Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 30 (19.8.1914)
- Date
- 1914-08-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lette 4. Brünn. Der Vorstand des ״Isr. Freitisch- Vereines" hat in der am 9. August abgchaftenen Sitzung beschlossen, von einem noch näher zu bcstimmenden Zeitpunkte an 100 Personen, welche durch die allgenreine Mobilisierung hilfsbedürftig mid betroffen worden sind, zu bcfpeifen und zwar ohne Unterschied der Konfession, des Alters und Geschlechtes. Gesuche mit genauer Angabe der Adresse sind bei Herrn Alfred P o l l a k, Franziskanergasse Nr. 1,1. St. abzugeben. Budapest, 5. August. In außerordentlicher Weise tritt die Opferfreudc der ungarischen Inden, mit der diese ihren Obulus auf den Altar des Vaterlandes niederegen, zutage. Zehntausende Juden in allen Alterslagen folgten begcistert dem Rufe des Vaterlandes. Der Gedanke, daß es die Sache der Freiheit, der Selbsterhaltlung des Staates und vielleicht des von Rußland unmenschlich behandelten Judentums, dem ein Hoffnungsschimmer blinkt, gilt, liest jede Sorge mn Weib und Kind, Gut und Leben vergessen. Die ganze Jugend ist auf dem Schlachtfelde. Was sonst sich regt, hat seine ganze Kraft in den Dienst der Liebe gestellt. Jede südische Gemeinde hat ihre Schule und verfügbaren Räume zu Spitälern umgestaltet. Jeder überflüssige Groschen ist für die ohne Versorger gebliebenen Familien der Krieger ohne Unterschied der Konfession gegeben. Das Pester jüdische Spital, Altersasyl. Witwenheim, Blinbcninstitnti haben alle Lokalitäten Verwundeten zur Verfügung gestellt. Der Wettbewcrb um Wohltun und Edelwirken ist in seiner Art einzig dastehend und verdient ein Blatt in der Geschichte der Kulturmenschheit. Budapester Hilfsaktion. Der Vorstand der Budapester Religionsgemcinde stelli!e dem k. ung. Londcsverteidigungs- Ministerium im isvael. Spital hundert Betten für verwuirdete Offiziere zur Verfügung, während in dem gleichfalls in Verwaltung der Kultusgemcinde stehenden ״Adele Brodyschen Kindcrspital" 36 Verwundete Aufnahme finden. Für das ״Rote Kreuz" bewilligte der Vorstand 4000 K. Ebenso wurden bezüglich der Unterstützung der notleidende Familien eingerückter Reservisten entsprechende Beschlüsse gefaßt. Karlsbad. Die Karlsbader isr. Kultusgemcinde Ijat den Beschluß gefaßt, 30 Beften in, Isr. Hospiz den Verwundeten des Krieges zur Verfügung zu stellen. 300 Amerikaner, welche in Karlsbad zur Kur weilen, versammelten sich zu einer Besprechung, um die Lage der ungefähr 500 in Karlsbad weilenden amerikanischen Familien — meist ohne Pässe — zu beraten, wie denselben die Ncisemöglichkeit nach der Heimat geschaffen werden könnte. Durch die Teilnahme Englands am Kriege ist der Schiffsverkehr nach Newyork, wi>e überhaupt noch amerikanischen Häfen, stark gefährdet. Ein engeres Konnte wurde bestellt!, um die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Lemberg. In einer in den letzten Tagen abgehaltenen Plenarsitzung des Kultusrates wurde uach einer Huldigung für den Monarchen über Antrag des Vizepäsidenten Dr. Divmand eine Spende von 2000 Kronen zu gimsten des ״Noten Kreuzes" beschloffen. Deutschland. Berlin. Sämtliche 25 Mitglieder der 3״iudcrabteilung der Verbindungen jüdischer Studeuten" haben sich, soweit nicht einberufen, freiwillig gestellt und sind eingestellt worden. — Tie Führer des Jüd. Wanderbundes ״Blau-Wcist" sind bis auf einen eingczogcn. •— Non dem ״Vcrein der Jüdischen Student«," in Königsberg sind 15 Aktive in den Krieg gezogen. — Die ״Zionistische Vereinigung f. Deutschland", der ״Reichsverein der deutfch«, Juden", das ״Kartell Jüd. Verbindungen" und die ״Jüd. Turuerschaft" baben einen Aufruf erlassen. In diesem Ausruf heißt cs: ״Wir rufen Euch auf, im Sinne des alt.cn silbischen Pflichtgebotles mit ganzem Herzen, ganzer Seele rmd ganzem Vermögen Euch dem Dienste des Vaterlandes hinzugeben״. Offenbach. Komerzienrat Maier spendete 30.000 Mark für das ״Rote Kreuz". Breslau. Bankier Hcimamr spendete dein ״Noten Kreruzc" 60.000 Mark. Fürth. Gcheimrat! Nathan