Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1914)
- Date
- 1914-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. »Jüdische 8olkSsti««e". Gelte 5. Krünner Äadmcftten. Zur Organisation der deutschfortschrittlichen Juden. Wir erhalten folgende Zuschrift: Brünn, 18. Juli. Hochgeehrter .Herr Redakteur! Die erste Versammlung des Vereines deutsch-freisinniger Juden veranlaßt mich, an Sie mit der Bitte heranzutreten, daß Sie mir einige Brmerknngen zu dieser Angelegenheit! gestatten, wenngleich ich nicht Ihr Parteigenosse bin. Ich bin nämlich der Nationalität nach deutsch, das liberale Parteiprogramm deckt sich mit meiner politischen Ueberzeugung und in konfessioneller Hinsicht bekenne ich mich zum Judentum. Die Gründung-er neuen Organisation halte ich nach jeder Richtung für verfehlt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Ausschreitungen der deutschradikalen Partei aufreizend wirken, daß es besonders empörend ist. ivenn die deutsche jüdische Jugend einerseits zum Turnfeste gezwungen, andererseits durch eine Flugschrift der Partei beschimpft wird — aber die Gründung des erwähnten Vereines ist nicht die richtige Antwort daraus. Zum Schutze der beleidigten Juden existieren andere Instanzen. Vor allem die Kultusgemeinde, die kein vernünftiger Mensch als ausschließlichen Verwaltungsapparat bezeichnen kann. Die Kultusgemeinde ist der einzige gesetzliche Vertvetungskörper aller Jtiden ohne Unterschied der Nationalität, politischen Richtung usw.. dort muß jeder Jude den möglichsten Schutz finden. Ferner besitzen wir das von der Regierung anerkannte Landesrabbinat, welches sich nötigenfalls Gehör und Geltung verschaffen wird. Unser greiser Landesrabbiner erfreut sich bekanntlich in maßgebenden Kreisen großen Anse- Heus und wird jederzeit gerne bereit sein, seinen Einfluß zum Schutze des beleidigten Rechtes geltend zu machen. Schließlich besitzen wir — speziell für Jugend- und Schulangelegenheiten einen Vertreter im Landes- und Ortsschulrat. Es war also überflüssig nach einem neuen Organe zur Abwehr von Angriffen auf die Juden zu suchen. Innerhalb der deutsch-liberalen Partei hatten die wirklich liberalen Mitglieder ihren Einfluß geltend machen müssen, ohne sich ein Ghetto selbst zu errichten. In dein Augenblicke, wo sie sich dazu entschlossen, billigten sie ipso facto die von uns Liberalen stets bekämpfenden Bestrebungen der Jüdischnationalen, die als I u - den eine Partei bilden wollen. Die neu geschaffene Organisation wird nur die liberale Parteiorganisation schädigen und iliuvillkürlich zersetzen. Andererseits wird die radikale Partei innerhalb der Deutschen dadurch an Kraft gewinnen und speziell der liberale Gedenke wird dadurch zurückgedrängt. Diese Folgeerscheinung ivar von vornherein zu erwarten. Aber vielleicht betrachten die Herreu die Neugründung nur als gradus ad Parnossuin, um persönlich politisckx Karriere zu inachen. Mit bestem Dank für die freundl. Aufnahuie dieser Zeilen zeichne ich ergebenst I. K. Peoh-Brockensammlung Verein ״Machsike Hadas" Max Zrisel diverse Bücher, Wäsche. Witwe Rabbitter Steif 100 Flaschen. Eisen. Federn. 3 Hüte. I. Deutsch 4r> Postcrlagscheine, Frau N. N. 2 Blusen» 2;»öckc. 20 Flaschen. N—r 3 Säcke Papier. ״Jiid. Bottsstimme" 1 Sack Papier, Rath. Steif 0 Bücher, 8 Posterlagscheine. Egm. Blinder 0 Flaschen, 100 Erlagscheine. Tr. I. Epstein 50 Erlagscheine. 3 Bücher. 3 Krügen, 7 Flaschen. Körner 150 Postcrlagscheine. D ׳ Soffer Sohn zirka 350 Postcrlagscheine. R. Böller 3 Sacke Papier. I. K. 2 paar Schuhe. 