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Jüdische Volksstimme · 1914-07-09 · Heft 26 (9.7.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 26 (9.7.1914)
Date
1914-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. ^Jkvische Bott-stt««e" Nr. 26. des ״Judenstaates", gegen den ihr Oberrabbincr Tr. Güdemann mit einer Broschüre in den ״Tempeistreit" geschickt wurde, bis zu des Meisters Tod. Dr. Stern, der ,Kultuspräsident, glallbt noch in seinem tränenfeuchten Nachruf recht dick unterstreichen zu muffen, Herzl habe um die Verwirklichung einer Utopie gerungen. .! . Doch auch Herzl hat die Herren von Äahal lUnneii liüd nach Gebühr schätzen gelernt. Als er 18!)8 am zweiten Kongreß die Parole ausgab: ״Zionisten, erobert die jüdischen Gemeinden!", da hat er gewiß mit Grimm zunächst an sein Wien gedacht. Und ein Mann der Tat, rüstete er sogleich nach dein Kongreß in Wien zum Kultuswahlkainpf. Ein mustergültiges demokratisches Kultüsprogramm wu^de vrrlantbärt, in Wort und Schrift verfochten und schließlich mit der ״Union", den Tempelvereinen und anderen Malkontenten eine Allianz geschlossen. Als die Verbündeten uns im letzten Moment verrieten, entschied sich Herzl grollend für Wahlenthaltung. Doch gelobte er seinen Agitatoren, Studenten und anderen, in jener tiefbewegten Versamm-- iiiiifi, den Kampf das nächstemal umso energischer äuszunehmeii, Niid die /,Welt" schrieb in ei- Nem Epilog zur ״schmählichen Komödie" dieser Wahl wortwörtlich: ״Die Wahlspielerei ist voriilier ünd der Wahlkampf beginnt. Wir werden ihn alle in Ehren führen, weil wir ihn ernst cind würdig führen wollen!" Und Herzl hielt Wort. Fast kein Heft der »Welt" erschien 1000, düs nicht den Wiener Kultusvorstand mit gründlicher und scharfer Kritik bedachte, und zumal die damals von den Geängst'igtcii beschlöffeiie Nöubilduüg einer Kurie der Höherbesteuerten als unvereinbar mit den demokratischen Grundsätzen des Judentums geigelte. — Von den 7 strittigen Mandaten fielen diesmal 2 der Opposition zu. Beim nächsten Wahlgang 1902 griff Herzl wieder ein; er wollte den oppositionellen Kultusvorstehcrn durch Nachschub aus ihrer Jsoliernng heraushelfen. Diesmal über setzte sich der Kahal, unterstützt von ״Union" und Sozialdemokraten, Ärethi und Plethi, zäh' zur Wehr und schreckte auch vor den ärgsten Ränken und Gewältakten nicht zurück. So erschien eine anonynu? Broschüre, die Zionisten wollen die niühsaiu bezahlten Steuergeloer für Utopien in Palästina verschleudern. ״Verleumder!" schleuderte Herzl den Herren von Kahal in offener Versammlung entgegen. Und erst ain Wahltage! Tempeldie- 11er und andere Abhänger des Kahals umlagerten die Wahllokale, agitierten für ihre Brotgeber und schlugen nach unseren Studenten. Als damals von überallher Hilferufe an unser Hauptquartier drangen, eilte Herzl nach den be׳ drängtcsten Pllnkicn. Wo er erschien, zwang der Respekt selbst die skrupellosen Gegner zur Mäßiguiig. Doch er konnte nicht überall zugleich sein. — Auch mir war damals ein Fähnlein unserer Freiwilligen anvertraut. Ta ruft es mich zum Telephon. Herzl selbst ist cs, er befiehlt mir. gleich den anderen Agitationsleitern, gegen den Wahlakt sofort Protest einzulegen. Das waren die ersten Wr-vte, die mir von dem Führer per- Hunden, sondern schuf wieder aus Naitürlichem heraus, unbeküinmert um andere Deutungen, die ja daruiii auch ihr!liecht behalten mochten. Er war auf lebensvolle Schönheit ans. Doch wenn er auch in die erstarrten Formen eine neue Bewegung brachte, hielt er sich denoch an ihr Gesetz, an den vornehm alten Stil ihrer Anordnung. ... es kam der achte Tag, an dem die ganze Reihe brennt, auch der treue neunte, der Diener, der sonst nur zum Anzünden der übrigen da ist. Eine große Helligkeit strömte von der Manorah aus. Die Augen der Kinder glänzten. Unserem Manne aber wurde das Ganze zu einem Gleichnis für die Entflammung der Natioii. Erst eine Kerze, da ist es noch Dunkel, und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Tann findet es einen Gefährten, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muß weichen. Bei den Jungen und Annen leuchtet es zuerst auf, dann schließen sich die anderen an, die das Recht, die Wahrheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brenneu, dann muß man staunen