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Jüdische Volksstimme · 1914-09-03 · Heft 32 (3.9.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 32 (3.9.1914)
Date
1914-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32. ^Uthifche S,kk»sti««e" Sette 8. Erez-Jsroel-Zedoko gerade in diesen Tagen nicht Seit Ausbruch des Krieges wird bei uns für > Krieg, mit Selbstverleugnung, Begeisterung und notlciden zu lassen. *1-“•־״£ *״־■»״״ *־•-•-׳* ...־־־־.«״-. ׳ ־.־' den Lieg unserer Waffen täglich früh und Abend j Psalm 3, 21 und 121 gebetet und jeden Freitag Tie Verwaltung des Jerusalemer ״Schaare Abend ein Bittgottesdienst mit Predigt gehalten. Zedek-Hospitalcs" in Frankfurt a. M. hatte sich Ter 13. August wurde Heuer noch feierlicher als unter dein Druck der Verhältnisse gezwungen gesonst gefeiert. Tie Festrede machte einen solch sehen telegraphisch die weitere unentgeltliche Aufnähme von Patienten zu sistieren, da disponible Mittel fehlen. Sie empfängt daranfhin soeben folgendes Telegramm des deutschen Generalkoirsuls Schmidt in Jerusalem: Jerusalem, 25. August. Bitte instäudigst das Schaare-Zedek-Hospitat nicht zu schließe» und wenigstens zu gestatten, daß 15 Gratis-Betten im Interesse der notleidenden israelitischen Bevölkerung im Betrieb bleiben. Schmidt, Generalkonsul. Delikatessen-Großhandlung :::::: I. Strachon & Co. :::::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn tiefen Eindruck, daß sie einige christliche Bürger drucken lassen, um sie unter der Bevölkerung zu' verbreiten und den Erlös dem Noten Kreuze zuzuwenden. Dr. Nrbach. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNN! Aufopferung! So befiehlt uns unser greiser Monarch! So befiehlt uns unsere Zunkunft! So befehlen uns unsere Märtyrer! So befiehlt uns unser Glaube! So befehlen uns unsere nationalen Interessen! Liechtensteing. 1. Semliner Brief. Wie immer, beteiligt sich unsere jüdische Gemeinde auch in diesen großen Tagen an dem Hilfswerke für die Armee in hervorragender Weise. TieKnltusgemeiiide spendete MO Kronen, die Ehewra Kadischa -100 K und der jüd. Frauenverein 300 K für das Rote Kreuz und die Angehörigen der Eingerückten. Außerdem beteiligte sich jeder Einzelne an den Sannnlungen mit größcrcn Geld- und Naturalien-Speiiden. Gabriel Polgar, ein durch seine Großherzigkeit bekanntes Gemeindcinitglied, stiftete 30 Betten für die Ver- Mundeten, und ein ganz armer Jude gab bei der Requirierung von Bettzeug das ganze Bettgewand zweier Betten hin. Alle Rationalitäten, Serben, Kroaten, Deutsche, Ungarn und Juden wetteifern im Wohltun. Frauen und Mädchen, Studenten und gesetzte Herren sind Tag u. Nacht um die Verwundeten und daS Publikum strömt unaufhörlich herzu, um unsere Helden mit Obst und Zigaretten, Bonbons und ähnlichen zu beschenken. Jeder hat sür sie ein gutes Wort und selbst der Acrmste kommt nicht leer. Tie Ver- Mundeten strahlen auch vor guter Laune, selbst solche, die vor Schmerzen Nächte hindurch nicht schlafen können. Alle brennen sie vor Begierde wieder geheilt dem Feinde cntgegenzutreten. Alle haben ihre Stich- oder Schußwunden von vorne, keiner von hinten bekommen. Einem war die Kugel am Schulterblatt cinaedrnngen und hatte ihm den ganzen Rücken durchschossen, wie er vor dem Feinde in halber Deckung auf dem Boden gelegen war. Einer zeigte stolz die Kugel, die ihn an der Schulter traf und bei der Gurgel stecken blieb. Ein verwundeter Hauptmann klagte, daß d!e Mannschaft vor Ungeduld kaum zu halten ist. Statt Teckung zu suchen und von 1000 Meter zu schießen, stürmen sie oft bis aus 500 Meter an den Feind, bevor sie die erste Salve abgeben und dringen am liebsten inst dem Bajonette vor. Diese Tollkühnheit kostet unS viele Opfer, aber es hat auch das Gute, daß ihr die Serben nicht zu widerstehen vermögen. Unter den Verwundeten gibt es auch einige Inden. Einer von ihnen namens Joses Jaßniger aus Trencsen in Ober-Ungarn, hat sich durch eine besondere Heldentat ausgezeichnet. Er wohnte seit längerer