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Jüdische Volksstimme · 1914-08-27 · Heft 31 (27.8.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 31 (27.8.1914)
Date
1914-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31. ,ZÜVische L»lkS stimme" Seite 3. Oegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser“ Mild, doch zuveriäQlich. Sternhof, Post Sokolnitz bei Brünn. U. II bewußt sein, daß diese Zeit die Entscheidung über!Bobinen. UNI (Men die Heiden zu kämpfen. ION * ' 1*0 ”7 'das Schicksal des Vaterlandes bringen kann. Das!waren '»<>0 Juden in den Reiben jener Soldaten. Obwohl Mendelssohn den Tadel m-acu den ^^ße und Erhebende an diesem Mrictie ist die die die Präger VI11 und Neustadt gciion die Pai König in seiner Recensiou in verblümter Weise berrliche Begeisterung, die uns alle wie einesauer verteidigten. Ihre Leistungen als Soldaten und anonym jim, Ausdruck gebracht, wurde er! »uichiige Welle ersaßt, die Einheit, von der das dennoch von einem boshaften Höfling, Prediger bstst-w N׳olk getragen ....... Justi, entdeckt und dennuciert, daß er ״als Jude dieie^ grandiose Erscheinung nicht Lurch kleinlich die Ehrfurcht gegen des Königs allerhöchst gehei- ^K>l>chr -Eilige. i<1» 1!t die Mahnuug an liusere ligte Person im frechen Urteil über dessen Poesie aus den Augen gesetzt habe." In Folge dieser Tenunciation wurden die ״Literatur-Briefe" verboten und Mendelssohn erhielt plötzlich den Auftrag, au eincin Samstag in Sanssouci zu erscheinen, uin sich am königlichen Hofe zu verant- Worten. Mendelssohn, der trotz seiner hohen Philosophischen Gelehrsamkeit, dem traditionellen Judeutnin mit der ganzen Glut seines Herzens, mit allen Fasern seines Lebens treu auhänglich blieb, eilte vor allem zu dem Rabbiner der Berliner Gemeinde R. David Frankl und teilte ihm den Vorfall mit. Ter fromme Rabbi gestattete ihm ausnahmsweise am Sabbat nach Sanssouci zu fahren. Vor dem Schloßtore angelangt, wollte ein Junker dein verwachsenen Juden den Einlaß nicht eher gestatten, bis er sich legitimiere. Auf die Frage, was für ein Geschäft er treibe und welche Veranlassung ihn in das königliche Schloß führe, ׳entgegnete der Philosoph Mendelssohn: ״Ich spiele aus der Tasche". ״Das ist was anderes", sagte der Junker und ließ den Taschenspieler Mendelssohn passieren. Mit angsterfülltem Herzen erschien Mendelssohn vor dem König und seiner Hingebung. Als er nun gefragt wurde, ob er der Verfasser jener in einer die Majestät des Königs verletzenden Weise abgefaßten Recension sei, gestand er reumütig seinen begangeneu Fehler ein, entschuldigte sich aber in folgender geistreicher Weise: ״Wer Verse schreibt, schiebt Kegel, und wer Kegel schiebt, sei er König oder Bauer muß sich gefallen lassen, daß der Kegeljunge sagt, wie er schiebt". — Diese treffende Antwort genügte, um Mendelssohn ungestraft von dannen ziehen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit möge folgende Ep!׳ sode nicht unerwähnt bleiben: Marquis d'Argens hörte davon, daß Moses Mendelssohn noch immer als geduldeter Schutzjude figurierte. Er wollte dies nicht glauben, daher er bei M. selber hierüber Erkundigungen einholte. ״Sokrates" - - erwiderte M. — ״hat seinen Freunden bewiesen, daß der Weise sogar — sterben solle, wenn es die Gesetze des Staates fordern. Ich muß also die -Gesetze des Landes, in dem ich lebe, noch für gar milde halten, da sie mich bloß anstreiben, falls mich die Ermanglung eines anderen Schutzjuden auch nicht ein Trödeljude für seinen Diener erklären will." Der Marquis drang N702) in ilm eine Bittschrift aufzusetzeu. die er selbst überreichen wollte. ״Es tut mir sehr weh, sagte Mendelssolm, daß ich um ein Riecht der Eristenz erst bitten soll, welches das Recht eines jeden Men