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Jüdische Volksstimme · 1914-08-27 · Heft 31 (27.8.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 31 (27.8.1914)
Date
1914-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. ״Jüdische Bolkrstimme." Nr. 31. m tcv Trübsinn belasst ihren Atem. Aber hier, in .\ii1HTd, ioo Meter unter dein Meeresspiegel, wo der srnchlbare Boden unter unseren Füßen im!Ionischen llrsprnngs ist, liier herrscht jo in den Winiertagen ein subtropische-:׳ Wachstum, nur int Sommer sülirt die senkende Wini Herrschosl. Und die Mini lostet aus ollem. Woher gibt e-:׳, einen Lee, der morgens vor deinen?luge» snnkell, ober bi-:׳ jetzt noch leinen Baum, keine» Banniesschatlen. Und ohne Z,iveige mich keine Vögel, jeder Jnbelsang versinmmt. Und nicht-:׳ Grünes blickt dich on, die Berge sind wie der Schemel Gottes, nockt wie om Doge der (Lutstelmng und wenn noch l!ie nnd do Pflanzenrcste übrig geblieben sind, donn!,oben sie wilde Menscheu onge׳,il>1det, die Fenerznnge leckt sie ans n. niemond löscht. Und gel!st dn über solchen verbronnten Boden, donn wächst.der Schauer siebendoch. Tr-:׳ Tag-:׳ eittbot der Herr seine Gnade, Pocht-:׳ ober singt do-:׳ Volk! Hier, Brüder verstel,' ich diesen Satz nnd noch einen anderen Vers . Werd' ich do-:׳ Licht sehen wie cs zittert Und den i,olden, wondelnden Mond? Tenn die Nächte sind hier wie eine beständige Erlösung. Wie köstlich sind die flächte hier! Ter Mond mit den lenchtenden Sternen ergiesten eine lioldc Anmut ringsherum nnd erheben die Seele de-:׳ Menschen. Mein Zufall, dost des Nach!-:׳, iinwer des Nachts die Eingeborenen, Beduinen oder Fellachen, sich dem Singen hingeben und immer nur im Einzelgesang. Jeder einzelne ist eine Welt fürjich und singt für sich. Und nicht wie unsere Jünglinge die des Chores bedürfen, des .Kommandos nnd die letzten Verse stammeln sie nur. Und wer weist cs? Vielleicht ist auch das mitternächtige Gebet der Trauernden um Zion nnd Jerusalem nur wie ein Pnlsschlag einer östlichen Ader, eine atavistische Spur jener Lebensgewohnheitcn? Vielleicht hotte auch jenes ״mciiiber of Parlament" recht, als er Benjamin Tisraeli ein östliches Gchcininis inmitten des englischen Lebens nannte? ״Ter Stoinm ist olles", so sagte auch Tisroeli selber mehr als einmal. Und hier meine Brüder, über diesem Farbeutcppich verstehe ich, »:in singe ich in mich die wehmütige Weise, die immer wiederkehrt nnd sich i» die Fernen ergießt, die Weise unseres Verivaiidten. des grostcn Arobervolkes. Ich verstehe auch sein ״Allah okbor" tAllah ist groß), seine Gebete, seine Bücknngen tind Niederfälle. Mein Zufall, das; durch die arabische Wüste die drei Lenchtsterne der grasten Ncligionen: Moses, lesns nnd Molionimed gingen. Es Hot eine Beziehung zu dieser Landschaft, zu dieser eigenartigen Notnr. Tiescs Volk feiert jetzt den Monat Namada», der ehemals der Einsamkeit, der Selbsiversenknng i>nd der inneren Rechenschaft geheiligt ivor. Tiefer Monat, on dem zum ersten Male Mohammed, dem letzten Propheten, seine hohe Berufung offenbar wurde.... Eiul — Ramoda 11 vom Stamm, vom Stamm kommt alles. (Ans dem Hebräischen übersetzt von E. M.f Schweizer Schokoladen I. Strachon & Eie., Brünn Bahnhofplatz. Rußland und seine Juden. TosRußland in elbischer und politischer Hinsicht dos Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. dies zu crsaliren, halte Europa, hotten wir Fndc» vor allem in den letzten Jahrzehnten wieverholt volle (R-Iegeabeit. Von dem Lande der Pogrome nnd:>!itnolinordprozesse erwartete nieniond mehr innere Ansrichligkcit nnd Wahrheit-:׳- sinn. Und dos Verholten Rußlands in den letzten Wochen, dos znm Krieg geführt hat, der schamlose Bruch des kaiserlichen Ehrenwortes, die gemeine Methode niedriger Lügen, hat ja die Meinung, die sich alle anständigen Europäer über Rustland gebildet hatten, vollauf bestätigt. Und dennoch hätten wir vor dem Kriege nicht jene Verlogenheit und zynische Schamlosigkeit für