1 Winterrock. Dr. Pollak 2 paar Schnhc, 1 Anzug, 1 Neberzichcr. Uordruckrni « « « Pli$$ieran$tall « « « FANT*, Postaasse r. Trauergottesdienst für Dr. Theodor Herzl. Wien. Am Vorabend des 20. Tamus, Mon-!ag, den 13. Juli, hat in der Synagoge der Seienstettengasse anläßlich des zehnten Todestages Theodor Herzls eine vom zionistischen Distriktsverbände für Nieder-Oesterreich veranstaltete Trauergedenkfeier stattgefunden, die als eine olenne Kundgebung der Verehrung und Pietät ür den verstorbenen Meister verzeichnet werden nuß. Die Schwüle des Sommerabends nicht chenend, strönite das Publikum scharenweise in das hellbeleuchtete Gotteshaus, das in allen seineu Räumen bald gefüllt war. Die Jugend beiderlei Geschlechtes überwog; man bemerkte mehvere farbentragende Studentenverbindungen, von Vorständen der Kultusgemeinde die Herren: Dr. Markus Spitzer und Emanuel Grün- Wald, von Religionslehrern die Herren: Prof. K a n i tz und A n t! s ch e r l. die Obmänner der zionistischeu Verbände und Abgesandte der verschiedenen zionistischen Frauen- und Mädchengruppen. Mit der bereitwilligen Uebcrlassung des Gemeindetempels, der aus diesem Anlasse schwarz dekoriert war und eine trauerumflorte Lampe aufwies, in der das Seelenlicht für den teueren Verklärten brannte und seiner P. T. Funktionäre, hat die Wiener Kultusgemeinde dem Andenken Herzls ihren Tribut mitgezollt und beispielgebend für andere Gemeinden den verständnisvollen Takt bekundet. Tiefe Rübe trat ein, als Prof. S t o r ch die Feier mit einem Präludium am Harmonium cröffuete, woran sich der große׳ überaus erhebende Requiempfalm SulzerS reihte, den Oberkantor Don Fuchs mit Chorbegleitung zu einer alle Herzen bewegenden Wirkung brachte. Tie Gedenkrede auf Herzl hielt Rabbiner Dr. Tag licht in geistvoller und formvollendeter Weise. Er gedachte Herzls als eines des Größten in Israel, als eines Minnes, der für das jüdische Volk lebte und starb. Zehn Jahre sind seit seinem Tode dahingegangen, aber die Saat, die Theodor Herzl ausgestreut, sprießt herrlich auf. Wir sehen allüberall frisches kraftvolles Leben in der Betätigung Herzlscher Ideen und Pläne nitb sein Ruf nicht fremder Völker Kultur nachzugehen sondern die eigene Jahrtausende alte zu hegen und pflegen, weckt begeistertes Echo auf der ganzen Erdenrunde, so daß heute, zehn Jahre nach des Meisters Tode hebräische Gedenkreden zum' Preise und zur Ehre des Unsterblichen gehalten werden. Angesichts solcher Tatsachen offenbart sich wie Verheißung das Proplsetcnwort der Woche: ״Die klebrigen aus Jakobs Stamm werden unter der Völker Menge sein wie Tan vom Herrn, wie Tröpflein aufs Gras usw." ... In den Werken Theodor Herzls hat sich derselbe verewigt und seinen Namen werden segnend preisen Küuftige einer besseren, hoffnungsvolleren Zukunft enkgegengehenden Generationen des indischen Volkes. Der Redner widmete zuletz dem teuren Dahingeschiedenen das weihevolle Kadischgebet, worauf die ergreifenden Mollakkorde der Tchewisst erklangen und das Olenu die eindrucksvolle, überaus erhebende Trauerfeier beschloß. A. L. Delikatessen-Großhandlung :::::: I. Strachon L Co. :::::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn Aoreesponäenzen. Austerlitz. Pro mov ierung. Am 21. Fuli ivird Siegmund Preist, Sohn des Moritz Preist, Bieh- Händlers in Austerlitz, an der k. k. Universität in Wien zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Ung.-Hradisch. Ehargenwahlcn der jnd. akqd. Ferialverbindung ״Achiwah": FUE. Emil Büchler. Präscs; INE. Oskar Zweigenthal. Bizepräses; Exp. Ernst Zreschl. Schriftführer. .Deutsch-Brod. Auf Grund eines vor einigen Wochen, von Sr. Ehriv. Herrn Rabbiner Tr. Leo Verlisch, Rabb. in Ledctsch, hier abgehaltcnen Probevortrages, wurde derselbe vorige Woche, bei einer Borstandsitzung, zum hiesigen Rabbiner geloählt. Ter Eintritt erfolgt am 15. August'd- I- Ledctsch. Am vergangenen Sonntag fand int hiesigen Gemeindetcmpel. der schwarz drapiert und hell j beleudjtet war, für das verstorbene erzherzogliche Paar eine Tcauerandacht statt, a» der der ganze Borstand, alle Gemeindemitglicder, die Spitzen der Behörden teilnahmen. Tie Trauerrede hielt Herr Rabbiner Tr. Leo Bertisch. — Diesen Samstag, nachmittags ui» 3 Uhr, fand im hiesigen Tempel die Ichluhfeier und die Prüfung des Schuljahres 1013/1-1 statt, an der die Kinder mit ikrcn Elter» teilgenoinmen habe». Tie Prüfung im hebr. Lesen, jüd. Geschichten, hebr.