Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1914)
- Date
- 1914-07-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. Attische »,l?rsti««e" Geile S. Poststempel: Paris, 24. August 78. Leopoldstadt Wien, 26. 8. 78. ״Herr Doktor und geehrter Glaubensgenossel In der Erwartung, daß Herr Baron von Hirsch mir die angenehme Nachricht für Sie mitteilen könne, habe ich die Ehre, Ihnen den Brief beizuschließen, den er mir geschrieben und welchen er im Namen des Verwaltungsrates für die Betriebsdirektion in Constantinopel gezeichnet hat. Sie werden sehen, daß ich die Mission, die Sie mir erteilt haben, nicht vevnachlätzigt habe. Ich schließe diesem Briefe nach Durchsicht die Papiere an, die Sie mir geschickt haben. Was Ihr Diplom betrifft, wo soll man cs Ihnen hinscnden? Genehmigen Sie, mein Herr, den Ausdruck meiner besten Empfindungen. Paris, 22. August 1878. Gez. Ad. Cremieur m. p." Das .ständert trägt eine Niederschrift von der Hand des Empfängers: ״Origiilalbrief Sr. Ercellenz des Senators Adolf Cremieur, eigenhändig geschrieben, ein schönes Andenken!" Das nächste Schreiben trägt den Vermerk: ״Eigenhändiger Brief des Baron Hirsch an S>e. Erz. Cremieur, den mir Cremicux einsandte." Gegenstand des Briefwechsels bildete eine Betverbung des Dr. Beck um die Stelle eines Arztes der orientalischen Eisenbahnen. ״Schloß Beauregard bei Versailles, den 17. August 1878. .Herr Senator! In Beantvortung der Note, die Sie die Ehre hatten,'bezüglich des H. Dr. Beck an inich zu richten,!nutz ich Ihnen zu meinem Bedauern mitteilen, daß es mir unglückseligerweise unmöglich ist, der Bitte zu willfahren, welcher Sie mir gegenüber Ausdruck geben. Tatsächlich hat Herr Veneziani bezüglich des Postens, den H. Dr. Beck besetzen wollte, einem anderen Arzte, H. Dr. Roth, Versprechungen gemacht, der gleichfalls unser Glaubensgenosse' ist und der im Laufe der Begebenheiten des letzten Krieges, hauptsächlich gegenüber unseren Glaubensgenos scn in der Türkei. Beweise der vollkommensten und uneigennützigsten Aufopferung gegeben hat. Sie werden leicht begreifen, Herr Senator, daß es mir kaum möglich ist, darüber hinwcgzukommen, was von H. Veneziani zugesagt wurde. Ich habe die Ehre, Ihnen beigeschlossen die diversen Stücke betreffend H. Doktor Beck zu überiuittcln, welche Sie mir in Verbindung damit freundlich übersandten. Wollen Sie, Herr Senator mit dein wiederholten Ausdruck meines Bedauerns den meiner geneigtesten Empfindungen genehmigen. Gez. M. Hirsch m. p. t. s. v. p. (wollen Sie gef, umbläiterns. P. S. Ich erfahre soeben, daß der Posten des Bahnarztes in Saloniki vielleicht frei ist und werde inich sofort informieren, ob es im vorliegenden Falle nicht möglich wäre, diesb-eziiglich zugunsten des H. Doktor Beck zu verfügen. Sobald ich in dieser Sache eine Antwort habe, werde ich mich beeilen. Ihnen hievon Nachricht zu geben. (Die Worte von und bis geben sind unterstrichen. Anm. d. Verf.) Ich sende Ihnen beigeschlossen die Abschrift des Briefes, der von der Gesellschaft an die Tirektion in Constantinopel gerichtet ist. Gez. M. Hirsch m. p." (Der in diesem Briefe erwähnte Tr. Roth wurde mit der Leitung der Argentinischen Kolonicn betraut und soll samt seiner Familie bereits getauft sein. Anm. d. Verf.) Theodor Herzl schreibt auf dem Papier und Kouvert mit dem Aufdruck der ,?Neuen Freien Presse": ״S. W. Herrn Tr. Bernhard Beck, Karmeliter- Hof. Wien, II., Kleine Sperlgasse 1. 