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Jüdische Volksstimme · 1914-07-16 · Heft 27 (16.7.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 27 (16.7.1914)
Date
1914-07-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27. ״Attische volttstiimae" Seile 3. beliebte Dozent der Frankfurter Jugendgruppe, Herr Gustav Kaufmann, hielt bei uns einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Er hat sich dadurch unseren innigsten Dank erworben. Czernowitz, 2. Juli. Nachdem bereits mehrere Monate seit Gründung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe in unserer Stadt verstrichen sind, fanden sich die Mitglieder letzten Sonntag im ״Jüdischen Haus" zu einer Generalversammlung zusammen. Unser Herr Oberrabbiner Dr. Nosenfeld richtete an die Erschienenen eine Ansprache, in der er seiner begeisterten Anhänglichkeit an die Agudo Ausdruck gab, und er verstand es, die Versammlung davon zu überzeugen, welch unabweisbare Notwendigkeit cs sei, daß, jeder, der Sinn und Interesse für die großen Aufgaben des gcsetzestreuen Judentums hat, sich in die Reihe der Vorkämpfer dieses grotzen Werkes stelle. Seine Rede hinterließ einen gcwaltigen Eindruck. Um die Ortsgruppe aktionsfähig zu gestalten, wurde vor allen Dingen ein definitiver Vorstand gewählt, dem die weitere Propaganda übertragen worden ist. In den Vorstand Ivurden folgende Herren per Akklamation gewählt: Oberrabbincr Dr. Josef Rosenfeld (Präsident), Gemcindcrat Elias Wender (Obmannstcllvertreter), Bankier Seide Rosenblatt (Kassier), Max Korn (Sekretär), Jakob Buchbinder, Feiwcl Trichter, Judel Roth, Abraham Beutel, Josef Maier, M. Hermann, Samuel Schwarz, CH. Krämer, S. Hartmcier, M. Schmelzer, Salomon Pariser, W. Schulsohn, Leb Sandmann, Israel Sandberg und Berisch Schäfer (Ausschußmitgliedcr). Lemberg, 1. Juli. Letzten Sonntag und Montag fand hier im Prunksaale der Kultusgcmeiude der Delegiertentag der galizischen Landesorganisation statt. Es waren zirka 100 Delegierte aus allen Landesteilen und außerdem einige hundert Gäste erschienen. In Vertrctung des Provisorischen Komitees war Herr Abra- Ham Grünbaum-Nürnberg anwesend. Unter den Dclegierten befanden sich eine Reihe der angesehensten Rabbiner des Landes, sowie Vertreter der Chassidim-Rab- bis. Es wurden sehr inhaltsreiche Referate gehalten, an die sich eine anregende Debatte knüpfte. Sowohl in bezug aus die Tätigkeit der Agudo auf geistigem Gebicte, als auch auf ihre Bestrebungen, die materielle Lage der jüdischen Masten zu heben, wurde nach reiflicher Prüfung Resolutionen gefaßt, die der bevorstehenden Kenestijoh gedauloh unterbreitet werden sollen. Mit großem Beifall wurde die Mitteilung ausgenommen, daß die Landesorganisation für Galizien nunmehr behördlich legalisiert ist, so daß nunmehr in Galizien und Bukowina der Propaganda und der Konstituierung der Ortsgruppen keinerlei gesetzliche Hindernisse im Wege stehen. Die Tagung dauerte am Sonntag bis nach Mitternacht und wurde Moiitag fortgesetzt. Tic aus der Versammlugn heraus gewählten Sondcrkommistioneu traten am Montag zu Sitzungen zusammen. Währcnd der ganzen Tagung herrschte mustergültige Ordnung׳ und alle Anwesenden waren von dem erhebenden Gefühl beseelt, daß mit dieser Versammlung von Delegierten aus allen Gemeinden und allen Gesellschaftskreisen der Gcsetzestreuen Galiziens ein seit Jahrzehnte» gehegter sehnlicher Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Die Versammlung trug von der Eröffnung bis zum Schlüsse den Charakter unverfälscht jüdischer Eintracht an sich. Aus allen Reden drang der Wunsch hervor, daß nunmehr die Zeit gekommen sein möge für