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Jüdische Volksstimme · 1914-07-09 · Heft 26 (9.7.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 26 (9.7.1914)
Date
1914-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^p'tf 4. fische «,N-stiMMe.« Nr. 26 Jugend seiner Gemeinde, indem er sic aneifcrtc, uncrsc!!ütterlich seslzuhaltcn a» den gcbcitigicn Ideale» der Väier und sich allesamt der 'Agudas Iisroel anzuschließen. Nack ifזוז׳ sprach im Namen der Jugend Here Tische Höchberg. In den Vorstand wurden hierauf die vcrrcn Tische Höchberg, Jona Banner, Elicscr Sicberg und Chain! Gruber gewählt. Lanok, 20. Juni. Auch bei uns sind nunmehr Schritte im Gange, um eine 'Agudas Iisroel-Ortsgruppe zu gründen, wie sic der Bedeutung unserer Gemeinde innerhalb der galizischen Indcnhcit entspricht. In einer vorbereitenden Versammlung sprach Herr Berisch Holpern aus Nzeßow über das Programm der Agudas Iisroel. .Hieraus hielt der Initiator unserer Ortsgruppe, Herr Israel Majcr, eine zündende Ansprach.׳. VSö wurde lueraus einachtzehngiiedrigcs ״Provisorisches Komitee" zur Vorbereitung einer großen Volksversammlung gewählt. Tic AgudaS Iisroel-Idec erfreute sich bei uns nach dieser ersten Versammlung großer Lpinpatlüen, so daß cs als sicher erscheint, daß unsere Ortsgruppe in kurzer ״■}eit eine der tatkräftig- Neu von Galizien sein ivird. Ihifcrc Leser werden dringend gebeten, bei (?inkaufen nur jene Firmen zu berücksichtigen, die in der ״Jüdischen Volksstimmc" inserieren. An unsere Jugend! Langsam, aber immer mehr kommt man zur Erkenntnis׳, das; das Wahrwort ״mens sa-- na in corpore sano" für alle Zeiten gilt. Jin Zeitalter der Dtaschine beginnt man einzuschcn, der vernachlässigte Körper bedürfe besonderer Pflege, nm nicht noch stärker zu degenerieren. Wandern, Schwimmen, )lindern sind wohl die drei 'Arten des Sport* *,!reiche weitaus die natürlichsten und daher auch die gesündesten siitd. Die aufblühcndcn Blauweißvereine haben uns endlich dazt! geführt, das Peil für die Jugend nicht in deren Perbätschelnng und Ltnbcnhockerei zu suchen. Zur rechten Zeit erscheint setzt ein Buch,*-!reiches uns über die Schönheiten einer längeren Bootsreise anfklärt. Frau Lunsen durchkreuzt ans wochenlanger Leise Deutschland, nur kurze Zeit unterbricht sie die und da ihre Bootsfahrt, im! in einer besonders schönen und interessanten Gegend, kurz zu verweilen. Oft bring! sie die Lacht im Boot zu, alten Unbilden der Witterung zun! Trotz. Und was uns am angenelnnsten an der Leise berührt, ist, das; sie niemals zu einer Lekordhaschevei wird, das; die historischen und natürlichen Schönheiten des Weges berücksichtigt werden. Eine allcinstehnde Frau bat es zu Wege gebracht, ge!vis;er!nas;en als Pionierin des siindersporis, alle Unannelnnlichleiten zu überwinden. Für unsere Studenten, die gerade setzt in Ferien gehen, mus; das Buch ein Wegweiser sein, wie sie am besten allein oder zu zwei und dreien, sich in unser!!! Vaterland aus den Fügen umhertninmeln können, statt in irgend einer Sommerfrische den Tratsch und silatsch der Großstädte ans der Wintersaison w.siterznspinnen. .stürze Stalmfabrten aus halbe und ganze Tage baden wob! oft als Borspeise den Appetit r׳ge gemacht, setzt Mut gefaßt und 'rein ins Boot zu wochenlangem Ausentbalt. Die Schönbei!