scheu ist, der als rnbiger Bürger lebt. Wen» aber der Staat überwiegende Gründe bat, Leute mei- «es Glaubens nur in gewisser Zahl auszunelimen.welcheS Vorrecht ka»» ich vor meinem iibrigen Mitbrndcrn verlangen?" Im Oktober 170:1 erhielt M. das Privile (liimi: die nach der Tare hienir zu zahlende Summe von 10W Talern erließ ihm der König: doch die lieber tragung dieses Privilegs aus seine Rachkonimen. gestatteten Friedrich der throne - nicht. Fr. Seid vorsichtig! Dieses Wort kann mau in so ernster Zeit nicht oft geinrg predigen. Das Taktgefühl des Kulturmenschen gebietet es. daß man in solcher Zeit alles vermeidet, was irgendwie verletzend wirken könnte. In solchen Tagen muß auch der Schein einer leichfertigen Lebensanschauung vermieden werden. Ebenso bedauerlich ist es, wenn unter Ferdinand II., haben sie eine Reihe ver ist. Beeinträchtigen wirs brieirer Freiheiten nnd Privilegien zu verdauten. :Loch beute befinde» sich in der Präge»? Aitnen schicke eine Fahne, die ihnen Kaiser Ferdinand III., sür ihre tapfere Verteidigung Prags gegen die Schiveden verlielieu >»at. Kaiser Josef II.. ge startete den Juden ^ndgiltig in die Armee einzatreten. Als 17W der rnrkeukrieg losbrach, hatten die Inden Gelegeiibeil. ach als gleichwertige Kämpfer zu bewäbren. ebenso in deit bald daran» folgenden kämpfeu gegen Napoleon und in den Befreiungskriege». In einer Militärliste ans dem Jahre 1 sr>.~» finden u ir in der österreichischen Armee zwei jüdische Majore, Simon Pisker iiiid Ignatz Wejs-״ ferner 7׳ Rittmeister. 7> Hanptlenie, darunter 1 bei der Marine, 11 Oberleutnants. Leutnants und 110 Oberärzte, Offizials uiiv. Alis den Schlachtfelder» Italiens. Schleswigs. Böhmens Hatzen jüdische Soldaten mitgefochleii. Im italienischen Feldzug 1*7,0 hat u. a. eia jüdischer Offizier Theodor Jerusalem den Rang eines Hauptmannes nnd den Titel eines Edlen von Salemsfeld erhalten: weil er beim Hetzer gang über den Lombro die Fahne feines :lieg! mentes gerettet hatte. 1*7finden wir 1-171 südifche Soldaleu 1*0:1 finden ivir :10-171!) südifche Soldaten 1*0!'. finden »vir >0:111 südifche Soldaten, das ist!10 Prozent der Gesamt,nannfchaft der Armee, die 10.7:1*.70 Mann betrug. Ju der Marine dienten l*.s.־> unter 17:100 M in» I.VJ Inden 1 *0unter V>7:'.-' Manu :'.-7> Juden darunter - krovettenkapiläl-.e. Die Z,abl der Offiziere jüdischen lälaubens betrug bereits!*!>:'. nach den amtlichen Tabellen der mililär sialiilischen Jahrbücher von Oeüer reich Ungarn, denen auch die Taten über die Z,iffer der südlichen Soldaten entnommen find, nicht weniger als 170-׳. Von je 1000 Ofiizieren Iva reu *1 Inden, ihre Z,al׳l üNrfteigt die alle»׳ ander.» BAennlniiie »kai!׳olisch, arme uiul־ katholisch, evangelisch Augsburger ivie l!el veiischer koufeision» mit Ansnalime natürlich der röinisch katholischen, der ja bekannt:»!» die gro'ze Mehrzahl der Oeiierreicher augeliörn. linier de!, 170'-׳ südlichen Offizieren in! >!»:!. der ׳» Z.al»! »'eil den» noch größer ist. befanden sich damals be-׳eils ein Oberstleutnant, 1:1 Majore. 11:1 Hauptleute nnd I:!l Oberleutnant-׳-. Heute l!aben!׳»ir »elbn in der österreichischen Generalität Juden, so de׳» General Schweitzer. Jüdische Flüchtlinge aus Belgien Die Rigorosität und Brutalität, mit der die belgische Regierung die Deutschen und Oesterreicher binnen wenigen Stunden aus dem Lande jagte, bekamen die unzähligen dort ansässigen gali,zischen Juden zn spüren. Sie sind alle brotlos, ohne Dach und auf viele Jahre hinaus gänzlich ruiniert. In Antwerpen allein befanden sich etwa 20.000 galizische Inden, die sich t!m hohe Politik nie bekümmerten und recht und schlecht unter der Sonne der Freiheit, die ihnen in Belgien iminer ungetrübt schien, ernährten. Sie hatten keine Ahnung, daß