ersprießliche Taten der gesamten Judenheit, zum Wöhle der Gesamtheit. Ein ausführlicher Bericht über die Verbandlangen und die gefaßten Beschlüsse folgt. Delikatessen Großhandlung :::::: I. Strachau L Co. :::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn Prager Brief. Sehr geehrter Herr Redakteur! Erst heute ist es mir möglich, Ihrer freundlichen Einladung zu folgen und Ihnen einiges von Prag zu berichten; denn es bedarf hier, wie wohl auch sonst überall, während des Sommers schon eines Anlasses, wie Hcrzls Todestags, um das Leben auf Augenblicke wieder anzufachen. Und so brachte denn die letzte Woche eine Reihe interner Herzlfeicrn — die gcmeinsch.aftliche aller Prager Vereine dürfte erst im Herbste stattfinden — und eine vom hiesigen Volksvercinc im Kaiser Franz Josef I. Jubi'äumstcmpel veranstaltete Trauerfcier. lieber diese möchte ich Ihnen näheres berichten, denn ihre Veranstaltung ward zum Anlaß, wieder einmal die Prager Mißstände im grellsten Lichte zu zeigen . . . Ursprünglich hatten sich die hiesigen zionistischen Vcriene an die Kultusgemeinde mit der Bitte gewendet, s i e möge einen Trauergottesdienst für Herzl veranstalten. Der Bescheid darauf lautete: ״Die Kultusgcmeinde habe nichts dagegen, wenn ein Verein oder eine Organisation im Tempel diese Feier veranstalte. Sie selbst aber könne das nicht tun, denn mit demselben Rechte könnte ein andermal eine andere Gruppe einen Traucrgottesdienst für Rieger oder Zmejkal'(!) verlangen!" Man würde eine derartige Motivierung kaum für möglich halten und doch ist dem so! Wahrlich, ei-1 derartiger Vorfall macht einen erst so recht dessen bewußt, welche Arbeit noch zu leisten ist. Nach diesem Bescheide nun entschloß sich der Volksvercin, selbst die Trauerfeier zu veranstalten. Nun dürfen Sie aber nicht glauben, Herr Redakteur, — und das ist das traurigste an der Sache — daß eine solche Veranstaltung in Prag auf die Sympathien aller hiesigen Zionisten rechnen kann. Denn da würden Sie übersehen, daß cs hier eine Gruppe von Zionisten giöt, die einer jüdischen Feier — und selbst wenn es eine schlichte Trauerfeier für Herzl ist — aus ״prinzipiellen" Gründen ihre Anwesenheit versagen, sobald die Feier im Tempel stattfindet, würden übersehen, daß cs hier eine Gruppe von Zionisten gibt, die im Durchdenken und Entwickeln des jüdischen Problems bereits so weit halten, daß sie cs sich nicht nehmen lassen, in ihren offiziellen Berichten zu betonen, man sei Ihnen auf Grund ״erschöpfender Kulturdcbatten" dahin gelangt, ״alle Vergangenhcitswerte zu verneuen"!! — Oh, Prag ist in der Beziehung unglaublich produktiv! Wenn man also auch diesen Verhältnissen Rechnung tragen mußte, so war doch der Mehrzahl der Prager Zionisten die Veranstaltung einer Tempelfeier ein Bedürfnis und dem kam der Bolksverein entgegen. — Ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden. Nachdem Oberkantor David Csernovsky die einleitende» Psalmen rezitiert hatte, hielt Rabbiner Dr. Aladar Deutsch die Trauerrede. Für den mit den Prager Verhältnissen nicht Vertrauten, mochte sie wohl zu wenig sagen, für jeden aber, der die schon oben angeführten hiesigen Mißstände kennt, waren des Redners Ausführungen erschöpfend und gerade an diesem Tage notwendig: Er führte unter anderem aus: ״In Herzl haben wir nicht etwa den Schöpfer einer neuen Idee zu bewundern, sein Verdienst um die Idee des Judentums besteht vielmehr darin, daß er von ihr cininal erfüllt sich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele ihr hingab, daß er es für seine heiligste Lebensaufgabe betrachtete, als ein moderner Prophet dieser Idee tätig zu sein und