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Jüdische Volksstimme · 1914-08-19 · Heft 30 (19.8.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 30 (19.8.1914)
Date
1914-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30. * «Jttische »,rr-sti««-". Seite 5. Herr Dr. Hilf führte aus: «Treuer, ftutcr Freund, lieber guter Bruder'. tzötzt heißt es Abschied nehmen, iin cigeiien, und im Namen der großen Gemeinde u. Deiner Brüder! Abschied nehmen für immer. In ein Meer von Jammer täricht meine Liebe bei diesem Gedanken: gilt doch dieser Abschiedsgrüß einem Mann, dem ich durch ein Menschenalter als Freund nahegestanden und mit dem mich das Zusammenwirken iin Dienste unserer heiligen Gemeinde durch mehr als drei Jahrzehnte in beinahe täglichem Verkehr brachte. Wie kaum einem war es mir gegönnt, Deine hervorragenden geistigen und seelischen Eigcnschaften. Deine hohen Tugenden. Tein ausgeprägtes Pflichtgefühl, Deine begeisterte Anhänglichkeit für unser altes Judeiitn»!, Deinem regen Sinn für richtig angewandte Wohltätigkcit. Dein heilsames Wirken fiir das allgemein Beste, für das Gute und Edle zu verstehen und zu würdigen. Dir war es Bedürfnis zu helfen, Not und Elend zu lindern. Kranke zu besuchcn, Witwen und Waisen zu unterstützen und den Opfern der Verfolgung beizustehen. In dieser Erkenntnis fühle ich den Schmerz, den Dein Hingang uns allen bereitet, doppelt tief hiid schwer, deshalb ertolst!nein Klageruf desto inniger und trauriger Wenn cs Dir auch vergönnt war ein Alter zu erreichen, von dem der Psalm ist sagt, daß es ein hohes genannt werden könne, uns allen starbst Du viel zu früh und doppelt beklagenswert in einem Zeitpunkte, in welchem wir im Diettste der Wohltätigkeit auf Deinen weisen Nnt uiib Deine iltiermüdliche Tätigkeit werden verzichten müssen. Ter unerforschliche Ratschluß des Ewigen hat es anders beschlossen, als wir es gehofft. Gottergeben müssen wir uns in dns Unabänderliche fügen: doch wenn auch Deine sterbliche Hülle der kühlen Erde überantwortet wird, zu zu der sie znrückkehrt, die gute Saat, die Du auf Deinem irdischen Wandel, durch Dein vorbildliches Familienleben, durch Dein öfsentliches Wirken, durch Deine guten Taten ausgestrliüt hast, werden herrliche Früchte,tragen n. die Erinnerung an Dich wird zum Segen gereichen. Allen, die nach Deinem Vorbilde wirken und schaffen. Und nun, ruhe denn in Frieden, in Deinein Ehrengrabe, tKts Dir die Gemeinde Anerkennung Deiner hervorragenden Verdienste gewidmet hat, Du treuer, gliter Freund und lieber Bruder, Deine reine Seele aber schwinge sich auf und werde teilhaftig des ewigen Lichtes, dessen Du Dich durch Deinen tadellosen Lebens- Wandel als frommer geradstirniger Manu würdig machtest. Dein Andenken fei gesegnet fiir und für!" Mit' der Ansprache des Herrn Dr. Hilf, die einen überwältigenden Eindruck ans alle Aittvesenden ausübtc, war die Trauerfeierlichkeit geschlossen. NIEDERLÄNDISCHE LebensVersicherungs - Gesellschaft, Wien I., Asßernßlatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste ,farife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser nettester Tarif itait 5^/0 jährlich fallender garantierter Prämie Genaralagehtur für Wien 1״ Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag rerdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter Lübel Taubes General-Agentur fiir Krakau, Moritz Griffel Krakau, Ringpiatz 9. General-Agentur für Bleiitz, Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitlinger. Hauptagentur fDr Brünn, - Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. Vermischtes. Rechtschaffenheit im Hanpel. Rab Safra hatte einen kostbaren Edelstein zu ve!