und sich freuen über das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners ain Licht" . . . . Ernst Lebenhart. sönlich gegönnt waren: bisher hatte ich mich ängstlich von ihm ferngehal-ten, das Pathos der Distanz zu wahren. Mein Herz schlug hoch und ich fühlte mich glücklich, solchem Männe zu gehorchen. — Die Zionisten unterlagen in diesem mit schöner Erbitterung geführten Streite und Herzl selbst hieß seinem letzten Parteigänger im Kultusvorstand, das Mandat hinwerfen. Am dritten österreichischen Parteitage in Wien, Ende Juni 1003, kam .Herzl. um mein Referat ״Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgenieinden", sowie die Debatte hierüber anzuhören, und mit seiner ausdrücklichen Zustimmung, und gerade in Hinblick auf den Wiener KulÄrsvorstand, wurde daiiials meine Tl-ese zum Beschluß: ״Wo die Verwirklichung dieser für unser Volk einzig heilsamen Forderungen von den gegenwärtigen Machthabeur der Kultusgemeinden nicht zu erivarten stehtist es unabweisliche Pflicht, die Macht in den jüdischen Gemeinden im offenem Kampfe zu erringen." Am Koniiners. der diesen Lag beschloß, griff Herzl die These wieder auf und regte an. zunächst die Leitung der Kleingemeinden zu ge- Winnen und von dieser Position aus gegen den entjudeten Kahal der Großgemeinden anzukätnpfen. Zwei Monate darauf brachte der sechste Kongreß das unselige Uganda-Projekt. Ter hier entfesselte Parteihader gipfelte in der Revolte von Charkow. Der Reigen der Lohalitätskundgedungen für Herzl wurde von einelit offenen Brief der Wiener Kongreßdelegierten eröffnet, welcher die ״Rebellen" aufforderte, ihre Parteiämter niederzulegen. Ich, einer von den wenigen Neinsagern des Kongresses aus dem Westen, hatte dieser AuffordsrNNg meine; Unterschrift versagt imb war auch im Oesterreichischeil Laudeskomitee mit Erfolg für eine maßvolle Erklärung gegen Charkow eingetreten. Herzl war dies nicht recht. Als ich nun im Februar 1904 am Innerösterreichischen Distriktstag zum Distriksobmann vorgeschlagen wurde, protestierte Tr. Kahn als Vertreter des Aktionskomitees. Dennoch wurde ich gewählt. Wenige Tage darauf beschied mich .Herzl zu sich. Kein Zweifel, daß der Führer meine Ergebenheit prüfen wolle und daß unsere Zwiesprache die heißunistrittene Frage betreffen werde: für oder gegen Uganda. So fuhr ich mit dem wohlsttcdierten Plan einer Brandrede für die ״Neinsager" nach Herzls Villa und trat in sein Arbeitszimmer. Er aber empfing mich nach freundlicher Begrüßung mit der Frage: ״Was halten Sie von den nächsten Kultuswahlen?" Als ich, von meiner Verblüffung rasch gefaßt, der Hoffnung auf unseren endlichen Sieg lebhaften Ausdruck gab und in meiner Erregung rief: ״Das wäre der größte Schritt nach Vorwärts!" lächelte der Meister: ״Nun, wir habe» noch größere Dinge vor. aber ein Großes wäre es freilich!" Tann meinte er, er könne und wolle nicht bis zum Winter auf den Ausgang des nächsten Kultuswahlkampfes warten: ob denn nicht die Regierung den Kahal zu einer Demokratisierung der Statuten verhalten könne. Als ich dies bejahte, ward mir der Auftrag, die volksfeindlichsten Punkte des Wiener Kultusstatuts und unsere Reformwünsche wohlbegründct in eine Denkschrift zu fassen." Dies vor dem Minister zu bringen, lassen Sie meine Sorge sein. So werden wir rasch und sicher Ordnung machen!" Wir besprachen noch dies und jenes Details. — Wenn ich acrweifelt hätte, wahrlich: Dieser Mann, umbrandet von der Revolte sei- »er besten Parteigänger, hatte noch Sinn und Kraft dafür übrig, seinen jahrelang vorgezeickineten Plänen treu, um die Machtposition der Wiener Jndengemeinde zn ringen, und war dabei bereit, vertrauensvoll auch die Hilfe solcher zu benützen, die ihm sonst zu widerstreben gelvaat. Eifrig machte ich mich ans Werk. Aber bevor ich es dem Führer behändigen konnte, verließ er. ein Kranker, Wien und wenige Monat׳.