21. II. 09. Sehr geehrter Herr Doktor, beiliegende Anweisung auf 2 Sitze zur morgigen Vorstellung von ״Unser Käthchen" (ein Lustspiel Herzls. Anm. d. Verf.) bitte ich mir sofort zurückzusenden, wenn Sie sie nicht gebrauchen wollen. In alter Freundschaft ergebenst Th. .Herzl." Londoner Brief. Dr. S. M. Melamed, der bekannte Publizist, veröffentlicht in der ״Jewish Times" eine Anzahl von Artikeln unter.dem Titel: ״Ter' Chiefrabbi auf der Anklagebank." Die Art und Weise, wie sich Dr. Melamed über die bisherige Tätigkeit von Dr. Hertz ausspricht, ist äußerst scharf und durchaus nicht frei von persönlichen Motiven. Doch immerhin äußerst charakteristisch für die Stellung der Zionisten in London zu Tr. Hertz, deren Sprachrohr Dr. Melamed ist. — In London macht sich immer deutlicher eine allmähliche Entwicklung zur religiös-sozialen Tripel-alliance geltend. Dr. Hertz, Dr. I u n g, Dr. Ga st er, ein Trifolium von energischen Männern, die sicherlich Gelegenheit finden werden, in großzügiger Weise ihre Kräfte zu vereinigen. Zpr Zeit arbeiten die drei Gemeinde- Gruppen ״United", ״Federation" und ״Spanish and Portugisish Synagoge" gesondert, da jede von ihnen besondere Aufgaben zu lösen hat. Immerhin dürfte aber eine Verständigung der drei Gemeinden nicht lange auf sich warten lassen. — Seit kurzem arbeitet die A g u d a t h I i sr o e l in London. Ein riesiges Meeting ist für Montag, den 27. Juli anberaumt. Dr. H i l - d e s h e i m e r aus Berlin kommt hierl>er, ebenso andere proininente Führer der Agudah. Als Redner sind außer Dr. Hildesheimer genannt: Oberrabinner Dr. Jung, Fabrikant Greenbaunl, Tr. Gugenheimer, Rabbiner Bromberg, Tayan Hillman. Die Versammlung wird in der Afsembly-.Hall stattfinden, die ungefähr 8000 Personen faßt. — Die Jargon-Tageszeitungen haben in jüngster Zeit eine Vcrinehrung erfahren durch eine täglich erscheinende Abendzeitung in jüdischer Sprache: Die ״Jewish Evening News" sind sehr geschickt redigiert und bringen regelmäßige Beiträge von den besten jüdischen Schriftstellern. — Eine der größten englischen Banken Lloyds Bank hat in Whitecheapel eine Filiale errichtet, die a m S a b b a t h geschlossen ist. einen jüdisch-sprechenden Direktor Hot und in jüdischer Sprache Reklame macht. Die früher mit Recht angegebene Armut von Whitecheapel ist heute zum größten Teile geschwunden. Tr. Melamed erwähnte gelegcntlich eines kürzlich gehaltenen Vortrages auf Grund statistischer Daten, daß die Bevölkerung Whitecheapels, die überwiegend jüdisch ist, mehr als 60.000 L. jährlich für Theater, Kinos usw. ausgebe. Ein hübsches Sümmchen! — Am 16. Juli, abends, fand im Great Eastern Hotel eine vom vrov. Komitee der Agudath Iisroel einberufene Versammlung statt.!Nach einen: Referate von Dr. I u n g entspann ׳ich eine sehr interessante Debatte, deren Resultat darin bestand, daß einst!mm in beschlossen wurde, mit allen Kräften für die Aaudah zu arbeiten. Das Komitee besteht ans bekannten Londoner Persönlichkeiten, die im jüdischen Leben eine hervorragende Rolle spielen. Es geht ein Gerächt, daß Lord S w a v t h l i 11 g der Agudah sehr sympatisch gegenübersteht. Vereines, Herr UniverfitätSprofessor Dreyfuß, daß nach seiner Ansicht der Zionismus die Agudoh nicht bKämpfen dürfe. Ter Jugendgruppe traten sofort etwa 100 Mitglieder bei. In der anschließenden Generalversammlung wurden gewählt: I. Bickhardt, als Vorsitzender, sodann Theodor Ackermann, Kand. Phil. Donath, r skar Eisenbcrg, Kand. Med. Buttenwieser und Paul Durlach aus Stratzburg, David Bloch, Oberehnheii», Andre Meyer, Mühlhausen, Camille Bloch. Lchnrrachberg und Irieda Meyer und Clotilde Wertheimer auS Ttratzbnrg. Dortmund, 12. Juli. Dank der energischen Initiative unseres Herrn Ncnfeld wurde hier am Donners, tag eine Ortsgruppe der Agudas Iisroel in gut desuchter Bersaininluiig begründet. I» einer schon mehrere Tage vorher aiiberaumte» Vorversammluiig waren die einleitenden Schritte zu dieser Gründung erfolgt. Herr Neufeld begrüßte die Anwesenden und erteilte Herrn Zahnarzt Chrmauii-Wcrdcn das Wort zu einem Vortrag über die Bedeutsamkeit der Agudo speziell für Nhcinland-Wesisalcn. Die fesselnden Aussühruiigcii des Redners hatten den erfreulichen Erfolg, daß sich sofort 17 Mitglieder zur Agudo anmeldete», eine Zahl, die vis zur Vornahme der Dclegiertcn-Wahlcn »och ohne Zweifel einen Zuwachs erhalte» ivird. