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Jüdische Volksstimme · 1914-09-03 · Heft 32 (3.9.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 32 (3.9.1914)
Date
1914-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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;־ ׳■־;;• ■;׳■ 'rXt-Jti&d «eite 4. Nr. 32- Der Segen des Rabbiners. Aus Zsoluir wird geichrieben: Am 31. Juli in den Abendstunden traf hier die Kunde von der ׳allgemeinen Mobilisierung ein. Die Jugend, welche sich unter den Fahnen versammeln :nutz, veranstaltete aus diesem Anlasse eine patriotische Kundgebung. Es bildete sich ein Zug mit Fackeln und Lampions, der patriotische Lieder singend, durch die Straßen zog. Die Teilnehmer an der 'Demonstration gaben plötzlich die Parole aus. Dar das katholische Pfarramt zu ziehen und den Segen des Pfarrers für die in den Krieg ziehen?, den Soldaten zu erbitten. Der Zug bewegte sich zum Pfarrhause. Der Pfarrer, ein alter, kränklichcr, bettlägeriger Mann, konnte jedoch die jungen Leute nicht empfangen. Die Manifestanten riefen nun fast eimstimmig: ״Gehen wir zum Rabbiner!" So geschah es auch. Oberrabbiner Tr. David Friedmann weilte außer dem Hause, als er jedoch erfuhr, wovon die Rede sei, trat er sofort den Heimweg an. Auf der Straße begegnete er dem Zuge. Alls die jungen Leute, fast durchwegs christlichen Konfessionen angehörend, des Nabkiners ansichtig wurden, bereiteten sie ihm Herzliche Ovationen. Der Führer des Zuges richtete an den Rabbiner folgende Ansprache: ״Hochwürdiger Herr! Wir, die wir hier versanunelt sind, ziehen morgen in den Krieg, um für König und Vaterland zu kämpfen. Wir bitten Sic, uns Ihren Scaen zu erteilen". Der Ober-Rabbiner richtete nun an die jungen Leute eine von patriotischem Geiste durchglühte Ansprache und flehte den Segen des Himmels auf die Waffen unserer Armee herab. Er erteilte sodann den Kriegern den Segen und schloß mit eiinem Eljen-Ruf auf König und Vaterland, in welches die jungen Leute begeistert cinstimmten. Einige der Manifestanten hoben den Rabbiner auf die Schultern. Die jungen Krieger küßten sodann ohne Unterschied der Konfession dem Rabbiner die Hände. Unter Patriot!- fchcn Rufen bewegte sich sodann der Zug weiter. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhof er Bitterwasser“ Mild, doch zuverlSBlich. Sternhof, Polt Sokolnitz bei Brünn. Feldgebet für jüd. Soldaten. (Aus der ״Gcbetordnung für Fcldgottcsdienste" von Rabbiner Dr. Nobel.) Herr und Vater! In tiefer Demut nahen wir dir, der du nahe bist allen, die dich suchen in Wahrliaftigkcit. Du lenkest die Herzen der Äöui ge. Tie Geschicke der Völker wägst du in Gerechtigkcit. Wir beten zu dir, niehr als unsere Lippe zu sprechen vermag. Tie!Not des Vaterlandcs, des schuldlos mnriugtcn, schreit zu dir empor. Unsere Männer und Söhne haben sich geschmückt mit Wehr und Waffen, um in Treuen unsere Heiligtümer zu schützen vor frevelnder Treulosigkeit. Väter und Mütter gürten sich mit Heldenmut und senden ihre Söhne in den hciligen Krieg. Der Gatte wappnet sich mit Stärke. Sein Fuß eilt zur Walstatt. Tie liebevolle Schnsucht bewacht den Herd seines vereinsamten Hauses. Wir wißen in ahnungsvollem .Herzen, ntehr als irgendein Weg des Wissens es zu zeigen vermöchte, daß nicht Blindheit des Zufalles die Geschicke der Völker und Menschen entscheidet. Die Propheten und Psalmisten haben cs uns gekündet in ctvigen Worten, daß kein Schwert schärfer ist denn das Schwert des Rechtes und kein Sieg gcwisier als der Sieg der Gerechtigkeit. Herr und Vater! Kröne die gerechte Sache des teueren Vaterlandes mit dem Lorbeer des Sieges. Schütze das kostbare Leben unserer geliebten Vorkämpfer. Hefte Ruhm und Ehre an ihre Waffen! Gewähre Größe ihrer Gesinnung. Gib Festigkeit ihrem Schreiten. Gieße Adel aus über ihren opferbereiten Sinn! Laß Treue ihrer Treue begegnen! Gib ihnen Stab und Stütze