spendete 100.000 Mark für Kricgslazarette. Frankfurt a. M. Die isr. Gemeinde hat der Militärverwaltung 50 Betten zur Verfügung gestellt. München. Die jüdische Gemeinde hat dem 3״kotcn Kreuz" eine Spende von 3000 Kronen gctvidmet. , ״Irdische _ , Kr. 3V Moritz Krasny. Itundfcbau. Die Kenesijoh gedanloh der Agudas Jisroel. Infolge der Kriegsereignisse kann die Haupt-Versammlung der Agudas Jisroel zur festgesetzten Zeit nicht stattfinden. Mitteilung des Hauptbureaus des Jüdisch« Nationalsondes. Infolge der kriegerischen Ereignissc haben wir uns veranlaßt gesehen, die ruffische Abteilung und einen Teil des Hauptbureaus nach dem Haag zu Verleger,, wo sie unter Aufsicht des Herrn Jakobus H. K a n n weiter arbeiten werden. Geldsendung«, und Korrespondenzen aus 3iustland sind daher nicht ״,ehr wie bisher an die Adresse des Unterzeichneten, sondern an Herrn Jakobus H. K a n 1, in Firma Lissa u. Kanu, Haag (Holland) zu richten. — Die allgemein«, Arbeite» des Hauptbuveaus erfolgen nach wie vor unter Leitung des Unterzeichneten in Köln. Gelder, die bei unseren Landesfan,mclstellen in allen Ländern eingehcn, sind wie bisher an den Jcwish Colonial Trust, London E.C. zu schicken. — Wir bitten unsere Vertrauens»,«-״ ״er in der ganzen Welt dringend, ihre Samineltätigkcit für unseren Fonds überall, wo dies möglich ist, energisch fortzusetzen. In denjenigen Ländern, die in den Krieg nicht verwickelt sind, wecken unsere Vertrauensmänner, wie wir zuversichtlich erwarten, mit verdoppelter Kraft die Arbeit«, fortsetzen uitd die Emgmrge vermehren. Sie tverden sich vor Augen halten, das; von ihrer Tätigkeit nicht nur die Aufrechterl-altung des bereits Bestellenden und die Existenz von Hunderten ״usercr Brüder in Palästina abhangt, soickern die Fortsetzung unserer ganzen Arbeit." Hauptburau des Jüdischen Nationalsondes: Justitzrat Dr. B o d e n h e i,״ c r. Jüdische Statistik in NuhlänS. A'ach dem Ergebnis der Volkszählung vom Jahre 1897 betrug die Bevölkerung Rußlands 5:189:000 Seelen, während Rutzlaüd eine Gefanitbcvölkeruiig von 126:308:000 I)attc. Das jüdische Eletnent betrug soinit 4:13-/0. — Nach de», russischen Gesetze sollen die Jude,, samt 4:130/״ ausgehobenen 3iekruM stellen. In Wirklichkeit aber hob tnün 5:73"/״ jüdischer 3iekruten aus. BetNerkt inus; werden, das; sehr ernste Schützultgen die Zahl der Juden viel hoher, annahmen und bis zu 8 Millionen tmb darüber gingen. Bei der Volkszählung kommen die Juden in Finland und ai,döreit Vosalengebicten nicht weiter in Betracht. Das Aiisiedlinigsgebiet erstreckt sich aus 25 von 89 Gouvernements, de», Raum ״och auf weniger als 4״/״ des russischen 3ieiches, so daß die jüdische Bevölkerung i», Ansiedlungsrayoii 10—200/״ der GesanitLevölkcrung misnmcht. — Nach der offiziellen Vvlkszähl״״g von 1897 beträgt die jüdische Bevölkerung in Polen und Nordwcslrußland nahezu 3 Millionen Seelen gegenüber der zumeist christlichen Vevölkcrung von nahezu 17 Millionen. Am ,״eisten Juden wohnen verhältnismäßig im Gouvernement Warschau dann in Siedlcc, Protovkow nick Lornza, bedeutend iveniger im Gouvernement Kalisch und Kiclce (9—11"/״). — Auch auf dem deutsch-französische״ Kriegsschauplatz bilden die Juden eine״ ״aiiihaftei, Teil der Bevölkerung. Bethaus ״Machsikc hadas", Brünn, Adlergasse 12. — Es wird dem P. T. Publikum zur Kenntnis gebracht, daß Vormerkungen auf Bethaussitzc, für Männer und Frauen, von jetzt (bis 1. September) entgegengenommen werden. Der Gottesdienst findet nach altjüdischem Ritus, in wohlgeordneter Weise, statt. Aoerel'pLßndenzen. Trcbsisch. An, 9. August l. I., wucke von der ,fr. Kultusgemeinde in Trebitfch in der hierartigen Synagoge, anläßlich der broljcubcii Kriegsgefahren ein Bittgottesdienst veranstaltet, welcher in Abwesenheit Sr. Ehrw. des Herrn 3tal,bincrs, von, Oberkantor Herrn Moritz Fuchs unter gefl. Mitivirkung des hics. ״Deutschen Mäiiiicrgesangveoeines" u. feines Damenchores in einer febr feierlichen Weife abgehalten wurde. Anwesend Naren: der Vertreter der k. k. Bezirkshaupsinaiiiischaft, die hier weileichci, k..u. k. Militärpersonen, Vertreter der Ortsgeineinde, sowie der gesammte Kultnsausschuß und sehr viele andere Andächtige, die unser Gotteslmns kau», fassen konnte. Mähr.