Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 25 (2.7.1914)
- Date
- 1914-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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f I ES ist also nicht zu erwarten, datz die jüdischdeutsch-liberale Organisation des Herr» Dr. Feith die liberalen Machthabcrdaraus aufmerksam machen wird, datz cs sich >nit freiheitlichen Principicn wenig vcrträgt, lvcnn sie z. B. Juden vom Dienste in der Genicinde, dem städtischen Gas-, Elcktrizitäts- und Wasscrivcrkc, der Sparkasse, Wechselseitigen usw. prinzipiell ausschlictzt. In Wien machen cs die Antisemiten, in Brünn die sogenannten, von den Juden gehaltenen, Liberalen. Dr. Emil Wolf fcn. referierte über das Organisaiionsstattut. Das Muster einer freiheitlichen Organisaiion. Die Vollversammlung tvählt ein aus nur wemge» Mitgliedern gebildetes Exekutivkomitee und einen mehrgliedrigen Beirat. Die Beteiligung an diesen Wahlen bildet das einzige Recht der Vollversammlung. Weder diese, noch der Beirat kann Beschlüsse fassen, nur das aus höchstens (i Mitglieder» gebildete Exckutivkomitec fast bindende Beschlüsse, tvclchc cs selbst zur Ausführung bringt. In der folgende» Debatte erklärt Herr Fabrikant Ticgmund Schwarz die Bildung dieser Organisation als überflüssig und schädlich, weil dadurch daß Trcn- «ende innerhalb der jüdischen Bevölkerung hcrvorgrkebrt tvird. Man möge im Gegenteil eine Vereinigung mit den anderen nicht deutsch-fortschrittlichen Teilen der jüdischen Bevölkerung suchen. — Es war erfreulich zu hören, daß ein Mann, der, tvie er selbst erklärte, nicht nur im Dienste der Kultusgcnreinde durch ztvei Jahrzehnte stand, sondern ihr Diener war, was er stolz hervorhcbt, die Kultusgcmeindc als die oberste Vcrtrctung der Interessen der Brünncr Judcnschast bczeichnet.'Vs ist dies deshalb erfreulich, Iveil in dcrsclden Versammlung einer der Redner die Kultusgcmcinde. unsere einzige offizielle Vertretung, als einen dlosic» Vcrivaltungskürpcr bezcichncte. Herr Sicgmund Königsgartcn ist für die Schafsung eines jüdischen Voltsratcs. In temperamentvoller Weise seht sich Herr Alfred Lüiv-Bccr für die Schaffung der Organisation ein nnd erhofft dadurch ein Zurückdrängcn des radikal-autiscmitischc» Elementes. Die weitere Debatte besteht aus lauter Unklarbeiten nnd Mitzvcrständnisscn und endet schliesslich mit der Wahl des Exekutivkomitees und des Beirates, nachdem vorher ein Teil der Versammlung — das Stimmcuverhältnis tvurde nicht konstatiert — die Hand für die Bildung der Organisation erhob. Im allgemeinen bestand wenig Interesse für diese Gründung und viele vcrlictzc» unbefriedigt die Versainmlung. Diese zeigte wieder einmal die gcringc politischc Schulung der Brunner 'Judcnschast und den Mangel einer führenden Persönlichkeit. vis beste yueiie für den Einkauf von liiiir HtmBnisilie ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Regiel Kleine Preisei Preislisten gratis und franko. Im Arreste zu Sitomir. Das Kreiogericht zu Sitomir Hut 21 jüdische Männer wegen jtoistischer und zionistischer Propaganda zu 5,- 20 Tagen Arrest verurteilt. -- Nicht von der Schrecke,lsherrsckjaft des Zarisinus sei hier die Rede, sondern von dein typischcn Zug der jüdischen Geschichte. Draußen tobt Rom vor den Mauern Jerusalems; drinnen weigert sich Zclotc, Sikarier und Pharisäer