möglich gehalten, die die zarische Regierung, an der Spitze der Zar selbst, gegenwärtig bekundet hoben. Ter Zar Hot ein Manifest on die Inden Rnstlonds gerichtet, worin er sie on die Wohltaten erinnert, die ihnen von Rnstlond, besonders aber vom Hanse Romanow, enviesen worden sind nnd sie oussordert, in groster Zahl zu den Fahnen zu eilen. Als Lohn stellt er ihnen eine Erweitcruug des Ansiedlnngsroyous in Aussicht. Ter Westeuropäer, t>e»1 seine Multur nnd Erziehung cs schwer!,loche», die Psyche der russischeu Machthaber zu begreifen, wird beim Lesen dieses Manifestes ans den Staunen nicht herauskoinmcn. Tie Wohltaten, die den Juden von?instland, besonders aber vom Hanse Romanow, erwiesen worden sind! Und dies schreibt derselbe Zar, der — wie olle .Kenner der Verhältnisse gut wissen - der eigentliche Träger der russischen Jndenpolitik ist, der die Pogrome gutgcheisten, der den Biewer Rilualmordprozest in all seinen Einzelheiten verfolgte und die ruchlose Komödie, die da aufgesührt wurde, selbst befohlen hatte, schreibt derselbe Zar, der von allen Judenhassern Rnstlonds der verbissenste nnd hinterlistigste ist. Tie Inden mögen in groster Zahl zur Fahne eilen, fordert der Zar. Und er vergisst, daß noch vor wenigen Monaten die russische Negierung den Gedanken ernstlich erwogen hat die Juden vom Heeresdienste auszuschliesten, da sie nicht würdig seien, den Waffenrock des Zaren zu tragen, vergisst, dost einige Wochen vor dem Ausbruch des Krieges noch die letzte Maßnahme der Unterdrücknngspolitik durchgeführt wurde, indem den Inden verboten ward, sich an Aktiengesellschaften zu beteiligen; vergisst, daß zwei Wochen vor dem Kriege 40.000 Inden aus Miolo ausgcwicscn wurden. Und unter solchen Umständen sollen die Inden freiwillig zu den russischen Fahnen eilen? Fürwahr, so ehrlos und niedrig ist kein russischer Jude, dost er, wenn er nicht dazu gezwungen wird, für Rnstlonds Wohl auch nur feinen Finger rühren würde und nicht vielmehr alles aufböte, um den Zusammenbruch des Barbarenstates zu bcschleunigen. Als Lohn stellt der Zar die Ausdehnung des Ansiedlungsrayons in Aussicht. Man beachte das Versprechen,?licht Aufhebung der nicderträchtuten Bedrückungen, nicht Erteilung der vollen Bürgerrechte, sondern lediglich Ausdehnung des Ansiedlnngsrayons verspricht der Zar. Und selbst dieses minimale Versprechen, die russischen Juden wissen besser als olle andern, was sie dävon zu halten haben. Sie wissen, was das Versprechen eines Nikolaus H., was das Ehrenwort eines Zaren bedeutet. Tie Revolution des Jahres 1005, das berühmte Oktobermanifest und zuletzt das Verholten des Zaren vor dem Ausbruch des Krieges haben Europa gezeigt, dost Wahrhaftigkeit nnd Elirbewusttsein, dem Zaren unbekannte Bcgriffe sind. Mag Nikolaus II., versprechen oder drohen, die russischen Juden wissen, das; sie bei einem Siege Rußlands nichts mehr zu verlieren babcn, denn eine Verschlechterung ihrer Lage ist kaum noch möglich, dost sie aber bei einer Niederläge Nustlands alles zu gewinnen haben. In der Tat, wenn man in die Lage der russischeu Inden in ihrer vollen Furchtbarkeit überschont, dann must mau unwillkürlich glauben, das; dieser >lrieg eine göttliche, wunderbare Hilfe, eine göttliche Rettung ist. Tic Lage der mssischen Indenhcit war in den letzten Jahren eine derartige geworden, das; die Eristcnz unserer Brüder für die Tauer unter solchen Verhältnistcn nicht mehr möglich schien; und verzweifelt fragten wir uns alle, woher die Rettung kommen möge. Nun, wenn eine Rettung kommen wird, dieser Krieg wird sie bringen. Wenn Rnstlond zerschmettert ist, ist dos russische Judentum erlöst. Hunderttausende von Inden flehen in diesen Tagen zum Allmächtigen um den Sieg der deutschen Waffen. Gott möge ihr Flehen, unser Flehen erhören, möge uns bald den Sieg nnd Frieden, unsere» Brüdern in Rnstlond aber die Erlösung ans ihrer furchtbaren Lage bringen. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNNy Liechtensteing. 