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Jüdische Volksstimme · 1914-07-09 · Heft 26 (9.7.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 26 (9.7.1914)
Date
1914-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26. ,HSdische Morgen vor. Abch das תחגון für Montag und Tonnerstag ist nachträglich am Ende hinzugefügt. Tic הנדה fehlt, und er erwähnt nur, daß Beza — Christi und der Apostel Beispiel erklärend — kurz auf die Bräuche des Seder hingewiesen habe (S. 234). Er bringt für den Seder bloß vier Segensprüche: על אשילת מצה. המוציא׳ שהחינו mit dem Schlüße לחש עיני זשר ליציאת מצרימ und בורא פ-י ה:פן dann das Halle! und das Tischgebet. Die Bcschncidung wurde nicht geübt; aber cs finden sich Ritualien für die Auslösung der Erstgeborenen und die Absonderung der 7,הל und sogar die תהומה gaben sie dem Priester. Aus den מעמדות übernimmt er die st iminungsvollcn Schlußgcbetc für die einzelnen Wochentage und fügt sie den Tagcspsalmcn an. Bon שריו bis nach der עי׳ע soll man selbst in der Arbeitszeit nichts versäumen und bevor man es nicht gesagt, nichts genießen. Das llcbrige empfiehlt er nur. wenn man dazu Muße hat. Im Anhänge hat er zwei selbst verfaßte Gebete, die ganz im Stile der übrigen, aber voller Anspielungen auf seine Zeilverhältniffe sind. Sic betiteln sich: ״Gegen Waffengewalt" und ״Gegen Versolgnng". Ziemlich häufig kommen bei P. lexikalische Verlvechslungcn in der Form oder Wortbedeutung, besondcrs auch Mißverstehen neuhebr. Ausdrücke vor?) Originell überseht er ן=וי gvg •שען mit ״vor kecken und frechen Männern und . . . Fraucnzimmcrn". als wenn er דעוו׳ין פ׳ zelesen hätte. P. hat am Schluffe eine Zusammenstellung der Thora- und Propheten-Lcktionen; die Editoren haben nur vergeffen zu vermerken, daß sic sich bloß auf den Monat Tischri bezieht. Im Inhaltsverzeichnis, das zugleich eine Quellenangabe bildet, wirkt cs störend, daß die Seitenangaben der letzten drei Seiten!382—142) durchgehends falsch sind. Zur Entschuldigung dieser Unstimmigkeiten muß angeführt werden, daß das Gebetbuch succeffive sich dem jüdischen Ritus angcpaßt hat. Manche Anmerkungen und Bestandteile waren in den ersten Abschriften nicht. Die Editoren wollten aber den endgültigen Text geben und nahmen vieles nachträglich aus jüngeren Handschristen aus. Doch von diesen wenigen Schönheitsfchlern abgesehen, haben die Herausgeber eine gründliche Arbeit geleistet. Die ganze Anordnung ist so lichtvoll und übersichtlich, lvic wir sie bei Pros. Guttmann längst gewöhnt sind. Wohl hat den Editoren Siegmund Thury in seiner Bibliographie der sabbatianischen Handschriften, die im Vorjahre erschienen ist, eine ivertvollc Vorarbeit geboten; doch sie mußten seine Angaben vielseitig berichtigen, besonders in der Quellenscheidung, und nach Vergleichung von 25 Manuskripten sind sie selbständig zu wichtigen Resultaten gekommen. Sic entdeckten die erste Bearbeitung des Gebetbuches, die von Johann Bet, dein Schreiber Pechis kopiert isr, lvo der jüdische Standpunkt P—s noch schwankt?) Die Psalmen fehlen und sind darin nur durch Zahlen angedeutet, mit denen P. auf seine vollständige Psalmen- Übersetzung hinlveist, aus der sie abzuschreiben sind, und die Gebete aus den מעמדות stehen noch am Ende dcs מהוור hinzugefügt. Es findet sich darin eine Aufzeichnung des ersten Eigentümers, lvonach er 22. April 1331 das Hebräische zu lernen und zu beten, am 18. Mai 3 ציצית» tragen und 14. Elul 5391 die Schule in Belgrad zu besuchen begonnen bat. Daraus und aus dem Gebete für den Landesvater haben sic die Abfaffungszcit der Ilebersctzung zu Lebzeiten Gabriet Bethlens zwischen 1324 und 1629. sowie die Autorschast Pechis und die Genoalogic der Kodexe (die alle entivcdcr auf die erste Abfassung oder auf die zweite endgültige Ilcberarbeitung znrückgchcn) sichcrgestellt. Sie bieten uns außer dem Text des מדור und מהוור 13. 