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Jüdische Volksstimme · 1914-07-16 · Heft 27 (16.7.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 27 (16.7.1914)
Date
1914-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Das neue Bethaus zeichnet sich durch ein sehr schönes Interieur aus. Sämtliche Bildhauerarbeiten, welche wegen ihrer gediegenen Ausführung die beson- T»cre Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich lenken, wurden von der Firma Wulkän u. Salomonowitz in Mähr.-Oftrau, Bahnhofstraße 104, auSgcführt, und die Maler- und Anstreicherarbeiten von der Firma D. -Goldberger, Mähr.-Ostrau, Bahnhofftratze, in bester Weise besorgt. Nach Beendigung der Feier begab sich der grötzte Teil der Festgäste in den prächtig dekorierten Gasthausgarten ..Zur Nordbahn", wo die Gräsl. Larisch-Mönnich'sche Salonkap'.lle unter Leitung des KapellmcijtcrS Kohut ein überaus gelungenes Konzert veranstalicic. Für diverse Belustigungen, wie Tombola, Zylin- Verstechen, Ringwrcfen u. a. m. hatte das rührige Komitcc unter sehr reger Mitwirkung der Hruschaucr Damen in ausgiebiger Weise Vorsorge getroffen. Große Aufmerksamkeit erregte auch eine von einem Ojtrauer «Geschäftsmann vorgeführte sprechende Uhr, wie übrigens das veranstaltende Komitee in der Durchführung des Festes auch durch zahlreiche andere Widmungen und Spenden lebhaft Unterstützung fand. Aus Anlah der Einweihung des BcthauscS wurde vuch eine Huldigungsdepcsche an den Kaiser gerichtet. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BR0NN| Liecfttensteing. 1. Vom international. Pro-Falascha- Komitee. Dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee, tvclchcs im März d. I. seinen Sitz von Florenz nach Frankfurt a. M. verlegte, ist cS in der kurzen Zeit, welche seither verflossen ist, gelungen, in der gäUzen Welt Sympathien für unsere Brüder in Abessinien zu erwecken. Vor allem galt cs die Organisation weiter -uuszubaucn, damit däS Unternehmen durch regelmätzige Beiträge gesichert wird. Zu diesem Zwecke unternahm Herr Dr. Faitlowitsch im Aufträge des Komitee Propagandarcisen nach Belgien, Holland und England. An diesen Ländern bestehen jetzt Landcskomitecs, welche eine energische Tätigkeit für die Sache der Falaschas entwickeln. In London fand im Hause des Herrn David S. Sassoon eine Versammlung der angesehensie« Persönlichkeiten Londons unter dem Vorsitze des Chicfrabbi Dr. Hertz statt; autzcrdcm hielt Herr Dr. Faitlowitsch einen gut besuchten Vortrag im Norden Londons. Aber nicht nur hier fanden seine Ausführungen Beifall, sondern auch die angesehene Tagcspresse, die ״Times" und ״Standard", begrüßten seine Anwcscnscnhcit mit sympathischen Artikeln über die Falaschas. Einzelne Rabbiner benutzten auch die Predigten an den Pesachfcicrtagcn, um ihre Gemeindemitglicdcr für die Sache der Falaschas zu begeistern. In Holland steht der Oberrabbincr der Portugicfischen Gemeinde Pallacchc an der Spitze des Landeskomitces, das zusammen mit dem Amsterdamer und Notterdamer Komitee die Agitation in Holland mit gutem Erfolge schon in die Wege geleitet hat. In Italien, von wo die ganze Bcivcgung ursprünglich ausging, wird sich das Landeskomitcc weiter ausgcstaltcn. In Deutschland bestanden Ortsgruppen in Frankfurt a. M., Breslau, Kattowitz, Bcuthcn, Köln, Stuttgart, Berlin und anderen Plätzen. Hier ist das Interesse nach wie vor rege, jedoch kann eine praktische Arbeit, erst zum Herbst cinsctzcn. Immerhin gelang cS Herrn Dr. Faitlowitsch auf Reisen, die er zum Teil gemeinschastlich mit dem Generalsekretär unternahm, neue OrtSkomitccS in Hamburg, Altona, Posen, München, Esckwcge usw. zu gründen, während die Konstituierung solcher Komitees in Hannover, Thorn, Cassel, Mainz, Darmstadt und Chemnitz nahe bcvorstcht. Ucbcrall stelltcn sich die Rabbiner ohne Unterschied ihrer religiosen Richtung zusammen mit den angesehensten Gemeindcmitglicdcrn voller Begeisterung in den Dienst der Sache. Aber auch aus entfernten Ländern gehen dem Komitee ständig Zustimmungscrklärungcn zu, soday das Komitee