1. Kein jüdischer Student verkehrt in einem Lokale in dem die ״Jüd. Volksstimme" nicht aufliegt. 1914. Prophetenwort, das ist noch Glaube, Und Frieden heisst noch Hirngespinnst: Hier stürmt man aus zu wildem Raube. Und dort zu?Nacht und Geldgewinnst. In Oft nnd West und Nord und Süden To kracht-:׳ auf Zwei, die Treue eint. Wer wird sich zitternd, ängstlich hüten? Von jetzt ob wird nur Blut geweint. Tos Blut das sammelt sich.zum Meere, Und dünstet sich zum Himmel auf. Und glüht dort als Prophetenlehre: ״Ich bin des ewgen Frieden-:׳ Kauf." Moses Mendelsohns Patriotismus. Es war nämlich gegen Ende des Jahres 1754 als Lessing, der intimer Freund Mendelssohns, diesen eine englische?lbhandlung mit dem Bemerken übergab, er möchte sie lesen und ihm dann fein Urteil darüber abgeben,?(ach kurzer Zeit brachte Moses Mendelssohn die Schrift dem Freunde zurück, und jener fragte ihn, ob sie seinein Geschmacke entsprochen habe, entgegnete er: ich glaube, datz ich so etwas ebenfalls zustande brächte. Es dauerte nicht lange und Mendelssohn brachte seinem Freunde eine?lrbeit, über deren Wert er ihm, nachdem er sie gelesen habeit wird, ohne Rückhalt sein maßgebendes Urteil abgeben möge. Lessing, der von dem Inhalte dieser Schrift ganz entzückt war, lieh dieselbe, ohne Wissen des Verfassers, unter dem Titel ״Philosophische Gespräche" abdrucken. Eines schönen abends kam Lessing zu Mendelssohn und zu ihm: Hier bringe ich Ihnen.eine Novität, die gestern erst die Presse verlassen hat. Ter Autor war angenehm, überrascht nnd freute sich sehr ob der innigen und aufrichtigen Teilnahme, die sein Freund durch diesen?lkt des Wohlwollens bekundete. In den ״Philosophischen Gesprächen" machte Mendelssohn den Deutschen de» Vorwurf, daß sie sich unter das Joch des französischen Geschmackes beuge», während sic den tiefen Gehalt ihres Geistcs verkennen: ״Werden die Deutschen niemals ihren eigenen Wert erkennen? Wollen sie ewig ihr Gold für das Flittergold ihrer Nachbarn umtauschen?" Tiefe Schrift fand allgemeine Anerkennung, hiedurch gewann Mendelssohn Mut öfters aus dem literarischen Markte mit seinen Geistesprodukten zu erscheinen, die nicht verfehlten die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt auf ihn zu lenken nnd selbst am königlichen Hofe Sensation zu erregen. Durch Lessing ermuntert wagte er es sogar die poetischen Erzeugnisse des Königs Friedrich des Zweiten in einer Zeitschrift ״Die Literatnrbricfe" zu rccensicren und dessen Verachtung nnd Geringschätzung der deutschen Sprache in sanfter Weise zu tadeln. ״Jeder Vers beinah' ist ein Zug vom Charakter dieses Prinzen" — so schrieb Mendelssohn — und das Ganze das Porträt, worin seine groste Seele, sein noch grösteres Herz nnd seine Schwachheit selbst ans das natürlichste geschildert sind. Welcher Verlust für unsere Muttersprache, daß sich dieser Fürst die französische geläufiger macht! Ter hohe Verfasser würde der Herablassung überhoben gewesen sein in der Vorrede zu sagen:??(eine Muse, deutsch nnd wunderlich kauderwelschend, ein babarisch französisch, meldet die Tinge, wie sie kann." ״Kann ein Schriftsteller, dem der jetzige Zustand der Weltweisheit nicht unbekannt ist, der sich allenthalben als ein gründlicher nnd Nxihrheit-:׳- liebender .avpf zeigt, kaum der es sich Wohl haben in den Sinn kommen lassen, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele zu bestreiten?" War also nicht der Schutzjude Mendelssohn vor ungefähr lmndert und sechzig Jahren aus patriotischen Rücksichten für die deutsche Sprache n. Literatur begeisterter als selbst der Prenstenkönig Friedrich der Groste, der die französische Sprache auf Kosten der Deutschen verherrlicht u. verhimmelt hatte? Das barbarische Vorgehen der jetzigen degenericrlcn französischen Generation zeigt, wie recht Mendelssohn hatte, daß er cs gesagt, die Vorliebe Friedrichs für alles Französische zu tadeln. Dr. Fr. i H j m9a1a

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