52—4411, einem Faksimile, den marginalen Noten P—s (S. 457—432) und den wichtigsten Varianten (S. 432—435) noch eine instruktive Einleitung!2• 1—47), eine Analyse der Kalocoaer Handschrift iS. 444—443), das Wichtigste ihres kritischen Apparates tS. 443—457), ein ungarisches Wortverzeichnis, lvichtig für den ungarischen Philologen, und ein Jnhaltsverz-.ichnis mit Quellenangabe. תיחש ף übersetzt er wie :שלו? ־;־ wie שלש קימת pp wie pp in 8:׳p?מעון הבישות׳ תרי wie והמניע למודך׳ מעין im שתה מלמות leitet er von ״ ׳:עsich mühen" her, קירות Geschiche wirft er mit גךה Kälte zusammen, יוצא מעיו gibt er sogar mit ״Hinausreißen der Eingeweide" ivieder. °) השיה findet sich darin noch mit Christus übersetzt vor. Weder Forscher noch Laien werden dies Buch so leicht aus der Hand legen, das den Leser vom ersten bis zum letzten Blatte gefangen hält und eine Fülle des Jntereffanten eröffnet. Für uns Juden ist es ein rein menschliches Dokument, wie ein ehrlich suchender Christ sich zur ״hebräischen Wahrheit durchringt und ins Judentum — ganz von selbst — cinmündet". Der Verband der schlesischen Kultusgemeinden. Von Dr. Adolf Grünfeld. Sonntag, den 5. d. M.. fand die konstituierende Versammlung des Verbandes der schlesischen Kultusgemeinden in Troppau statt, an welcher sämtliche schlcsische Gemeinden und zwar Bielitz, Frcistadt, Freiivaldau, Fiedck-Mistek, Hotzenplotz, Jägerndorr. Oderbcrg, Skotschau, Teschen, Troppau und Wagstadt und außerdem der schlesische Rabbinerverband durch Telegierte v-. rrrcte,׳ waren. Herr Dr. S. Frisdmann aus Troppau war als Birilist der Versammlung zugezogen. Wir begrüßen mit Freuden diese erste Organist,- tion der Kultusgemeinden und es soll hier erwähnt werden, daß es der unermüdlichen Arbeit des jetzigen Vorsitzenden der Verbandsleitung, Herrn Dr. Sonnenschein aus Troppau zu verdanken ist, daß nach lieber- Windung vieler Hinderniffe, hauptsächlich der Regierung gegenüber, der Verband sich konstituieren konnte. Zwei Jahre wurde der Vorschlag im Ministerium nicht erledigt, bis vor kurzem der Kultusminister die Entscheidung traf, daß der Organisierung der Kultnsgemcinden in einem Verbände gesetzlich nicht entgegengetreten werden könne. Ter Verlauf der Versammlung war folgender: Herr Braunberg (Bielitz) übernahm als Aeltester der Versammlung den Vorsitz und es wurde sofort in die Beratung des Statuts eingegangen. Tie für uns wesentlichen Punkte will ich hervorheben. Bemerken will ich. daß zionistische Delegierte die Kultusgemeinden Iägertidorf (Dr. Singer) und Wagstadt (Markus) entsendet haben. Bei Punkt 3 des Statutes, in welchem festgesetzt ist. daß als Delegierte in den Verband nur diejenigen gewählt werden können, welche auch das paffive Wahlrecht in der Kultusgemcinde haben. Gg. Tr. Friedmann stellte den Antrag, daß alle Kultusmitglieder das paffive Wahlrecht in den Verband habe» sollen; leider hatte dieser unserem Kullus-gemeinde- Programme entnommene Antrag gar keine Unterstützung gefunden, ja sogar Zionisten sprachen und stimmten dagegen. Ties soll uns eine Warnung sein und die Parteileitung