zu seiner Genugtuung eine Sache vertritt, welche die gesamte Judenhcit in gemeinschaftlicher Arbeit eint. So hat z. B. trotz der gedrückten materiellen Lage in den Balka!ländern der Chacham Basch! von Saloniki, Rabbi Jakob Meier, die Agitation in der dortigen Gegend übernommen; auch der Bukarcster Rabbiner Dr. Beck und der aschkcnasischc Oberrabbincr von Konstantinopcl, Dr. Markus, werden jetzt mit der Propaganda beginnen. An Nordwie in Südafrika sindet die Tätigkeit des Komitees Interesse, in den skandinavischcn Ländern, wie in Rußland. Allerdings erfordert Las Endziel auch große sinanzielle Mittel. Die Gründung eines Seminars tzulc Ausbildung junger FolaschaS als Lehrer ihrer Brüder, sowie das gesamte Schulwerk kann erst ln Angriff genommen werden, wenn eine gesicherte materielle Grundlage vorhanden ist. Dieser Gründung wird Luch voraussichtlich eine neue Expedition nach Abessinien vorauSgchen müssen. Einstweilen ist Herr Dr. Faitlowitsch im Austrage des Komitees Mit der Uebersehüng des Psalters in das Amharischc, die Sprache der FalaschaS beschäftigt, der dann im Druck in vielen Exemplaren im Lande verbreitet werden soll. Die FalaschaS verlangen nämlich nach nichts mehr, als nach religiöser Unterweisung, und da sie die Bibel bisher nur in der von Missionsanstalten verfertigten Uebcrsctzung erhielten, so wird eine von Juden berfatzte Ucbersetzung wesentlich dazu dienen, sie iM Judentume zu erhalten. Von den drei Fakaschajünglingen, welche Herr Dr. Faitlowitsch auf einer seiner Reisen mit nach Turopa brachte, befindet sich der eine in Jerusalem, der andere iw rabbinischcn Seminar in Florenz, während der dritte Herrn Dr. Faitlowitsch auf seiner letzten Reise tvicdcr nach Abessinien begleitete, wo ihm eine kleine Schule eingerichtet wurde. Es ist daher zu hoffen, datz dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee zu Händen seines Kassierers Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M., Uhlandstratze 39, (Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 8438) reichliche Gaben sowohl als Jahresbeiträge wie als Spenden zum BaufondS und Organisationsfonds zuflictzen. Das Generalsckretariat in Frankfurt a. M., Palmstratze 11, ist zu weiteren Auskünften gerne dereit. NIEDERLÄNDISCHE LebensVärsicherungs - Gesellschaft, Wien Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital clrka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit SV» jährlich fallender garantierter Prämie Genaralagentur für Wien I., Aspernplatz I, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag r erdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocba 3 Leiter Löbe! Taubes Oeneral-Agentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Rlogplatz S. 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Leibsott. Rabbincrwahl. Dr. CH. Lauer, ein Schüler des Bonyhader Gaon N. Eliescr Deutsch, ist von der Vcr- Wallung der Jca zum Rabbiner ihrer Kolonien in Argentinien gewählt worden. Der neue Rektor der Czernowthcr Universität, Professor Caesar Pomcranz, wurde am 8. April 1869 zu Husiatyn in Ostgalizien als Sohn des dortigen Arztes Philipp Pomcranz geboren, widmete sich nach Absolvierung des Untcrgymnasiums der Pharmazie, erlangte 1881 an der Wiener Universität den Magistergrad der Pharmazie, trug 1883 die Maturitätsprüfung nach und promovierte 1889 an der Ezcrnowitzcr Universität zum Doktor der Pharmazie (Chemie). 1889 wurde er Assistent am 2. chemischen Univcrsitätslaboratorium in Wien, 1893 habilitierte er sich an der Wiener Univcrsität für Chemie, wurde 1896 Adjunkt am chemtscheu Laboratorium der deutschen Universität in Prag und 1897 in derselben Eigenschaft an die Wiener Univcrsität zurückbcrufen. Im Jahre 1904 wurde er zum Extraordinarius an der Wiener Universität (extra statunt) ernannt. Im Jahre 1906 übernahm Professor Ponteranz die Lehrkanzel für Chemie üft her Ezernowitzer Universität nach Hofrock Professor Dr. Richard Pribräm. Ptof. Dr. Blau Direktor deS Bubapester Rabbinerseminars. Das ungarische ÄiUtsblaii tneldet, daß der Kaiser