mitsammcu zu kämpfen. Erst die betten des Römers vermögen sic miteinander zu verbinden. Da ist eine Strömung, die den Fluch des Golns brechen will nnd für Atzasver ein Stück eigenen Boden schaffen will. O, die Wirklichkeit bietet genug Hindernisse zum Ucbcnvinden: aber nein, das abnormale Volk muß sich im Bestreben nach eincr Heimstätte in zwei Lager spalten, die sich einander verhöhnen und fliehen. Iw Arreste zu Sitomir, wohin sic unter einer gleichen Anklage gesteckt wurden, da müssen sic sich erkennen lcr- Das allgemeine israelitische Krankenhaus in Prag. 1p n IEnE-lSirjKi.C:XCT£M; mm Binnen fanni zwei Jahrzehnten ist aus dein Schutt des Prager mittelalterlich amnutenden Ghettos, der Joscsstadt, ein Stadtviertel mit modernen, elcgantcu und komfortablen ZinSpalästcn erstanden. Als cincs der letzten Wahrzeichen ragt hinter dem alten Weltbekannten Ghcttofricdhof das allg. öffentliche israclitische Krankenhaus aus, erdrückt von zwei Seiten durch die zuiiiindcst cs um zwei Stockwerke überragenden Neubauten. Auch seine Zeit hat sich erfüllt; die Affa- »icruiig fordert gebieterisch seine Demolierung, die in absehbarer Frist erfolgen muss. Kaum dass selbst Einheimische noch de» Weg zu ihm finden, Noch besteht das ehemalige Spitalgässchen (.Beim Friedhof"), dos von dcr.Hampasgassc zuin Krankcnhäuse führt. Durch dieses gelangt man längs der Friedhofsmauern zu», Spital, dessen Anblick mitten in der Pracht der Umgcbung Ivchmütig berührt. Die Stätte, Ivo durch Jahr- Hunderte Schmerzen gelindert, Krankheiten geheilt und Erlösung von .Ovalen gefunden wurde, sic ist selbst krank und mutz, wie auf de», Bilde ersichtlich ist, gcpölzt lvcrdcn. Wo sich das Hauptgebäude erhebt, bestand schon zu Anfaiig des 17. Jahrhunderts das von der Prager Jildcngcmeinde gctoidmcte, damals noch ebenerdige und bloss aus t, Betten ciiigcrichtctc isr. Krankenhaus zur Pflege armer kranker Juden, das aus den Ertragiiisscn der Mordcchai M c i s e l-Stistung erhalten wurde. Mit Glibcri.ialvcrordnnng vom 19. Juli 1792 wurden besondere Normen über die Kraiikciiaufnahmen für dieses Spital erlassen und behufs Hebung der Einkuiistc desselben bestimmt, dass die Synagoge und Pribatschulcn zum Teil ״och heute bestehende Jahrcsbciträge dem Spital zu leisten haben. Als im Jahre 1858 die Prager Kultusgcmciiide dargetan hatte, datz ׳ die Anstalt den Anforderungen cincs öffentlichen Kranken- Hauses entspricht, wurde ihr mit Ministcrialvcrorduuug vom 10. August 1859, bei Aiifrcchthaltuug der rituellen Kost, das Oeffcutlichkeitsrecht vcrlichcu mit der Verpflichtung, alle Heilbedürftigcn ohne Unterschied des Glaubens aufzuncbmcn. Trotz der räumlich beengten Anstalt wurde hier im Lause der Zeit Borzüglichcs geleistet, >vas schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Prof. Krombholz und de», Altstädtcr Phvsitus Dr. Stclzig anerkannt tvurde. Wie notivendig und beim Volk beliebt das Judenspital ״och heule ist, erhellt daraus, dass cs im Vorjahre einen Stand von 1811 Verpflegten aufwcist, von Ivclchcn 897 geheilt und 314 gebessert entlassen wurden; 73 (also nur 5 Prozent, starbei, und 57 bliebe״ in weiterer Pflege. Im März dieses Jahres gab es bei einem Bclcgranm von 90 Bette» immer 70 bis 79 Kranke. Seit Jahre» muhte die Prager Kultusgcmeindc daran denken, für das alte Spital, das der