sollte sich die Mühe nehmen, unsere zionistischen Kultusvorstände auf dem Lande unscr Kultusprogramm geläufig zu machen, damit unsere Gcjinnungsgenoffen auf dem Lande nicht für antidemokratische Institutionen und Handlungen sich einsetzen. Natürlich gingen die Herren über diesen Antrag des Dr. Friedmann mit einem Lächeln hinweg und Herr Tr. Sonnenschein ließ sich zu der Bemerkung berbei, daß cs nicht gehe, das allgemeine Wahlrecht einzuführen, solange so große Kultussteuern gezahlt tverden. Die Herren können sich von ihren ״liberalen" Ansichten nicht losmachen, nichts destowenigec hatte ich den Eindruck, daß die beste Hoffnung vorhanden ist. Saß das Prinzip des Interesses für jüdische Sachen und nicht das des Geldes für die Wahlen in jüdische Vertretungskörper bei dem Verbände über kurz oder lang maßgebend werden lvird. Besonders hcrvorzuheben ist auch der Punkt des Statutes, wonach der Verband auch die Aufgabe hat, die Lehrpläne für den Religionsunterricht festzustellen, um die Qualifikation der Religionslchrer zu bestimmen. Hier ist ein Gebiet, wo unsere Gesinnuugsgcnosscn für unsere Gegenwartsarbcit im Galuth )jüdische Geschichte und Hebräisch) sich mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht einsetzen müssen. Ebenso müffcn sie ihr Augenmerk darauf richten, daß unsere Religionslehrer ihrem Fache ganz gewachsen sind und auch moralisch die Qualifikationen eines Lehrers haben. Es lvird Sorge des Verbandes sei» müsse», eine Religionslehrcrschule zu errichte», die nur Zöglinge entläßt, die das Judentum voll in sich aufgenommcn haben. Außerdem gehört in den Wirkungskreis des Verbaudcs die Errichtung. Verwaltung und Erhaltung von solchen Institutionen, welche zur gemeinschaftlichen Benützung der dem Verbände angchörige» Kultusgcmeinder! dienen. Auch bier harrt unserer Gesinnungsgenossen im Verbände eine Arbeit. Zum Beispiel: I» Schlesien gibt es Orte, tvo die Kindergärten entweder in dcutschnationalem oder klerikalem Sinne geleitet werden. So zum Beispiel senden alle jüdischen Familien in Iägerndorf ihre Kinder in den Klosterkindergarten, was zur Hebung des Judentums jedenfalls nichts beitragen dürfte. Auf Grund dieses Punktes des Seite 5. Statutes, wäre es möglich, daß der Verband jüdische oder hebräische Kindergärten errichtet. Wichtig ist, daß der Verband auch daS Amt eines Schiedsgerichtes zivischen Kultusgemeinden und zwischeu einzelnen Glaubensgenoffen und Kultusgemeinde übernimmt. Herr Dr. Steiner, Rabbiner in Bielitz, Delegierter dcs Rabbincrverbandes, versuchte verschiedene Anträge durchzusetzen, die den Einfluß der Rabbiner im Verbände erhöhe» sollten. Natürlich begrüßen wir freudigst die Organist,- tion der Kultusgemeinde zur Förderung des Judentumö und zur Vertretung seiner Interessen und insbesondere diese» Landesverband als erste». Der neugeiväblte Vorsitzende der VerbandSleitung, Herr De. Sonnenschein, hat in seinen Schlußworte» erlväbnt, daß in den meisten Kronländern )mit Ausnahme von Galizien) die Konstituiernng des Landesverbandes in kürzester Zeit bcvorstehc und damit auch in absehbarer Zeit die Gründung des Reichsgemeindcbiindeö. Uns ist cs ei» Zeichen dafür, daß in der österreichischen Iudenheit das Verlangen nach Schassung eincs Organes, welches alle jüdischen Interessen im Staate und der Regierung gegenüber vertreten kann und soll, sehr lebhaft ist. Man merkt auch, daß die Erkenntuis Bahn bricht, daß, wie Herr Tr. Sonnenschein sagte, wir Juden uns nur selbst