׳ daraus hatte fein kampffrohes Herz ausgeschlagen." Ich kann und will nicht bis *um Winter warten War das der Sinn? Ahnte er seinen nahen Tod? Deshalb war wohl auch damals Her-.ls Frau nicht aus dein Zimmer crewichen und war jeden Accrescendo unserer Zwiesprache mit ängstlicher Erreanng gefolgt. Großer Meister. Dich deckt die Gruft und die Schädlinge Deines geliebten Volkes sind noch nicht von jener Stelle verjagt, um die Tu mit so heißem Herzen geworben. Wir Zionisten vergessen aber Deines letzten Willens nicht und sehnen uns darnach. Vollstrecker dieses Permächtnisses ,;u sein. Delikatessen-Großhandlung :::::: I. Strachon L Co. :::::: im Neubau, Bahnhosplatz, Brünn Aus der Agudas-Jisroel- Bewegung. Frankfurt a. M.» 30. Juni. Dieser Tage gelangte sowohl Nr. 10 des hebräischen ד,דרך• des offiziellen Ctflanä der Agudas Iisroel, als auch Nr. l des dentschon ״Haderech", der Mitteilungen des deutschen Gruppenverbandes und der Jugendorganisation, zur Ansgäbe, '.’ln der Spitze des ersleren ivird in wenige» aber markigen Worte» dem Schmerze über das Hinscheiden Rabbi Asaac Halevys se>. And. Ausdruck verliehen. Tiesein Nachrufe folgt der hebräische Aufruf des Provisor, schcn Komitees aus Anlaß der Einberufung der tkenes fijoh gedauloh. Ft, einem prägnanten Artikel wird auf die ideelle und praktische Bedeutung dieser ersten Hauptversammlung hingcknesen. ES folgt dann ei» ausführlicher Bericht über die Tagung der palnjiineiisischeu Landesorganisatio», aus dem deutlich hervorgeht, ivelche Ausgabe» der Hrganisation im Heiligen Lande harren. Sehr reichhaltig ist die Rubrik ..AuS der Be wegung", die in buntem Durcheinander eine» lieberblick bietet über die große Ausdehnung, die die Agud iS FiSroel-Brwegung in letzter ,Zeit erfahren bat. Der deutsche ״Haderech" siebt seliiverständlich ebenfalls i»< .?eichen der Kettefsijoh gedauloh. Wir erwähnen aus dem reichen Inhalte den Leitartikel über die Bedeutung de Kcnessijoh gedaulo. Ein schöner Aussatz würdigt die ragende geistige Gestalt HalevbS für die Entwicklung des Judentums in de» letzte» zwei zabrzehnten. Filteressantes bietet der Artikel ״Die Agudas Fisroel-Beivegung in der Schweiz". Der Arbeit der A. unter der Äugend i» den Landgemeinde» in Süddeutschland ist ein Artikel von Karl Hchsenmann gewidmet. Den Geist der begeisterten Äugend atmet der slainincnde Appel von Wolf 2. Äacobson. Verschiedene Milteil»»- gen über die erforderlichen Maßnahmen zur .Kenessijob gedauloh und Ausklärungc» des provisorische» >tomitecs zum Statut der A. Ä-- sowie ein Spendcnverzcichnis beschließe» die Nummer. Hamburg, 20. Ä»"i- Gestern abends fand hier eine Vollversammlung der Mitglieder unserer Agudas ÄiSrocl-Lrtsgruppe statt. Ter Vorsitzende, Herr Dr. Lanzkror», erössnete die Versammlung mit eine»! warm empfundenen Nachruf ans Rabbiner Halevb sel. And. Herr Aron Auerbach, Mitglied des provisorische» »omitees, referierte hierauf kurz über die Tätigkeit der Agudoh im letzte» Ä"hre und erläuterte in großen ,111׳ gen das Programm der Kenejsijoh gedauloh. An das Referat knüpfte sich eine Debatte, in der Herr Tr. Mayer Einiges über die erfreuliche Tätigkeit der Hamburger Fugendgruppe berichtete und einige Redner Anfragen an den Vorstand richteten. Hierauf ivurde zn den Wahlen der Delegierten zur Mino,, 1 jut, gedauloh geschritten. ES gingen als geivählt hervor: die Herren Tr. G. Lanzkron, Schlioma Lelvin und Äokob Goldschmiedt als Delegierte und die Herren Ä»naS Strauß. Karl Bodenhcimer und Rabbiner Tr. Lichtig als Ersatzdclegierte. Nachdem noch einige Herren verschiedene beachtenswerte Anregungen zur Atisge'iallnng der praktischen Tätigkeit der Agudas Äisroel gegeben bat ten, wurde die Vcrsammlttng unter dem Beifall der Versammelten geschlossen. Krakau, 20. Juni. Am 21. Ä"»> versammelte sich ans Änitiativc der hiesigen Ortsgruppe eine große Anzahl von orthodoren ׳Äitnglingen, Söhne der achtbar-- stcn Familien, um eine Ä"gendgrttppc der AgudaS Äisroel zn bilden. Tie Ädcc tvttrde mit großer Begeisterung ausgenommen und ein ״Provisorisches Komitee" wurde gewählt, das die tveitere Arbeit durchzusübren hat. Dem Komitee gehören folgende Herren an: Vigdor Bauminger, Hirsch Karmel, Sender Fraenkel, Leib Wortsmann, Talomon Holländer, Schabse Lurncr und Samuel Wolf. Gliniany, 2:!. Äuni. tzcach der erfolgten Gründüng unserer Agudas Äisroel-HrtSgruppe raud hier eine Versammlung der Äugend statt. Auch diese Versaminlung dankt ihr Entnehen der Äuitiative :mseres verehrten Herrn Rabbiners Meter Schnpira, dessen Begeisterung für die ßicle der AgudaS uns allen beispielgebend ist. Ter Herr Rabbiner erössnete die Versammlung und richtete zündende Worte an die

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