über Vorschlag des ungarischen Kultusministers den Professor an der Budapester Ländesrabbinerschule Dr. Ludwig Blau Kum Direktor dieser Schule ernannte. Mit dieser Ernennung wird eigentlich nur der faktische Zustand, der seit dem Ableben des Direktors Dr. Bacher besteht, sanktioniert. Dr. Blau führt seit dem To« de Dr. Bachers bereits die Agenden eines Direktors. Wegen Besetzung der durch diese Vorrückung des Profcffors Dr. Blau freigewordenen Stelle eines Professors der talmudischen Wissenschaften wurde ein KüUkUrS ausgeschrieben. Die Ausgrabungen von Jericho. Wichtige Ergebnisse Hai die Asisgräbung von Jericho gehabt^ ES ist sicher-, datz die känaanäischr befestigte (Stabt von den eiNdringenden Hebräern zerstört worden ist und, wewiP stcns als Feste, Jahrhunderte lattg in Trummern gelegen hat, WctM Mch außerhalb der Mauern künüünaischr Siedlung erkennbar bleibt -— auch das im Einklang mit beit Ängaben des Alten Testaments, wonach das Geschlecht des Weibes Rahab, das seinerzeit die hebräischeu Kundschafter beherbergt und ihnen zur Flucht verholfen hatte, in der Nähe von Jericho angcsiedelt worden sei. Ebenso ist tatsächlich die Feste zu Ahabs Zeiten neu gegründet worden, um den Angriffen der Moabiter zu trotzen. Als Bauopfer brachte Chiel, der als Verwalter der Provinz oder als Stadthauptmann von Bethel den Neubau leitete, seinen Erstgeborenen und seinen Jüngsten dar. Die Bibliothek der Inquisition. Der bekannte,,Pwstsiör für rabbinische Literatnr und ,sesttitische. Sprachen.an der Eöuünbia-Uttiversität Professor Gottheit, hcrt dieser Tage ׳.ine Reise noch Spanien . .avgrtretrö, um daselbst Studien über die Geschichte Nr Inden in diesem Lande zu machen, Professor Gottheil war bereits im JÄM 1904 in Spanien und hat sehr viel wichtiges Material für.sein Ssixziätgebwt, die Geschichte der,. JnqüisitM, . gesunden. Profesior Gottheit erMNe, datz er niemals die Jnqumtioll סן recht zu begreifen vermochte, wie damals als er zum erstenmäle einem Stierkämpfe in Spanien beiwohnte. Erst da lernte et c3 verstehen, wie die Vorfahren det heutigen Spanier einem Autodafe, bei welchem die. Opfer der JnquisitWll hei lebendigem Leide verbrannt wurden, in Extase zusüdeln konnten.. Dse.königliche Bibliothek in Madrid, allein besitzt 30.000 Bände über die Inquisition, in welchen alle Verfolgungen und die verschiedenartigsten Torturen, denen die Juden zur Zeit der Jnquisitwn ausgescht waren, bis in das kleinste Detail beschrieben sind. Sie enthält aber auch intereffante Siäinmbaumbücher, welche der Jnquisition als Nachweis dafür dienten, datz die voll ihnen verfolgten Marannen wirklich.Poll Juden abstammen. Professor, Gottheil verspricht, sich auch diesmal eine große Ausbeute ärchivarischen Materials. Zwangsweise Sabbätheiligu'ng. In der Judengassc Prcßbur^ wie auch in der logenannten Kapuzincrstratze bleiben seit undenklichen Zeiten am Sabbat und jüdischen Feiertagen sämtliche Geschäfte geschlossen. Selbst solche Geschäftsinhaber in den genannten Straßen, welche in ihrem Privatleben cs mit der Sabbatheiligung nicht allzu streng nehmen, respektieren gewissermaßen die Tradition dieses Stadt- Viertels. Am ersten Tage des verflossenen Schabuothfesics jedoch geschah etwas in diesem Stadtteil von Preßburg Unerhörtes. Ein erst vor kurzem aus Galizien cingcwandcrter Schuhhändlcr hatte am jüdischeu Feste sein Geschäft geöffnet und ließ durch seine nichtjüdischen Gehilfen Ware verkaufen. Alsbald vcrsammelte sich vor dem Geschäftslokal eine große Menschcnmenge, welche gewaltigen Lärm darüber schlug, daß der Inhaber gerade in diesem Stadtteile das Fest verletze. Die Menschenansammlung wurde allmählich so groß und ihre Entrüstung so mächtig, datz die Polizci sich veranlaßt sah, den Besitzer mit der Begründung, daß er durch die Offenhaltung seines Geschäftes ösfentlichcs Aergcrnis errege und Ruhestörungen verursachte, zu zwingen, sein Geschäft zu sperren. Erst nachdem dies geschehen war, hatte sich die Judengassc wieder heruhigt.

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