-׳!! der Latnr und die gesunde Frische bieten reichlichen Lobn für eventuelle Entbelirnnaen. Allen die sich für den Wassersport interessieren, empseblen wir dos gut ausgesiatlete Buch. *) S. Fischer, Berlin: Marie v. Bnnscn, .,Fm siinderboot durch Deutschland". kaffeegeschaeft Rosenbaum Liechlensteing. 1 BHÜNNj Liecntensteing. 1. iiumildiuu. .Kurort Trcncsen-Tcplik bietet nebst den bei!kräftigen Schwefel- und Schlaiuinguellen auch die Vorteile eines klimatischen, milden Sturortes. Fm berrlichcn Baracska-Tal gelegen, bilde! Trencsen Tepli'o die Perle der starpaten. Die radivaktiouen Schwefelthermcn babcn eine natürliche Teinperatur von 3<t—42 Grad und sind eine sFeilindikation aller Stosfwechselcrkrankungcu wie Nbeumatismus, Gicht, Ersuda-!e, Lenralgicn usw. Ausführliche Prospekte durch die Babedirektivn. Emigrantcn-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates Juni 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 155 Emigranten, davon 137 russische und 18 rumänische weitorbcsördcrt u. z!v. 80 nach den Bereinigten Staaten, 9 nach Argentinien, 20 nach Canada, 10 nach England, 22 nach Frankreich und 14 nach verschiedenen anderen Ländern. Fu ihre Heimat zurückbesördert wurden 13 russische und 20 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Juni 1914 für 36 Personen zusammen 119 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 94 Personen insgesamt 268 Speisemarken für die israelitisck)c Volksküche ausgcgeben. Es fuhren zu ihren Männern 23 Frauen mit 4!» .?lindern, zu Eltern resp. Kindern 18 Erwachsene mit 6 Slindern, zu Geschwistern 29 Erivachsenc mit 4 Kindern, zu sonstigen Vertvandten 23 Erwachsene mit 3 Kindern und ohne nähere Verwandte 1 Erwachsener. Dem Berufe nach waren unter den Westerbeförderten 13 Schneider und Schneiderinnen, 6 Schlosser, 4 Drechsler, 3 Kürschner, je 2 Anstreichcr, Buchdrucker, Handelsangestcllte, Tischler, je 1 Buchbinder, Elektrotechniker, Fuhrmann, Goldarbeiter, Glaser, Kantor, Kellner, Landarbeiter, Monteur, Müllner, Maurer, Perückenwacher, Niemer, Schuster, Spengler, 42, meist Frauen, konnten einen bestimmten Beruf nicht angeben. H a l b j a h r s st a t i st i k. Währeno des ersten Paichahres 1914 wurden von oer Zentrale m LLien insgesamt! 83< vsmigeanien, oavon <14 rusi>ja)e unv 143 ruman!su>e!veuervesordert u. zw.!»36 nacy den Vere!- nlgien Liaalcn, 40 naa) Argentinien, <3 nach Eanaoa, 30 naa) vrngianü, 00 nach H-rantreia) und 4 < nach anoeren rkandern. In ihre veimat zuruabesördert wurden 67 rußsta-e und 11 < rumni11ja>e Nuckwanderer. l rwahrend des Auseiilyattes in Wien wurden im ersten .paichahre 1014 sur 246 Personen zusamiuen «,->4 wage Logis und voue ^erpsiegung - vezahn und au 401 Personen insgesamt 120<! ^peisemarlen sur die israetstischc Vottstuche 1 ausgegeven. vss fuhren zu ihren Männern!»4 Frauen mit 103 snndern, zu Eltern resp. slindern 138 Erwachsene mst 4< slindern, zu Geschwistern 130 Erwachsene mit 10 Slindern, zu sonstigen verwandten 1<4 