Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 27 (16.7.1914)
- Date
- 1914-07-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621924--2906-2624043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
- Beirut 1× ep/1047833
- İzmir 1× ep/1047963
OCR text
Eine Golutz-Tragöbie. ׳Eine erschütternde Tragödie entrollte am 26. Juni eine Verhandlung der Odessaer Strafkammer» Des Dramas traurige Heldin ist Gölde Okowitsch, ein jünges, intelligentes jüdisches Mädchen in Odessa» Golde Okowitsch wurde in Odessa geboren und hat auch hier eine gute Erziehung genossen. Ihre Ellern staMMlen jedoch aus Rumänien, so Satz GÜlüe Okotvitsch formell rumänische Unkertanin ist, oder werügst enS sein sollte. Äs solche genießt sie jedoch in Rußsaiiß kein Wohnrecht und wurde vor einiger Zeit auf Grund eines Erlasses des Ministers des Innern von Odessa ssüsgcwiesen und an die rumänische Grenze gebracht. In Rumänien wurde siit gleichfalls als Fremde bcträchiel sind kurzerhand aüZgewtesess. Gölde Okowitsch konnte nicht anders, als nach Odessa zurückzugehen, wo sie geboren und. erzogen wurde und wo sie Verwandte und AreÜnde hat. Da kam sie aber schlecht ün. Sie wurde wegen verbotener Rückwhic unter Anklage gestellt und in UntersuchungS- Haft gezogen. Unter bitteren Tränen erzählte das schützlose, verlassene Mädchen, dessen Estern heteitZ gestorben sind, in der Gerichtsverhandlung ihre Leiden und ihre Qual Und Wie sie zwischen Rumänien und Rußland hin Und her gestoßen werde und überhaupt nicht wisse, wo sie Ruhe finden könnte. Auch der Verteidiger wies auf die Unmöglichkeit einer solchen Sitüätiän hin, daß man doch einen Menschen, der in Rußland geboren wurde, hier studiert hat und nur russisch spricht, nicht so ohne weiteres gewissermaßen zwischen HimMel und Erde in dvr Luft hängen lassest führte» Die russischen Richter bliebest all ßcm gegenüber russische Richter. Sie veturteilten das arme Mädchen zu drei Monaten Gefängnis und der zwangsweisen Verschickung jenseits der russischeu Grenze. Dänemark und die russischen Juden. Kopenhagen» Aus.Jist.tiättvtz be§ Öberrab- Liners Dr: Schöril stein undmit Unterstützung der angesehensten dänischen Juden hat sich hier ein Verband russischer Juden in Dänemark gebildet. Dieser Verbünd ist eigentlich eine Organisation zum Schutze der russischen Juden, gegen welche die dänischen Behörden., iss letzter Zeit nach, bekanntelii Muster eine Nusweisungsprajrte aüsüben. Im den letzten IH7LH gno aus dtz'V?",',Hujeji Reiche nicht nur zahlreiche Juden, sondern auch ״echte Russen" und -,Polen" in ürotzer Zahl,eisigewüNdert, welch letzreri! durch ihr uudotmätzigeD Verhalten,den Gerichtsbehörden viel zu schassen, geben. Die Regierung hat nun sehr scharfe Matznahtneu gegen alle Russen, so auH gegen die russischen Juden,, verfügt. Der erwähnte. Verband, .hat. bett Zweckdie nichtjüdischp,Bevölkerung Dänemarks über das Leben der russischen Juden authentisch zu unterrichten. Er hat denn auch schon in dieser kurzen.Zeit seiner Existenz den Erfolg aufzuwcisen, daß die rustischen Juden, die eine anständige Beschäftigung nachzuwcisen vermögen, und gegen welche auch