenossen Oesterreich gehetzt hat. Tie Treue gegen das befreundete Oesterreich, der Schutz deutscher 0)0 sinnuug und Gesittung gegen russische Rohheit und Unbildung, macht den Krieg zn einen hei!i gen. Wir sieben auf 0)ottes Seite, darnui wird 0)0 tt am" unserer Seite stehen! So zieht denn ge trost in die Schlacht! Zeigt Euch Eueres detitschen Vaterlandes würdig. Bewähret auch darin den freudigen Stolz auf Eueren israelitischen Glau ben. daß Ihr Wunder der Tapferkeit tut, als echte Enkel der Makkabäer, deren kleine Schar durch die Kraft der Begeisterung die Uebermacht der Feinde schlug. ״So fürchtet nicht, die Freude in owti iei Euere Stärke!" Wir aber, die wir nicht gewürdigt sind, das Schwert zu ziehen, wir tragen Euch auf betenden Herzen und wie einstens im Kampfe gegen Ania lek die einen kämpften, die anderen beteten tind die zu 0)ott schlagenden Herzen betend die gegen die Feinde gerichteten Hände untersiätzte», io daß Israel siegte, so wird auch diesmal unser heißes Oiebet Euch mit wunderbarer Macht gürten! 0)01 tes Gnade wird mit Euch sein! 0)otl ist in mne rer Mitte, so wanken ivir nicht, es hilft uns 0)o1t. daß wir einst jauchzend sprecheir: Tu bist mir Beistand geworden. Int Schatten deiiter Flügel juble ich. Amen!" Kaiserlicher Rat Schramek. Se. Majestät der Kaiser hat dem Kultus Vorsteher Adolf Schramek den Titel eines kaiier lichen!Rates verlieben. In den weitesten Kreisen hat diese Anerkeiinniig des verdienstvollen Wir kens Schrameks winvatbiicheste Aufnahme ge fluiden. Tie Bezirksvorstehung Leopoldstadt, deren Arme in kaiserlichen Rat Schralnek stets einen hilfsbereiten Gönner fanden, bat dem Ans geteichtleten die Glückwünsche des Bezirkes über mitrelt. Der Sohn Dreifus;' als Soldat. Berlin, den 2l. August. Ter Saliii Alfred Treninß' iit. da er iich durch besonderen Mut liervorgetaii bat, auf dem Schlachtfelde ׳,um 1111•!eroffizier ernannt morden. Zum Tode des Papstes. Ter verstorbene Papst Pins >>>. ivar kein Diplomat. Tie große Politik lag ihm nicht und darum konnte von ihm eine Beeinslnüniig des politischen Lebens zn 0)u1uu־u der Inden in den Ländern der Persolgung, wie es wolil mancher gewünscht hätte, nicht ertvarlet werden. Sein ge rader. schlichter, nur auf die Interessen der Kirche eingestellter Sinn sträubte sich aber müchlig gegen jedweden 21 ft von Gewalt und Gerechtigkeit. Es sei bei dieser Oielegenheit an einen Briefwechsel zwischen Lord Rotichild und dem Parikan anläßiich des Beilis-Prozeifes erinnert, wobei der Kar di,ui! Staatssekretär Merrn dci Pal, geiviß mir Einwilligung des Papstes, das Lügenhafte der Ritualmordanklage auf Hinwegen bestätigt Hai. Lord Rotschild ersucht in seinem Schreiben den Kardinal-Staatssekretär, zwei Tokumente, die sich im päpstlichen Archive befinden sollten >!. deren Eristenz im Gutachten Sikov-.ckis geleugnet wurde, ans ihre Echtheit nachzuvrmen. Das eine Tükllinent ist eine vom Papst Jnnocenz l. in! Jahre 1217 erlassene Enzyklika, das andere ein i ausführlicher Bericht des Kardinals Gangganelli, des späteren Papstes Elemens l l. vom Jahre 17.'>8. Beide Dokumente richten sich mil scharfen Worten gegen die Blntlüge. In seinein Antwort schreiben bestätigt Staatssekretär Merry del Val

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