deines heiligen Namens! Laß sie erkennen in den beschwingten Stunden der Entscheidung, daß in dir alles Letzte und Größte geborgen ist. Denn zu dir ist unser suchendes Auge gewandt in aller Süßigkeit und Bitternis dieser großen Zeit. Wir erkennen cs als deinen heiligen Willen, daß aus Süßigkeit und Bitternis alle Größe des Daseins erblühe. Herr und Vater! Unser Herz wogt dir drangvoll entgegen. Unser Beten sucht das Sonnenhafte und Ewige in aller Beschattung des Leidens und Vergehens. Du bist unser Jubel und unser Psalm. Du bist unser Schreiten und Schweben, unser Sehnen und Begehren, unser Hoffen und Harren. Du bist das Leben, und bei dir allein ist Leben! Amen. Dr.A11H11s.Stix, Brünn Herrengasse 7 Telephon 3092/IV ordinier« 10-13 und 2-3 Uhr mit sämtlichen Apparaten der modernen Elektrotherapie gegen innere und Nervenieiden- Radium gegen .Krebs• Honorar mHlg 1 Jtorrefponden5au Trebitsch. Am 1. September hat Herr Oberkantor M. Fuchs nach fast 12jahriger, ersprießlichcr Tätigkeit unsere Gemeinde verlassen, um seinen neuen Posten in Prag-Karolincntal anzutreten. -Herr M. Fuchs verstand es das alttraditioneüe Chasoncms mit moderner musikalischer Schulung zu vereinen und seine Zuhörer mit Hilfe feiner einschmeichelnden lyrischen Tenorstimme zur Aufmerksamkeit und zur Andacht emporzutragcn. Viele seiner vorzüglichen Funktilonen werden unvergessen bleiben. Herr Fuchs wird an dieser Stätte seiner Wirksamkeit oft und oft imch erinnert werden. Er betritt feine neue Gemeinde mit glänzenden Zeugnissen seitens des Vorstandes und des Rabbinates, wie des Gesangsvereiines seiner alten Gemeinde versehen. Möge seiner Befähigung und seiner Bemühung die verdiente Anerkennung und Belohnung werden! Jägerndorf. Dienstag, den 23. v. M., feierte Herr Julius Krämer, der viele Jahre hindurch Kultusvorsteher unserer Gemeinde ist, feinen siebzigsten Geburtstag. Schon lange Jahre vor seiner Wahl zum Kultusvorsteher gehörte er dem Kultusausschusse und dem Äultusrate an. Infolge seines tiefjüdischen Empfindens und seines hohen ׳Interesses für Judentum sah sich der Kultusausschuß veranlaßt, ihn zum Kultusvorsteher zu wählen. In musterhafter Ordnung verwaltet er die Angclegenlieitcn der hies. Judenheit und versteht es, überall dem Judentume den ihm gebürenden Platz zu erringen. Jnsbesondcrs hat er sich die Liebe der Beamtenschaft erworben: denn seiner Fürsorge haben es die Beamten zu verdauken, daß die wahrhaft mustcrgiltige Pensionsordnung der Kultusbeamtcn statuiert wurde. — Am Samstag, den 22. v. M., veranstaltete der Kultusansschuß anläßlich des herrannahenden Geburtstages seines allseits beliebten Vorstehers einen Festgottesdienst, der von einem zahlreichen Publikum aus allen Bevölkerungsschichten besucht war. Die zur Tora Gerufenen benützten diescn Anlaß, um namhafte Spenden für verschicdene jüdische Zwecke'zu machen. Herr Rabbiner Dr. Rudolfer hielt vor geöffneter Bundesläde ein inniges Gebet für ein langes Leben des um die Kultusgemeindc Jägerndorf hochverdienten Mannes. Herr Krämer erhielt anlö'l׳^- seines Festes eine Unzahl von Gratulationen. Auch der Verein ״Zion", dessen Ausfchußmitglicd er ist ״nd dessen Bestrebungen er stets wärmstcns unterstützt, sprach dem Gefeierten seine innigsten Glückwünsche aus. Teutsch-Brod. Samstag, den 22. v. M., respektive Freitag, den 21. v. M., fand im hies. hellbcleuchtetcn Tempel ein feierlicher Gottesdienst, verbunden mit einem Bittgottesdienst, statt, an dem unser, vor einigen Wochen, neugewählte Rabbiner Sr. Ehrw. Herr Tr. Leo Bertisch seine erste Funktion übernahm. Bor dem ״lcho daudi" Freitag abends und vor dem Mnßaf-Gebete Samstag früh, trug unser Rabbiner vor offener Bundeslade in würdiger und erhebcndcr Weise ein von ihm verfaßtes hebr. und böhm. Gebet vor, in welchen er den Sieg des gesamten Heeres, unserer Glaubensgenossen, unserer Gcmeindemitglieder und die