sie auch in diesem freien Ländchen so rasch ein Opfer der Lage werden sollten. Sie wurden vom Unglücke förmlich überrascht und überrnnipelt. Als der Ausweisungsbefehl kau», waren die meisten Männer und Frauen in den Fabriken oder mit ihrem Hausirerbündel ans dem Lande, die Kinder in der Schule. Sie hatten in vielen Fällen keine Zeit mehr, ihre Familie zu sammeln, ihre armselige Habe zn sichern. N'och ain gleichen Tage mußten sie über die Landesgrenze. Und wehe dem. der den Zeitpunkt ver säumte. Er wurde Gegenstand schlimmster Verfolgttiig nnd Mißhandlung, sowol seitens der Be Hörde, als des bestialisch hausenden Straßen mobs. Es war ein tieferschütteruder Goluszng, der sich zunächst über die holländische Grenze er goß. Der überaus größte Teil war aller Mittel bar nnd konnte in den holländischen Gemeiitden, in denen Tenernng nnd Armut herrschen, nicht versorgt werden. Wer noch soviel zusammen!׳!׳!!! gen konnte, setzte die Reise nach Deutschland oder der galizische» Heimat fort. Viele Tausende 1'הוחיו aber hier nnd in holländischen Grenzstädten sitzen geblieben, wo sie sich in größter Not befinde», ans der in absehbarer Zeit keine Meiifchenliand einen Ausgang zu schaffen vermag. Noda Roda. Heber die Juden in Rusilund und Galizien. »Wir eulnelunen einem in der ״Reue» Freien Presse" erschienenen Artikel ״Das Voll und .Krieg" folgende :',eilen.» Morgen ist Kaisers Geburlslo.g. Wir im Presseqnartier feiern iIm am Morgen mil einem Kirchgang, am Abend durch ein kameradschafls fest, lieberall. wo unsere Mappen stellen in Oesterreich, Ungarn, Polen, in Serbien!ver den sie Gott um Segen für ilire Waffen bitten. Doch niemand wird inbrünstiger flelien als die galizifchen. die russischen Inden. In ihren besten Kaftans von Seite, in feiertäglichen Fnchsvelz mützeu slrömeu sie in den finstern Tempeln zu sammen lind schreien zum Himmel nnd schlagen sich mit den Fäusten: Herr Adonai, Herr Zetza oth. laß Oesterreich siegen! Wenn sie i.usereu Soldaten begegnen, die frommen Inden, da »eigen sie sich bis zur Erde nnd segnen das junge, kampffrohe Volk: sie schenken, was sie entbehren können nnd darüber: den Offizieren Wein, der Mannschaft Zigarren, Geld. Wenn die Offiziere be»ahlen wollen, werfen die Juden die Münze stumm ztirück. So arme Leute! Das Elend selbst. von ilirer 'Armut. . . . , _ - Und dennoch schenken sie Miere ia.״c« aruh heute, wo unzere^o me nnd. b ■ Tsäuen in den Augen. Bruder aus den! ^׳elde der Elan sur die Eroten׳, _ des Vaterlandes kämpfen, einem unsinnige» Li-xushuldigen. WirtschafUichkann man das als Dlk JUVkN lM österreichischen Vorteil betrachten, aber es lieht w:e ein Hohn an» v ' / 1 / düsteren Charakter unserer Tage aus. Wir wollen! ^rieüsbieNÜe. nicht jammern und verzagen, sondern tapfer unj ® ' sere Pflicht erfüllen und auf den Tieg der guten In keinem anderen Lande Hanen die Jude»! Sache hoffen. Aber wir müssen auch in der äuso frühzeitig Gelegenheit, sich am Kriegsdienste ßcren Gestaltung des Lebens jede Würde und Gezu beteiligen, als in Oesterreich. Schon im neunschmacklosigkeit vermeiden. Wir müssen uns stets ten Jahrhundert standen Inden auf Seiten der für die hohen jüd. Feiertage. empfehlen wir uns zur Lieferung von : Machsorim. r .4- und otrillg; Sclicbotb; Cbamoscbim; «ebetbücber: flndacbtsbücher; Gallesbim in Seide und wolle, in allen Preislagen; Mesusos; Scbofros, Esrogim und Dilovim, «old und Silberborten. Käppcben, 3ädicbe Neujabrs- und 30mRippurkarten. Hiltci nacb Mass und lagernd sämtliche iüdicbe Ritualien. Jüdischer Buch-und Kunst erlag, Brünn, Adlergasse 9. Neu renoviert! Vornehm! Cafe Stadttheater BRÜNN - Krapfengasse vis ä vis Stadttheater. Eleganter separierter Damensalon. 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