selbstlos, wie nur die großen Seher der alten Zeiten und mit einem kindlich reinen Gemüt rang er für die einmal von ihm erkannte Wahrheit und darum fand er rasch und leicht den Weg zum Herzen der großen Gesamtheit. Er allein besaß die wunderbare Fähigkeit, in die toten Gebeine frisches Leben zu bringen und namentlich die in alle Lager zerstreute jüdische Jugend um ein neues Ideal zu scharen, sie für die Zukunftsproblemc des Judentums von neuem zu begeistern. So gelang cs ihm, die feste» Grundlagen für den Zionismus zu schaffen. Und wenn er auch im Intercsse der Gesamtheit, im Interesse einer friedlichen Entwicklung des zionistischen Grundgedankens die Erörterung religiöser Fragen vom öffentlichen Kampfforum fcrnzuhaltcn bestrebt war, so hat er doch den historischen Wert, den Vergangenheitswert des Judentums anerkannt und als ein wichtiges politisches und religiöses Glaubensbekenntnis für den Zionismus auf gestellt. Und wahrlich, wir müssen heute noch uncntwegt dieses Vermächtnis hoch und heilig halten, wenn irgend im Lager des Zionismus für die Zukunftsidee des Judentums eine Tätigkeit entfaltet wird. Da nun ist cs auch ein Akt schuldiger Pietät, heute mit aller Entschiedenheit, mit aller Energie gegen jene Wortsührer im zionistischen Lager Protest einzulegen, welche den Bergangenheitswert des Judentums entweder ganz leugnen oder auch nur geringzuschätzen sich erlauben. Kein offener Gegner hat dem zionistischen Gedanke» so viel Schaden zugcführt, als diese falschen Adepten großer Ideale: indem sie den eigenen Bcrgangenheitswert leugnen, in Abrede stellen, sehen sie sich gczwungen, für ihre Idee einen neuen Inhalt zu finden und sehen ihn in solcher Richtung, die eine Gefahr für das Judentum bedeutet: sie bringen ein falsches, fremdes Feuer auf den Altar des Judentums und sic haben in das feste, starke Bollwerk, welches der Geist Theodor Herzls hervorgebracht, die erste Bresche gelegt . . . Und erst-wenn wir diese Krebsschäden geheilt haben, können wir jenes Ziel herbeiführen, für welches Theodor Herzl einst gelebt und für das er sein Leben geopfert hat: Zion und Jerusalem." Es wäre nur sehnlichst zu wünschen und Herzls Geist hätte wieder einmal die Einheit geschaffen, wen» des Redners Mahne», — dessen Worte weitab standen von klerikaler Einseitigkeit — endlich auch hier in Prag gewisse Kreise wieder zur Besinnung brächte. Ernst Lebenhart. Bethauseinweihung in Hrufchau. Die Feierlichkeiten und das Volksfest. lieber die am Sonntag, den 21. Juni in Hrufchau erfolgte Einweihung des neuen israelitischen Bethau- >es geht uns nachstehender Bericht zu. Begünstigt von herrlichem Wetter und unter überaus zahlreicher Beteiligung fanden die Einweihungsfcicrlichkeiten statt. Unter den Gästen benierkte man als :liegierungsvertreter Herrn k. k. Kommissär Friedrich Anders, ferner Bürgermeister Opl aus Hruschau mit dem Gemeindcausschusse, Sr. Ehrwnrden Rabbiner Dr. Spira aus Mähr.-Ostrau, den Kultus- Präsidenten Dr. Alois Hilf mit den Kultusräten und dem Kultusausschuß. Oberkantor Löw» und Kantor Klüger aus Mähr.-Ostrau. Die Oderberger Kultus,,emeinde war durch Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Friediger, ferner durch Dr. Goldklang vom Kultusrate und mehrere Ausschussmitglieder vertreten, aus Troppau waren Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. Friedman» und Kultusvorstand Dr. Sonnenschein erschienen. Die Groß induslrie von Hrufchau war vertreten durch Direktor Dr. Wolf und dessen Stellvertreter Dr. Jonas. Äeiters bemerkte man den Großindustriellen Lippmann Bloch aus Breslau. An der Spitze der Genossenschaft der gemischten Gewerbe in Hrufchau erschien Obmann Jo- Hann Nawratil. Korporativ beteiligten sich der Militär- Veteranenverein von Hruschau, die freiwillige Feuerwehr, dann die Tempelvereine von Witkowitz, Oderfuct, Zabreh, Marienberg, Schönbrunn, Michalkowitz, Orlau, Karwin, Trzyuiec und Freistandt. Der Bikur chau- * lim Verein von Mähr.