helfen können. Hoffentlich lvird die Erkenntnis der Selbsthilfe bald die gesamte Iudenheit ergreifen. Brief aus Deutschland. ״Omnia habet sinem", sogar die Staatsbürger Zeitung. Und die hielt sich doch stets für die Säule des ״echt" Deutschen ')!eiches und Ivar — eine schwankende Säule des :)!adauantisemitismuS. Viele werden sich noch erinnern, wie die ״Staatsbürger-Zeitung", beionders »ach ihrer Vereinigung mit dem Stöckerschcn ״Reich", die heftigsten Angriffe gegen die Juden brachte und sich selbst offen für antisemitisch erklärte. Doch wie cs mit vielen Führern des Antisemitismus ging, so erging es auch der ״Staatsbürger-Zeitung": Sie wurde von ihren Anhängern verlassen und erscheint daher vom 39. Juni ab nicht mehr als Tageszeitung. >TaS ״Reich" hatte schon bald nach der Vereinigung sein Erscheinen eingestellt.» Ihre Abonnentenzahl >v״r zuletzt so gering, ihre Mittel so unzulänglich, daß sie sich nicht mehr halten konnte. Vor mehreren Monaten versuchte sie noch einmal durch einen kräftigen Vorstoß gegen die Juden die Antisemiten für sich ztl gewinne», doch vergebens; auch dieses Mittel zog nicht mehr. Schade, daß die 2״t.-Z." nicht mehr besteht: einen neuen Leser hätte sie sicher in Dr. Dinier gefunden. Dieser Herr machte sich interessant, indem er während einer Mirakelvorstellung im Zirkus Busch zu Berlin vor versammeltem Publikum eine Rede hielt, in ivelcher er gegen die Verhöhnung des Katholizismus durch das ״Mirakel" protestierte. Die Direktion des Den!- scheu Theaters behauptet nun, Dr. Dinter habe den Satz gebraucht: ״So etwas brauchen wir uns von den Juden nicht gefallen zu lassen!" Später gab Dr. Din ter an, er sei vom Inhalt und Tendenz des Stückes nicht unterrichtet gewesen. Tie Vorstellung habe deshalb bei ihm eine derartige Erregung hervorgerufen, daß er in dieser spontanen Form seine» Gefühle» Ansdruck geben mußte. Ter Vorstand des ״Verbandes deut scher Bühiienschriftsteller" lDr. Dinter ist der Direktor der Vertriebsstelle dieses Verbandes! beschäftigt sich be reitS mii dieser Angelegnheii. In eu׳e1, 1״.ch späteren Schreiben erklärt Tr. Dinter, er habe in seiner kochend enEmpürnng über die Vorstellung und über die pro voziercnde, von Lachen und Gesten begleitete Haltung einiger vor ihm sitzenden Juden keinen Hohl gemacht. Tie genannte Aeußernng habe er ivohl getan, aber er>t nach der Rede. Er habe ferner das Judentum als eine» zersetzenden, furchtbaren inneren Feind Deutschlands erkannt. Das könne man auch daraus ersehen, daß das ״Mirakel" von keinem Juden verfaßt sei. Bis zur Zaberner Affäre sei er selbst durchaus kein Antisemit, sondern sogar Mitglied der fortschrittl. Volkspartei getvesen. Erst in Berlin seien ikm die Arigen ausgegange»! — O du unglückliches Berlin, das du der liberalen jndcnfreundlichen Partei einen so vortrefflichen Mann geraubt und, zum Judenfeind gemacht Haiti Die ganze deutsche Presse, selbst die katholische, verurteilt das Verhalten Tr. Tinters. nur die antisemitische bat natürlich dem Herrn zugeilimmt und de» Vorfall n!>- ter den üblichen, den gebildeten Menschen iait anekelu den Phrasen vom verderblichen Iudentnin niw. den Vorfall aufgebauschr. ES bleibt nur die Frage bestehen, ob Tr. Dinter, der sich selbst literarisch betätigt!)13׳ in die Mirakelvorstellung gegangen ist, ohne von Inhalt und Tendenz des Stückes unterrichtet zr> sein, und ob er durch die Erregung über Ne ״Verhöhnung" seiner

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