sonst nichts vorliegt, von der Ausweisung verschont bleiben. Kongreß der Bnei-Brith-Log-n im Orient. Konstantinopel. Vom 13. bis zum 16. Juni tagte hier der Kongretz der orientalischen Bnci- Brith-Logen, an dein Delegierte von Konstantinopel, Adrianopel, Smyrna, Nhodns, Beirut, Jaffa. Kairo, Saloniki. Belgrad, Sofia, Philippopel, Rustschuk, Sliono und Jamboli teilnahmen. An den Beratungen beteiligte sich auch Mr. Morgenthau, der amerikanische Gesandte, der den Delegierten in seinem -Sommerpalais in Therapia ein Gartenfest gab._ Dr.Rud. Katbolicky ordiniert täglich von 2—4 Uhr Brünn, Ferdinandsgasse, beim ״Roten Krebs“ Größere Operationen im Sanatorium auch für Minderbemittelte. Telephon-Nr. 603. Personenlih. Arünner JJachrichten. Aus der Kultusgrmeinde. Die Sommermonate sind gewöhnlich der Anlaß unseren ruhebedürstigen Vorstandsmitgliedern nach den ״wirklich arbeitsreichen" Tagen des Winters die ersehnte Ruhe zu bringen. Die Herren des Vorstandes eilen ln die Kurorte, um Erholung zu finden. Es ist selbstverständlich, daß eben in den Sommermonaten weder eine Sitzung stattfindet, noch irgend etwas geschieht. Im heurigen Jahre fanden ( vor Monaten die Wahlen für den verstärkten Vorstand in unserer Kultusgemeinde statt. Es wurde kein Mittel für zuschlecht befunden, um der ehrlichen Opposition Tür und Tor zu verrammeln, damit, Gott behüte. Redakteur Hickl nicht in die KultuSgemeindestube gelange. Die Herren des Vorstandes und die sogenannten Vertrauensmänner hatten einen strategischen Kniff gefunden. Es wurde in geheiistert Konventiteln mit sich Zionisten nennenden Personen gepackelt. Man wollte den Herren Zionisten schmeicheln und bewilligte ihnen gnädig ö Mandate für best VCrstärkren Vorstand. Im letztest Momente scheiterte durch das Auftreten der ehxlichen Zionisten diese Aktion. Es Wurden nur -,gesinnungstreUe Her«» dir Offiziellen". in best bsrstärkteu Vorstand geissahlt. Die Herren gaben vor, zn fürchten, daß durch die Wahl des Herausgebers unseres BlattcS eine ruhige gedeihliche Arbeit unmöglich wäre. Nun, sind aber die Herrendank der ״Ehrlichkeit" ststd;.?01־ ständigkeit" gewissei: Elemente, mit denen wir noch abzurechnen uns Vorbehalten, unter sich geblieben. Monate sind vergangen. Die Mitglieder des verstärkten VorstandeS sind bis nun überhaupt nicht einer einzigen Sitzung beigezögcst worbest. Warum i, Herr .Dr. Brnnner. der sich sh für die ״ruhige Durchführung der Wahlen" eingesetzt hat, schweigt. Wir erlauben uns, an Herrn Dr. Brunner die Anfrage zu richten, auS welchem Grunde er feinest Einfluß nicht geltend macht, daß dbr engere Vorstand seine Pflicht erfüllt. Eine Aufklärung ist wohl am Platze. Die Hdrreit Zionisten, die au5 ״läkllschen Gründen" sich erniedrigt, dem ei geneu ״Ich" einen Faustschlag zu versetzen, haben abermals Gelegenheit ZU sehen, wie es mit der Arbeit»- frcudigkeit der sogenannten Offiziellen besteht. — Auch im engeren Vorstände ist eine Krisis eingetrcte». Wie bekannt, hat der Prqsident. Herr Leopold Bauer, sein Mandat als Präsident der Kultusgcmeinde niedergelegt und ist nach Wien übersicdelt. Durch diese Uebcrsiedlung ist