-Östran, den ich August. Eine mächtige und tiefergreifende Trauerkundgebung, wie sie in ihrer erschütternden 3knhe und vornehmen Schlichtheit nur selten zu finden ist, war die Leichenfeierlichkeit bei der Bestattung des in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeschätztcn und wegen seines Edelsinnes geehrtien Direktors Mvritz Krasny. Diese allgemeine Wertschätzung, die Herrn Direktor Krasny bei Lebzeiten cntgegengebracht worden tvar, drückte sich in dem imposanten Tranerkondukte ans, der die Bahre des Verstürben«, zur letzten 3luhestätte geleitete. Vor dem Trauerhanfe in der Bahnhofstraße staute sich die Menge und man konnte in, Antlitz zahlreicher Trauergäste den aufrichtigsten Schmerz lesen über den Verlust eines Mannes, dessen hulnanes Wirken in aller Stille von Tausenden erkannt tvürden war. Unter den vielen Trauergästen konnte ״,an neben den ungezählten persönlichen Freunden u. Bekannten auch Herrn Bezirkshauptmann Dr. Edler von Gschmeidlcr, den Bürgermeister der Stadt Mähr.-OstraU Herrn Dr., Fiedler, HörrN Vize-Bürger1»eistör Babrgt Glüßner sowie zahlreiche 3!epäse״ta״t«, der Behörden und Ae,״(er bcinerken. Korporativ vertreten lvar der Ausschuß der israel. Kultusgemeinde unter Führung des Präsidenten Dr. Hilf, der Vorstand des Wohlfahrtsvcreincs Bikur Cholii», der Vorstand des Vereines jüdische Volksschule sowie alle übrigen jüdischen Vereine und Korporationen. Auf den, Friedhöfe angekoNliiien, wurden zunächst die Tranerzevciiloniei, abgehalten und die Gebete gesprochen. Es ergriff sodann Sr. Ehriv. Rabbiner Dr! Spira das Wort zi, einer ftefergrcifend^N Trälierrede. Dr! SPirü führte üuS! ״Schlichtheit und Gradheit behüten ,»ich; denn ich harre dein". Schlichtheit mid Gradheit waren DmM- und Mittelpunkt seines Wirkens,,ftziNr Hiiigebung für die Geinesiide.unö für die Familie. Es hat selten jemand für feine Gemeinde solchen Opfern,nt bekundet wie der Verblichene. Er war in allen Zweigen der Gemeindeverivaitung tätig, auf dem Gebiete des Schulwesens״ des Gottesdienstes und der Armenpflcge. Wer hatte ״och ein so warmes Herz für die jüdische Schule? Wer besuchte noch so fleißig den Gottesdienst an Sabbaten und Feiertagen? Er lvirfte segensreich als Obmann der Arlnenscktion, als Obmann des Bikur Choliin-Vercines. Schlicht und gerade war sein Wesen; da war keine Pose, nichts Gekünstelt tes, nichts Gemaltes. Er sprach so wie er dachte, und alle, die ihn kannten würdigten seinen Mannesmut und sein offenes rückhaltloses Wesen. ״Schlicht und gerade" war er in seine,״ Familienleben. Er hafte das Glück dlii gleichgesinnte Gattin zu haben und selten hat ein Ehepaar so segensreich zum Heile der Wohltätigkeitsanstalten gewirkt. Sei,re Kinder verehrte» ihn wie einen Patriarchcn,sei״e Enkelkinder waren die Freude und Wonne seines Lebensabends. Als er bür einig«, Monaten seinen 70. Geburtstag feierte, da nahm die ganze Oieineiiide an diesem Feste Ai,teil in Dankbarkeit mid Verehrung. Und, wie er gelebt, so starb er auch, ruhig und gefast!. Als er sein Ende herannah«, fühlklagte und jaiiimerte er nicht, er blieb gefaßt im Vertrau«, auf Gott, in dem und mit dem er gelebt, er rief seine Gattin und seine Kinder und ״ahm Abschied von Ihnen. Die Gemeinde wird sein ilicht vergessen. Wie es im dieswöchentlichen Prophetenabschnitte heißt: ״Kanu je eine Mutter ihres Kindes vergessen?" Eingegmben hat er sich mit uliauslöschlichei, Zügen in die Geschichte unserer Gemeinde." Tie .Herren Obcrkantor Löwy nnd Kantor Kläger, saiigen am offenen Grabe mit tiefer Einpfindung die Trmierlieder. 3lls die Gesänge vcrstuinmt lvaren, trat der Präsident der israelitisch«, Kultusgeincinde Hr. Dr. Alois Hilf an das offene Grab, rm, in ergreifeiidci, Worten iiamens der Kultusgemeinde und im eigenen?kamen Abschied zu iiehinen von de», verdienstvollen und allseits verehrten Toten. —