Erwachsene mit 6 slindern und :;1 Eriveuhsrne mit 4 sundern. ״ttUsere Großen". Ter unlängst in Wien versiordene Universitäts-Professor Tr. Lieben, Herrenhaus-Mitglied, har ein Vermögen von mehreren Millionen huiterlassen. Hievon bejnmmte er 30.000 st sur wohltätige Zudecke ״ohne ruiierschied der slonsession". Tie näheren Besiiniinungcn über dieses Legat hat er der Wittve ur erlassen. Ein jüdisches Mitglied des französischen Kriegsrates. Aus Paris wird gemeldet: Der Slommanbaut des 3. Legiments inLouen, General Valabregue, ivnrde zum Mitglieds des Obersten Slriegsrates ernannt. General Valabregue gehört dem Fudentume an. Das Gebetuch der Sabbatarier. Von Tr. H. Urbach, Lbcrrabbiucr, Scnilin. Turch die Munifizcnz des im Vorjahre plötzlich •.u1t!1.u4׳c!1cn Barons Josef Hatvani hat die Ilng. Iüdische Literarische Gesellschaft Timon Pechis sabbationisches Gebetbuch in der vorzüglichen Bearbeitung von Prof. Michael Guttmann und Tr. Alex. Harmos kritisch hcransgcgcben, wofür wir allen dabei Beteiligten Dank wissen. Tenn die Herausgabe dieses Werkes, der ersten Ucbersetzung des vollständigen scphardischcn Siddurs und Machsors und der ersten ungarischen Ucbersetzung eines jüdischen Gebetbuches überhaupt, gereicht dem Juücntum nur zur Ehre und verdient in jeder Beziehung einSiiddusch-Hajchem genannt z» ivcrdcn. 3» cim׳r Zeit näinUch, tvo mit dem jüdischen Tchristtum auch das jüdische Gebetbuch den böswilligstcn Angriffen ausgesctzt ist, und die Glaubwürdigkeit der jüdischen Uebcrsctzcr in Frage gestellt wird, legt uns hier Simon Pcchi, also ein Nicht-Jude, von der ethischen Tiefe und Innerlichkeit unseres Glaubens ein solch glänzendes Zeugnis ab. wie die schlagendste Apologic des begeistertsten Juden cs nicht wirksamer könntc. Pechis Gebetbuch kann uns aber auch zum Muster dienen, wie wir selber unsere Gebete übersehen sollen: sinngemäß, frei in einer dem modernen Sprachgebrauch angcpaßtcn und der Fassungskraft unserer Zeit entsprechenden Weise. Auch der Reformator, der den toten Ballast aus dem Gcbetbuche hinausschasscn möchte, um das Wesentliche am Leben zu erhalten, kann hierin von P. Mäßigung lernen. Alles, was kein eigentliches Gebet ist, wie die Opfervorschriften, die Akcdah, die Trattäte Sabbath und Aboth läßt er einfach aus. Einige Mischnochstcllcn behält er ihres pädagogisch-ethischen Inhaltes wegen bei,-) so auch die kurzen Gebete bei den Opfervorschristen, daß die Gebete statt der Opfer Gott annchmcn möge. Auch die Gebete um Israels und Zions Wiederherstellung sind ihm nicht iin Wege,!vas sich wieder die allzupäpstlichen Assimilanten unter uns merken dürften. Da er auf die Opfer keinen Wert legt, läßt er fast alle Mußaf-Tcfillahs aus und vcrschinilzt das Universalistische daraus mit dem Schachriß.») Geschcm und Tal sind im Schachriß, Pjjutim, Sclichoth, א•;- stark gekürzt. Der Patriarchen und rcligiösgcschichtlichen Momente Israels gedenkt er ohne Acndcrung des Textes. Nur dort, wo die Person des Beters direkt mit hincinbczogen wird, mildert und verallgemeinert er, was von unserem Volke gesagt wird?) Die Gebete werden bei P. universalistischer uiib für seine Leute