selbstverständlich die Stelle eines Vorstands- Mitgliedes frei. Die Herren Hofrat Spitzer und Siegmund Schwarz haben infolge Differenzen mit Rabbiner Dr. Levh ihre Mandate niedergelegt. Nachdem nun durch den Tod des. Dri Fialla ebenfalls ein Mandat frei geworden, erscheint die Ausschreibung der Neu- Wahlen für den Vorstand aus Grund unserer Statuten dringend erforderlich. Wir haben gleichzeitig an den Vorstand der Brünner Kultusgemeindc eine diesbezügliche Eingabe gerichtet ulid denselben aUsgefordert, die Vorarbeiten für die Ausschreibung der Neulvahlen zu treffen. Hoffentlich wird dieser Rumpf einer Körperschaft nicht weiter seine Macht mißbrauchen, denn sein weiteres Wirken ist illegal. Die Herren Zionisten haben Zeit, darüber nachzudcnken, ob sie sich wiederum dazu hergeben werden, mit diesen Herren, mit Hintansetzung des eigenen Programmes zu paktieren und sich von derartigen Personen in's Schlepptau nehmen zu lassen. Ein Ehrcnkomitee. Anläßlich des in Brün» stattgefundenen Schauturnens des Kreises Wcstösterreichs, haben die jüdisch-nationalen Organisationen ein Ehrenküistitee konstituiert, dessen Mitglieder auf den Einladüngen für das Schauturnen und die Veranstaltungen, namentlich angeführt erschienen. Wie bereits in unserem Blatte gemeldet, fand vor 14 Tagen im Gewerbevcreinssaalc des Deutschen Hauses eine Versammlung der Herren liberalen Israeliten statt, um eine Lrganisation, der auf deutschfortschrittliche» Programme siehcnden Juden zu schaffen. Aus den Einladungen dieses Komitees und den Berichten über diese Versammlung ist zu ersehen, daß der Vorsitzende dieser deutschfortschrittlichen Versammlung, das Mitglied der Brünner Kultusgcmeinde Herr Kais. Rat Pcrlkeftcr »1. a. Herren auf dct Liste des Ehrcnkomitees des j ü d i s ch e 11 Schauturnen gleichfalls figurierten. Diese Art uno Weise der Betätigung der jüdischen Organisationen scheint aus die ״Taktik", die sich hier eingenistet hat, zurückgesührt werden zu müssen. Ist es mit der nationalcn Idee vcreinbarlich, daß Personen, die im fremdnationalen Lager aktiv sich betätigen, als Aushängeschild für jüdisch-nationale Veranstaltungen vcrtvendet werden? Hat diese Taktik es schon zu Wege gebracht, daß man seine Gesinnung um einige Silberlinge verkauft? Diese Taktik beherrscht das ganze jüdische Gcmeindeleben. Und dagegen sollen sich ehrliche Nationaljuden nicht aufbäumcn! Herzl-Trauerfeier. Montag, den 13. b., fand im großen Tempel ein Traucrgottesdienst, veranstaltet von den jüdisch-nationalen Organisationen Brünns, statt. Tic Gedenkrede hielt Herr Pros. Tr. Mar Grünscld. Tie tantoralen Funktionen versah Herr Kantor Goldman». Sterbcfall. Am Montag, den 13. d., ist Frau Jofefinc Soffer, geb. Waffertrilling, Gattin des Herrn Julius Soffer, Likörfabrikanten in Brünn, nach langem schweren Leiden im 42. Lebensjahre gestorben. Die Verstorbene war eine gute Jüdin und wohltätige Frau. Sie erfreute sich allseits großer Beliebtheit. Ehre ihrem Andeuken! Peoh-Brockensarnmlrmg Verein ״Machsike Hadas" Adlergasse Nr. 12. Eingelaufene Spenden: R. Völker!