Feit in Belgrad als elektrischer In stallateur und der Ausbruch des Krieges überraschte ihn in UeSküb, wo er gerade beschäftig war. Tie Serben hielten ihn als Militärpflich- . tigen zurück. Toch gelang es ihm zu entkommen und einzurücken. Seiner Orts- und Sprachenkenntnisse wegen wurde er als serbischer Soldat verkleidet und nach Belgrad hinübergeschickt, um die elektrische Zentrale zu zerstören. Das besorgte er auch, obzwar wie er meint, nicht mehr vie daran zu zerstören war. denn daS Wichtigste hatte schon unsere ausgezeichnete Artillerie getan. Er konnte noch manches erfahren und im Dunkel der Nacht herüberkoinmen. Auf dem Wasser wurde er im Kahne bemerkt, und von den Serben stark beschossen, blieb aber unverletzt. In seinem freu digeu Eifer über daS Olelingen vergas; er recht zeitig den Unseren das verabredete Zeichen zu ge ben und wurde von unserem Wachposten an der Hand und an der Seite angeschossen. Seine Wunde ist aber schon inr heilen, und er will dem Paterlande bald weiter dienen. Ein Ausruf an die galizischen Juden. Das Zentralkomite der galizischen Zionisten ־,at folgenden Aufruf erlassen: Juden! Unser greiser Monarch ruft seine Völker unter die Waffen. Ruft sie nach langer u. reiflicher Ueberlegung, nachdem seinem Hause u. dem Bestand der Monarchie von allen Seiten Gefahr droht. Und somit ergebt auch der Ruf an daS jüdische Volk! Mit Ungeduld erwarteten wir diese Minute! Endlich ist für das jüdische Volk die Zeit gekommen, seine unbegrenzte Liebe und tiefe Tanklarkeit gegenüber seinem Herrscher, der uns mit allen anderen Nationen seines Reiches gleichstellte und volle Rechte verlieh, zu bezeugen. Endlich ist die Zeit gekommen, wo das jüd. Volk die Liebe zu diesem Lande und Solidarität mit diesem Reich bekunden kann, an dessen Freud und Leid wir stets Anteil nahmen. Endlich ist die Zeit gekommen, wo das jüd Volk seinen Brüdern und Schwestern, die unter der Knute des Zaren stöhnen, von der Bedrückung und Erniedrigung befreien, ihnen Rechte und Freiheit verschaffen kann. Endlich ist die Zeit gekommen, wo das jüd Volk mit dem Zaren Abrechnung halten kann. Zum Krieg mit dem Zarismus ruft uns der Kaiser auf! Mit diesem Zarismus, der seit Jahrzehnten unsere armen Brüder martert, ihre Ideale mit Füßen tritt, ihre Seelen beschmutzt, ihr Vermögen raubt, ihre Frauen vergewaltigt, ihre Kinder hinschlachtet, ihrer Religion spottet, ihre Bergan genheit geringschätzt und vor ihnen die Zukunft verschließt. Die besten unserer Söhne und Töchter schmachten in den Gefängnissen, ihr Stöhnen schlägt an unser Ohr. Unsere Hilfe ist ihre einzige Hoffnung, und unsere größte Pflicht. Und nun. wo wir Z,engen dieser weltbewegenden Epoche und. begrüßen wir diese Stunde mit Frohlocken. Tie Geschichte läßt uns Zeugen dieser Begebenheit sein. Aber nicht nur als Zuschauer! Rußland, großer lebendiger Friedhof! Rußland, einzig großes Gefängnis! Tie Geschichte läßt nnS Vollstrecker ihres WollenS sein. Seien wir eS voll und ganz! Oefsnen wir Las Gefängnis! Befreien wir die unschuldigen Insassen, unsere Brüder und Schwestern! Ter Krieg, den wir begannen, ist heilig; - zwei Kräfte messen sich. Hier Gerechtigkeit - dort Brutalität, hier Kultur - dort Barbarei, hier Zivilisation - dort Unrecht, hier Ethik — dort Gewalt, hier ein dljäbriger Monarch. Verkörperung der Ehrlichkeit und Pflichttreue — dort ein lächerlicher Elown, das Werkzettg der schwarzen Hundert. Juden! In diesem Krieg darf niemand von Euch fehlen! Wer waffenfähig ist, der gehe in den Kamps und opfere sein Blut für die hohen Ideale des Vaterlandes! Alles wird gehen wie Makkabäer und Barkochba und wird die Tankbarkeit des jüdischen Volkes gegen seine Wohltäter bezeugen. Uitd Ihr zu Hause Bleibende scheuet kein Geld, keine Zeit, keine Gesundheit, keine Euergie, keine Begeisterung. Tie höchsten Güter zu verteidigen gilt es! Mit Lust und Begeisterung ziehen wir in diesen blutigen Kampf. Für Franz Josef! Für Oesterreich! Für Jndenfreiheit! Für Judenglück! Im Namen dieser Ideale ziehen wir in den NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherung* - Qessllschaft, Wien l.f Aspernplatz 1 Im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve Urka IIS Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit SV» jährlich feilender garantierter Prämie Genaralagentur für Wien I., Aspernplatz I, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag rerdinandsstr. 