-böhm. und bühm. hebr. Vokabel», ivie auch im Ehnmisch zeigte de» beste» Erfolg. Mit der Kaiserhymiie »»d mit dem Miusagebetc schlost die schöne Fugendfeier. Palästinensische Wanderbilder. Bon Richard Kaufmann, Frankfurt a. M. Wir bringen nachstehend einen Bericht über die heurige Palästinafahrt der zionistischen Studenten TeutschlandS, den ivir dem Münchner zioilistischen Blatte .,Das jüdische Echo" entnehmen. Als Beweis, wie ernst in Deutschland auch die Stndciitenschaft zionistisch arbeitet, gilt, das; sich diese Wanderfahrt zu ei- »er ständige» Fiistitulivu ausgebildet hat. Ten Wert einer solchen Fustivanderung durch die Kolonie» loird tvohl niemand bestreiten. Wan» Ivird tvohl die öfterreichische Studentenschaft statt ..in de» Kaffeehäusern" theoretisch .,praktischen ZioniSnniS" zu betreiben, solche Wanderfahrten veranstalten! Hie und da hat auch ein zioiiistiichcr Student ans Oesterreich bei der Palästinafahrt mitgeta», daß er aber die Ausnahme blieb, ist eben die Sünde. ..F11 Gruppe» angetreten!" ״Fm Gleichschritt vortvärtsmarsch!" Und schon setzt die Musik ein. Tie Mnsikkapcllc, das sind in diesem Falle lvir selbst, wir singen eines der Lieder aus unserem großen hebräischen Liedcrprogramm. Mit ״Schalonl"-Rnfcn begleiten uns die Erwachsenen einige Schritte, die Fugend marschiert noch mit bis zu de» letzten Hänsern der Kolonie, und bald haben lvir diese im Rücken. Run wird ״Marschordliniig kommandiert, der fejtgeschlossene Zug löil sich, einer übernimmt die Führung der Spitze, einer belvarbt den Schlntz. lind so wandern tvir weiter durchs paläilinische Land. Erst!!och durch Orangen- und Mandel- Pflanzungen, die sich mit üppigem Laub zn beiden Seiten ausdehnen, dann soweit das Auge reicht, grüne Felder. Auch der arabische Boden, der verwahrloste, dietet dem Laienauge ein freundliches Bild, zlvischen de» Halmen sprossen, lven» auch nicht zur Frctide des Fachmannes, tausende von bunten Blnine» hervor. Wo aber ״unser" Boden ist. da steht die Saat doppelt so hoch. Ter Weg ist gut nach de» Begriffen von Tour!- sten, die auch auf ihren Wanderungen in Teutschland nicht an der wohlgepflcgten Landstraste zn kleben gelvohnt sind, und die Sonne drückt n»S nicht wärmer als an einem schönen deutschen Sommertag. Wir sind ja hier noch im Frühling. Käme uns nicht gelegentlich die exotische Silhonctie einer Palme i» Sicht oder eines der inerkivürdigen, ans rohen erdfarbenen Würfeln zusainmengcklebten arabischen Dörfer, inan könnte glauben auf einer Wanderung in Teutschland zn sein. lliigefähr dreißig Mann sind lvir ans »nserer Wanderfahrt, die alljährlich von der jüdischen Turn>׳r schast nnd de» beiden nationalen Stndeiuenkorporatio nen, B. F. E. und K. Z. B.. veranstaltet wird. I 7> Wochen sind uns für de» Aufenthalt im Lande zug.'messen, ttnd io wandcr» lvir von Kolonie zu Kolonie, iiberatl herzlich empfange» von den Koloniiien. die uns mit Stolz in ihre ivohlgepflcgtc Hänslichkeit eins,ihren, nnd von der arbeitenden Fugend begriistt mit einem Enthusiasmus, dem wir kaum folgen können. F» der geräliinigc» Arbcitcrküche. wie sie schon an vielen r r ten besteht, setzen »ns jüdische Arbeiterinnen mit kur zc» Lvckcn und grobe» Leinenkitteln dicke Milch, »äse. Eier und Gemüsesnvpe vor. nnd dazu bieten uns die Männer feurige Ansprache» und kochwissenschastliche Tiskussionen, alles hebräisch, mit viele!», vielem T׳׳e. Zuletzt wird Stroh herbeigcschafft und lvir begeben nn-s zur Ruhe Werden lvir aber bei wohlhabende» Ksloniii >, verteilt, dann siebt ans dem gedeckten Tisch ein oder auch ein Huhn, die feurige» Ansprachen ersetzt de! Palästinalvein, die Tiskussionen und weniger tvissenschastlich, und die Töchter des Hauses sind ivohlfriüett und sehr wohlgekleidet. Aber unser zionistischer Ver stand sagt unscreiii jugendlichen Auge, das; dies eine unerfreuliche Erscheinung ist, nnd ivie Kossen, das; es gelingen möge, aus der Haustochter de» Ttzpus der ju dischen Bäuerin zu züchten, der bisher noch kavm er> stiert, der Bäuerin iu oute» Verhältnisse», die sich ine den Schmuck dcS Gärtchens mehr interessiert als f 11 l־ den der eigene» Person, nnd für den Stall mehr als ׳ür das Klavier. ES ivird uns gelingen, lvir es uns auch gelungcn ist, die hebräische Sprache in die Kolonien zn tragen, die sich bisher mit Stolz Pflanziiätten sranzö sischcr Kultur, ״Klein Paris", nannten.