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherung* - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 Im eigenen Palais, Verslcheites Kapital citka 422 Millionen. Reserve Jrka IIS Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall *•sucht — Unser neuester Tarif mit Wo jährlich ladender garantierter Prämie Genaralagentur für Wien I. Aspernplatz I. Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion (ür Prag Perdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Geiste). Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha 3 Leiter LvbeiTaubes General-Agentur für Krakau, Moritz Giilltl Krakau, Rlngplatz 9. General-Agemu׳ lür Uletitz, Schlossgraben 9, Leiter Adult heitlifger. Hauptagentur für Brünn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 31. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum BRONN, Liechtenstein^. 1 Liechtensteing. 1 Aus der Agudas-Jisroel- Bewegung. Stratzburg t. Elf., 8. Juli. Im gutbesetztcn Saal des Zivil-Kasinos veranstaltete am 11. Tamus die El säsisch-Lothringische Jugendgruppe der Agudas-Jisroel eine Propagandavcrsammluiig, die Herr Jakob Bick Hardt mit Begrüßuitgsworten eröffnet«:. — Herr Rabbiner Buttenwieser sprach namens der Straßburger Ortsgruppe, Herr Dr. Haußmann als Vorsteher der Rcligionsgcsellschaft und des ijum-Emuno-Bereincs, Herr Dr. Berthold Cohn für den deutschen Gruppen vcrvand der Agudo. Herr Theodor Ackermann teilt mit, daß der Krias Hatauro-Bcrcin korporativ der Aguoo beitrete: Herr Kand. Med. Samuel Butterwieser begrüßt die Jugendgruppc namens der Straßburger V. j. A. Tie Propagandarede hielt Herr Kand. Phil. Leo Teutschländer und erntete reichen Beifall. In der Tiskussion antwortete auf einen zionistischen Ausfall gegen die Agudo der Vorsitzende des Straßburger Zionisten- Gummistrümpte kür Krampfaderföfie in allen Qualitäten und zu Itonkuiranzlosan Pislsan nur im SUMMISESCHÄFT JOS. FtAtA sen♦, Brünn, Krüna 3—5. — MsBkartan postwendend Prager Brief. Eine der würdigsten Körperschaften nicht bloß der jüdischen Gemeinde, sondern der Stadl Prag überhaupt jubilierte in den vergangenen Tagen: die Chewra Kadijchah Gemilns Ghajodim, die ijr. Beerdignugsvlnderschafi, die ihr :100. Jubeljahr beging, li'iiie stattliche Zeit, die auch das beste Zeugnis des konjolierten Staudes dieser wohltätig-frommen Institnlion ablegt. Vor zwei Jahren haben wir gelegentlich der Eröffnung des neuen Chewrahanzes in diesein Blatte eine kurz gefaßte Geschichte des Vereines gegeben. Tie Abfasfung einer ausführlichen (beschichte wurde gelegentlich des Jubiläums der bewährten Feder des Prager Religionsprofeisors Dr. H. S. L i e b e n übertragen, lind wir frenen uns aufrichtig auf eine solche, da sie uns auch manches interessante Detail zu der leider noch so wenig bearbeiteten Geschichte der Prager Kal tusgemeinde bringen wird. Der Verein beging seine Jubelfeier im Rahmen des alljährlich im Thamns staktsindenden Brndermahles in einfach-würdiger Form, weniger laut, dafür aber um so inniger durch Akte der Wohltätigkeit. Moge es den dermaligen Leitern des Vereitle-:׳, dem Obmann Herrit David Lieben mit den Vor stehern Herren Heinrich F r e n n d, I. Strauß, Ed. L a s ch, und den übrigen Ansschiißmitgliedern noch viele Jahre vergönnt sein, die mustergültige Chewra Kadischah Prags in dem von unseren frommen Altvordern überiloiiimeneii Geiste weiter zu leiten! Ein nicht minder freudiger Tag für die Prager Gemeinde war der 60. (Geburtstag, den ihr Vizepräsident .Herr Kais. Rat Robert F u ch s, Edler von Robetin, in der lebten Woche beging. Wenn er sich auch in seiner vornehmen Bescheidenheit durch Abwesenheit von Prag den Mühen allzu,zahlreicher mündlicher Beglücklvünschlingen lind Ehrungen entzogen sein 60. Ge bnrtstag fand ihn in seinem Tuskulum in Kamnitz - so ließen es sich trotzdem viele Körperschäften und .Hunderte Privater nicht nehmen, dem Jubilar telegraphisch oder brieflich ihre Ergebenheit und Frciiiidichasi zum Ausdruck n, bringen. .Herr von Fuchs, der in den industriel-