Dcmolicrung verfallen ist, einen Ersatz zu schassen; eine wahrlich nickt geringe Sorge bei de» zu geböte stehenden knappe,1 Geldmitteln. Es tvar eine glückliche Idee der Konsiliarärztc des Krankenhauses einen' Spitalbauvcrein ius Leben zu rufen, um durch Spende» und Sammlungen die Sache zu fördern. Einige für die leidendc Menschheit war», fühlende Männer der besten Prager Gesellschaft schloffen sich i hne» an, und so ist es de», Vereine, an dessen Spitze der hochherzige Grossindustrielle Kais. Rat Robert Fuchs Edler von Robetin sicht, (Sekretär Landesschulrat Dr. Kuh) gelungen, binnen süns Jahren eine solche Gcldsumnic anfzuhringc», die für die Inangriffnahme des Baues ״ölig ist. die dem alten Hause gewährte Gnadenfrist läuft aber bald ab, neue Räume inüssen für die Aufnahme der Kranken hcrgerichtet lvcrdcn, die bisherigen Mittel reichen aber nicht hin, um die mit dem Bau und der Einrichtung verbuiidcneii Kosten zu decken. Mildtätigc» jüdischen Herze» ist Gelegenheit gegeben, hier werktätig cinzugrcifc» und einen Baustein beizutragcn zu cincni Asyl der reinen Nächstenliebe. Dr. W. Klein. Jüdische Kaufleute, Reisende! meidet Lokale iu dcuen die ״Jüdische Bolksstimme" nicht aufliegt. Reiseeindrücke. Von Sicginuud Haber (Wien). II. Im Hafen von Dover erwartete uns der Chefredakteur der größten jüdischen Tageszeitung Englands ״Jcwish Journal" Mr. G. mit zwei Nedaktionsinitgliedern. Wir besetzten eine Abteilung erster Klasse in der ״South Eastern and Chatam Railway", in der sich außer mir, meinem Begleiter und den drei Redakteuren, auch Mr. Green samt Tochter cinfanden. Die ״South Eastern and Chatan, Railway Company" kommt mir vor wie die alten kleinstädtischen ״Balci Aqules" in Galizien, die Passagierc ״zum Bahn" und ״vom Bahn" bcfördertcn. Während alle englischen Bahngesellschäftet, nur den Verkehr im Innern Großbriianieiis befördern, hat oberwähnte Ctesellschaft den Zweck dem Fremdenverkehr nützlich׳ zu sein. In jedem anlangenden ״Steamer" schickt diese Gesellschaft zwei mächtige Züge aus, die den Zweck haben, die Gäste in die rauschende, kochende Stadt zu bringen. Kaum setzte sich unser Zug in Bewegung, da begann die Unterhaltung, anfangs in englischer Sprache, was allerdings einer, gewissen koiiiischcn Ansprich hakte. Juden sprechen untereinander über Juden und Judentum in englischer nnd dazu noch, keine Gruppe englischer Juden, sondern ein Russe, zwei Galizianer. ein Pole nnd ein Amerikaner. Ich erinnere mich nicht genau, aber mir scheint, daß es gerade die einzige echte Engländerin war. Miß Green, die uns auf dieses Komische aufmerksam machte. Wir alle senkten ״״- serc Augen zum Boden nieder, als ob wir bei einem Diebstähle oder mindestens einer Lüge crtapt wurden und das nächste Wort, daß aus ,unseren Lippen hervorkam war: ״kake gerecht" (es ist auch richtig) und dieses Wort. das in (er schönen jüdischen Sprache von einem englischsprechenden Russen gesagt wurde, gab uns Mut und Begeisterung, um unsere Debatte noch mit inehr Eifer und Wärme zu führen, wir fühlten uiis wie ״zu Hause" uud wenn nicht der intime Kreis unserer Gesellschaft würde ich glauben, daß ich auf eine,״ Diskusiionsvortragc bin. Unser Gespräch führte uns auf den Zionismns, auf die Universität in Jerusalem, den Sprachenkampf in Palästina usw. Dann spra- -7 MUtbritfrttoMarirti