entsprechender. Darum läßt er den Nutcrschied zwischen privatem und öffentlichem Gottesdienst stark zurücktrcten. Nur bei der Keduschah vermerkt er, daß sic nur, wenn wenigstens 10 Beter versammelt sind, gebetet wird, das Kadisch aber läßt er stillschweigend auch für den Einzelnen zu. Eine bcmcrkcnslvcrtc rituelle Abweichung ist cs. daß P. das Omer-Zählen auch in der Früh vornehmen läßt. Nach der Tcfillah schreibt er für die einzelnen Betcr, welche ihre Wiederholung nicht gehört haben, eine, abgekürzte Tcfillah nach Art unseres ךי״ין bor, die aber nur die abschließenden Segcnssprnchc enthält, um die eventuell in der Tcfillah gemachten Fehler in der kurzen Wiederholung gut zu machen. Das scheint bei ihm eine allgemeine Regel für jede Tcfillah zu sein. Wenn er iS. 23(3) sagt: ״Nachher (nach dem 8•״ sagt man ebenfalls nur die am Ende befindlichen Scgcnssprüchc", so bezieht sich dies auf eine solche kurze Wiederholung. Auch nach dem Geschcm bringt er wieder eine solche kurze Wiederholung, nur daß sic nicht mit סין אברהם sondern mit האי1 הקדוש beginnt, wahrscheinlich!veil cs die ersten zwei Segenssprüche vor dem Geschehen nur ergänzen soll. Tic Fassung der Wochentage ist daraus zurückzuführen, ivcil er hier £סביך דדס;י erwähnt wissen will. רופא׳־חולים und מכניעתדי״ם hält er vielleicht für nicht paffend am Feiertag und läßt cs deshalb hier aus. Tic gelehrten Editoren schcincn den Charakter dieses Gebetes als Wiederholung der Tcfillah hier nicht erkannt zu haben, weil sic sich lS. 481,?111111. 1) in Vermutungen darüber ergehen, ob cs originell oder aus einer jüdischen Vorlage geschöpft sei, und sich mit keiner Silbe auf ihre eigene sehr richtige Anmerkung il. S. 477) berufen. Für Wochentagc in der 'Arbeitszeit hat er zwei ganz kurze Formein bei Tische. Von ׳;י!■," nach dem Gebete fehlt כן נקוה hv vom [_קדיש דדב;ן hat er nur den Schluß. Snddnsch und Habdalah läßt er >veg, und beginnt das Festgebct mit עודדנו Bloß den Niddusch für Freitag Abend bringt er nachträglich vor dem Tischgebet, schreibt ihn aber auch für den Sabbath- ') Simon Pechis sabbathianischcs Gebetbuch, ediert von Dr. Mich. Guttmann und Dr. Alex. Harmos. Jüd. iit. Ges., Budapest, 1814. Ilng. כל השונה הלכות יום, אלד דברים שאדם אוכל פירותיהם (י נ) Die Herausgeber beziehen dies irrtümlicherweise auch auf 7,--- und ׳•"י (S. 37.), ivas hier berichtigt lvcrdcn muß. Denn bei!רייך lvird (S. 238) ausdrücklich von P. erwähnt, daß die Homida l— עסידה) ans zweierlei Weise gesagt wird. Zuerst wie am 'Abend; dann nach der Lektion aus Thora und Propheten, dem Gebet für den Landesvatcr Ps. 2g. und 145. und wieder die Homida wie am Abend bis וכד ליציאת מצרים das Wesentliche des Mnßaf >S. 21,0—2701 und der 'Abschluß wie immer bis כשלים Bei hat P. die ganze Mußaf-Tcsillah mit ihren 20mal so vielen teueren und schönen Sachen ausgelassen. (S. 340.) *) נוסל חסדים סיבים übersetzt er mit ״der du für pictätsvollcs, frommes Leben deinen Glänbigcn mit allem Guten zu 'zahlen pflegst", oder המלמד תורה לעמו ישד mit, ״der Du dein heiliges Gesetz Israel und allen Deinen Gläubigen lehrst".

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