> kaufen. Es waren ihm von einigen Kaufleuten fünf Münzen dafür geboten wordenz aber er blieb fest auf dein Verlangen von zehn; und das Geschäft unterblieb. :trab Safra jedoch beschloß später, als er nochmals nachdachtc, den Edelstein um den Preis'zu geben, der ihm geboten worden war. Den Tag darauf kommen die Kauflcute nochmals, in dem Augenblicke, wo Nab Safra gerade mit dem Gebet beschäftigt war. ״Herr!" sagten sie, ״wollen wir das Geschäft machen? Wollt Ihr uns den Edelstein um den angebotcnen Preis überlassen?" Nab Safra bleibt stumm. ״Gut! Gut! Erzürnt Euch nicht! Wir werden noch zwei Münzen hinzutun!" ״Nun denn! Es sei, wie Ihr wollt! Ihr bekommt die zehn Münzen!" Nab Safra bleibt wiederum stumm. Da Rab Safra jetzt fein Gebet beendigt hatte, sagte er: ״Herren! Ich betete und wollte mich nicht unterbrechen. Was den Preis des Edelsteins anbetrifft, so war ich schon entschlossen, ihn um das Angebot von gestern zu geben. Ihr werdet mir also fünf Münzen geben. Ich kann nicht mehr nehmen." Etwas über die Frau Moses Mendelssohns. Moses Mendelssohn war sehr schüchtern, denn er war gar traurig verwachsen. Endlich entschloß er sich doch von Berlin zur Reise und besuchte unterwegs seineu großen Freund Lesiing in Braunschweig, wie in seinen Briefen zu lesen ist. Mendelssohn kommt in Hamburg an und besucht Gugenhcim in seinem Kontor. Dieser sagt: ״Gehen Sie hinaus zu meiner Tochter. Sic wird sich sehr freuen. Sie zu sehen. Ich habe viel von Ihnen erzählt." Mendelssohn besucht die Tochter. Am anderen Tage kommt er zu Gugenhcim ins Kontor. Die beiden Männer wissen das Wort nicht zu finden, und Mendelssohn spricht endlich von dem anmittigen und denkkräftigen Wesen der Tochter. ״Ja, verehrter Nabbi, sagte Gugenheim, soll ich Ihnen ehrlich sagen . . ." ״Natürlich." ״Sie sind ein Philosoph, ein wohldcnkender, weiser Man». Sie tocrdcn cs dem Kinde nicht übel nehmen. Sic sagt, sic sei erschrocken, tvie sie Sie gesehen hat, wcil Sie . . ." ״Weil ich einen so gräßlichen Buckel habe." Gugenheim nickte. »Ich habe mir» gedacht", sagte Mendelssohn, ״ich will aber doch noch bei Ihrer Tochter Abschied nehmen." Er ging hinauf in die Wohnung Und setzte sich zu der Tochter, die am Fenster aus erhöhtem Sitz eine Näharbeit in der Hand hatte. Tie sprachen gut und traulich miteinander; aber das Mädchen sah nicht auf und blickte Mendelssohn nicht au. Endlich stellt das Mädchen die Frage: ״Glauben Sie auch, daß die Ehen im Himmel geschloffen werden?" ״Gewiß! Und mir ist noch etwas Besonderes ge׳, schehen. Sic tviflen, daß nach einer talmudischcn Tage bei der Geburt eines Kindes im Himmel ausgerufen wird: der und der bekommt die und die! Wie ich nun geboren worden, wurde mir auch meine Frau ausgerufen, — aber dabei hieß cs: sic wird, leider Gottes, einen Buckcl haben, einen schrecklichen. — ״Lieber Gott!" habe ich da gesagt: ״ein Mädchen, das verwachsen ist. wird gar leicht bitter und hart, ein Mädchen soll schön und anmutig