> Säcke Abfall. D. Trucker 250 Poslerlügscheine. Josef Freund - 200 Poster lagscheine. L. Ney 1 Kiste. Markus Haas :i Hüte, Stöcfc, 1 Schirm, 1 Wage. Wäsche, 15 Flaschen. Ullmer Absallpapier. Josef. Bock l Sack Abfall; Papier^ Dr. Ri 2 paar Hosen, 1 Winlcrrock. 2 paar Lchuhe. Tr. Winter 1 paar Schutze, t Hose. 1 lieber.',ieyer, 1 Hut. 50 Posterlagscheine. Max Ticho 50 Posterlagscheine. 2. Kotz» l paar Schube, 1 U oberste!,er. 50 Posterlagscheine, 2taniol. altes Eilen. A. Pollak l lieber׳,ieber» Frauenkleider, 2 paar Schul,e, 20 Erlagschei ne. Schlachthof 1 Sack Korke. ״Jüd. Bolksstimine" l Sack Absallpapier. Roßbach 240 Schachteln. Abfallpapier. Üordruckmi « י v Plissieranstalt •יי _fanta, Poitaasse 2. Josef Hanu§, Brunn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damenmodt waren, E ander, Spitzen, Seiden stoffen, Posamenten und Zugehör für Damenschreider rinnen. Korre^pornienzen. Wien. In der Juli-Nummer der von Tr'. Breuer, Frnnksurt a. M., herausgegebenen Monatsschrlst findet sich in einem R. B. gezeichneten Anssave unter anderem folgendes: ״Glaubt »um denn wirklich, das; liinerhalb des Zionismus eine orthodore MiScachi- Gruppe sich jemals bätte bilden foulten, wenn allen orthodvren Kreisen, die taglkth ihre Tevhilin legen nnd ivöchenllich ihren SchaboS hatten, der zwölfte 3,Im! bcnSarkikcl ein festivurzelndes Besivumi ibrer Seele iväre." Nun denn der 12. Glatibensartikel lautet: zv ש*ד«םהםה ■c א:• מאמין באדעה שלמד בב־א־*. דזמש־ח ראי: עד נד אדבה ל: בכל •:ב שיבא Ter Antor dc-s Artikels ist nun der Meinung, daß ein religiöser Jude seiner Frömmigkeit damit genug Ans. druck verliehe» hat, wenn er glaubt, daß Moschiach, mag er noch solange zögern, kommen wird. solch' ein Jude ist, um die Schlußfolgerung sottzusevcn. glatt beiistren und hat somit nicht eininal das passive Wahlrecht in der AgndnS Jisroel. Wollte er dieie-S Walil recht erlangen, müßte er gesetzestreurr z>1de iverdcn, also in diesem Falle die von ישיב ע״ץ Dieses ist aber in den Augen des Autors verpönt, denn er mißbilligt ja die Misrachi-Grnppe. Herr R. G. geht in seiner Begeisterling für die Agudo so >veil, das; er andere jüdische Organisationen für nninögtich. weil uiireligiös erklärt. Und nicht nur dies, er beichnidigl alle Juden, die dein MiSrachi angehüren, daß sie כש־יב an משיח wären, daß sie als Misrachisten unmöglich an das Koiiiineii des Erlösers glanben können. Diese Beschuldiglliig muß ich soivohl sür meine Person als auch ivohl im Namen aller Misrachineu auss Entschiedenste znrinktveise». Herr :ti. B. veschnl digt die Misrachisten des NichtglanbenS an Mosel,iaeb nnd ich möchte sagen, daß da-S tvoran Herr :>t. B. in punkto Moschiach glaubt, nicht mebr ein Glaube, vielmehr ein Aberglaube zu »eiiiic» ist.Gerade die Misrachiste» sasscii unsere Hossuung aus Moschiach am ruh tigstcn ailf, iiidem sie aus eigener Kraft sür Palestiua arbeiten, und in jedem ihrer Welke die Fügung des Ewigen erkeiineii. Tie Mt-s!ik. die von fremden Bolkern ins Jndentiim hiiningetrage» tvurde, auch bei Moschiach sestznhnltcn, tvidersprichl jeder erhabenen Neligionsatifsasstiiig. Ter Schreiber des?lrtikelS scheint über beim zwölsren Glaubensartikel den ersten bereits vergessen