-Ost rau war vertreten durch Herrn Moritz Krasny, der Volksverein Zion durch Herrn Süßmandl, der Verein jüdische Volksschule in Mähr.-Ostrau durch Herrn Dr. Straßmann, die Frauenwohltätigkeitsvereine von Mähr.-Ostrau durch die Damen Frau Dr. Spira und Frau Frieda Ebel, von Odersurt durch Frau WcchSberg. von Orlau durch Frau Herz, von Oderberg durch Frau Sinetan« und Frau Huppert und von Witkowitz durch Frau Adler und Frau Roth. In großer Anzahl erschien unter Führung des Herr» Wischnitzer der Hilfsverein jüdischer Handwerter, ferner vertreten waren der Gemilas chasodim Verein durch Herrn Eichenbaum und der Beth Hamidrasch Verein durch Dr. Max Beer. ES nahm weiters an der Feier teil der Hausbesiherverein von Hrufchau vertreten durch Herrn Twierczek, Stationschef Czuberka von Hruschau, Forstmeister Halviiczek. Gendarmeriepojtcnkoinmandant Kader, Finanzwachrespizienl Nogel. Ter Ortsschulrat ivar vertrete» durch Herrn Kühnert, die Mädchen-Volksschule durch Direktor Bez. dek. die Knaben-Volksschule durch Oberlehrer Kristen. Programmäßig bcivcgte sich der Festzug um halb :r Uhr nachinittags vom alte» Bethaussaale unter Vor antritt der Schuljugend, des Militärveteranenvereines -.:nd der freiwilligen Feuerwehr. Unter einem Baldachin wurden hierauf die Tborarollen getragen,!voraus jich die übrigen Festgäste dem Zuge anschlossen. Vor dem neue» Bethaussaale sprach der Obmann des Bethaus- Vereines, Herr Viktor Tchanzer Worte der Begrüßung,!vorauf Rabbiner Tr. Spira eine zu Herzen gebende Festrede hielt, die auf alle Ainveseude einen mächtigen Eindruck hervorrief. Ausgehend von dein Satze: ״Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch ineineu Geist sprach der Herr der Heerscharen", ivies der Redner auf die Entstehungsgeschichte des nun vollendetcn BcthauSbaueS hin, der den schönsten Erfolg einträchtige» Zusammenwirkens und rastlosen Gemeinsinnes darstellte und seinen Schöpfern zur Ehre gereichte. Die Tochter des Herrn Doppel entbot hieraus namens der jüdischen Schuljugend dein Regierungs- Vertreter einen Willkommgruß und überreichte ihn ei neu Blumenstrauß, ivübrend die Tochter des Herrn Schanzcr im Namen des BetbauSvereineS jich mit einer Begrüßungsrede an den Klittusvorstehcr Tr. Hilf ivandte. Herr Tr. Hilf händigte nun nach einer >virkungsvollen Ansprache, in welcher rr allen, die o«S Werk förderten, dankte, den Schlüssel des Betbauies dem Regierungsvertretcr ein und bat diesen die Pforte des Gotteshauses zu eröffne,». Diesem Ersuche» kau: der Herr Regierungsvertreter nach, nachdem er seiner Freude Ausdruck gab, dieses Haus eröffnen zu können, den Bethausverein zur Erreichung dieses ersehnte״ Zieles beglückwünscht׳ und versprach, dem Gottcshause deil volle» Schutz der Regierung angedeihe» zu lassen. Auch dankte der Herr Regierungsvertreter für die zum Ausdruck gekommenen Gefühle der patriotischen Ge׳ sinnung und der Liebe zum Kaiserhause. Nach dem Betreten des Gotteshauses trugen die Herren Kantoren Löwy und Kläger in bekannt meisterhafter Weise die rituellen Weihegesünge vor, »vorauf Herr Rabbiner Tr. Spira vor der geöffneten BundeSlade das .Kaisergebet sprach. Mit dem Absingen der Volkshymne schloß die erhebende Feier, welche bei allen die ihr anwohnten den tiefsten Eindruck machte.

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