sein. Lieber Gott, gib mir den Buckel und laß das Mädchen schön und wohlgefällig sein." Kaum hatte Moses Mendelssohn dies gesagt, als ihm das Mädchen um den Hals fiel — und sie ward seine Frau. Beide wurden glücklich miteinander und hatten brave und schöne Kinder, von denen Nachkoin- Men noch leben bis aus den heutigen Tag. N. Usrarucirerel * « Plisstcranstalf * י _FANTA, Postaasse 2. JBitcraltir. Felix Hullaender. Frau Ellin Röte. ,Fischers Bivliothck zeitgenössischer :lionianc. •>. Reihe. Dritter Band.) Verlag 2- Fischer, Berlin. Pappband l Mark, in Leinen 1.25 Mark. — Hochmodern im Stofs, ist ״Frau Ellin :)löte" von Felix Hollaender kein Kinderbuch; aber cs weht daraus doch nicht der widrige, süßlichsäuerliche Geruch sinnlicher Perversität, sondern der warme Lebcnsodcm einer jungen anständigen Frau. Mit Aufzeichnungen der siebzehnjährigen Ellin beginnt das Buch. Tann sehen wir, wie in das Herz des jungen unschuldigen Dings die Leidenschaft, die Liebe dringt, wie sie und ihre brave ״Mains" in ihrem armen Näherinnenhcim die Besuche des Freiers empfangen, wie Herr Röte Ellins Gatte tvird — und tvie nun die Leiden ihrer Ehe beginnen. Röte versteht cs nicht den Schatz zu heben, der in Ellins tiefer Natur versenkt ist, aber nicht nur das: er ist ein ziemlich haltloser Mensch, wenn auch kein schlechter; frühere Abenteuer spinnen während seiner Ehe weiter, er hat nicht die Kraft, eine alte Liebschaft zu läsen, im Ehebrüche betrügt er sein Weib aus einer sinnlichen Schwäche, deren er sich immer tvieder schämt. Sein Bruder, der mit verhaltener Glut um Ellin wirbt, danil ein junger Arzt, der sie gleichfalls zu lieben beginnt, und in dem sie ״den Rechten' empfindet, als ihre Liebe zum Gatten ertötet ist. tretet« ׳ in den Kreis der Geschilderten. Rote stirbt an der Schwlndsuckt. Mir ibrem Kinde bleibt Frau Ellin zurück — wird sie des Doktors Weib werden? Ein Frage- Zeichen. ״Rübe braucht sie und Frieden. Windslitle nach ihrem Ebesturtu. Nur vergessen muß sie. Vielleicht geht eS ihr tvie Mains: Hornbrille — Gesangbuch — und - Klein Dorotbe. Vielleicht auch . . . Aber wer tvill das wissen! Sie wird e-s doch noch einmal mit dem lieben Gort versuchen." — Hollaenders Roman ist ein keine» Buch. Handlung, Spannung, derberes stoffliches Intere!se — das alles tritt zurück hinter einer seinen kituit lerischen Seelen-.Kleinmalerei. Und eine schöne Mensch liehe Teilnahme verbindet den Verfasser gleichsam persönlich mit den Menschen, die er schildert; sie belebt das Ganze, umso erfreulicher, als sie nicht viel von tick.׳ selber redet. L. Griinhut. Honore de Valsac: Das Mädchen mit den Gold äugen, liebertragen von August Briicher. Verlag Wil Helm Borugräber. Berlin und Leipzig. Preis broscki. 2 Mark, gebunden;’> Mark. — Eine neue klebecsetzung einer Erzählung von Baliae tsi immer zu begrüße». Die Schilderungen Honore de BaltacS, den man ats einen der größten Meister des NaturaliSmns bezeicki nett darf, sind lebensircu und besitzen großen pütcktolo gischen Wert. Wenige Schriftsteller haben es verstanden, so treu die Sitten einer Feit und eines Landes;u schildern, so tief in die Herzen der Menschen einzndrin gen und daS Beobachtete zu einem lebendigen, übercasehend wahren Bilde zu vereinigen. ׳Aber serne Schildernngen sind jede» idealen Elementes bar. Balsac sübrt