20 neu Leiter Roher, Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Löbel Taubes Generat-Agentur für Krakau, Moritz Griffet Krakau, Rlngplatz 9. General-Agentur für Blelitz, Scblossgraben 9, Leiter Adolt Heitlinger. Hauptagentur fOr BrUnit, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Eine Anregung. den Nr. Unter dem Titel ״Unser Gottesdienst an kommetiden hohen Feiertagen" erschien in 31 des ״Hamburger isr. Familienblaltes" folgende beachtenswerte Anregung: Tie Jomim nauroim werden die Gotteshäuser in vielen Gemeiuden verwaist finden. Zahlreiche Knltusbeamten, die sonst dort ihres Amtes als Vorbeter walten, sind zu den Waffen gerufen und stehen draußen in Feindesland. Es wird für viele Gemeiuden, darunter zweifellos auch Großgemeinden, unmöglia) werden einen beruflich vorgebildeten Stellvertreter zu finden. Mail mache sich darum keine übermäßige Sorgen! Es ist für die Würde des Gottesdienstes und Förderung UHili rer Andacht nicht durchaus notwendig, daß ein künstlerisch vorgebildeter Chasan in unserem Gotteshause tätig ist. — Wo natürliche Ergris fenheit die Gemeinde beherrscht und wer wollte angesichts des Weltkrieges zweifeln, daß solche Stimmung vorherrschend feilt wird-? Ta bedarf eS keines Künstler-Borbeters, keiner Orgeltöne und keiner geschulten Chöre. Man sehe iich in den Gemeinden um. und überall werden ׳ich noch Gemeiiidemitgliedcr finden, die imstande sind, nach alter überlieferter Weise eine T'fillo vorznbcten, und geht es nicht mit Gesang, nun io begnüge man sich mit schlichter Deklamation. Tie Stimmung des Beters tuts; nicht der Gesang. Tie Beter, die Väter und Söhne draußen aut den Schlachtfeldern stehen haben, werden de» War ten Mi jichjeh umi jomuß in unserem alten Ui! sänne taukef-Gebete ein natürliches Verständnis entgegenbringen, ohne durch künstlerischen «Se sang erst dazu angeregt werden zu müssen. Und unsere kleinen Gemeinden, die auch in ruhigen Zeiten kaum noch ein Minjan zusammenbringen; wie sollen sie die hohen Feiertage verbringen. Mögen üe, wenn solches in diesem Jahre nicht au ders möglich, ruhig in stiller Einzelandacht in- Gotteshause verweilen. ״An jedem Orte, wo mein Name verkündet wird, werde ich zu dir komme׳! und dich segnen". So hat Gottes Wort es uns verheißen: bauen wer darauf!. Diese zweckentsprechende Anregung ver dient nicht nur im Teutschen Reiche sondern auch anderwärts gewürdigt zu werden: denn hüben wie drüben gibt es, besonders auf dem Lande, so manche kleine Genieinden, die, weil sie nicht in der Lage sind einen geschulten stimmbegabteu anständigen Vorbeter entsprechend honorieren ui können, sich oft mit irgend einem herumlnnaernden. verkou,menen Subjekte, das sür Alles zu hoben ist, beonügen, ohne zu bedenken, daß gerade der Vorbei׳״ -- der Stboliach Zibbnr sich vor allem d!׳״ck> -״'״en sittlich reinen nwralischeu, musterhaft-״ "-benswandel auSzeichnen muß, um die Gem׳1<-'״׳״ würdevoll vor Gott ver treten zu können. T 0-׳be Gott achtet nicht ans die Stimmen, sonde׳״ ״״!f die Stiminnna des M'tenden. .,Menschen s-s״׳en nur auf daS äußere We׳en. lauen sich oft d!״-ch aleißn-erische. beuch leriscke und frömmelnde Redensarten berücke׳! und bestricken, Gott aber uebi auf das Herz." Von der frommen Ehauna beißt 1׳■': W>- chano medabezeS al Libbo ״Hanna bat ibr tief betrübtes Her׳, in tiefer stiller Andacht vor G»tt. dem himmlischen Vater. auSaet'chüttet. ihre Livneu beweoten sich kann!, ihre Stimme aber wurde nicht aehört." Und wie erfolgreich war >b׳- stilles andachtsvolles Gebet! Israeli.

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