Rückkehr derselben erflehte. Dobfisch. Der hies. Kultusvorstand versandte an die Mitglieder unserer Kultusgemeinoe folgendes, vom Herrn Rabbiner Dr. I. Eisenberg verfaßten Aufruf: An die sehr geehrten Mitglieder unserer Kultusgemeinde! Glaubensbrüder! Der Weltkrieg hat begouneu- Mit Begeisterung ziehen unsere Männer, die tapferen Krieger unserer Völker, ins Schlachtseid, um gegen Feinde des Rechtes und der Kultur zu kämpfen und den Sieg unseren Warten zu erringen. Unsere heiligste Pflicht ist es aber, uns dem großen Fürsorgewerk, welches für die Verwundeten und für die Familien der Krieger im ganzen Reiche ins Leben gerufen wurde, anzuschließen. Es ist ein Hilfswerk» welches uns allen nahe geht und den Zweck hat, Wunden zu heilen, Tränen zu trocknen und Not zu lindern. Der unterzeichnete Vorstand der isr. Kultusgemeinde Dobrifch wendet sich daher att Euer Wohlgeboren mit der höflichsten Bitte, Ihr Scherflein zu diesen edlen Zwecke beitragen und so Ihre Teilnahme bekunden zu wollen. Hochachtungsvoll der Kultusvorsteher: Alex. Frankl. Dieser Aufruf, der auch im ״Dobrischko" in Nr. 39, l. I. in böhmischer Uebersetzung erschien, hatte die hier vcrzeichneten Spenden zur Folge: Je 50 Kronen: Isr. Kultusgemeinde, Beerdigungs-brüderschast und Frauenvevein. — Je 20 Kronen: die Herren: Alex. Frankl, Fabrikant, Eduard Blcier, Spediteur, König, Neczin und König, Wermcritz, Hofpächter. — Je 15 X: die Herren: Louis und Alfred Bondy, Hofpächter, — 12 K: Frl. Hermine Wiener. — Je 10 K: die Herren: Leopold Burg, R. Fleischmann, H. Herrmann, Josef Bondy, Emil Arnstein, Alfred Pollak, Leopold Lederer. Ignaz Schwarz, Frau Piesinger, Wermeritz. — 9 K: Herr Eduard Meißler. — Je 5 K: Frau Dr. Erna Rudinger, Herr Krasa, Hraschtitz, I. Frankl, Alt-Hütten, Strauß, Hofpächter, Pjczin. — Je 4 K: H. Bloch, Kn in, Lederer, Knin und Popper, Rosso- Witz. — Je 3 K: Frau Eisenstein und Moritz Lion. — 3c 2 K: Frau Böhm, Frau Kleiner, Frau Traub, Dr. Eisenberg, Emil Friedmann. Borotic, Insel, Bukowan, Nowak, Drhof, Glück, Duschnik, Nowak, Älein-Hraschtitz, Rosenzweig. Wermeritz, A. Pollak, König. Knin, Lebenhart, Lccic, Nowak. Lccic, Krasa, Neudorf. Rezek, Neudarf, Karpclcs, Althütten, Lion I. Aschermann, Schwestern Glück und Josef Glück, Dobrifch. — Je 1 K: Blech, H. Bloch, I. Eisner, Elischak, Flcischmaun, Frl. Gans. H. Katz, Kraus, Reiniger, Rubin, Singer, Frl. Stransky, Weil, Wiener^ Windt, Bondy, Borotic, Bloch, Cellin, Bondy, Cellin, Klein, ״Alt-Knin, Friedmann, Neumann. Wien. In der Stadtsynagoge wurde die Kaiserfeier ausnahmsweise im Anschluß an den frühgottcsdienst abgehalten. Erster Kantor Matyas rezitierte unter glücklicher Verwertung der Volkshymne den Festpsalm 21, worauf Nabbiner Tr. Kaminka vor der geöffneten Bundeslade das Äaisergebcl verrichtete. Mit dem Absingen der Volkshymne durch das Chorpersonal wurde die würdige Feier beendet, der zahlreiche Andächtige anwohntcn, unter welchen zu sehen waren Generalstabsarzt Professor Dr. Alois Pick, Bethausvorsteher Theodor Kohn, eine Abteilung des Infanterie-Regimentes Nr. 99, Sekretär Tr. Emil Adler mit Beamten der Kultusgemeinde u. v. a. Nach dem Gottesdienste hat der Bethausvorstcher Herr Theodor Kohn, die bei der Kaiserfeier anwesenden Angehörigen des Heeres zu einem Frühstück ins Cafe Marienbrücke eingeladcn. Wien. (Marpee Lnefcsch.) Anläßlich des Geburtstagsfestes Sr. Majestät fand am 17. v. M., um 7 Uhr abends ein, Festgottesdienst statt. In Vertretung des Herrn Rabbiner Friedmann hielt Herr Rabbiner Isaak Rosner die Festrede. Innsbruck. In der überfüllten Synagoge hat der Festgottesdienst unter Anwesenheit des Gesamtvorstandes stattgefundcn. Kantor Fingerhut rezitierte Psalm 21, Landesrabbiner Dr. Link hielt die Festpredigt. Mit einem Gebet vor offener Bundeslade für Kaiser und Heer schloß die Feier.

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