die menschlichen Handlungen aus die Geldstickn nur! den gemeinen Egoisinus zurück, besonders seine Sckiildecungen des weiblichen Herzens sind oft von echt Fola schein NaturaliSmns. Meisterhaft ist die Schilderung des Pariser Lebens. Man hört fast die Piilsador de,: Großstadt hänimern. nihil sich mitten im Voll und dockt ist man erhaben und beobachtet mit dem gcscharft.tr Auge des Kritikers. Was die llebertevung betrifft. m׳t>; cs dem Leser überlassen werden, diese ,ft! beurteile» Anerkennenswert ist die Bemühnng des Ileb-vfevers, den Stil Balsacs in deutscher Sprache »ächz»ab:.׳׳-» - L. Grünhut. Bericht über eine Reise in Turicn »nd Palästina von E. Brandenburg, hcranSgegeben von der sellschart für Palästinaforsclning bei 2. (SaUnuv 11. i.h>. Berlin. — Es in das fünfte der von der fKeiellicktait beransgegebenen Pgläiiinabückicr — der Retlevericltt de:- Archäologen Brandenburg. Er wendet fickt daN» ans Grund eingehender Sindicn, die er an den Grotte» nck Wadi Hailiain, bei der Duelle Aurel Hadje. bei Sckiord ja, im Hinomtak sowie am Grabe ini Wadi Nav und an den KönigSgräbern gemacht hat. gegen die Haupt sächlich von Dakman vertretene Hnpotbese, daß es tickt da um ursprüngliche Gräber bandelt, bebattpiet viel mehr, daß dies ursprünglich >t n l r g r o t t e n und 1t kb: Gräber gewesen seien, und da er ihre Aehnlicktkeii mit solchen in Anatolien »achweist, zeig! er gleichzeitig, da>, sich um die Feit ihrer Eitttiebnng >r׳!!de des 2. und Anfang des l. Jahrtausends v. Eltr.- der -beu!!>>ck>. Kulturkreis auch aus Sttricn und Pa!ä,1i״n eriireAt׳.'. Ernst Lcbrnhart. Varuch de Spinoze: Ethik, tlebersetzt ttnd mit eincr Einleitung und einem :Register oerseltcn von 7110׳ Bae n sch. Siebente ifccr neuen lleberscPung zweite, verbesserte׳ Auslage. Leipzig, Verlag von Felix Meinet, Broch. M. gebd. M. -1.—. Als!12. Baud dc: ,PH! losophischen Bibliothek" deS Verlags Meiner ertcktetnkhier die Baentschc llebersetzung der Elbit Spinozas in neuer ׳Auflage. Das Hanptiverk Spinozas zu übertragen, ist keine leichte Aufgabe. Die Worte haben bei ck׳ut fast den Eharakrer mathematischer;:eichen »nd e - ist daher für die llebersetzung seiner Scktrislen und l׳e sonders für die Ethik mit ihrem streng logischen An׳ batl nach mathematischer Methode -- ein unbed!ngte-:< Erfordernis, dasselbe lateinische Wort, ivenn es irgend geht, stets tvieder durch das gleiche deutsche Wort tviedcrzugeben. Zwischen dem original tutd der liebetsehung muß ein genauer Parallelisuins bettelten. Diete gleichmäßige Fenhallung der Terininvlvgie hat Baentickt bei seiner lleberlragnngöarbeit besonders im Auge gehabt und dies verleiht seiner llebersetzung einen beton dern Wert und Vorzug vor andern llobertragnng.n, deren es übrigens nur ivenige gibt. Einen betondern Vorteil bietet beim Sludinm dieser Ausgabe das angebängte anssicktrtickte Namen- und Sachregister, in dem übrige»-- die Termini attch in der ursprünglichen late!- nischen Prägung dttrckt den Autor der ״Ethik" tviedergegebcn sind. Die Eiitleitung des tteberi'etzers nt nicht nur dadurch wertvoll, daß sie einiges aus de» Selbübekeitiitniffen Spinozas bringt so erhält die ganz un persönlich gehaltene Ethik eine persönliche Färbung sondern auch durch einige Auseinaitdersetzuugett von

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